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Jörg Auberg

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Paul Auster: Bloodbath Nation

Paul Auster, Bloodbath Nation (Rowohlt, 2024)

Paul Austers Vermächtnis Ein nahezu klassischer Essay über Waffengewalt von Jörg Auberg Im Juli 1945, als der Zwei­te Welt­krieg noch im vol­len Gan­ge war, kon­sta­tier­te der ita­lie­ni­sche Emi­grant Nic­coló Tuc­ci in der New Yor­ker pazi­fis­ti­schen Zeit­schrift Poli­tics: »Das Pro­blem ist nicht, wie man den Feind los­wird, son­dern eher, wie man den letz­ten Sie­ger los­wird. Denn was ist...

Aus den Archiven: Paul Auster — Travels in the Scriptorium

Der Mensch und die Texte Über Paul Auster und die Exerzitien der Literaturkritik von Jörg Auberg Wie der Intel­lek­tu­el­le es macht, macht er es falsch«, heißt es in Ador­nos Mini­ma Mora­lia. Der Schrift­stel­ler (im Sartre’schen Sin­ne sei­nem Wesen nach ein Intel­lek­tu­el­ler, dem es um die Mit­tei­lung des Nicht-Mit­teil­ba­ren »unter Aus­nut­zung des Anteils an Des­in­for­ma­ti­on...

Guy de Maupassant: Claire de Lune

Guy de Maupassant: Clair de Lune (Steidl, 2023)

Der Verlorene Guy de Mau­pas­sant und die Tor­tur der Seele von Jörg Auberg In Ray­mond Jeans Roman La Lec­tri­ce (1986, dt. Die Vor­le­se­rin) ver­sucht die arbeits­lo­se Ex-Stu­den­tin Marie-Con­s­tance1, mit der Grün­dung einer Ich-AG als Vor­le­se­rin in einer fran­zö­si­schen Klein­stadt sich zu eta­blie­ren. Ihr ehe­ma­li­ger Pro­fes­sor Roland emp­fiehlt ihr für ihr »Metier« die...

Christian Brückner: Hinab in den Maelström

Christian Brückner mit dem Martin Auer Quintett: Hinab in den Maelström (Argon Verlag, 2023)

Im Maul des Abgrunds Marginalien zum Erzählkonzert »Hinab in den Maelström« von Jörg Auberg Der Begriff des Fort­schritts ist in der Idee der Kata­stro­phe zu fun­die­ren. Daß es ›so wei­ter‹ geht, ist die Kata­stro­phe. Sie ist nicht das jeweils Bevor­ste­hen­de son­dern das jeweils Gegebene. Wal­ter Ben­ja­min1   In sei­nem Stan­dard­werk zur Erfah­rung der Moder­ni­tät im 19. und 20...

Richard Brautigan: Forellenfischen in Amerika

Richard Brautigan - Forellenfischen in Amerika

Trouvailles (I) Vom Spiel mit dem Buch als Buch Nachbetrachtungen zu Richard Brautigans Roman »Forellenfischen in Amerika« von Jörg Auberg Kürz­lich erstand ich in dem exqui­sit bestück­ten Ver­sand­an­ti­qua­ri­at Abend­stun­de, das von Wolf­gang Schä­fer in Lud­wigs­ha­fen betrie­ben wird, ein Exem­plar von Richard Brau­tig­ans Roman Forel­len­fi­schen in Ame­ri­ka, der 1971 in der...

Ernst Schoen: Tagebuch einer Deutschlandreise 1947

Ernst Schoen: Tagebuch einer Deutschlandreise

Unversöhnliche Erinnerungen Ernst Schoens Tagebuch einer Deutschlandreise 1947 von Jörg Auberg In einer mit dem Titel »Staats-Räson« über­schrie­be­nen Notiz kurz nach sei­ner Rück­kehr nach West­deutsch­land in den spä­ten 1940er Jah­ren umriss Max Hork­hei­mer das »ver­stärk­te Lei­den« jener Men­schen, »die schon zivi­li­siert waren und nun aufs neue durch die Müh­le müs­sen«1 Die­se...

Richard Ford: Valentinstag

Endstation Realismus Richard Fords Pentalogie über die Mittelschichtsdämmerung  von Jörg Auberg In sei­nem drei Jah­re vor sei­nem selbst­ge­wähl­ten Tod erschie­nen Essay Was wird Lite­ra­tur? im Jah­re 2001 hielt der Lite­ra­tur­kri­ti­ker Lothar Bai­er der zeit­ge­nös­si­schen Lite­ra­tur einen »quie­tis­ti­schen Bie­der­sinn« vor. »Kri­tik im Sinn fun­da­men­ta­ler, von ana­ly­ti­schem...

Marseille Transfer

Jean Malaquais: Planet ohne Visum (Büchergilde Gutenberg, 2023)

Marseille Transfer Im Labyrinth von Exil und Widerstand während der 1940er Jahre von Jörg Auberg Prolog Im Okto­ber 1970 schrieb Alfred Kan­to­ro­wicz zur Vor­ge­schich­te sei­nes Erin­ne­rungs­bu­ches Exil in Frank­reich: Merk­wür­dig­kei­ten und Denkwürdigkeiten: Die wun­der­li­chen Umstän­de, die mein Ent­kom­men aus dem besieg­ten Frank­reich nach den USA ermög­lich­ten, lie­gen jetzt 30...

Blick zurück nach vorn

Blick zurück nach vorn  Eine Bücherlese des zurückliegenden Jahres 2022  von Jörg Auberg The Beat Goes On u den ver­dienst­vol­len Unter­neh­mun­gen des Rowohlt-Ver­la­ges gehört die Pfle­ge des »klas­si­schen Erbes« im sonst vor­nehm­lich auf Pro­fit und Ren­di­te aus­ge­rich­te­ten Holtz­brinck-Kon­zern. Seit Jah­ren wer­den Wer­ke von Autoren, wel­che die »Mar­ke« Rowohlt...

Thomas Pynchon: Sterblichkeit und Erbarmen in Wien

Thomas Pynchon: Sterblichkeit und Erbarmen in Wien (Jung und Jung, 2022)

Seit Jahr­zehn­ten grü­beln Pyn­cho­no­lo­gen dar­über, war­um Tho­mas Pyn­chon die Kurz­ge­schich­te »Mor­ta­li­ty and Mer­cy in Vien­na«, die er er 22-jäh­ri­ger Stu­dent im Früh­jahr 1959 im Stu­den­ten­ma­ga­zin Epoch der Cor­nell Uni­ver­si­ty ver­öf­fent­lich­te, nie­mals für eine Repu­bli­ka­ti­on in Betracht zog. Für den im Jah­re 1984 her­aus­ge­ge­be­nen Band Slow Lear­ner (dt...

Die Masken des Genies

Thomas Mann und seine Familie am Strand (© Thomas-Mann-Archiv/ETH-Bibliothek Zürich)

Die Masken des Genies Thomas Manns Exiljahre in Princeton und Kalifornien von Jörg Auberg In sei­ner Apho­ris­men­samm­lung Mini­ma Mora­lia insis­tier­te Theo­dor W. Ador­no, dass jeder Intel­lek­tu­el­le in der Emi­gra­ti­on aus­nahms­los beschä­digt sei und sich per­ma­nent die­ser Beschä­di­gung bewusst sein müs­se. »Er lebt in einer Umwelt, die ihm unver­ständ­lich blei­ben muß, auch wenn er...

Tom Gauld: Revenge of the Librarians

Tom Gauld: Revenge of the Librarians

Tom Gauld returns with his wittiest and most trenchant collection of literary cartoons to date. Perfectly composed drawings are punctuated with the artist’s signature brand of humor, hitting high and low. After all, Gauld is just as comfortable taking jabs at Jane Eyre and Game of Thrones.

Bernd Eilert: Meine Île de Ré

Bernd Eilert: Meine Île de Ré (Mare Verlag, 2022)

Bretonisches Chill-Out Bernd Eilerts Hommage an die Île de Ré von Jörg Auberg Nach­dem ich die ers­te Hälf­te des Som­mers (mehr oder min­der) damit ver­bracht hat­te, durch den hart­nä­cki­gen Zita­ten­be­ton von Paul Aus­ters Ste­phen-Cra­ne-Bio­gra­fie In Flam­men mich zu boh­ren und das Name-Drop­ping-Pan­op­ti­kum von Colm Tói­bíns Tho­mas-Mann-Roman The Magi­ci­an zu ertra­gen, stieß...

Marcel Reich-Ranicki: Ein Leben, viele Rollen

Sylvia Asmus und Uwe Wittstock - Marcel Reich-Ranicki: Ein Leben, viele Rollen (Frankfurt/Main: Deutsches Exilarchiv 1933-1945/Deutsche Nationalbibliothek, 2022)

Der Grosse Zampano Marcel Reich-Ranickis Rollen in kritischen Zeiten von Jörg Auberg In der Lite­ra­tur­ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik nimmt Mar­cel Reich-Rani­cki die Rol­le des »mäch­ti­gen Lite­ra­tur­kri­ti­kers« ein, wie Hel­mut Böt­ti­ger in sei­ner per­sön­lich gehal­te­nen Lite­ra­tur­ge­schich­te der 1970er Jah­re unter­strich1. In der Retro­spek­ti­ve war er in den Augen von...

Die Politik der Rackets

Kai Lindemann - Die Politik der Rackets

Herrschaft oder Anarchie Kai Lin­de­mann durch­leuch­tet die Pra­xis der Rackets von Jörg Auberg Der Begriff »Racket« hat im gän­gi­gen Sprach­ge­brauch mitt­ler­wei­le eine Rei­he von Bedeu­tun­gen. In ers­ter Linie wird er mit dem Ten­nis­schlä­ger in Ver­bin­dung gebracht. Dar­über hin­aus bezeich­net er (unter ande­rem) eine Pro­gram­mier­spra­che, eine Social-Media-Audio-App (»Let’s Make a...

Peter Burschel: Die Herzog August Bibliothek

Peter Burschel: Die Herzog August Bibliothek (Insel, 2022)

Die Bibliothek zwischen Kultur und Barbarei Peter Burschels Geschichte der Herzog August Bibliothek In sei­ner Sozi­al­ge­schich­te des Wis­sens beschrieb Peter Bur­ke Gott­fried Wil­helm Leib­niz als die Inkar­na­ti­on eines Uni­ver­sal­ge­lehr­ten, der den Phi­lo­so­phen mit dem Biblio­the­kar in sich ver­ein­te. Als Biblio­the­kar der 1572 gegrün­de­ten Her­zog August Biblio­thek (HAB)...

Mordecai Richler — Eine Straße in Montreal

Mordecai Richler: Eine Straße in Montreal (ars vivendi, 2021)

Erinnerung und Befreiung Mordecai Richlers autobiografische Erzählungen über St. Urbain von Jörg Auberg   Das Mont­rea­ler Vier­tel um die St. Urbain Street war – dem kana­di­schen Film­re­gis­seur Ted Kotcheff zufol­ge – für Mor­de­cai Rich­ler das, was für Wil­liam Faul­k­ner Yokna­pa­taw­pha war: sei­ne Domä­ne der Erin­ne­rung und lite­ra­ri­schen Fik­ti­on.1 Hat­te er sich in sei­nem...

Defining the Age — Daniel Bell, His Time and Ours

Defining the Age: Daniel Bell, His Time and Ours (Columbia University Press, 2022)

Verloren und abtrünnig   Daniel Bells Lamento einer verblassten Geschichte von Jörg Auberg Der Sozi­al­wis­sen­schaft­ler Dani­el Bell (1919–2011) gilt als ein pro­to­ty­pi­scher Reprä­sen­tant der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len des 20. Jahr­hun­derts, der nicht nur den Weg von der »alten Lin­ken« in den 1930er Jah­ren zum Neo­kon­ser­va­tis­mus der Rea­gan-Ära beschritt, son­dern auch den...

Hommage an Cineaste

Cineaste: Ausgabe Frühjahr 2022 (47:2)

Kritik und Gegenöffentlichkeit Seit 1967 setzt die Zeitschrift Cineaste Massstäbe in der Filmpublizistik   von Jörg Auberg   »Kurz­um, der Film­kri­ti­ker von Rang ist nur als Gesell­schafts­kri­ti­ker denkbar.« Sieg­fried Kra­cau­er 1   Im Som­mer 1967 erschien die ers­te drei­ßig­sei­ti­ge Aus­ga­be der New Yor­ker Film­zeit­schrift Ciné­as­te (damals noch in der fran­zö­si­schen...

Philip Oltermann: The Stasi Poetry Circle

Der Club der roten Dichter Philip Oltermann erzählt die seltsame Geschichte eines Stasi-Poeten-Zirkels Wie aus grau­er Vor­zeit wabern die­se Wor­te in die Gegen­wart. »In einer Welt«, schrie­ben Max Hork­hei­mer und Theo­dor W. Ador­no 1950, »in der die Gedan­ken mehr als je in Zweck­zu­sam­men­hän­ge ver­floch­ten sind, genügt es nicht vom Frie­den zu reden. Man muß fra­gen, wer vom Frie­den...

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Jörg Auberg - Writer, critic, editor, publisher