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Oktober 2016 Posts

In memoriam Tom Hayden (1939–2016)

Tom Hayden im April 2016 (Quelle: Jay Godwin/Wikimedia.org)

Tom Hay­den im April 2016 (Quel­le: Jay Godwin/Wikimedia.org)

Tom Hay­den (1939–2016) sicher­te sich mit sei­ner maß­geb­li­chen Rol­le in der Grün­dungs­pha­se der Neu­en Lin­ken in den USA zu Beginn der 1960er Jah­re einen Platz in der jün­ge­ren Geschich­te. Vor allem sei­ne Auto­ren­schaft für das Port Huron State­ment, das viel­fach als »Mani­fest einer Gene­ra­ti­on« bezeich­net wird, mach­te ihn berühmt. In den tur­bu­len­ten »Six­ties« gehör­te er zu den »Pro­mi­nen­zen des Pro­tests« in den Bür­ger­rechts- und Anti­kriegs­be­we­gun­gen. In spä­te­ren Jah­ren wech­sel­te er als Par­tei­gän­ger der Demo­kra­ten in die Main­stream-Poli­tik. Zu Beginn der letz­ten Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten­kam­pa­gne stand er anfäng­lich auf Sei­ten Ber­nie San­ders‘, wen­de­te sich spä­ter jedoch dem Clin­ton-Lager zu, da ihm das San­ders-Pro­gramm in der Rea­li­tät nicht umsetz­bar erschien. Nach län­ge­rer Krank­heit starb er am 23. Okto­ber 2016.

Der fol­gen­de Text über Hay­dens Essay zum Werk C. Wright Mills‘ erschien erst­mals im Janu­ar 2007. Recht­schreib­feh­ler wur­den still­schwei­gend kor­ri­giert.

 

 

 

Noma­den und Out­laws

C. Wright Mills, Tom Hay­den und die Neue Lin­ke

Von Jörg Auberg

 

Drifter’s Escape

»Die Auf­er­ste­hung der Toten müß­te auf dem Auto­fried­hof statt­fin­den«, schrieb Theo­dor W. Ador­no in sei­nen »Auf­zeich­nun­gen zu Kaf­ka«. Heu­te jedoch redu­ziert sich die Auf­er­ste­hung banal auf die Exhu­mie­rung, und die­se fin­det auf dem Cam­pus statt. So wur­de im Janu­ar 2006 die US-ame­ri­ka­ni­sche Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ton SDS (Stu­dents for a Demo­cra­tic Socie­ty), die in den »Roaring Six­ties« eini­ge Zeit für Furo­re sorg­te, unter Mit­ar­beit ehe­ma­li­ger Sech­zi­ger-Akti­vis­ten aus dem Grab geholt, um der gegen­wär­ti­gen Stu­den­ten­ge­ne­ra­ti­on eine über­grei­fen­de poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on zu geben. Iro­ni­scher­wei­se fand zur glei­chen Zeit an der New Yor­ker Colum­bia Uni­ver­si­ty ein Work­shop zum The­ma »Radi­cal Poli­tics and the Ethics of Life« statt, der ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern der Stadt­gue­ril­la-Grup­pe Wea­ther­man ein Forum bot, die 1969 der ori­gi­na­len SDS-Orga­ni­sa­ti­on mit einem in einen sym­bo­li­schen Gewal­t­rausch abge­tauch­ten »Kriegs­rat« in Flint (Michi­gan) den Gar­aus berei­te­te. Mit Recht kri­ti­sier­te Jes­se Lemisch, ein ehe­ma­li­ges SDS-Mit­glied in den Jah­ren 1964 bis 1969 und mitt­ler­wei­le ein eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor der Geschich­te, in der lin­ken Zeit­schrift New Poli­tics, dass zwi­schen Neo-SDS und alten Wea­ther­man-Akti­vis­ten wie Ber­nar­di­ne Dohrn ein unkri­ti­sches, ahis­to­ri­sches Ver­hält­nis auf­ge­baut wur­de, in dem die »alten Kon­tro­ver­sen« der Ver­gan­gen­heit unter den Tisch gekehrt wur­den und selbst­er­nann­te »Anar­chis­ten« des Neo-SDS vor der mili­tan­ten Ver­gan­gen­heit der Wea­ther-Akti­vis­ten in ser­vi­ler Ehr­furcht erstarr­ten. Ein­sich­tig moniert Lemisch, dass eine lin­ke Orga­ni­sa­ti­on, wel­che inter­nes poli­ti­sches Strei­ten ledig­lich als »sek­tie­re­ri­sche Ver­leum­dung« begreift, unter einem schlech­ten Stern steht. Vor allem scheint ihr das Wis­sen um die Ver­gan­gen­heit zu feh­len.

 

Deso­la­ti­on Row

 

Tom Hayden: Radical Nomad (Paradigm, 2006)

Tom Hay­den: Radi­cal Nomad (Para­digm, 2006)

Um die Geschich­te vor den spek­ta­ku­lä­ren Ereig­nis­sen der spä­ten sech­zi­ger Jah­re und den Beginn der Hoff­nun­gen einer »Neu­en Lin­ken« noch ein­mal ins Gedächt­nis zu rufen, lohnt ein Blick in Tom Hay­dens Magis­ter­ar­beit Radi­cal Nomad über C. Wright Mills, die er 1963 abschloss, nach­dem er ein Jahr zuvor mit dem »Port Huron State­ment« das Grün­dungs­ma­ni­fest der ame­ri­ka­ni­schen »New Left« ver­fasst hat­te. Die­ser Text ist nicht allein aus his­to­ri­schen Grün­den inter­es­sant: Er ähnelt kaum heu­ti­gen aka­de­mi­schen Fleiß­ar­bei­ten mit über­bor­den­den Fuß­no­ten-und Biblio­gra­fie­ap­pa­ra­ten, in denen mehr refe­riert denn argu­men­tiert wird, son­dern stellt eher einen empha­tisch-kri­ti­schen, luzi­de geschrie­be­nen Essay über die intel­lek­tu­el­le Kar­rie­re Mills’ dar, der zwar kei­nes­wegs alle Aspek­te beleuch­tet, jedoch klar die Stär­ken und Schwä­chen die­ses Aus­nah­me-Sozio­lo­gen her­aus­stellt. Dar­über hin­aus beschränkt sich die­se Neu­ver­öf­fent­li­chung nicht allein auf den his­to­ri­schen Text, son­dern bet­tet ihn in die poli­ti­sche und sozia­le Erfah­rung der Lin­ken in den zurück­lie­gen­den vier­zig Jah­ren ein, die fort­wäh­rend regres­si­ven Schü­ben unter­lag. Der ehe­ma­li­ge SDS-Akti­vist Richard Flacks insis­tiert zu Recht, dass die Gesell­schafts­theo­rie häu­fig an der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät schei­ter­te. Die­ses Schei­tern muss jedoch nicht in Resi­gna­ti­on und Unter­wer­fung enden, son­dern kann zu einem Bewusst­sein füh­ren, dass Wis­sen sich immer neu an den Ver­hält­nis­sen abar­bei­ten muss und ein­fa­che, abrup­te Lösun­gen nicht ver­füg­bar sind.

Mills war in den frü­hen sech­zi­ger Jah­ren ein Bin­de­glied zwi­schen der tra­di­tio­nel­len Lin­ken und den neu­en Akti­vis­ten der auf­kei­men­den Bür­ger­rechts- und Stu­den­ten­be­we­gung, »ein ein­sa­mer und pro­phe­ti­scher Arbei­ter«, wie Tom Hay­den schrieb, »ein radi­ka­ler Noma­de«. Sowohl als Sozio­lo­gie­pro­fes­sor an der pres­ti­giö­sen Colum­bia-Uni­ver­si­tät als auch im Zir­kel der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len blieb er ein Außen­sei­ter, der den jewei­li­gen Sta­tus quo nicht akzep­tie­ren und mit der intel­lek­tu­el­len »Ein­bet­tung« in die Maschi­ne­rie des Kal­ten Krie­ges, die sei­ne ehe­ma­li­gen Weg­ge­fähr­ten Dwight Mac­do­nald und Irving Howe akzep­tier­ten, nicht sich abfin­den woll­te, jedoch nicht an den Grund­fes­ten der bür­ger­li­chen Insti­tu­tio­nen rüt­tel­te. Trotz aller Wider­sprüch­lich­kei­ten war Mills kei­nes­wegs – wie ihm Ange­hö­ri­ge des aka­de­mi­schen Esta­blish­ments vor­war­fen – ein heuch­le­ri­scher Poseur, der sich über die Büro­kra­ti­sie­rung des kul­tu­rel­len Appa­rats, den Kon­for­mis­mus inte­grier­ter Links­in­tel­lek­tu­el­ler und die Ver­wand­lung der öffent­li­chen Sphä­re in blo­ße Medi­en­märk­te auf­reg­te, wäh­rend er als Colum­bia-Pro­fes­sor von den Vor­zü­gen einer Eli­te­in­sti­tu­ti­on pro­fi­tier­te. Immer wie­der setz­te er sei­ne Repu­ta­ti­on als Sozio­lo­ge aufs Spiel, um als schrei­ben­der Intel­lek­tu­el­ler mit radi­ka­ler Gesell­schafts­kri­tik »aus dem sti­cki­gen Treib­haus des aka­de­mi­schen Lebens aus­zu­bre­chen« (wie John Dos Pas­sos in sei­ner Roman­tri­lo­gie USA über Mills’ Vor­gän­ger Thor­stein Veblen schrieb).

Mills beschränk­te sich nicht auf die Funk­ti­on des sozio­lo­gi­schen For­schungs­tech­ni­kers, der die gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen aus den Augen ver­lor, sich im Gemäu­er der Exper­ten und Spe­zia­lis­ten ver­schanz­te und den Jar­gon der ver­schwo­re­nen aka­de­mi­schen Gemein­schaft (den Mills — in Anleh­nung an Geor­ge Orwells »New­speak« – »Soc­speak« nann­te) plap­per­te, son­dern war Grenz­ver­let­zer. Mut­wil­lig über­schritt er sei­ne Kom­pe­tenz als Sozi­al­wis­sen­schaft­ler, als er die ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik der Ken­ne­dy-Admi­nis­tra­ti­on harsch kri­ti­sier­te und die kri­ti­sche Intel­li­genz für ein poli­ti­sches Pro­jekt unter dem Code­na­men »Neue Lin­ke« zu begeis­tern such­te, und unter­strich durch die­se »anma­ßen­de« Inter­ven­ti­on sei­ne Rol­le als Intel­lek­tu­el­ler, wie ihn Jean-Paul Sart­re defi­nier­te: Er über­schritt die Demar­ka­ti­ons­li­nie, »miss­brauch­te« sei­nen fach­li­chen Ruhm, den er sich als Autor sozio­lo­gi­scher Stan­dard­wer­ke erwor­ben hat­te, zur radi­ka­len Kri­tik der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft. Damit setz­te sich Mills nicht allein in Wider­spruch zur herr­schen­den Macht, son­dern auch zu ihren kri­ti­schen Erfül­lungs­ge­hil­fen, die Sart­re »fal­sche Intel­lek­tu­el­le« nann­te, da sie zwar vor­der­grün­dig die herr­schen­de Ideo­lo­gie in Fra­ge stell­ten, zugleich aber die radi­ka­le Kri­tik als Hil­fe­stel­lung für die feind­li­che Macht denun­zier­ten und zu intel­lek­tu­el­ler Beson­nen­heit auf­rie­fen. Mills wand­te sich sowohl gegen die »NATO-Intel­lek­tu­el­len«, die sich um den CIA-finan­zier­ten »Kon­gress für kul­tu­rel­le Frei­heit« schar­ten und die Ideo­lo­gie vom Ende der Ideo­lo­gie pro­pa­gier­ten, als auch gegen ortho­do­xe Mar­xis­ten mit ihrer Meta­phy­sik der Arbei­ter­klas­se in einem von der Geschich­te über­hol­ten Sze­na­rio des Staats­so­zia­lis­mus, obgleich er die kuba­ni­sche Revo­lu­ti­on gegen die US-ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik ver­tei­dig­te.

Allen Wid­rig­kei­ten zum Trotz ließ sich Mills sei­ne kri­ti­sche Fan­ta­sie nicht abkau­fen. Sei­ne »ame­ri­ka­ni­sche Tri­lo­gie« über die staat­lich inte­grier­te Arbei­ter­schaft, die Ange­stell­ten aus der Mit­tel­klas­se und die Macht­eli­ten in Öko­no­mie, Poli­tik und Mili­tär – The New Men of Power (1948), White Col­lar (1952) und The Power Eli­te (1956) – erin­ne­re ent­fernt, mein­te Chris­to­pher Lasch, an Dos Pas­sos’ USA-Tri­lo­gie: Auch Mills’ Werk war der Ver­such eines pan­or­ami­schen Poems, das unter die Ober­flä­che purer Daten und Fak­ten drang; eine ame­ri­ka­ni­sche Kri­tik Ame­ri­kas, der Kul­tur­in­dus­trie und der Macht­ap­pa­ra­te; die Suche nach dem Sub­jekt in der blind funk­tio­nie­ren­den sozia­len Maschi­ne­rie; das schwie­ri­ge Unter­fan­gen, einen ori­gi­nä­ren ame­ri­ka­ni­schen Radi­ka­lis­mus zu defi­nie­ren und zu begrün­den. Mills war – beob­ach­te­te Dan Wake­field – eine Art intel­lek­tu­el­ler Gats­by, der aus der texa­ni­schen Pro­vinz nach New York, in die Zita­del­le des Erfolgs, gekom­men war, wo er im grau­en, deso­la­ten Ter­rain auf die Aschen­res­te des »Deba­kels« der Lin­ken aus den 1930er Jah­ren stieß; aber er glaub­te auch an das grü­ne Licht der neu­en Welt, der orgi­as­ti­schen Zukunft, das immer wie­der ver­schwand und von Neu­em auf­tauch­te.

New Left Review - Nr. 5 (September-Oktober 1960)

New Left Review — Nr. 5 (Sep­tem­ber-Okto­ber 1960)

Auch in Zei­ten gesell­schaft­li­cher und geis­ti­ger Lethar­gie rück­te Mills nie von sei­ner Vor­stel­lung ab, dass der Intel­lek­tu­el­le ledig­lich an Stel­le der Ohn­mäch­ti­gen agier­te, dass er weder Die­ner der Macht noch Embryo einer neu­en Klas­se war, die sich zur neu­en Herr­schaft auf­schwang. Für Mills lief die Beschäf­ti­gung mit dem kul­tu­rel­len Appa­rat und den Intel­lek­tu­el­len auf die Rekon­struk­ti­on der demo­kra­ti­schen Öffent­lich­keit hin­aus: Die »jun­ge Intel­li­genz« der spä­ten 1950er Jah­re begriff er als ein­zi­ge radi­kal den­ken­de und han­deln­de Kraft, wäh­rend frü­he­re Bünd­nis­part­ner der lin­ken Intel­lek­tu­el­len – die Arbei­ter – zur Arriè­re­gar­de über­ge­lau­fen waren. Über die Gefah­ren und Unwäg­bar­kei­ten einer intel­lek­tu­el­len Avant­gar­de reflek­tier­te Mills kaum: In einer Zeit der oppo­si­tio­nel­len Apa­thie und der Ago­nie der Lin­ken ging es ihm dar­um, Anstö­ße für das Pro­jekt einer »Neu­en Lin­ken« zu geben, die apa­thi­schen Intel­lek­tu­el­len auf­zu­rüt­teln und die jun­gen Radi­ka­len zur neu­en Bewe­gung zu ermun­tern. Was danach kom­men könn­te, schien in wei­te Zukunft gerückt. »Das Zeit­al­ter der Selbst­ge­fäl­lig­keit geht zu Ende«, kon­sta­tier­te er 1960 in sei­nem Brief an die Neue Lin­ke in der Lon­do­ner Zeit­schrift New Left Review. »Lasst die alten Wei­ber sich klu­ge­wei­se über das ›Ende der Ideo­lo­gie‹ bekla­gen. Wir fan­gen an, uns neu zu bewe­gen.«

Zwar ana­ly­sier­te Mills die Mas­sen­ge­sell­schaft, Apa­thie und Kon­for­mi­tät scharf und sehn­te eine neue Lin­ke her­bei, doch zugleich blen­de­te er, moniert Hay­den mit Recht, die ent­ste­hen­de Bür­ger­rechts­be­we­gung, die zuneh­men­de Armut (wie sie der Sozia­list Micha­el Har­ring­ton 1962 in sei­nem Best­sel­ler The Other Ame­ri­ca beschrieb) und die Aus­wir­kun­gen des McCar­thy­is­mus aus sei­nen Über­le­gun­gen weit­ge­hend aus. Trotz aller Schwä­chen präg­te er wie kaum ein ande­rer Intel­lek­tu­el­ler die Grün­der­ge­ne­ra­ti­on der ame­ri­ka­ni­schen Neu­en Lin­ken, die aus sei­ner Inspi­ra­ti­on her­aus zu »Kul­tur­ar­bei­tern« wur­den, die zu Beginn der 1960er in den Süden des Lan­des gin­gen und sich an den Aktio­nen der Bür­ger­rechts­be­we­gung betei­lig­ten oder all­mäh­lich eine Wider­stands­be­we­gung gegen den Krieg in Süd­ost­asi­en for­mier­ten. Mills war, schreibt Richard Flacks, »roman­tisch opti­mis­tisch bezüg­lich des Auf­stiegs einer neu­en Gene­ra­ti­on radi­ka­ler Intel­lek­tu­el­ler und Akti­vis­ten«. Die Hoff­nung, dass sich eine neue Lin­ke dau­er­haft in der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft eta­blie­ren kön­ne, schei­ter­te an den Rea­li­tä­ten: sowohl an jenen der herr­schen­den Rackets als auch an den Unzu­läng­lich­kei­ten der oppo­si­tio­nel­len For­ma­tio­nen und indi­vi­du­el­len Akteu­re.

 

Like a Rol­ling Stone

 

Frei­lich greift es auch zu kurz, die »Roaring Six­ties« in eine Peri­ode der gro­ßen Hoff­nun­gen und in eine der gewalt­tä­ti­gen Ver­zweif­lung und Zer­stö­rung zu unter­tei­len, wie es Todd Git­lin, der ehe­ma­li­ge SDS-Vor­sit­zen­de der Sai­son 1963–64 und mitt­ler­wei­le ein Sozio­lo­gie­pro­fes­sor an der Colum­bia-Uni­ver­si­tät, in sei­nem auto­bio­gra­fisch-his­to­ri­schen Buch The Six­ties: Years of Hope, Days of Rage (1987) stil­bil­dend vor­führ­te. Zur his­to­ri­schen Rea­li­tät gehört die Erkennt­nis, dass SDS nicht über das insti­tu­tio­nel­le Frame­work ver­füg­te, um einer­seits eine par­ti­zi­pa­to­ri­sche Demo­kra­tie inner­halb der Orga­ni­sa­ti­on zu ermög­li­chen und ande­rer­seits die Mani­pu­la­ti­on des exis­tie­ren­den Appa­ra­tes durch pro­fes­sio­nel­le Kader zu ver­hin­dern. »Die Pro­mi­nen­zen des Pro­tes­tes sind Vir­tuo­sen der Geschäfts­ord­nun­gen und for­ma­len Pro­ze­du­ren«, bemerk­te Ador­no, und dies traf in den End­sech­zi­gern auf alle Appa­ra­te des west­li­chen neu­en Lin­ken zu.

In den USA ver­such­te der stu­den­ti­sche Able­ger der mao­is­ti­schen Par­tei Pro­gres­si­ve Labor mit einer pro­le­ta­ri­schen Aus­rich­tung Zugriff auf die Stu­den­ten­be­we­gung zu ergat­tern, wäh­rend sich die Gegen­kraft als (im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes) schlag­kräf­ti­ger Agent der revo­lu­tio­nä­ren Jugend­be­we­gung unter dem Namen RYM (Revo­lu­tio­na­ry Youth Move­ment) zu eta­blie­ren such­te. Im Kampf um das vor­geb­lich rich­ti­ge Akti­ons­pro­gramm ging schließ­lich die mili­tan­te Grup­pe »Wea­ther­man« (deren Name aus Bob Dylans »Sub­ter­ra­ne­an Home­sick Blues« ent­wen­det wur­de) als Sie­ge­rin her­vor: Sie besetz­te die Schalt­stel­len des SDS-Appa­ra­tes, um im Zuge zuneh­men­der Gewalt sowohl auf Sei­ten der staat­li­chen Orga­ne als auch der stu­den­ti­schen Mili­tan­ten die Orga­ni­sa­ti­on SDS zu zer­schla­gen, um in Gue­ril­la-Aktio­nen das Sys­tem ver­deckt anzu­grei­fen. Als bei einer ver­un­glück­ten Bom­ben­her­stel­lung in New York 1970 drei Wea­ther­man-Akti­vis­ten in den Tod gesprengt wur­den, ging die Grup­pe in den Unter­grund und bil­de­te bis Ende des Jahr­zehnts die Wea­ther Under­ground Orga­ni­za­ti­on (WUO), deren Akti­vi­tät sich auf sym­bo­li­sche Bom­ben­at­ten­ta­te als “Pro­pa­gan­da der Tat” und der Her­aus­ga­be revo­lu­tio­nä­rer Schrif­ten beschränk­te und die kei­ne Blut­spur wie ähn­li­che Unter­grund­or­ga­ni­sa­tio­nen in West­eu­ro­pa hin­ter­lie­ßen. Erst im Jah­re 1981, als eine Rei­he von WUO-Mit­glie­der auf­ge­taucht und sich den Behör­den gestellt hat­ten, betei­lig­ten sich Kathy Bou­din und David Gil­bert, die ihre poli­ti­sche Kar­rie­re in der Bür­ger­rechts­be­we­gung begon­nen hat­ten, zusam­men mit Akti­vis­ten der Black Libe­ra­ti­on Army an einem Über­fall auf einen Geld­trans­por­ter in Nyack (New York), bei dem drei Men­schen getö­tet wur­den. Wäh­rend Bou­din 2003 begna­digt wur­de, wird Gil­bert (obwohl ihm kei­ne akti­ve Betei­li­gung an den Tötun­gen nach­ge­wie­sen wer­den konn­te) bis zu sei­nem Lebens­en­de ein­ge­ker­kert blei­ben, da frü­hes­tens im Jah­re 2058 eine Haft­ent­las­sung bean­tragt wer­den kann.

 

The Times They Are A-Chan­gin’

 

Die Ereig­nis­se von Nyack koin­zi­dier­ten mit dem Tri­umph der kon­ser­va­ti­ven Rea­gan-Herr­schaft über das Ver­mächt­nis der anti­au­to­ri­tä­ren Revol­te der 1960er. Sym­pto­ma­tisch über­schrieb die neo­kon­ser­va­ti­ve Publi­zis­tin Midge Dec­ter in der Zeit­schrift Com­men­ta­ry ihren abgrund­tie­fen Ver­riss der Wea­ther­man-His­to­rie mit einem sym­bol­träch­ti­gen Dos­to­jew­ski-Titel (»Notes from the Ame­ri­can Under­ground«), womit nicht allein eine Linie vom Port-Huron-Mani­fest zur selbst­er­nann­ten Gue­ril­la gezo­gen, son­dern gene­rell die Lin­ke, zu der in frü­he­ren Deka­den auch ein­mal die New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len zähl­ten, in den Orkus ver­ab­schie­det wur­de. In der Defen­si­ve ver­such­ten ehe­ma­li­ge, mitt­ler­wei­le ins aka­de­mi­sche Esta­blish­ment inte­grier­te Akti­vis­ten der Neu­en Lin­ken, das Strand­gut der Revol­te in Sicher­heit zu brin­gen, wäh­rend Wea­ther­man nicht allein als »bogey­man« und Inkar­na­ti­on der »loo­ny left« öffent­lich ange­pran­gert, son­dern als Ver­ant­wort­li­cher für das Schei­tern der ame­ri­ka­ni­schen Neu­en Lin­ken dämo­ni­siert wur­de. So attes­tier­te der His­to­ri­ker und lang­jäh­ri­ge Her­aus­ge­ber der lin­ken Wochen­zei­tung In The­se Times James Wein­stein (1926–2005) in sei­nem Buch The Long Detour: The Histo­ry and Future of the Ame­ri­can Left (2003) den »Wea­ther­peop­le« einen Erfolg in der Zer­stö­rung der Hoff­nung auf eine demo­kra­ti­sche Lin­ke in den USA.

Auf der ande­ren Sei­te begann im Lau­fe der Jah­re eine Roman­ti­sie­rung der Unter­grund-Lin­ken, wobei zwei­fel­haf­te Kar­rie­ren und Prak­ti­ken inein­an­der grei­fen. In sei­nen Memoi­ren Fugi­ti­ve Days (2001) rekur­rier­te Bill Ayers, ein ehe­ma­li­ges WUO-Füh­rungs­mit­glied und inzwi­schen Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go, vor allem auf den machis­ti­schen und sexis­ti­schen Aktio­nis­mus der Revol­te, als die Ver­bren­nung von Büs­ten­hal­tern als Aus­druck eines poli­ti­schen Bewusst­seins galt. Lite­ra­risch in die Post­mo­der­ne ein­ge­wan­dert, erleb­ten depra­vier­te und dis­lo­zier­te Wea­ther­man-Inkar­na­tio­nen in Paul Aus­ters Levia­than (1992) mit sym­bo­li­schen Bom­ben­at­ten­ta­ten ihre Ein­wan­de­rung in den kul­tu­rel­len Main­stream.

Dan Berger: Outlaws of America (AK Press, 2006)

Dan Ber­ger: Out­laws of Ame­ri­ca (AK Press, 2006)

Dage­gen ver­sucht Dan Ber­ger in sei­nem Buch Out­laws of Ame­ri­ca die Geschich­te der Wea­ther­men von Beginn an neu zu erzäh­len, wobei der Titel irre­füh­rend ist. Er erin­nert an ein­schlä­gi­ge ame­ri­ka­ni­sche Geschich­ten wie Fritz Langs You live Only Once (1936) und zeigt an dem heim­li­chen Prot­ago­nis­ten Davild Gil­bert auf, wel­chen Weg ein lei­den­schaft­li­cher Revo­lu­tio­när — ohne je zuvor in kri­mi­nel­le Machen­schaf­ten ver­strickt zu sein – in den Ker­ker neh­men kann. Frei­lich ist Ber­ger – laut Ver­lags­aus­kunft ein »Autor, Akti­vist und Dok­to­rand« – kaum in der Lage, die his­to­ri­schen Debat­ten — etwa jene der »Theo­rie der neu­en Arbei­ter­klas­se« — in ihren grund­le­gen­den The­sen zu refe­rie­ren, noch ver­mag er zu erklä­ren, war­um Akti­vis­ten der Bür­ger­rechts­be­we­gung immer wei­ter den Weg in die Gewalt beschrit­ten. Anders als Todd Git­lin in sei­ner Stu­die der gegen­sei­ti­gen Beein­flus­sung von Mas­sen­me­di­en und der Neu­en Lin­ken (The Who­le World is Watching, 1980) nimmt Ber­ger nie­mals Bezug auf die dama­li­ge Kul­tur der Gewalt. Gene­rell schließt er grö­ße­re poli­ti­sche Frame­works aus und fokus­siert sei­ne Auf­merk­sam­keit auf die jewei­li­gen Per­so­nen sei­ner Wider­stands­ge­schich­te, wobei sei­ne Sym­pa­thi­en aus­ge­prägt bei Davild Gil­bert lie­gen. Dies ist der Belang des Autors, der – im Gegen­satz zu einer erwart­ba­ren Pro­fes­sio­na­li­tät – das Hohe­lied auf ein selbst­er­nann­tes Racket von »Berufs­re­vo­lu­tio­nä­ren« anstimmt, das mit sei­nem Pri­mat der mili­tan­ten Pra­xis wesent­lich zur intel­lek­tu­el­len Regres­si­on der Neu­en Lin­ken bei­trug. Iro­ni­scher­wei­se ende­te die Orga­ni­sa­ti­on in den spä­ten 1970er in jener Posi­ti­on, die sie in den End­sech­zi­gern atta­ckiert hat­te: Nun­mehr ent­deck­ten die Mili­tan­ten die mul­ti­na­tio­na­le Arbei­ter­klas­se und die Not­wen­dig­keit einer kom­mu­nis­ti­schen Par­tei. Die Iro­nie ent­geht Ber­ger frei­lich in sei­nem unin­spi­rier­ten Zusam­men­stop­peln von Inter­view- und Archiv­ma­te­ri­al.

Zu Recht wirft Lemisch Ber­ger vor, ein »zutiefst apo­lo­ge­ti­sches Werk« pro­du­ziert zu haben, das sich an der Gren­ze der Hagio­gra­fie bewegt. Obwohl mitt­ler­wei­le bereits eine klei­ne Biblio­thek der »Wea­ther­ma­no­lo­gy« exis­tiert, steht das Buch, das eine adäqua­te Inter­pre­ta­ti­on die­ser geschicht­li­chen Epi­so­de jen­seits von Dämo­ni­sie­rung und Ido­la­trie leis­te­te, noch aus. »Die Lin­ke ist wie­der tot«, kon­sta­tiert Hay­den; »die Lin­ke ist wie­der gebo­ren.« Aller­dings bedarf es eines kri­ti­schen Wis­sens um die ver­gan­ge­ne Geschich­te, damit die Lin­ke nicht wie­der so wie in der Ver­gan­gen­heit endet und ver­en­det.

 

Biblio­gra­fi­sche Anga­ben:

Tom Hay­den.
Radi­cal Nomad:
C. Wright Mills and his Times.

Mit Bei­trä­gen von Richard Flacks, Stan­ley Aro­no­witz und Charles Lemert.
Boul­der, CO: Para­digm Publishers, 2006.
226 Sei­ten, £ 28,99.

Dan Ber­ger.
Out­laws of Ame­ri­ca:
The Wea­ther Under­ground and the Poli­tics of Soli­da­ri­ty.

Oak­land, CA: AK Press, 2006.
432 Sei­ten, $ 20.

 

Zuerst erschie­nen in:  literaturkritik.de, 9:1 (Janu­ar 2007)

© Jörg Auberg

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Aus den Archiven: Der synthetische Denker

AchiveDer syn­the­ti­sche Den­ker

von Jörg Auberg

In sei­nem Buch »Taking It Big« unter­streicht Stan­ley Aro­no­witz die Aktua­li­tät des ame­ri­ka­ni­schen Sozi­al­phi­lo­so­phen C. Wright Mills auch ein hal­bes Jahr­hun­dert nach des­sen Tod und dis­ku­tiert das Kon­zept des poli­ti­schen Intel­lek­tu­el­len im Zeit­al­ter des aka­de­mi­schen Kon­for­mis­mus.

In der lin­ken Mytho­lo­gie nimmt C. Wright Mills einen expo­nier­ten Platz ein. Obgleich er zu den Nutz­nie­ßern jenes Pro­zes­ses gehör­te, den Phi­lip Rahv, der »Com­man­der in Chief« der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len, zu Beginn der 1950er Jah­re als »Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Intel­lek­tu­el­len« gei­ßel­te, und unmit­tel­bar nach dem Zwei­ten Welt­krieg eine Kar­rie­re in der sozio­lo­gi­schen Fakul­tät der Eli­te-Uni­ver­si­tät Colum­bia in New York ver­folg­te, haf­te­te ihm stets der Nim­bus des Auf­säs­si­gen, Rebel­len und Außen­sei­ters an. Typisch ist das Bild, das ihn in Leder­mon­tur auf einem BMW-Motor­rad durch die ame­ri­ka­ni­sche Land­schaft fah­rend zeig­te, womit er sein Image als »James Dean der lin­ken Sozio­lo­gie« (wie ihn Chris­to­pher Lasch ein­mal beschrieb) pfleg­te.

Stanley Aronowitz: Taking It Big (Columbia University Press, 2012)

Stan­ley Aro­no­witz: Taking It Big (Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 2012)

Für Stan­ley Aro­no­witz hat Mills auch nach mehr als einem hal­ben Jahr­hun­dert nach sei­nem Tod (im Jah­re 1962 starb er im Alter von 46 Jah­ren an den Fol­gen einer Herz­at­ta­cke) nichts von sei­ner Aktua­li­tät ver­lo­ren und reprä­sen­tiert den Typus des inte­gren »öffent­li­chen Intel­lek­tu­el­len« in den Ter­ri­to­ri­en des aka­de­misch-indus­tri­el­len Kom­ple­xes. Anders als Dani­el Geary in sei­ner intel­lek­tu­el­len Bio­gra­fie Radi­cal Ambi­ti­on: C. Wright Mills, the Left, and Ame­ri­can Soci­al Thought (2009) ana­ly­siert Aro­no­witz in sei­nem Buch Taking It Big Mills’ Wir­ken nicht aus einer his­to­ri­schen Per­spek­ti­ve, son­dern er ver­sucht in kri­ti­schen Refle­xio­nen, Mills’ Ana­ly­sen der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft auf die Gegen­wart anzu­wen­den. Aro­no­witz selbst ist ein Bei­spiel für die »Aka­de­mi­sie­rung der Intel­lek­tu­el­len« in der Nach­kriegs­zeit. 1933 gebo­ren, war er zunächst als Orga­ni­sa­tor in der Gewerk­schafts­be­we­gung aktiv, ehe er spä­ter als Sozio­lo­ge an der City Uni­ver­si­ty of New York lehr­te (CUNY) und 2002 als Kan­di­dat der Greens für das Amt des Gou­ver­neurs von New York kan­di­dier­te. Im Gegen­satz zu vie­len lin­ken Aka­de­mi­kern, die »erfolg­reich« den »Marsch durch die Insti­tu­tio­nen« absol­vier­ten, schim­mert bei Aro­no­witz – trotz aller insti­tu­tio­nel­len Ver­stri­ckun­gen – wei­ter­hin das unver­brüch­li­che intel­lek­tu­el­le Talent durch. Aber den­noch steht er – wie Rus­sell Jaco­by in sei­nem zor­ni­gen Abge­sang auf die »öffent­li­chen Intel­lek­tu­el­len« in der Tra­di­ti­on C. Wright Mills (The Last Intel­lec­tu­als, 1989) schrieb – »am Ende der Tra­di­ti­on urba­ner nicht­aka­de­mi­scher Intel­lek­tu­el­ler«.

Für Aro­no­witz lebt Mills als Pro­to­typ des »radi­ka­len Intel­lek­tu­el­len« fort. Gera­de in Zei­ten des Kon­for­mis­mus in den 1950er Jah­ren – als vie­le Intel­lek­tu­el­le den Radi­ka­lis­mus ihrer Jugend­zeit über Bord war­fen und sich den neu­en herr­schaft­li­chen Erfor­der­nis­sen anpass­ten – hielt er die Flam­me des oppo­si­tio­nel­len Geis­tes am Bren­nen und gab sie an eine neue Gene­ra­ti­on wei­ter­gab. Legen­där war sein Auf­ruf »Wir fan­gen an, uns neu zu bewe­gen«, den er zwei Jah­re vor sei­nem Tod in der New Left Review ver­öf­fent­lich­te und der von sei­nem Schü­ler Tom Hay­den bei der For­mu­lie­rung des Grün­dungs­ma­ni­fes­tes der Stu­dents for a Demo­cra­tic Socie­ty (SDS), dem »Port Huron State­ment« aus dem Jah­re 1962, wei­ter­ge­tra­gen wur­de. Für Aro­no­witz ist Mills ein »syn­the­ti­scher Den­ker«, der schein­bar dis­pa­ra­te Ide­en und Tra­di­tio­nen euro­päi­scher und ame­ri­ka­ni­scher Pro­ve­ni­enz (von Karl Marx, Max Weber und Karl Mann­heim über Thor­stein Veblen und John Dew­ey bis zu Georg Lukács, Max Hork­hei­mer und Theo­dor W. Ador­no) zu einem eige­nen stim­mi­gen Kon­strukt ver­band. Vor allem Mills’ Ana­ly­se der ame­ri­ka­ni­schen Macht­ver­hält­nis­se in The Power Eli­te (1956; dt. Die ame­ri­ka­ni­sche Eli­te) hat – wie Aro­no­witz ange­sichts der aktu­el­len poli­ti­schen Struk­tu­ren in den USA (jen­seits der irra­tio­na­len Oba­ma-Ido­la­trie) unter­streicht – eine unge­bro­che­ne Aktua­li­tät. Sym­pto­ma­tisch für die Stim­mig­keit der Kri­tik ist der Ver­riss des Buches im Wall Street Jour­nal, der dem »Occu­py Wall Street«-Aktivisten Aro­no­witz die Fähig­keit abspricht, die Rea­li­tät »kon­struk­tiv« zu begrei­fen.

Die Schwä­che des Buches besteht jedoch nicht im Auf­zei­gen der kon­kre­ten Macht­ver­hält­nis­se in den USA, die Orga­ne wie das Wall Street Jour­nal offen­bar gern ver­schlei­ern möch­ten, son­dern in den Dig­res­sio­nen der Erzäh­lung, in denen Mills als Prot­ago­nist aus dem Fokus des Gesche­hens ver­schwin­det, wäh­rend Aro­no­witz mit sei­nem Weit­win­kel­ob­jek­tiv über die aka­de­mi­schen Land­schaf­ten der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft schweift und sei­ne Haupt­fi­gur zum schwar­zen Par­ti­kel im Ter­ri­to­ri­um schrumpft. Letzt­lich ver­or­tet Aro­no­witz den poli­ti­schen Intel­lek­tu­el­len aus­schließ­lich im Umfeld des »uni­ver­si­tär-indus­tri­el­len« Kom­ple­xes, der den »kul­tu­rel­len Appa­rat«, den Mills kri­tisch betrach­tet hat­te, mit einer dicken schwar­zen Schicht über­zog. »Der poli­ti­sche Intel­lek­tu­el­le ist ein Den­ker, der im Schrei­ben, Spre­chen und Leh­ren unau­to­ri­sier­ter Ide­en fort­be­steht«, pos­tu­liert Aro­no­witz. Die Pro­ble­ma­tik die­ser Kon­zep­ti­on besteht frei­lich dar­in, dass er die intel­lek­tu­el­le Exis­tenz aus­schließ­lich in den Gren­zen der bestehen­den aka­de­mi­schen Insti­tu­tio­nen sieht, ohne ein »tran­szen­den­ta­les« oder »uto­pi­sches« Pro­jekt im Sin­ne Mills’ in Betracht zu zie­hen, das dem »radi­ka­len Intel­lek­tu­el­len« ein von Kapi­tal- und Racket-Inter­es­sen frei­es Ter­rain zusi­cher­te. Gewiss ist sich Aro­no­witz der Gefahr der Kor­rum­pie­rung durch die insti­tu­tio­nel­le Pra­xis bewusst. »Fast jeder jun­ge Intel­lek­tu­el­le, der sich dafür ent­schei­det, als Pro­fes­sor in einer ame­ri­ka­ni­schen Hoch­schu­le sei­nen Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten«, schreibt er, »sieht sich mit der Not­wen­dig­keit kon­fron­tiert, den Anfor­de­run­gen zu genü­gen, die von den Tra­di­tio­nen und den Regeln sei­ner gewähl­ten Fach­rich­tung und den Uni­ver­si­tä­ten dik­tiert wer­den.«

Mills selbst unter­strich – trotz der Ein­ge­bun­den­heit in die insti­tu­tio­nel­le Welt der aka­de­mi­schen Ivy-League-Welt – die Not­wen­dig­keit der Ein­heit poli­ti­scher Radi­ka­li­tät und sprach­li­cher Klar­heit und warn­te vor der aka­de­mi­schen Ver­wahr­lo­sung des intel­lek­tu­el­len Hand­werks. In sei­nem Buch The Socio­lo­gi­cal Ima­gi­na­ti­on (1959; dt. Kri­tik der sozio­lo­gi­schen Denk­wei­se) mahn­te er den »öffent­li­chen Gehalt« (die Stim­mig­keit von Form und Inhalt) im intel­lek­tu­el­len Dis­kurs an. In sei­ner har­schen, aber gerecht­fer­tig­ten Kri­tik der aka­de­mi­schen Pra­xis, wie sie sich in den 1950er Jah­ren – dem »Zeit­al­ter des Kon­for­mis­mus« (wie Irving Howe die­se Jah­re ein­mal tref­fend cha­rak­te­ri­sier­te) – eta­blier­te, stand Mills in der Tra­di­ti­on der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len, auch wenn er poli­tisch mit ihnen über Kreuz lag. »Im Lexi­kon der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len ist ›Aka­de­mi­ker‹ immer ein Ant­o­nym zu ›Intel­lek­tu­el­ler‹ gewe­sen«, kon­sta­tier­te Euge­ne Goodhe­art. »Die Zweit­klas­si­gen, die Mit­tel­mä­ßi­gen, die Pedan­ti­schen fin­den ihr Zuhau­se in den Fakul­tä­ten. Dem­ge­gen­über fühl­ten sich die New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len vom Leben in der gro­ßen Stadt, jen­seits der Mau­ern der Fakul­tä­ten, elek­tri­siert.« In die­sem Sin­ne agier­te Mills als intel­lek­tu­el­ler Gue­ril­le­ro in der aka­de­mi­schen Insti­tu­ti­on, wobei er jedoch in der heu­ti­gen Welt des aka­de­misch-tech­no­kra­ti­schen Milieus wie ein Relikt aus ver­gan­ge­ner Zeit erscheint, womit jedoch eher ein Urteil über die Arm­se­lig­keit der Gegen­wart gespro­chen ist. Letzt­lich blieb Mills auf­grund sei­nes frü­hen Todes ein Unvoll­ende­ter, der nie sein gro­ßes Pro­jekt – der Kri­tik des kul­tu­rel­len Appa­ra­tes – abschlie­ßen konn­te. Zugleich blieb ihm die voll­kom­me­ne Nie­der­la­ge sei­nes Agen­ten der Ver­än­de­rung – des kri­ti­schen Intel­lek­tu­el­len – in den aka­de­mi­schen und media­len Agen­tu­ren der Macht erspart.

Biblio­gra­fi­sche Anga­ben:

Stan­ley Aro­no­witz.
Taking It Big:
C. Wright Mills and the Making of Poli­ti­cal Intel­lec­tu­als.

New York: Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 2012.
276 Sei­ten, 32,50 US-Dol­lar.

Zuerst erschie­nen in:  satt.org  (April 2013)

© Jörg Auberg

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John Dos Passos: Manhattan Transfer

New Yor­ker Jere­mia­den

John Dos Pas­sos‘ klas­si­scher New-York-Roman Man­hat­tan Trans­fer liegt in einer Neu­über­set­zung auf Deutsch vor

 

Von Jörg Auberg

 

»New York was a con­ti­nent in its­elf.«

John Dos Pas­sos, The Best Times1

 

John Dos Pas­sos‘ New-York-Opus Man­hat­tan Trans­fer (1925) gehört neben Andrej Belys Peters­burg (1913), James Joy­ces Ulys­ses (1922) und Alfred Döblins Ber­lin Alex­an­der­platz (1929) zu den her­aus­ra­gen­den Groß­stadt­ro­ma­nen der Moder­ne. Doch anders als bei den die­sen Wer­ken ist die Stadt in Man­hat­tan Trans­fer nicht allein ein Schau­platz der Hand­lung, son­dern es ist eine urba­ne Maschi­ne­rie des indus­tri­el­len Kapi­ta­lis­mus, in der die zahl­rei­chen Figu­ren des Romans blo­ßes Mate­ri­al der gesell­schaft­li­chen und his­to­ri­schen Pro­zes­se in den Jah­ren zwi­schen 1900 und 1924 sind. Die Cha­rak­te­re agie­ren im Roman kaum, wer­den von der Nie­der­la­ge und der Ver­zweif­lung über­wäl­tigt, ekeln sich vor einer absto­ßen­den Urba­ni­tät, die sich in unan­ge­neh­men Tönen und Gerü­chen aus­drückt.

Max Weber: Rush Hour (1915)

Max Weber: Rush Hour (1915), Quel­le: WikiArt.org

In immer wie­der­keh­ren­den Jere­mia­den wird die Häss­lich­keit der Stadt unter der Herr­schaft des Indus­tria­lis­mus beklagt, wäh­rend alle der abs­trak­ten Obses­si­on der Stadt mit dem Erfolg fol­gen oder vor ihr flüch­ten. Lar­mo­yant merkt ein alter Mann an, die Stadt sei »nur für die Jun­gen und Star­ken« oder ein Bour­geois schäumt: »Die Stadt wim­melt von Juden und iri­schem Abschaum …«, um sich wenig spä­ter über die »Ban­de ver­damm­ter Aus­län­der« zu echauf­fie­ren.2 Zwar bezeich­ne­te Dos Pas­sos spä­ter Man­hat­tan Trans­fer als »Ver­such, das Leben einer Stadt auf­zu­zeich­nen«3, doch bleibt der Roman zumeist im pes­si­mis­ti­schen Mias­ma des Natu­ra­lis­mus gefan­gen, obgleich Dos Pas­sos von der »kubis­ti­schen Bar­ri­ka­de«4 den urba­nen Raum in all sei­nen Schat­tie­run­gen, Geschwin­dig­kei­ten, raschen Ver­än­de­run­gen und Dimen­sio­nen vom mäch­ti­gen Wol­ken­krat­zer bis zur rat­tern­den U-Bahn por­trä­tie­ren woll­te.

Als sich Leo Trotz­ki im Janu­ar 1917 kurz­zei­tig in New York auf­hielt, war er von »der mär­chen­haft pro­sai­schen Stadt des kapi­ta­lis­ti­schen Auto­ma­tis­mus« begeis­tert, »wo in den Stra­ßen die ästhe­ti­sche Theo­rie des Kubis­mus und in den Her­zen die sitt­li­che Phi­lo­so­phie des Dol­lars« herr­sche. »New York impo­niert mir, als der voll­kom­mens­te Aus­druck des Geis­tes der Gegen­warts­epo­che«, schwärm­te der rus­si­sche Emi­grant.5 Dos Pas­sos war dage­gen vom agra­ri­schen Demo­kra­tiei­de­al Tho­mas Jef­fer­sons geprägt und ein radi­ka­ler Kri­ti­ker des Indus­tria­lis­mus. Seit sei­nem Auf­ent­halt in Spa­ni­en 1917 betrach­te­te er die­ses dezen­tra­lis­tisch und indi­vi­dua­lis­tisch gepräg­te Land als Gegen­bild zum ent­fes­sel­ten US-Kapi­ta­lis­mus. Auch Pío Baro­jas Spa­ni­sche Tri­lo­gie wur­de für ihn zum Vor­bild sei­ner eige­nen USA-Tri­lo­gie (1930–36).6 So sah er in der Metro­po­le New York weni­ger als ein viel­schich­ti­ges Tableau der Mög­lich­kei­ten denn einen gefrä­ßi­gen, zer­stö­re­ri­schen Moloch und beschwor in apo­ka­lyp­ti­schen Pas­sa­gen den Ver­fall und Unter­gang in Ana­lo­gie zu Baby­lon und Nini­ve.

Ursprüng­lich war der Roman als die Geschich­te Ellen That­chers geplant, die – aus klein­bür­ger­li­chen Ver­hält­nis­sen kom­mend – durch ver­schie­de­ne Bezie­hun­gen in der Thea­ter- und Medi­en­sze­ne New Yorks reüs­sier­te und ihren gesell­schaft­li­chen Auf­stieg mit der Hei­rat des kar­rie­ris­ti­schen Anwal­tes Geor­ge Bald­win besie­gelt. Kon­tras­tiert soll­te dies mit dem all­mäh­li­chen Abstieg des Jour­na­lis­ten Jim­my Herf wer­den, der auto­bio­gra­fi­sche Züge Dos Pas­sos‘ trägt und am Ende die Stadt ver­lässt.7  Die­se Grund­idee ver­band Dos Pas­sos mit fil­mi­schen Tech­ni­ken, der Mon­ta­ge von Detail- und Pan­ora­ma­ein­stel­lun­gen, Groß- und Nah­auf­nah­men, der Ver­we­bung von Zei­tungs­tex­ten, popu­lä­ren Lie­dern und Groß­stadt­ge­räu­schen. Dos Pas­sos gab vor, ledig­lich als Auf­zeich­nungs­in­stru­ment zu agie­ren und sich jeg­li­cher Wer­tung zu ent­zie­hen, diver­se Figu­ren und Stim­men mit zahl­lo­sen Posi­tio­nen aus den poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Spek­tren in einem chro­no­lo­gi­schen Rei­gen zu prä­sen­tie­ren, aus dem der Leser selbst sei­ne Schlüs­se zie­hen sol­le. Zeit­ge­nös­si­sche Kri­ti­ker wie  Edmund Wil­son monier­ten jedoch, dass Dos Pas­sos die Kran­ken mit der Krank­heit ver­ur­tei­le; selbst wenn er ver­su­che, ein­zel­ne Cha­rak­te­re sym­pa­thisch erschei­nen zu las­sen, set­ze er sie noch her­ab.8 In Alfred Kazins Augen kaschier­te Dos Pas­sos mit der fla­cker­haf­ten Tech­nik ledig­lich die eige­ne Kon­fu­si­on und die feh­len­de gesell­schaft­li­che Ana­ly­se, die er spä­ter in der USA-Tri­lo­gie lie­fer­te. In die­sem »mit­tel­mä­ßi­gen, schwach geschrie­be­nen Buch« wer­de, kon­sta­tier­te Kazin in sei­nem Stan­dard­werk On Nati­ve Grounds (1942), die Stadt in einer Mons­tro­si­tät auf­ge­so­gen.9

Paul Strand: New York 1915. Quelle: WikiMedia.org

Paul Strand: New York 1915. Quel­le:  WikiMedia.org

Tat­säch­lich demons­triert Dos Pas­sos ein »ver­sier­tes up to date-Sein«10 (wie Theo­dor W. Ador­no es nann­te), doch fehlt dem Roman zum einen die selbst­kri­ti­sche Refle­xi­on des­sen, was er kri­ti­siert; zum ande­ren webt er am »Schlei­er der Per­so­na­li­sie­rung«11, den Dos Pas­sos in sim­pli­fi­zie­ren­der Wei­se über die öko­no­mi­sche Archi­tek­tur der Herr­schaft legt. Immer wie­der kon­tras­tiert er Arm und Reich in per­so­na­li­sier­ter Form: Auf der einen Sei­te ste­hen die ein­zel­nen und ver­ein­zel­ten Hun­ger­lei­der, Tramps und Pro­le­ten; auf der ande­ren die fet­ten Kapi­ta­lis­ten, die feis­ten Ban­kiers und die kor­rup­ten Poli­ti­ker, wäh­rend der Roman kei­ne Form fin­det, um die gesell­schaft­li­chen Wider­sprü­che inhalt­lich dar­zu­stel­len. Vie­les geht in der Anein­an­der­rei­hung von Situa­tio­nen über die blo­ße Zur­schau­stel­lung oder Behaup­tung nicht hin­aus: Jim­my Herf wird als Rebell gegen die herr­schen­den Zustän­de vor­ge­führt, doch bleibt sei­ne Reni­tenz kon­tur- und sub­stanz­los. Zwar wird er als »Bol­sche­wist« und Wob­b­ly (als Mit­glied der syn­di­ka­lis­ti­schen Gewerk­schaft Indus­tri­al Workers oft the World) bezeich­net; den­noch ver­harrt er bis zum bit­te­ren Ende in der Müh­le des von ihm ver­ach­te­ten Sys­tems. Ähn­lich ober­fläch­lich bleibt die Kri­tik der Mas­sen­kul­tur und der kom­mer­zi­el­len Pres­se, da sie nie in die Tie­fe der gesell­schaft­li­chen Pro­zes­se vor­dringt, son­dern in pla­ka­ti­ven State­ments sich erschöpft. Statt­des­sen wer­den die Figu­ren als will­fäh­ri­ge Opfer einer ver­füh­re­ri­schen Pres­se oder Rekla­me­in­dus­trie vor­ge­führt.

Indem sich Dos Pas­sos auf die Posi­ti­on des Chro­nis­ten zurück­zieht, repro­du­ziert er die vor­herr­schen­den Vor­ur­tei­le der New Yor­ker Gesell­schaft. Nicht allein in den Dia­lo­gen, son­dern  auch in den nar­ra­ti­ven Pas­sa­gen fin­den sich ras­sis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche und homo­pho­be Ste­reo­ty­pen, Aus­drü­cke wie »Nig­ger« oder »Juden­jun­ge mit der lan­gen Nase«, Beschrei­bun­gen von Homo­se­xu­el­len als psy­chisch Kran­ke, die ihre »Krank­heit« mit­tels einer psy­cho­ana­ly­ti­schen Behand­lung kurie­ren, um nicht län­ger als »Got­tes Feh­ler« gel­ten zu müs­sen.12 Unge­ach­tet sei­ner Kri­tik an den herr­schen­den Zustän­den in New York und den USA blieb Dos Pas­sos – wie Micha­el Den­ning in sei­ner gro­ßen Stu­die The Cul­tu­ral Front (1997) mit Recht bemerk­te – dem »Land der wei­ßen Män­ner« ver­pflich­tet.13

In Man­hat­tan Trans­fer ist der Erfolg weib­lich deno­tiert14; Ellen That­cher und ande­re weib­li­che Cha­rak­te­re orga­ni­sie­ren ihren Auf­stieg im urba­nen Ter­rain über die sexua­li­sier­te Ergat­te­rung des zir­ku­lie­ren­den Mehr­werts, wäh­rend sozia­le Abstei­ger wie Jim­my Herf ins Abseits gescho­ben wer­den, was der abge­half­ter­te Jour­na­list lar­mo­yant mit dem Satz »Frau­en sind wie Rat­ten – sie ver­las­sen ein sin­ken­des Schiff«15 kom­men­tiert. Das künst­le­ri­sche Dilem­ma von Man­hat­tan Trans­fer liegt vor allem in die­ser Figur, mit der sich Dos Pas­sos selbst zum teil­neh­men­den Akteur mach­te, wäh­rend er zugleich die Rol­le des Chro­nis­ten über­nahm und in die­ser klas­si­schen Ver­men­gung von Ver­ant­wort­lich­kei­ten das Gelin­gen des Pro­jekts tor­pe­dier­te. Oder mit den Wor­ten eines spä­te­ren Schrift­stel­ler­kol­le­gen: »Con­fu­si­on hath fuck his mas­ter­pie­ce«16. Tat­säch­lich oute­te sich Dos Pas­sos 1934 – auch wenn er das Bekennt­nis selbst­iro­nisch ver­pack­te – in einem Brief an Edmund Wil­son als »angel­säch­si­scher Chau­vi­nist«, bekann­te gegen­über dem Dra­ma­ti­ker John Howard Law­son, dass die rebel­li­sche Men­ta­li­tät New Yorks ein jüdi­scher euro­päi­scher Import sei oder bezeich­ne­te in einem Brief an Robert Cant­well Kuba­ner als »Läu­se«.17

John Dos Passos: Manhattan Transfer (Rowohlt, 2016)

John Dos Pas­sos: Man­hat­tan Trans­fer (Rowohlt, 2016)

Die nun von Dirk van Guns­te­ren ver­ant­wor­te­te Neu­über­set­zung glät­tet die »Spra­che des wei­ßen Man­nes« nicht. In der 1927 bei S. Fischer erschie­nen Erst­über­set­zung Paul Bau­dischs hat­te die »Ein­deut­schung« ste­reo­ty­per oder ras­sis­tisch deno­tier­ter phy­sio­gno­mi­scher Begrif­fe noch einen extre­me­ren Klang. In einem Inter­view the­ma­ti­siert van Guns­te­ren jedoch nicht die teil­wei­se ras­sis­ti­sche Spra­che, son­dern hält der Über­set­zung Bau­dischs (der in den 1930er Jah­re nach Öster­reich, Frank­reich und Schwe­den ins Exil ging) einen alt­vä­ter­li­chen Duk­tus vor, »der die­se Über­set­zung so furcht­bar ver­staubt wir­ken lässt und einem Werk die­ses Ran­ges nicht ange­mes­sen ist«. Für ihn ist Dos Pas­sos‘ Spra­che »über­aus modern«, wenn nicht gar »gera­de­zu zeit­ge­nös­sisch« (was immer dies hei­ßen soll).18 Wäh­rend er Bau­disch lexi­ka­li­sche Feh­ler und Irr­tü­mer vor­hält, fin­det er kei­ne adäqua­te Über­set­zung für Begrif­fe wie »upsta­te«, »down­town« oder »uptown«; das »cen­ter of things« wird in sei­ner Über­set­zung zum »wo was los ist«, und der Akzent deut­scher Immi­gran­ten geht in der Über­tra­gung gänz­lich ver­lo­ren, womit sich das Dik­tum Wal­ter Boeh­lichs »Über­set­zen ist unmög­lich«19 aufs Neue bewahr­hei­tet.

Da indus­tri­el­le Unter­neh­men kein Pro­dukt ohne Mar­ke­ting auf die Kon­su­men­ten los­las­sen, hat auch Rowohlt für die­se Neu­über­set­zung einen Autor mit aktu­el­lem Markt­wert beauf­tragt, das Publi­kum mit Plat­ti­tü­den aus dem Fun­dus des »Außen­sei­ter­tums der Ein­ge­weih­ten«20 (wie Ador­no die­se schein­bar kul­ti­vier­te Kol­la­bo­ra­ti­on mit den Erfor­der­nis­sen des Mark­tes nann­te) heim­zu­su­chen. Was Pen­gu­in Books in den 1980er Jah­ren bei der Repu­bli­ka­ti­on von Man­hat­tan Trans­fer mit Jay McI­ner­ney voll­zog, ahmt Rowohlt nun mit Cle­mens Mey­er nach. Zwar erfüllt des­sen Nach­wort »Dos Pas­sos und die Wild Bunch oder Die Erfin­dung der Moder­ne« ob sei­ner intel­lek­tu­el­len Dürf­tig­keit bes­ten­falls den Tat­be­stand der per­sön­li­chen Belei­di­gung des Lesers, doch ist dies von peri­phe­rer Bedeu­tung, da es nicht um Lite­ra­tur, son­dern um Ver­kauf geht. So bemüht Herr Mey­er allein auf der ers­ten Sei­te sei­nes »Nach­wor­tes« sie­ben­mal das Wort »Ich«, ohne dass er die Unver­schämt­heit sei­nes nar­ziss­ti­schen Exhi­bi­tio­nis­mus bemerkt.

»Bei vie­len Men­schen ist es bereits eine Unver­schämt­heit, wenn sie Ich sagen.« – Theo­dor W. Ador­no21

In den New Mas­ses lob­te Micha­el Gold 1926 Dos Pas­sos‘ Stadt­ro­man als »bar­ba­ri­sches Poem New Yorks«, des­sen zen­tra­ler Prot­ago­nist – Jim­my Herf – »vom ame­ri­ka­ni­schen Kom­merz gequält« sei.22 In der deut­schen Über­tra­gung leben ande­re Quäl­geis­ter fort.

 

Die Neu­über­set­zung war kein von Rowohlt initi­ier­tes Pro­jekt. Viel­mehr kam der Anstoß von dem öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­sen­der SWR, der eine zeit­ge­mä­ße Hör­spiel­ver­si­on von Man­hat­tan Trans­fer rea­li­sie­ren, dabei jedoch nicht auf die Über­set­zung Paul Bau­dischs zurück­grei­fen woll­te. So ent­wi­ckel­te sich die »Wie­der­ent­de­ckung« des Romans Man­hat­tan Trans­fer als Koope­ra­ti­on zwi­schen SWR, Rowohlt und Hör­buch Ham­burg in Form einer Ver­wer­tungs­ket­te, wobei Neu­über­set­zung, Hör­spiel­pro­duk­ti­on und CD-Edi­ti­on im Rah­men einer gene­ral­stabs­mä­ßi­gen Mar­ke­ting­ak­ti­on durch­ge­führt wur­den. Wäh­rend die Pro­du­zen­ten der Hör­spiel­ad­ap­ti­on jeg­li­che gesell­schaft­li­che und lite­ra­ri­sche Kri­tik des Romans igno­rie­ren, kapri­zie­ren sie sich auf die vor­geb­lich »post­mo­der­ne« Erzähl­wei­se und die »mul­ti­per­spek­ti­vi­sche Short-Cuts-Ästhe­tik« des Romans. »Cool­ness und sug­ges­ti­ve Bild­kraft prä­gen das Buch«, schreibt der SWR-Chef­dra­ma­turg Man­fred Hess über Man­hat­tan Trans­fer. »Vor allem bie­ten sich die span­nen­den dra­ma­ti­schen Sto­ries und die dia­lo­gi­schen Sze­nen für eine akus­ti­sche Umset­zung gera­de­zu an – als ob der Roman eine über meh­re­re Erzähl­strän­ge ver­lau­fen­de Net­flix-Serie wäre, die auf hohem Niveau dem Prin­zip des aus­schwei­fen­den Erzäh­lens folgt. Die­se Merk­ma­le ver­knüpft Dos Pas­sos mit dem radi­ka­len Kunst­an­spruch der lite­ra­ri­schen Avant­gar­de der 1920-er Moder­ne. Was will man mehr?«23

 

John Dos Passos: Manhattan Transfer (SWR/HörbuchHamburg, 2016)

John Dos Pas­sos: Man­hat­tan Trans­fer (SWR/HörbuchHamburg, 2016)

Für die Rea­li­sie­rung des Hör­spiels waren der renom­mier­te und viel­be­schäf­tig­te Hör­funk­re­gis­seur Leon­hard Kop­pel­mann und der Kom­po­nist Her­mann Kretz­sch­mar ver­ant­wort­lich. Anders als der Roman ver­sucht die­se Hör­spiel­fas­sung nicht, das Gesche­hen in gro­ßen Zeit­sprün­gen zu erzäh­len und einen Effekt der Simul­ta­ni­tät zu erzeu­gen. Zur bes­se­ren Ori­en­tie­rung der Hörer beschränk­ten sich Kop­pel­mann und sei­ne Mit­ar­bei­ter auf weni­ge Haupt­fi­gu­ren und zen­tra­le Hand­lungs­strän­ge. Infol­ge­des­sen fällt eine emble­ma­ti­sche Figur wie Joe Har­land, der aus den Höhen der Finanz­welt in die Nie­de­run­gen des Alko­ho­lis­mus und der Obdach­lo­sig­keit absteigt, der »Ver­dich­tung« zum Opfer.

Die aus Jazz und Neu­er Musik sich spei­sen­den musi­ka­li­schen Stü­cke, die das urba­ne Gesche­hen illus­trie­ren, ver­stär­ken den Effekt der hek­ti­schen Anein­an­der­rei­hung von Epi­so­den. In einer Kli­max wird das Schei­tern der Figu­ren in Form von Kon­for­mis­mus, Tod, Flucht oder Gefäng­nis­haft exem­pli­fi­ziert. Zwar konn­te die Hör­spiel­pro­duk­ti­on auf ein illus­tres Spre­cher­en­sem­ble zurück­grei­fen (zu dem Maren Eggert, Sophie Rois, Ulrich Noe­then, Imo­gen Kog­ge, Chris­ti­an Redl und ande­re gehör­ten). Auch klei­ne Rol­len wur­den mit schau­spie­le­ri­schen Grö­ßen wie Fried­helm Ptok und Wolf-Diet­rich Spren­ger besetzt. Den­noch drif­ten vor allem Sze­nen, die im Milieu der frü­hen Kul­tur­in­dus­trie spie­len, in über­dreh­ten, an zeit­ge­nös­si­sche Kli­schees der Fern­seh­welt ori­en­tier­ten Inter­pre­ta­tio­nen der Rol­len ab, und selbst ein ver­sier­ter Schau­spie­ler wie Axel Prahl, der mit Dutch Robert­s­on einen in die Kri­mi­na­li­tät abrut­schen­den Kriegs­heim­keh­rer dar­stellt, über­treibt mit eige­nen Manie­ris­men (das Kichern gehört eher zum Tat­ort-Kom­mis­sar Thiel als zu Dutch Robert­s­on). Dage­gen gelingt Ulrich Mat­thes in der Ver­kör­pe­rung des Oppor­tu­nis­ten Geor­ge Bald­win eine glän­zen­de und facet­ten­rei­che Dar­stel­lung des win­di­gen und skru­pel­lo­sen Kar­rie­ris­ten. Dies macht am Ende das Hör­spiel doch zu einem gro­ßen Erleb­nis.

 

Biblio­gra­phi­sche Anga­ben:

John Dos Pas­sos:
Man­hat­tan Trans­fer.

Aus dem Eng­li­schen von Dirk van Guns­te­ren.
Rowohlt, Rein­bek 2016.

544 Sei­ten, 24,95 Euro.

John Dos Pas­sos:
Man­hat­tan Trans­fer.

Aus dem Eng­li­schen von Dirk van Guns­te­ren.
Hör­spiel von Leon­hard Kop­pel­mann und Her­mann Kretz­sch­mar.
Pro­duk­ti­on: Süd­west­rund­funk (SWR) und Deutsch­land­ra­dio.
Ham­burg: Hör­buch­Ham­burg, 2016.
6 CDs, 340 Minu­ten, 20 Euro.

 

Eine kür­ze­re Fas­sung erschien in literaturkritik.de, Nr. 10 (Okto­ber 2016)

© Jörg Auberg 2016

Bildquellen



Max Weber — Rush Hour (1915): WikiArt.org

Paul Strand – New York 1915: WikiMedia.org

Covers: Rowohlt Ver­lag, Hör­buch­Ham­burg

 

Nachweise

  1. John Dos Pas­sos, The Best Times: An Infor­mal Memoir (Lon­don: And­re Deutsch, 1968), S. 132
  2. John Dos Pas­sos, Man­hat­tan Trans­fer, übers. Dirk van Guns­te­ren (Rein­bek: Rowohlt, 2016), S. 135
  3. John Dos Pas­sos, zitiert in: Lin­da W. Wag­ner, Dos Pas­sos: Artist as Ame­ri­can (Aus­tin: Uni­ver­si­ty of Texas Press, 1979), S. 49
  4. John Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­nal Pro­se, hg. Donald Pizer (Detroit: Way­ne Sta­te Uni­ver­si­ty Press, 1988), S. 134
  5. Leo Trotz­ki, Mein Leben: Ver­such einer Auto­bio­gra­fie, übers. Alex­an­dra Ramm (Ber­lin: S. Fischer, 1930), https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1929/leben/22-newyork.htm
  6. Cf. Jörg Auberg, »Das Ende der Stra­ße: John Dos Pas­sos und die spa­ni­sche Uto­pie«, Tran­via, Nr. 23 (Dezem­ber 1991):5–7
  7. Wag­ner, Dos Pas­sos: Artist as Ame­ri­can, S. 56
  8. Edmund Wil­son, »Dos Pas­sos and the Soci­al Revo­lu­ti­on« (1929), in: Wil­son, Litera­ry Essays and Reviews of the 1920s & 30s, hg. Lewis M. Dab­ney (New York: Libra­ry of Ame­ri­ca, 2007), S. 351
  9. Alfred Kazin, On Nati­ve Grounds: An Inter­pre­ta­ti­on of Modern Ame­ri­can Pro­se Lite­ra­tu­re (1942; rpt. New York: Har­court Brace, 1995), S. 349. Zur poli­ti­schen Ent­wick­lung Dos Pas­sos’ cf. Mel­vin Lands­berg, Dos Pas­sos’ Path to U.S.A.: A Poli­ti­cal Bio­gra­phy, 1912–1936 (Boul­der, CO: Colo­ra­do Asso­cia­ted Uni­ver­si­ty Press, 1972)
  10. Theo­dor W. Ador­no, Ästhe­ti­sche Theo­rie, hg. Gre­tel Ador­no und Rolf Tie­de­mann (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1973), S. 58
  11. Theo­dor W. Ador­no, »Enga­ge­ment« (1962), in: Ador­no, Noten zur Lite­ra­tur, hg. Rolf Tie­de­mann (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1981), S. 415
  12. Dos Pas­sos, Man­hat­tan Trans­fer, S. 54, 60, 497. Zur Ent­wick­lung der homo­se­xu­el­len Kul­tur in New York cf. Geor­ge Chaun­cey, Gay New York: Gen­der, Urban Cul­tu­re, and the Making of the Gay Male World, 1890–1940 (New York: Basic Books, 1994)
  13. Micha­el Den­ning, The Cul­tu­ral Front: The Labo­ring of Ame­ri­can Cul­tu­re in the Twen­tieth Cen­tu­ry (Lon­don: Ver­so, 1997), S. 196
  14. Robert C. Rosen, John Dos Pas­sos, Poli­tics and the Wri­ter (Lin­coln: Uni­ver­si­ty of Nebras­ka Press, 1981), S. 45; sie­he auch Janet Gal­liga­ni Casey, Dos Pas­sos and the Ideo­lo­gy of the Femi­ne (Cam­bridge: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 1998), S. 130
  15. Dos Pas­sos, Man­hat­tan Trans­fer, S. 496
  16. Wil­liam S. Bur­roughs, Naked Lunch: The Res­to­red Text, hg. James Grau­er­holz und Bar­ry Miles (New York: Gro­ve Press, 2001), S. 35
  17. The Four­te­enth Chro­ni­cle: Let­ters and Dia­ries of John Dos Pas­sos, hg. Town­send Lud­ding­ton (Bos­ton: Gam­bit, 1973), S. 460, 446, 451
  18. Man­fred Hess, »Dos Pas­sos’ Spra­che ist modern: Im Gespräch mit dem Über­set­zer Dirk van Guns­te­ren«, im Book­let zur Hör­spiel­ver­si­on von Manhat­tan Trans­fer (Ham­burg: Hör­buch­Ham­burg, 2016), S. 4–5
  19. Wal­ter Boeh­lich, Die Ant­wort ist das Unglück der Fra­ge: Aus­ge­wähl­te Schrif­ten, hg. Hel­mut Peitsch und Helen Thein (Frankfurt/Main: Fischer, 2011), S. 194
  20. Theo­dor W. Ador­no, Mini­ma Mora­lia: Refle­xio­nen aus dem beschä­dig­ten Leben (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1987), S. 277
  21. Ador­no, Mini­ma Mora­lia, S. 57
  22. Micha­el Gold, zitiert in: Town­send Lud­ding­ton, John Dos Pas­sos: A Twen­tieth-Cen­tu­ry Odys­sey (New York: Car­roll & Graf, 1980), S. 245
  23. Man­fred Hess, http://www.swr.de/swr2/hoerspiel-feature/manhattan-transfer-als-hoerspiel-in-swr2/manhattan-transfer-von-john-dos-passos-unterhaltung-und-avantgarde/-/id=661194/did=17410662/mpdid=17418326/nid=661194/hr32jj/index.html

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Christof Wackernagel: Verlogen, dumm und unverschämt

Leben im Kreis­ver­kehr

Chris­tof Wacker­na­gel legt unver­öf­fent­lich­te Tex­te zur Kul­tur­in­dus­trie und der RAF vor.

Von Jörg Auberg

 

 

I. In den ein­schlä­gi­gen His­to­rio­gra­fi­en des bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Ter­ro­ris­mus der 1970er Jah­re zählt Chris­tof Wacker­na­gel zu den minor cha­rac­ters einer über­hitz­ten Geschich­te, die von der Revol­te gegen einen auto­ri­tä­ren Staat in die Abgrün­de eines »Neo-Auto­ri­ta­ris­mus« führ­te. Obwohl er einer pro­mi­nen­ten Künst­ler­fa­mi­lie ent­stamm­te und früh als Schau­spie­ler in Fil­men von Johan­nes Schaaf und Micha­el Verhoeven reüs­sier­te, ver­ließ er den vor­ge­zeich­ne­ten Kar­rie­re­weg und schloss sich in den frü­hen 1970er Jah­ren der radi­ka­len Lin­ken an.

 

Dokumentation der RAF-Kassiber das info (Neuer Malik Verlag, 1987)

Doku­men­ta­ti­on der RAF-Kas­si­ber das info (Neu­er Malik Ver­lag, 1987)

Als »frei­er Mit­ar­bei­ter« in der Kanz­lei des Rechts­an­walts Klaus Crois­sant küm­mer­te er sich neben ande­ren um das info, einen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal von »authen­ti­schen« Zeug­nis­sen aus den Gefäng­nis­sen, in denen Ange­hö­ri­ge der Roten Armee Frak­ti­on (RAF) ein­sa­ßen.1 In die­sem Kon­text ging es nicht allein dar­um, eine »Gegen­öf­fent­lich­keit« zur herr­schen­den bür­ger­li­chen Öffent­lich­keit her­zu­stel­len, son­dern auch die lin­ke »Öffent­lich­keit« (sofern sie nach dem Zer­fall in kon­kur­rie­ren­de Orga­ni­sa­tio­nen über­haupt noch bestand) nach den Erfor­der­nis­sen des RAF-Rackets zu kon­for­mie­ren. So ver­such­te der Crois­sant-Zir­kel, die Publi­zie­rung des von Peter Brück­ner her­aus­ge­ge­be­nen Ban­des Ulri­ke Marie Mein­hof und die deut­schen Ver­hält­nis­se (1976) wegen »Abwei­chung« von der herr­schen­den RAF-Linie zu unter­bin­den.2 Offen­bar spiel­te Wacker­na­gel in die­ser Geschich­te eine unrühm­li­che Rol­le, in der »Crois­sant und Co« – wie es in einer gemein­sa­men Erklä­rung lin­ker Buch­lä­den hieß – »ein­deu­tig sta­li­nis­ti­sche Metho­den« anwand­ten3, um die Öffent­lich­keit im Sin­ne eines mili­tä­risch agie­ren­den leni­nis­ti­schen Rackets zu mani­pu­lie­ren. In einem Brief aus dem Jah­re 1986 erin­ner­te Wolf­gang Pohrt den pro­mi­nen­ten RAF-Häft­ling aus dem Kul­tur­mi­lieu an die­se Epi­so­de: »Dei­ne Zen­sor-Rol­le, als das Erschei­nen von Mein­hof-Tex­ten ver­hin­dert wer­den soll­te, ist bei Betei­lig­ten unver­ges­sen.«4

 

 

II. Als Wacker­na­gel schließ­lich 1977 in den Unter­grund der RAF abtauch­te, folg­te er dem auto­ri­tä­ren Mus­ter der selbst­er­nann­ten »Stadt­gue­ril­la« und ließ sich zum will­fäh­ri­gen »Befehls­emp­fän­ger« einer höhe­ren Gewalt funk­tio­na­li­sie­ren. Auf Wei­sung Bri­git­te Mohn­haupts wur­den er und sein Freund Gert Schnei­der im Novem­ber 1977 zur »Haupt­woh­nung« der RAF in den Nie­der­lan­den geschickt, die längst von der Poli­zei über­wacht wur­de. Im Feu­er­ge­fecht ver­letz­ten sie drei nie­der­län­di­sche Poli­zis­ten, und der Aus­flug über die nie­der­län­di­sche Gren­ze kos­te­te ihm meh­re­re Jah­re Haft.5 Im Jah­re 1980 wur­de Wacker­na­gel zu 15 Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt, kam aber bereits 1987 frei, nach­dem er sich 1983 von der RAF offi­zi­ell gelöst hat­te und Claus Pey­mann und ande­re Pro­mi­nen­te für sei­ne Haft­ent­las­sung ein­ge­setzt hat­ten.6

In der Zeit der Haft ent­deck­te Wacker­na­gel sei­ne schrift­stel­le­ri­sche Beru­fung. In einem Text aus dem Jah­re 1984 schrieb er: »Dia­lek­tik der Iso­la­ti­on: je mehr ich abge­schlos­sen war, des­to kla­rer wur­de mir, dass ich den­ken kann, was ich will, also schrei­ben, was ich will – im Geis­te bin ich der frei­es­te Mensch der Welt.«7 Im glei­chen Jahr ver­öf­fent­lich­te er im ehe­mals lin­ken Ver­lag Stroemfeld/Roter Stern den Erzähl­band Nad­ja. Hämisch erkor ihn Wolf­gang Pohrt neben Peter-Paul Zahl und Peter-Jür­gen Boock zum »dritte[n] Mann in der Run­de schrift­stel­lern­der RAF-Vete­ra­nen«8. Der lite­ra­ri­sche Erfolg woll­te sich nicht so recht ein­stel­len, sodass Wacker­na­gel nach sei­ner Haft­ent­las­sung wie­der ins Schau­spiel­fach wech­sel­te. Den­noch gab er das Schrei­ben nicht auf, auch wenn die Resul­ta­te in den Augen der Kri­tik eher mit­tel­mä­ßig waren. Sei­ner Novel­le Gad­ha­fi läßt bit­ten (2002) konn­te Heinz Lud­wig Arnold, der Begrün­der der Zeit­schrift Text + Kri­tik, wenig abge­win­nen. »Die­se unsäg­li­che Schmon­zet­te ist weder eine Novel­le noch eine Erzäh­lung«, echauf­fier­te er sich, »und der Schrift­stel­ler ist ganz offen­sicht­lich eine Rol­le, die nicht jedem Schau­spie­ler liegt.«9

 

 

Szenenfoto aus der Kommissar-Folge Doktor Meinhardts trauriges Ende (1970) [Quelle: 3Sat/http://www.kommissar-keller.de/]

Sze­nen­fo­to aus der Kom­mis­sar-Fol­ge Dok­tor Mein­hardts trau­ri­ges Ende (1970) [Quel­le: 3Sat/http://www.kommissar-keller.de/]

III. In sei­nem Buch Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt, das größ­ten­teils unver­öf­fent­lich­te Tex­te aus den Jah­ren von 1980 bis 2015 ver­sam­melt, beschreibt Wacker­na­gel iro­nisch die eige­ne per­sön­li­che Bio­gra­fie. Kurz bevor sich die RAF mit der Befrei­ung Andre­as Baa­ders im Som­mer erschuf, agier­te Wacker­na­gel in einer Epi­so­de der Kri­mi-Serie Der Kom­mis­sar, die von Her­bert Rei­ne­cker kon­zi­piert wor­den war, einem ehe­ma­li­gen NSDAP-Mit­glied, das sowohl für die HJ-Zei­tung Jun­ge Welt als auch die SS-Zeit­schrift Das schwar­ze Korps geschrie­ben hat­te.10 Jahr­zehn­te spä­ter agier­te er wie­der in »Schmon­zet­ten« der Kul­tur­in­dus­trie. Das Leben ver­lief im Kreis­ver­kehr: Nach »RAF-Mit­glied­schaft, Gefäng­nis, dm geschei­ter­ten Ver­such, den bewaff­ne­ten Kampf in der BRD mit Mar­xens ›Kapi­tal‹, Band I zu erklä­ren« war er schließ­lich »wie­der als TV-Seri­en­ko­mö­di­ant« tätig.11

Eine selbst­kri­ti­sche Refle­xi­on zu den unter­schied­li­chen Rol­len in den ver­schie­de­nen Vari­an­ten der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Kul­tur­ge­schich­te fin­det sich in die­sen Tex­ten aller­dings nicht. Eine Ver­lags­mit­tei­lung insi­nu­iert statt­des­sen eine media­le Ver­schwö­rung zur Unter­drü­ckung der Wahr­heit: »Die meis­ten Tex­te sind unver­öf­fent­licht, wenn sie auch diver­sen Medi­en ange­bo­ten wur­den – die Absa­gen gin­gen oft über die übli­chen Rou­ti­ne­for­mu­lie­run­gen hin­aus und waren gelin­de gesagt gefüh­lig. Es ist also über­fäl­lig, die­se unter­drück­ten Tex­te ver­füg­bar zu machen.«12

 

 

IV. Im Vor­wort for­mu­liert Wacker­na­gel eine grund­sätz­li­che Kri­tik der »Kul­tur­in­dus­trie«, ohne dass er den Ter­mi­nus kri­tisch oder his­to­risch reflek­tiert. Statt­des­sen ergeht er sich in abs­trak­ten ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Behaup­tun­gen. »Kul­tur­in­dus­trie ist Funk­ti­on der men­schen­ver­ach­ten­den Dik­ta­tur der Pro­fit­ma­xi­mie­rung«, dekla­miert er im Stil eines mis­sio­na­ri­schen Kaders aus den seli­gen 1970er Jah­ren, an dem die Dis­kus­sio­nen der ver­gan­ge­nen vier Jahr­zehn­te spur­los vor­über gegan­gen sind. »Sie kon­di­tio­niert die Men­schen, eine Poli­tik zu akzep­tie­ren, die über Lei­chen geht. Sie spie­gelt ein Leben vor, das alles Leben­di­ge abtö­tet.« 13 Bele­ge für sei­ne Theo­rie prä­sen­tiert Wacker­na­gel nicht; statt­des­sen chan­giert er in Pre­dig­ten zwi­schen Höl­le und Para­dies, Ver­damm­nis und Glück­se­lig­keit. Eine kon­kre­te Ana­ly­se der Herr­schafts­ver­hält­nis­se – weder in den letz­ten bei­den Jahr­zehn­ten der »alten« Bun­des­re­pu­blik noch in der Gegen­wart – fin­det nicht statt. Statt­des­sen wird über die »Kul­tur­in­dus­trie« schwa­dro­niert, die Wacker­na­gel als Wer­be­ab­tei­lung der Poli­tik« und als »Teil des Krie­ges« bezeich­net.14 Stets sind »die Men­schen« Opfer einer anony­men Maschi­ne­rie, die unter dem Namen »Kul­tur­in­dus­trie« fir­miert. Wel­che Akteu­re oder Kräf­te sie am Lau­fen hält, bleibt jedoch im Dun­kel.

Ohne­hin ist der Titel des Buches irre­füh­rend. Rea­li­ter geht es um das The­ma Gewalt, das für Wacker­na­gel auf­grund der eige­nen Bio­gra­fie trau­ma­ti­sche Dimen­sio­nen besitzt, die aus sei­ner Ver­gan­gen­heit als RAF-Famu­lus, als Expa­tria­te in Mali und als Akteur der deut­schen Kul­tur­in­dus­trie resul­tiert, die – so lau­tet Wacker­na­gels The­se – vor allem mit zuneh­mend bru­ta­le­ren Kri­mis ihren Bei­trag zur gesell­schaft­li­chen Habi­tua­li­sie­rung der Gewalt leis­te. Sen­de­rei­hen wie Tat­ort hät­ten eine »gna­den­lo­se Bru­ta­li­sie­rung des deut­schen Fern­se­hens in den letz­ten bei­den Jahr­zehn­ten« betrie­ben. »Per­ma­nen­te Gewalt­dar­stel­lung erzeugt Abstump­fung«, schluss­fol­gert er, und in sei­nen Augen ist der Mensch »ein nach­äf­fen­des Wesen«, das mit einer »atemberaubende[n] Eska­la­ti­on der Gewalt­dar­stel­lung« von Quen­tin Taran­ti­no bis zu Fil­men der Tat­ort-Rei­he zu immer neu­en Gewalt­ex­zes­sen sti­mu­liert wer­de.15

 

V. Hin­ter die­ser ein­di­men­sio­na­len Dis­kus­si­on der Gewalt lugt stän­dig die Ver­gan­gen­heit des Autors, der sich zu Beginn der 1970er Jah­re nicht dem Stru­del schein­bar revo­lu­tio­nä­rer »Gegen­ge­walt« im Kampf gegen die »fal­sche Herr­schaft« ent­zie­hen konn­te und in einer kopf­lo­sen Despe­ra­do-Akti­on bei­na­he zum Mör­der gewor­den wäre. Nicht erst mit Fil­men Quen­tin Taran­ti­nos begann im Kino eine Ästhe­tik der exzes­si­ven Gewalt. Gera­de in den spä­ten 1960er Jah­ren hat­ten Fil­me wie Bon­nie and Cly­de, The Wild Bunch, Die Schlacht von Algier, If … oder Il Mer­cen­a­rio Kon­junk­tur, die im Sin­ne des dama­li­gen Zeit­geis­tes Rebel­li­on und Wider­stand gegen die herr­schen­den Auto­ri­tä­ten mit Gewalt und Mili­tanz gleich­setz­ten. Emble­ma­tisch für die gewalt­ge­schwän­ger­te Stim­mung jener Jah­re war Stew Alberts Lob­prei­sung der Sam-Peck­in­pah-Pro­duk­ti­on The Wild Bunch, er sei ein »revo­lu­tio­nä­rer Film«, weil er zei­ge, dass man sich »eine Kano­ne schnap­pen« müs­se. Die übri­gen ideo­lo­gi­schen Kon­no­ta­tio­nen spiel­ten offen­bar kei­ne Rol­le.16

 

Christof Wackernagel. Verlogen, dumm und unverschämt (Oktober Verlag 2015)

Chris­tof Wacker­na­gel.
Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt (Okto­ber Ver­lag 2015)

Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der »kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung« der 1960er und 1970er Jah­re, als deren mili­tan­ter Arm die RAF zu agie­ren schien, fin­det bei Wacker­na­gel nicht statt. In sei­nen Tex­ten ver­kör­pert die »ori­gi­na­le« RAF eine gerech­te Rebel­li­on gegen die Ver­bre­chen der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft und die bis­her fun­da­men­tals­te Oppo­si­ti­on, wobei in der Kul­mi­na­ti­on des »Deut­schen Herbst« im Jah­re 1977 Hanns Mar­tin Schley­er als »Sym­bol der nicht über­wun­de­nen Nazi­zeit« ent­führt wur­de, ehe die »Stadt­gue­ril­la« die eige­nen Inten­tio­nen per­ver­tier­te und sich in einem Strom der Regres­si­on und Bewusst­lo­sig­keit ver­lor.17 Dass die RAF seit ihrer Grün­dung als auto­ri­tä­res Racket agier­te, ver­schweigt Wacker­na­gel in sei­ner fal­schen Heroi­sie­rung der »ori­gi­na­len« RAF. »Das Racket kennt kein Erbar­men mit dem Leben außer ihm, ein­zig das Gesetz der Selbst­er­hal­tung«18 Der Apostat ver­tei­digt trotz aller inhalt­li­chen Dif­fe­ren­zen immer wie­der das Racket. Dem Film Stamm­heim (1986) attes­tiert er die »Ästhe­tik eines Por­nos«, eines Gen­res, das »Ersatz­be­frie­di­gung für Ver­klemm­te« dar­stel­le. Auf der ande­ren Sei­te kri­ti­siert er Chris­ti­an Geiss­lers RAF-Roman kamal­at­ta (1988) für des­sen »Inner­lich­keits­ge­bro­del«, in dem sich das »Pathos des Abso­lu­ten« mit der selbst­ge­rech­ten deut­schen Tie­fe paar­te (wie Theo­dor W. Ador­no in sei­nem Vor­trag »Auf die Fra­ge: Was ist deutsch« die­se peren­nie­ren­de Mes­al­li­an­ce in den deut­schen Land­schaf­ten beschrieb19). Für Wacker­na­gel war Geiss­ler der »Durch­hal­te­pro­pa­gan­dist aus dem siche­ren Hin­ter­land«.20 Mit die­ser Kri­tik, die Geiss­ler-Fans als »Vor­ar­bei­ten« einer »anti­lin­ken« Kam­pa­gne galt, wur­de Wacker­na­gel als »ein frü­he­rer Gefan­ge­ner aus der RAF« von selbst­er­nann­ten Mund­stü­cken einer »radi­ka­len Lin­ken« exkom­mu­ni­ziert.21 In jenen Jah­ren wur­de die RAF noch als Voll­stre­cker einer »Gegen­macht« ver­herr­licht, ehe ihr spä­ter – nach ihrem orga­ni­sa­to­ri­schen Able­ben – in einem pro­to­ty­pi­schen Fall des gän­gi­gen Oppor­tu­nis­mus im Milieu des Jour­na­lis­mus Anti­se­mi­tis­mus und Natio­na­lis­mus nach­ge­wie­sen wur­de.22 Eine kri­ti­sche Ana­ly­se des bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Ter­ro­ris­mus, die auch eine Selbst­re­fle­xi­on der Schrei­ben­den ein­schlie­ßen müss­te, sucht man ver­geb­lich.

Das Pro­blem die­ses Ban­des ist die feh­len­de kon­zep­tio­nel­le und intel­lek­tu­el­le Struk­tur. Weder wird er einer Kri­tik der Kul­tur­in­dus­trie noch einer »Auf­ar­bei­tung der Ver­gan­gen­heit« im Sin­ne Ador­nos gerecht, um den Bann des Ver­gan­ge­nen zu bre­chen.23 Wacker­na­gels Buch ist nicht mehr als eine Samm­lung weit­ge­hend unver­öf­fent­lich­ter Tex­te aus den letz­ten 35 Jah­ren, die in Roh­form prä­sen­tiert wer­den. Die points of inter­sec­tion der Geschich­te muss sich der Leser selbst erschlie­ßen. Die eige­ne Ver­ant­wor­tung in den ver­schie­de­nen zeit­ge­schicht­li­chen Pro­zes­sen – sowohl als Mit­glied in lin­ken »Struk­tu­ren« der 1970er Jah­re als auch als Ange­stell­ter der Kul­tur­in­dus­trie – the­ma­ti­siert Wacker­na­gel zu kei­nem Zeit­punkt. Die­se Unfä­hig­keit zur kri­ti­schen Intro­spek­ti­on rui­niert schließ­lich auch die intel­lek­tu­el­le Auf­rich­tig­keit die­ses Buches.

 

Biblio­gra­phi­sche Anga­ben:

Chris­tof Wacker­na­gel.
Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt:
Kul­tur­in­dus­trie von 1977 bis heu­te.
Müns­ter: Okto­ber Ver­lag 2015.
218 Sei­ten, 17,90 EUR.

© Text: Jörg Auberg 2016
© Fotos: Archiv des Autors

Nachweise

  1. Cf. Pie­ter Bak­ker Schut, das info: Brie­fe der Gefan­ge­nen aus der RAF, 1973–1977 (Kiel: Neu­er Malik Ver­lag, 1987)
  2. cf. Buch­stäb­lich Wagen­bach, 50 Jah­re: Der unab­hän­gi­ge Ver­lag für wil­de Leser (Ber­lin: Wagen­bach, 2014), S. 65; Uwe Son­nen­berg, Von Marx zum Maul­wurf: Lin­ker Buch­han­del in West­deutsch­land in den 1970er Jah­ren (Göt­tin­gen: Wall­stein Ver­lag, 2016), S. 422–428
  3. Zitiert in: Son­nen­berg, Von Marx zum Maul­wurf, S. 425
  4. Wolf­gang Pohrt, Gewalt und Poli­tik: Aus­ge­wähl­te Reden & Schrif­ten, 1979–1993, hg. Klaus Bit­ter­mann (Ber­lin: Edi­ti­on Tiamat, 2010), S. 278
  5. Butz Peters, Töd­li­cher Irr­tum: Die Geschich­te der RAF (Frankfurt/Main: Fischer, 2007), S. 478–479
  6. Ulf G. Stu­ber­ger, Die Akte RAF: Taten und Moti­ve, Täter und Opfer (Mün­chen: Her­big, 2008), S. 292–293
  7. Kas­si­ber: Ver­bo­te­nes Schrei­ben (Mar­bach: Deut­sche Schil­ler­ge­sell­schaft, 2012), S. 194
  8. Pohrt, Gewalt und Poli­tik, S. 281. Dabei brach­te Pohrt eini­ges durch­ein­an­der: Zahl gehör­te, auch wenn die Ankla­ge ande­res behaup­te­te, nie­mals zur RAF.
  9. Heinz Lud­wig Arnold, »Besuch beim gro­ßen Inten­dan­ten«, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, 13. Mai 2002, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-besuch-beim-grossen-intendanten-162947.html
  10. Die Fol­ge Dok­tor Mein­hardts trau­ri­ges Ende wur­de 1969 gedreht und am 13. März 1970 aus­ge­strahlt. Quel­le: http://www.kommissar-keller.de/)
  11. Chris­tof Wacker­na­gel, Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt: Kul­tur­in­dus­trie von 1977 bis heu­te (Müns­ter: Okto­ber Ver­lag, 2015), S. 193
  12. Ver­lags­mit­tei­lung, 2. Novem­ber 2015
  13. Chris­tof Wacker­na­gel, Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt, S. 9
  14. Chris­tof Wacker­na­gel, Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt, S. 11
  15. Chris­tof Wacker­na­gel, Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt, S. 176, 195–196
  16. Todd Git­lin, The Who­le World is Watching: Mass Media in the Making and the Unma­king of the New Left (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1980), S. 201; Stew Albert (1939–2006) gehör­te zu den Grün­dern der Yip­pies und war Mit­her­aus­ge­ber der  Antho­lo­gie The Six­ties Papers (1984)
  17. Chris­tof Wacker­na­gel, Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt, S. 47, 103, 106
  18. Max Hork­hei­mer, »Die Rackets und der Geist«, in: Hork­hei­mer, Gesam­mel­te Schrif­ten, Band 12, hg. Gun­zelin Schmid Noerr (Frankfurt/Main: Fischer, 1985), S. 290
  19. Theo­dor W. Ador­no, Stich­wor­te: Kri­ti­sche Model­le 2 (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1969), S. 106, 112
  20. Chris­tof Wacker­na­gel, Ver­lo­gen, dumm und unver­schämt, S. 64; Wacker­na­gel argu­men­tiert in sei­nem Text ähn­lich wie Klaus Jün­sch­ke: cf. »›Begrei­fen, daß Krieg ist, und sich ent­schei­den‹: Klaus Jün­sch­ke über Chris­ti­an Geiss­lers Roman ›kamal­at­ta‹«, Der Spie­gel, Nr. 12 (1989), S. 234–242
  21. Oli­ver Tol­mein, »Ästhe­tik des Kamp­fes«, Kon­kret, Nr. 12 (1988), S. 14
  22. Wil­liam Wright, »Was hat der Deut­sche Herbst mit dem 11.9. zu tun? Wider die Ein­eb­nung des Oben-Unten-Gegen­sat­zes in Gesell­schafts­ana­ly­sen«, Gras­wur­zel­re­vo­lu­ti­on, Nr. 273 (Novem­ber 2002), http://www.graswurzel.net/273/herbst.shtml
  23. Theo­dor W. Ador­no, Ein­grif­fe: Neun kri­ti­sche Model­le (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1963), S. 146

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