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Kri­ti­ken
  • Steffen Kopetzky — Die HarzreiseStef­fen Kopetz­ky — Die Harz­rei­se8. August 2026Unter­wegs in der Zone Stef­fen Kopetz­ky auf den Spu­ren von Hein­rich Hei­ne im Harz  von Jörg Auberg In Tho­mas Pyn­chons Roman Gravity’s Rain­bow (1973) – der von Kritiker*innen gern als »exem­pla­ri­scher post­mo­der­ner Text« und als Ulys­ses des spä­ten 20. Jahr­hun­derts klas­si­fi­ziert wird1 – taucht der Ober­harz bei einem Über­flug von See­sen nach Gos­lar Rich­tung Lei­ne und Weser mit einem Ort »Claus­­thal-Zel­­t­er­feld« auf.2 (In der deut­schen Über­set­zung wur­de der Schreib­feh­ler still­schwei­gend kor­ri­giert.3)  Auf dem Weg zum Geis­ter­haus Stef­fen Kopetz­ky: Die Harz­rei­se: Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung (Rowohlt Ber­lin, 2026)In sei­nem Buch Die Harz­rei­se bewegt sich Stef­fen Kopetz­ky auf den Spu­ren Hein­rich Hei­nes (der als Göt­tin­ger Stu­dent 1824 aus gesund­heit­li­chen Grün­den auf eine »Fuß­rei­se« durch das nörd­lichs­te Mit­tel­ge­bir­ge Deutsch­lands auf­ge­bro­chen war) in dem geo­gra­fi­schen Raum des Har­zes, der bei Pyn­chon als »Zone« (der Schuld und Ver­stri­ckung) bezeich­net wird4) und freut sich – nach sei­nem Auf­bruch in Göt­tin­gen – auf »das mythisch schim­mern­de Claus­thal«.5 Wie sein Vor­gän­ger nimmt der neue Harz­rei­sen­de Quar­tier im Hotel »Gol­de­ne Kro­ne«, das sich aller­dings weni­ger »gol­den« denn etwas »aus­ge­stor­ben« aus­nimmt. Etwas despek­tier­lich nennt es Kopetz­ky ein »fein möblier­tes Geis­ter­haus«.6 In sei­nem Rei­se­be­richt Die Harz­rei­se (1826 in Buch­form im Ham­bur­ger Ver­lag Hoff­mann & Cam­pe erschie­nen) hielt Hei­ne detail­liert sein Mit­tags­mahl in der »Kro­ne« fest:   Hein­rich Hei­ne: Die Harz­rei­se (Fischer Klas­sik, 2010)In der »Kro­ne« zu Klaus­thal hielt ich Mit­tag. Ich bekam früh­lings­grü­ne Peter­si­li­en­sup­pe, veil­chen­blau­en Kohl, einen Kalbs­bra­ten, groß wie der Chim­bor­as­so in Minia­tur, so wie auch eine Art geräu­cher­ter Herin­ge, die Bückin­ge hei­ßen, nach dem Namen ihres Erfin­ders, Wil­helm Bücking, der 1447 gestor­ben, und um jener Erfin­dung wil­len von Karl V. so ver­ehrt wur­de, daß der­sel­be anno 1556 von Mid­del­burg nach Bievlied in See­land reis­te, bloß um dort das Grab die­ses gro­ßen Man­nes zu sehen. Wie herr­lich schmeckt doch solch ein Gericht, wenn man die his­to­ri­schen Noti­zen dazu weiß und es selbst ver­zehrt! Nur der Kaf­fee nach Tische wur­de mir ver­lei­det, indem sich ein jun­ger Mensch dis­kur­sie­rend zu mir setz­te und so ent­setz­lich schwa­dro­nier­te, daß die Milch auf dem Tische sau­er wur­de.7  Brief­kopf des Hotels zur »Gol­de­nen Kro­ne« in Claus­thal vor 1933Bereits in einer Schwarz-Weiß-Repor­­ta­­ge des NDR aus dem Jah­re 1961, die dem »Emi­gran­ten« und »bit­te­ren Spöt­ter« Hein­rich Hei­ne mit dem Bus­un­ter­neh­men Max Hei­ne bis zur »Zonen­gren­ze« folg­te, ist die Claus­tha­ler »Kro­ne« ein his­to­ri­scher Ort. »Schon vor 1933 kam es zu anti­se­mi­ti­schen Pöbe­lei­en, als jüdi­sche Gäs­te die ›Kro­ne‹ auf­such­ten«, heißt es im Film­kom­men­tar, »und im Drit­ten Reich ver­schwand die Erin­ne­rung an Hei­ne auch vom Brief­kopf des Hotels.«8 Hei­nes aktu­el­ler »Nach­gän­ger« hat in der »Kro­ne« jedoch noch weni­ger Glück mit dem Mit­tag­essen, da im Restau­rant gegen­wär­tig ledig­lich ein »köst­li­ches Früh­stück« ange­bo­ten wird9, sodass Kopetz­ky sei­nen Hun­ger aus­wärts stil­len muss, wo ihm die nächs­te Ent­täu­schung ent­ge­gen­schlägt: »Es gibt kein Claus­tha­ler in Claus­thal-Zel­ler­feld«10. Die Mar­ke »Claus­tha­ler« ist ein alko­hol­frei­es Bier, das 1979 von der Frank­fur­ter Bin­­ding-Brau­e­­rei auf den Markt gebracht wur­de, nach­dem sie ein Jahr zuvor die »Städ­ti­sche Braue­rei Claus­thal« über­nom­men und sofort geschlos­sen hat­te. Aus »Pro­test« oder »Ran­kü­ne« wird in Claus­­thal-Zel­­ler­­feld zwar »Alten­au­er«, »Flens­bur­ger« oder »Jever« aus­ge­schenkt – aber kein »Claus­tha­ler«. Logik des Ver­falls Bei sei­ner Exkur­si­on in die »Unter­stadt« Zel­ler­feld erkun­det er ein ver­rot­ten­des Ter­ri­to­ri­um, als wäre es ein Relikt aus der Zwi­schen­welt von T. S. Eli­ots Was­te Land und Samu­el Becketts End­ga­me – öde, kahl und ver­waist. »Jedes zwei­te Gebäu­de, Wohn­haus oder Geschäft steht leer«, beob­ach­tet Kopetz­ky. »Der Stra­ßen­zug wirkt ein­fach her­un­ter­ge­kom­men, Unkraut wächst, wo es nur kann.«11 Vor dem Auge des Rei­sen­den brei­tet sich der Ort in einem Mias­ma der Schmud­de­lig­keit aus, wie ein Resi­du­um aus einer ver­lo­re­nen und aus­ge­träum­ten Zeit oder eine kli­schee­haf­te Geis­ter­stadt aus einem Kin­­topp-Wes­­tern. An jeder Ecke könn­te die Zel­lu­­lo­id-Lei­che des alten Berg­manns im Ober­har­zer Berg­werks­mu­se­um aus dem NDR-Retro-Film Hein­rich Hei­ne – Die Harz­rei­se auf­tau­chen und in sei­nem »Claus­tha­ler Säch­sisch« (das Kopetz­ky als his­to­ri­sches Über­bleib­sel der erfah­re­nen Berg­leu­te aus dem säch­si­schen Erz­ge­bir­ge bezeich­net, die als »Ent­wick­lungs­hel­fer« in den Harz kamen12) über die »Vor­fah­ren« schwa­dro­nie­ren, aber nicht über die eige­ne jüngst zurück­lie­gen­de Ver­stri­ckung in die Bar­ba­rei (am Hirsch­ler Brink nahe Claus­­thal-Zel­­ler­­feld wur­den am 6. April 1945 elf KZ-Häf­t­­lin­­ge auf dem Todes­marsch durch den Harz erschos­sen)13. Rolf Denecke: Goe­thes Harz­rei­sen (Ver­lag August Lax, 1980)Die Beschrei­bung des Ver­falls kor­re­spon­diert mit einer NDR-Repor­­ta­­ge, die den bezeich­nen­den Titel Hei­mat Harz: Wer stoppt den Nie­der­gang? trägt: Dar­in beschreibt ein Repor­ter an Bei­spie­len ehe­mals »blü­hen­der« Orte wie Sankt Andre­as­berg oder Herz­berg den Harz (wie Kopetz­ky resü­miert) »als eine ster­ben­de Regi­on ohne Zukunft«.14 Ähn­li­che Beob­ach­tun­gen macht Kopetz­ky auf sei­ner wei­te­ren Wan­dung nach Gos­lar und Bad Harz­burg. Schon Hei­ne war mit gro­ßen Erwar­tun­gen nach Gos­lar auf­ge­bro­chen und ima­gi­nier­te eine »impo­san­te, statt­li­che Stadt«, doch fand er ledig­lich »ein Nest mit meis­tens schma­len, laby­rin­thisch krum­men Stra­ßen« vor, »all­wo mit­ten­durch ein klei­nes Was­ser, wahr­schein­lich die Gose, fließt, ver­fal­len und dump­fig, und ein Pflas­ter, so holp­rig wie Ber­li­ner Hexa­me­ter«.15 Auch Goe­the war von Gos­lar nicht über­mä­ßig begeis­tert. »Die Stadt ver­mo­dert in ihren Pri­vi­le­gi­en«, zitiert ihn der Harz-Exper­­te Gün­ter Auberg in sei­nem Gos­la­rer Rou­ten­füh­rer aus dem Jah­re 1980, um hin­zu­zu­fü­gen: »Käme er heu­te noch ein­mal in die­se Stadt, er wür­de sicher einen ganz ande­ren Ein­druck von der Stadt gewin­nen, die sich doch auch in ihrem Alt­stadt­be­reich sehr betrieb­sam zeigt.«16   Das Urteil über Gos­lar wäre bei Hei­ne, »der noch im Grab ein ras­sisch und poli­tisch Ver­folg­ter wur­de« (wie es im Kom­men­tar des NDR-Retro-Films heißt), um eini­ges ver­nich­ten­der aus­ge­fal­len, nach­dem die knapp fünf­zig Gos­la­rer Juden zwi­schen 1938 und 1943 ent­we­der schon in der Pogrom­nacht 1938 oder in den Ver­nich­tungs­la­gern The­re­si­en­stadt oder Ausch­witz ermor­det wor­den waren (den krank in sei­nem Bett lie­gen­den Gos­la­rer Kauf­mann Sel­mar Hoch­berg erschlug ein SA-Trupp in der Nacht zwi­schen dem 9. und 10. Novem­ber 1938 mit einem Schrau­ben­schlüs­sel).17 Wie schon im Ober­harz dia­gnos­ti­ziert Kopetz­ky in der Kur­stadt Bad Harz­burg eine »nos­t­al­­gisch-skur­ri­­le« Atmo­sphä­re, in der die »Kri­se des frü­he­ren west­li­chen Zonen­rands« deut­lich erkenn­bar sei, wobei jedoch das Kur­bad­pu­bli­kum im Harz stel­len­wei­se kaum weni­ger unsym­pa­thisch ist als der anti­se­mi­ti­sche Wut­bür­ger Wie­demann in Tho­mas Manns Zau­ber­berg. Die gut situ­ier­ten Gäs­te (in Per­son eines sport­li­chen Grau­barts) echauf­fie­ren sich über Euro­pa und flu­chen sich »durch das gro­ße Alpha­bet der Aus­län­der­feind­lich­keit«, um ihrer Wut mit »Radau an der Radau« (dem Fluss, an dem Bad Harz­burg liegt) Aus­druck zu ver­lei­hen. »Was mich am meis­ten befrem­de­te«, resü­miert Kopetz­ky die­se uner­freu­li­chen Begeg­nun­gen in Bad Harz­burg, »war die abso­lu­te Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der der Grau­bär­ti­ge üble Schimpf­wor­te aus­pack­te, als gehör­ten sie zum nor­ma­len Wort­schatz einer zufäl­li­gen Unter­hal­tung.«18 Der Preis des Fort­schritts Die Stär­ke des Buches liegt – neben der Schil­de­rung von Beschwer­nis­sen auf der Wan­de­rung (wie Erschöp­fung und schmer­zen­de Bla­sen an den Füßen) und Moment­auf­nah­men an den Orten der Rou­te – auch in den kri­ti­schen Bezü­gen zur Geschich­te und Öko­lo­gie der Regi­on. Wäh­rend in his­to­ri­schen Doku­men­ta­tio­nen oft ein sen­ti­men­ta­ler Ton über die Tra­di­ti­ons­pfle­ge der Berg­män­ner über­wiegt19, weist Kopetz­ky dar­auf hin, dass Berg­leu­te mit unge­wöhn­li­chen Pri­vi­le­gi­en aus­ge­stat­tet waren und »als eige­ne sozia­le Klas­se« sich durch die »Berg­frey­heit« von ande­ren Grup­pen wie Bau­ern und Hand­wer­kern ekla­tant unter­schie­den.20 Der Preis für die­se Pri­vi­le­gi­en war eine ver­deck­te mili­­tä­risch-hier­ar­chi­­sche Orga­ni­sa­ti­on »mit Offi­zie­ren, Unter­of­fi­zie­ren und Fuß­sol­da­ten, die dem strengs­ten Ver­hal­tens­ko­dex unter­wor­fen waren« und eine »Aus­beu­tungs­ge­mein­schaft« bil­de­ten. Die auto­ri­tä­re Durch­drin­gung des Har­zer All­tags­le­bens (»Glas­kla­re Befehls­ket­ten. Gere­gel­te Hoheit. Denn davon hing das Leben aller ab«, fasst Kopetz­ky die kul­tu­rel­le Orga­ni­sa­ti­on in der Berg­bau­re­gi­on zusam­men) erleich­ter­te auch den Tri­umph der NSDAP im Ober­harz: Bei der Reichs­tags­wahl im Juli 1932 erreich­te die Nazi-Par­­tei im Kreis Zel­ler­feld einen Stim­men­an­teil von 51,1 Pro­zent (1928 lag er noch bei 2,8 Pro­zent). 21 Zudem brach­te die­ses Sys­tem von Herr­schaft und Hier­ar­chie kom­ple­men­tär eine ruch­lo­se Unter­wer­fung und Aus­beu­tung der Natur her­vor. »Es ist eine her­ge­brach­te Vor­stel­lung, daß in gewis­sen Peri­oden nur vom Raub gelebt ward«, schrieb Hei­nes spä­te­rer Freund Karl Marx in Vor­stu­di­en zum Kapi­tal. »Um aber rau­ben zu kön­nen, muß etwas zu rau­ben da sein, also Pro­duk­ti­on. Und die Art des Raubs ist selbst wie­der durch die Art der Pro­duk­ti­on bestimmt.«22 Wie der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Hein­rich Dete­ring aus­führ­te, kam dem Holz als nach­wach­sen­dem »Roh­stoff für die Ener­gie­ge­win­nung im Berg­bau und den ihm ange­schlos­se­nen Indus­trie­an­la­gen« eine beson­de­re Bedeu­tung zu.23 Aus »Pro­duk­ti­ons­in­ter­es­sen« ent­wi­ckel­te sich im Harz eine Mono­kul­tur aus schnell nach­wach­sen­den Res­sour­cen, wel­che die Land­schaft anfäl­lig für die Destruk­ti­on durch Bor­ken­kä­fer mach­te. »Wegen des unge­heu­ren Bedarfs an Fich­ten­holz war der Harz schon vor Jahr­hun­der­ten lan­ge kein Natur­pa­ra­dies«, schreibt Kopetz­ky, »son­dern von Kahl­schlag und inten­si­ver Nut­zung geprägt. Als Hei­ne sei­ne Rei­se absol­vier­te, lag der Harz in wei­ten Tei­len baum­los und abge­ro­det, die Land­schaft sah dem heu­ti­gen durch Tro­cken­heit und Bor­ken­kä­fer gezeich­ne­ten Gebiet ver­blüf­fend ähn­lich!«24 Hei­ne im Harz (Hentrich & Hentrich, 2024)Bereits zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts hat­te Fried­rich Gott­schalck (unter dem Pseud­onym »Wil­hem Fer­di­nand Mül­ler«) in sei­nen »Strei­ferey­en in den Harz« (die in dem Begleit­band zur Aus­stel­lung Hei­ne im Harz aus den Jah­ren 2024–25 tran­skri­biert sind) die von »Wurm­trock­niß« heim­ge­such­ten Wal­dun­gen beschrie­ben. »Ueber­all ent­deck­te ich gro­ße ent­blöß­te, ganz nie­der­ge­haue­ne Stri­che«, schrieb er. »Trau­ri­ge Aus­sich­ten für unse­re Nach­kom­men.«25 Die Ver­wen­dung von Che­mi­ka­li­en wie Blei, Arsen und Schwe­fel im Betrieb der Poch­wer­ke und Sil­ber­hüt­ten im Ober­harz erin­ner­te ihn an das Bren­nen von Sodom und Gomor­ra, und über­all nahm er einen »gif­ti­gen Hauch« wahr, der das Gras ver­dor­ren und ver­öden ließ. Auf sei­nem Weg nach Claus­thal war Hei­ne einem Rei­sig suchen­den Jun­gen begeg­net, der über »Albi­nos« im Tal von Ler­bach, »dum­me Kropf­leu­te und wei­ße Moh­ren« sprach, die Gott­schalck bereits zwan­zig Jah­re zuvor mit einer lei­chen­ähn­lich wei­ßen Haut auf­ge­fal­len waren.26 »Wer ein Bild des mensch­li­chen Elends«, schrieb Gott­schalck in sei­nen Strei­ferey­en, »wer es sehen will, was der Mensch für Geld zu thun, zu wagen im Stan­de ist, für wel­chen Preis ihm Gesund­heit und Leben feil sind; der kom­me hier­her und sehe, sehe, wie die Men­schen glei­chen Gespens­tern umher­schlei­chen, wie sie gelähmt, abge­bleicht, ent­markt, mit hoh­len Augen und krumm gezerr­ten Gebei­nen vor dem glü­hen­den Ofen stehn, um sich ihr sie­ches Leben, das mit jedem Tag an Qua­len zunimmt, eini­gen Unter­halt zu ver­schaf­fen.« 27  Im Land der Eichen und des Stumpf­sinns Am Ende gelingt Kopetz­ky der Auf­stieg auf den Bro­cken, der zwar ein »Fas­zi­no­sum« dar­stellt, aber trotz allem »furcht­bar deutsch« ist. »Der Bro­cken ist ein Deut­scher«, schrieb Hei­ne. »Mit deut­scher Gründ­lich­keit zeigt er uns, klar und deut­lich, wie ein Rie­sen­pan­ora­ma, die vie­len hun­dert Städ­te, Städt­chen und Dör­fer, die meis­tens nörd­lich lie­gen, und rings­um alle Ber­ge, Wäl­der, Flüs­se, Flä­chen, unend­lich weit.«28 Nach dem Abstieg begeg­net Kopetz­ky in der mit mas­si­ven EU-Mit­­teln auf­ge­hübsch­ten Stadt Wer­ni­ge­ro­de mur­ren­den AfD-Anhänger*innen in beige­far­be­nen Rent­ner­blou­sons, die ihren Res­sen­ti­ments gegen Flücht­lin­ge und Migrant*innen frei­en Lauf las­sen. »Es war bis­lang alles so wun­der­bar in Wer­ni­ge­ro­de gewe­sen«, resü­miert Kopetz­ky, »aber das ist auch eine Rea­li­tät in die­ser Stadt, im Harz. In Deutsch­land. Ich möch­te weg. Es ist ja auch Zeit.«29 In der NDR-Repor­­ta­­ge Hei­mat Harz lässt der Repor­ter die Markt­pro­pa­gan­da des Geschäfts­füh­rers der Tou­ris­mus GmbH von Wer­ni­ge­ro­de vom »tou­ris­ti­schen Grund­rau­schen« und von den »gesam­ten Mischun­gen von Wer­ni­ge­ro­de« unkri­tisch ins Mikro­fon bla­sen – Haupt­sa­che, die Geschäf­te sind offen. Alles ist Ver­kauf. »In zehn, fünf­zehn Jah­ren, so viel ist gewiss, wird Deutsch­land«, schluss­fol­gert Kopetz­ky, »ein ande­res Land sein und der Wald im Harz neue Pracht ent­fal­tet, den Kli­ma­wan­del getrotzt haben, viel­leicht mit neu­en ande­ren Baum­ar­ten, sich anpas­sen­den Öko­sys­te­men.«30 Lud­wig Mar­cu­se: Hei­ne in Selbst­zeug­nis­sen (Rowohlt, 1960)Mög­li­cher­wei­se ist die­ses Deutsch­land am Ende noch brau­ner & blau­er als befürch­tet: Will­kom­men in der Zone der »Remi­gra­ti­on«. Oder noch­mals mit Hei­ne gespro­chen: »Alles, was deutsch ist, ist mir zuwi­der … Alles Deut­sche wirkt auf mich wie ein Brech­pul­ver.« Durch das »Land der Eichen und des Stumpf­sinns« wabert »das unse­li­ge Gewä­sche jener Pfen­nings­men­schen, die mit dem Deutsch­tum koket­tie­ren«.31 Die »Hei­mat Harz« ist offen­bar nicht nur baum‑, son­dern auch hirn­los. Der Nie­der­gang ist bereits Geschich­te. Biblio­gra­fi­sche Angaben:Stef­fen Kopetz­ky.Die Harz­rei­se.Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung.Ber­lin: Rowohlt Ber­lin, 2026.240 Sei­ten, 23 Euro.ISBN: 978–3‑7371–0256‑8.Elke-Vera Kotow­ski und Uwe Lag­a­tz (Hgg.).Hei­ne im Harz:Ent­de­ckun­gen am Ran­de einer legen­dä­ren Fuß­rei­se.Ber­lin: Hen­rich & Hentrich, 2024320 Sei­ten, 245 Abbil­dun­gen, 28 Euro.ISBN: 978–3‑95565–676‑8. Medi­en­quel­len Cover Stef­fen Kopetz­ky: Die Harz­rei­se© Rowohlt Ber­lin Cover Hein­rich Hei­ne: Die Harz­rei­se© Fischer Klas­sik Film Hein­rich Hei­ne — Die Harz­rei­se© NDR Brief­kopf Hotel zur »Gol­de­nen Kro­ne«© NDR (Screen­shot aus: Hein­rich Hei­ne — Die Harz­rei­se) Cover Goe­thes Harz­rei­sen© Ver­lag August Lax Cover Hei­ne im Harz© Hentrich & Hentrich Cover Hei­ne in Selbst­zeug­nis­sen© Rowohlt AnmerkungenMal­colm Brad­bu­ry und Richard Ruland, From Puri­ta­nism to Post­mo­der­nism: A Histo­ry of Ame­ri­can Lite­ra­tu­re (New York: Pen­gu­in, 1992), S. 391–392Tho­mas Pyn­chon, Gravity’s Rain­bow (New York: Pen­gu­in, 2006), S. 335; sie­he auch Pyn­chon Wiki, https://gravitys-rainbow.pynchonwiki.com/wiki/index.php?title=Pages_329-336 Tho­mas Pyn­chon, Die Enden der Para­bel, übers. Elfrie­de Jeli­nek und Tho­mas Piltz (Rein­bek: Rowohlt, 2015, eBook-Aus­­­ga­­be), S. 494Pyn­chon, Gravity’s Rain­bow, S. 434–435. Das Ober­berg­amt Claus­­thal-Zel­­ler­­feld war – bei­spiels­wei­se in Per­son des Ober­ber­grats Her­bert Den­nert – in die Orga­ni­sa­ti­on des KZ Mit­­tel­­bau-Dora ver­strickt. Zum Hin­ter­grund cf. https://moleskinblues.net/2016/06/25/jens-christian-wagner-produktion-des-todes/; und https://www.goslarsche.de/Nachrichten/Landesamt-bringt-Nazi-Vergangenheit-ans-Licht-526386.html Stef­fen Kopetz­ky, Die Harz­rei­se: Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung (Ber­lin: Rowohlt Ber­lin, 2026), S. 7Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 57Hein­rich Hei­ne, Die Harz­rei­se, Fischer Klas­sik Plus, eBook-Aus­­­ga­­be (Frankfurt/Main: Fischer, 2011), S. 12–13Nino Erné, Hein­rich Hei­ne – Die Harz­rei­se, NDR, 29.06.1961, https://www.ndr.de/geschichte/ndr_retro/Heinrich-Heine-Die-Harzreise,norddeutschegeschichten176.html https://www.goldenekrone-harz.de/restaurantKopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 53Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 58Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 66 »Am Abend des 5. April 1945 traf der Todes­marsch aus dem KZ-Außen­la­­ger Bruns­hau­sen in Claus­­thal-Zel­­ler­­feld ein. Die Häft­lin­ge wur­den in der St. Sal­­va­­to­ris-Kir­che in Zel­ler­feld ein­ge­pfercht. Sie lit­ten unter Durch­fall. Ihnen wur­de ver­bo­ten, die Kir­che zu ver­las­sen. So konn­ten sie ihre Not­durft nur im Gebäu­de ver­rich­ten. Am 6. April zog der Todes­marsch wei­ter in Rich­tung Braun­la­ge. Als Stra­fe für die Ver­schmut­zung der Kir­che ermor­de­ten die Wach­mann­schaf­ten hier am Hirsch­ler Brink elf Gefan­ge­ne. Sie wur­den an die­sem Ort von sowje­ti­schen Zwangs­ar­bei­tern aus dem nahen Werk Tan­ne begra­ben.« Quel­le: https://www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/Mediathek/Infotafel_Holzen_Low_Tafel_Hirschler_Brink_2026.pdf; sie­he auch Zwi­schen Harz und Hei­de: Todes­mär­sche und Räu­mungs­trans­por­te im April 1945, hg, Regi­ne Heu­baum und Jens-Chris­­ti­an Wag­ner (Göt­tin­gen: Wall­stein, 2015), S. 82)Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 89; https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndrstory/Heimat-Harz-Wer-stoppt-den-Niedergang,sendung1531420.html Hei­ne, Die Harz­rei­se, S. 20 Gün­ter Auberg, Rund­we­ge Gos­lar (Bam­berg: Baye­ri­sche Ver­lags­an­stalt, 1980), S. 65–66; sie­he auch Rolf Denecke, Goe­thes Harz­rei­sen (Hil­des­heim: Ver­lag August Lax, 1980), S. 38–42, 121–126 Hans Donald Cra­mer, Das Schick­sal der Gos­la­rer Juden 1933–45: Eine Doku­men­ta­ti­on (Gos­lar: Selbst­ver­lag des Geschichts- und Hei­mat­schutz­ver­eins Gos­lar, 1986), S. 62, 91Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 107, 108, 111, 112 Cf. https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/goldrausch-im-harz-1521-bergbau-veraendert-die-landschaft,harzbergbau102.html; Ste­fan Radüg, »Wie der Berg­bau den Harz ver­än­der­te«, NDR 2021, https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL25kci5kZS8xNDYxXzIwMjEtMTEtMjAtMTItMDA Zu den Berg­frei­hei­ten im Ober­harz cf. Rai­mund Wille­cke, »Die Berg­frei­hei­ten des Ober­har­zes und die Ent­ste­hung der sie­ben Berg­städ­te«, https://www.bergbaumuseum.de/fileadmin/forschung/zeitschriften/der-anschnitt/1983/1983–02/anschnitt‑2–1983-willecke-bergfreiheiten.pdf Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 66–68; Clau­dia Küp­­per-Eichers, »Vom Mon­tan­re­vier zum Rüs­tungs­stand­ort: Ober­har­zer Per­spek­ti­ven in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts«, https://www.bergbaumuseum.de/fileadmin/forschung/zeitschriften/der-anschnitt/2006/2006–4‑5/anschnitt‑4–5‑2006-kuepper-eichas-montanrevier.pdf, S. 222 Karl Marx, »Ein­lei­tung [zu den ›Grund­ris­sen der poli­ti­schen Öko­no­mie‹]«, in: MEW, Bd. 42 (Ber­lin: Karl Dietz Ver­lag, ³2015), S. 33Hein­rich Dete­ring, Die Revol­te der Erde: Karl Marx und die Öko­lo­gie (Göt­tin­gen: Wall­stein, 2025), S. 25Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 64 Wil­helm Fer­di­nand Mül­ler (d. i. Fried­rich Gott­schalck ), »Mei­ne Strei­ferey­en in den Harz und in eini­ge sei­ner umlie­gen­den Gegen­den«, Tran­skrip­ti­on, in: Hei­ne im Harz: Ent­de­ckun­gen am Ran­de einer legen­dä­ren Fuß­rei­se, hg. Elke-Vera Kotow­ski und Uwe Lag­a­tz (Ber­lin: Hentrich & Hentrich, 2024), S. 205 Hei­ne, Die Harz­rei­se, S. 12; Wil­helm Fer­di­nand Mül­ler, »Mei­ne Strei­ferey­en in den Harz und in eini­ge sei­ner umlie­gen­den Gegen­den«, S. 208 Wil­helm Fer­di­nand Mül­ler, »Mei­ne Strei­ferey­en in den Harz und in eini­ge sei­ner umlie­gen­den Gegen­den«, S. 192 Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 137; Hei­ne, Die Harz­rei­se, S. 36Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 185Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 236 Hei­ne, zitiert in: Lud­wig Mar­cu­se, Hei­ne in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten (Rein­bek: Rowohlt, 1960), S. 70 […]
  • Funken der HoffnungFun­ken der Hoff­nung29. Juli 2026Fun­ken der Hoff­nung Lite­ra­tur und Poli­tik im Zeit­al­ter des Faschis­mus von Jörg Auberg Syl­via Beach, Shake­speare and Com­pa­ny (Faber & Faber, 1960)Im Dezem­ber 1941 such­te ein deut­scher Besat­zungs­of­fi­zier Syl­via Beachs Buch­hand­lung Shake­speare and Com­pa­ny in der Rue de l’Odéon in Paris auf und woll­te ein Exem­plar von James Joy­ces Fin­ne­gans Wake kau­fen. Beach (1887–1962) ver­wei­ger­te ihm, ihr letz­tes Exem­plar zu ver­kau­fen. Zwei Wochen spä­ter tauch­te der Offi­zier wie­der auf und droh­te alle »Waren« der Buch­hand­lung zu kon­fis­zie­ren. Dar­auf­hin beschloss Beach, ihr Geschäft zu schlie­ßen. In ihren Memoi­ren beschrieb sie das plötz­li­che Ver­schwin­den ihres Buch­la­dens, in der die »hau­te volée« der zeit­ge­nös­si­schen Avant­gar­de wie James Joy­ce, Ernest Heming­way, F. Scott Fitz­ge­rald oder Ger­tru­de Stein ver­kehrt hat­te, wie den Abbau einer Thea­ter­ku­lis­se. Mit Erlaub­nis ihrer Ver­mie­te­rin konn­te sie ihr Inven­tar und ihre Möbel in einer leer ste­hen­den Woh­nung im drit­ten Stock unter­stel­len. Nach­dem ein Maler das Schau­fens­ter über­stri­chen hat­te, exis­tier­te kei­ne Spur mehr von Shake­speare and Com­pa­ny im besetz­ten Paris.32  Die femi­ni­ne Sei­te des Pari­ser Buch­han­dels Die Geschich­te von Shake­speare and Com­pa­ny sowie ihrer »Part­ner­buch­hand­lung« La Mai­son des Amis des Liv­res von Syl­via Beachs lang­jäh­ri­ger Lebens­ge­fähr­tin Adri­en­ne Mon­nier (1892–1955) beschreibt der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Uwe Neu­mahr in sei­nem Buch Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, des­sen Titel und Unter­ti­tel etwas irre­füh­rend sind: Tat­säch­lich ist es eine detail­lier­te Dop­pel­bio­gra­fie der bei­den Buch­hand­lun­gen, die nicht allein die Zeit der deut­schen Okku­pa­ti­on im Fokus, son­dern auch die Vor- und Nach­kriegs­zei­ten. Dar­über hin­aus waren die bei­den Buch­hand­lun­gen nicht allein intel­lek­tu­el­le »Umschlag­plät­ze« für euro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Exi­lan­ten, son­dern auch für fran­zö­si­sche Autoren wie Paul Valé­ry, André Gide, Jean-Paul Sart­re, Lou­is Ara­gon oder Jean Pré­vost, der als Wider­stands­kämp­fer in einem Hin­ter­halt von deut­schen Besat­zungs­sol­da­ten getö­tet wur­de. Uwe Neu­mahr: Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten (C. H. Beck, 2026)»In jenen Tagen gab es kein Geld, um Bücher zu kau­fen«, schrieb Heming­way in den Memoi­ren über sei­ne Pari­ser Zeit in den 1920er-Jah­­ren. »Bücher lieh man sich aus der Leih­bü­che­rei von Shake­speare and Com­pa­ny, das die Büche­rei und der Buch­la­den von Syl­via Beach in der Rue de l’Odéon Nr. 12 war.«33 Beach stun­de­te ihm nicht allein die Gebüh­ren für die Aus­lei­he, son­dern »ver­wöhn­te Heming­way«, weiß Neu­mahr zu berich­ten, »lieh ihm Geld und pries sei­ne Arbeit bei Ver­le­gern an«.34 Ohne­hin betrach­te­ten sowohl Syl­via Beach als auch Adri­en­ne Mon­nier das Geschäft der Buch­händ­le­rin weni­ger als Pro­fes­si­on zur Kapi­tal­ver­meh­rung denn als intel­­lek­­tu­ell-küns­t­­le­ri­­schen Beruf mit dem Anspruch, ihrem Quar­tier eine »lite­ra­ri­sche Fär­bung« zu geben, wie Éric Hazan in sei­nem Buch Die Erfin­dung von Paris schrieb.35 Ehe ein Buch im Regal oder in der Schau­fens­ter­aus­la­ge plat­ziert wur­de, muss­te es Mon­niers »Qua­li­täts­prü­fung« pas­sie­ren: »Was in ihren Augen min­der­wer­tig war oder alt, mied sie.«36 Begüns­tigt wur­de der weib­li­che Ein­stieg in den Pari­ser Buch­han­del durch den Ers­ten Welt­krieg: »Da Krieg herrsch­te, gab es in dem vor­neh­men Uni­ver­si­täts­vier­tel, dem mein Seh­nen galt«, schrieb Adri­en­ne Mon­nier, »Läden zu erschwing­ling­li­chen Prei­sen. Die Kon­kur­renz konn­te micht nicht schre­cken, waren doch die meis­ten Buch­händ­ler zu den Waf­fen geru­fen.« Zudem war die Lage der Buch­hand­lung am lin­ken Sei­­ne-Ufer ein guter Ort für ein flo­rie­ren­des Geschäft. »Das Haus der Bücher­freun­de soll­te«, schreibt Neu­mahr in einer gestelz­ten Dik­ti­on, »ein kul­tu­rel­les Zen­trum wer­den, in dem die papie­re­nen Pro­duk­te schrift­stel­le­ri­schen Bemü­hens eben­so zusam­men­ka­men wie ihre Urhe­ber und Leser.«37 Das Genie und der Geschäfts­mann Im Fal­le von James Joy­ce war Shake­speare and Com­pa­ny weit­aus mehr als eine Buch­hand­lung: Sie wur­de für ihn zur Bank, bei der er sich über Syl­via Beach Geld lei­hen konn­te und sich die Sub­skrip­ti­ons­zah­lun­gen abhol­te, nach­dem Joy­ces Roman Ulys­ses nach Zen­sur­schwie­rig­kei­ten wegen Vor­wür­fen der Obs­zö­ni­tät und Por­no­gra­fie in einer Pri­va­tedi­ti­on bei Shake­speare and Com­pa­ny her­aus­ge­kom­men war und teil­wei­se über Sub­skrip­ti­on ver­kauft wur­de. »Vor dem Erfolg des Ulys­ses war James Joy­ce stets knapp bei Kas­se gewe­sen und hat­te von sei­nen gerin­gen Ein­künf­ten als Sprach­leh­rer gelebt«, kom­men­tiert Neu­mahr. »Nun führ­te er ein Leben auf gro­ßem Fuß«. 38 Anstatt sei­ner Gön­ne­rin dank­bar zu sein, habe Joy­ce (»ein Mann, den man nach heu­ti­gen Maß­stä­ben als Alko­ho­li­ker bezeich­nen wür­de«39) »Syl­via« (der Autor pflegt sei­ne Prot­ago­nis­tin­nen pri­mär mit dem Vor­na­men anzu­spre­chen, als wären sie sei­ne Freun­din­nen im Geis­te) dazu drän­gen wol­len, eine Koope­ra­ti­on mit Jack Kaha­ne , der in sei­nem Ver­lag Obe­lisk Press »auch anzü­g­­lich-por­­no­­gra­­fi­­sche Lite­ra­tur ver­öf­fent­lich­te«, wie Neu­mahr vol­ler Abscheu zu berich­ten weiß, wobei er unter­schlägt, dass dort auch Hen­ry Mil­ler, Anaïs Nin, Law­rence Dur­rell und James Han­ley publi­zier­ten. Beach unter­stell­te Kaha­ne – wahr­schein­lich nicht zu Unrecht – ein eher kom­mer­zi­el­les denn lite­ra­ri­sches Inter­es­se an Joy­ce: Der bri­ti­sche Por­no­graf feti­schi­sier­te alles, was neu war – also auch den anrü­chi­gen »Moder­nis­mus«. 40 Pri­vat beklag­te sie sich über »den gro­ßen lie­bens­wer­ten, aber gna­den­lo­sen Mann«, des­sen »ein­sei­ti­ge Geschäfts­me­tho­den« die am wenigs­ten bewun­derns­wer­te Sei­te sei­nes Cha­rak­ters gewe­sen sei­en, wäh­rend sie öffent­lich sich jeg­li­cher Kri­tik an Joy­ce ent­hielt.41  In der Schil­de­rung der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Autor und der Buch­händ­le­rin offen­bart sich die Schwä­che des Buches: Neu­mahr wahrt nicht die kri­ti­sche Distanz zu sei­nen Prot­ago­nis­tin­nen (vor allem Adri­en­ne Mon­nier möch­te er ein Denk­mal set­zen – »nicht zuletzt wegen ihres bemer­kens­wer­ten huma­ni­tä­ren Ein­sat­zes wäh­rend der deut­schen Beset­zung«42) und depo­li­ti­siert die Geschich­te durch die belie­bi­ge Anein­an­der­rei­hung von Anek­do­ten, wäh­rend die his­to­ri­schen, öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Macht­ver­hält­nis­se hin­ter den Fas­sa­den der Buch­lä­den ver­schwin­den. In Neu­mahrs his­to­ri­scher Kulis­se erscheint Joy­ce als klein­li­cher Geschäf­te­ma­cher, wäh­rend (wie Ter­ry Eagle­ton jüngst her­vor­hob) sei­ne her­aus­ra­gen­de Rol­le als einer der größ­ten Autoren der Moder­ne, des­sen »Glau­be an Tole­ranz, Gleich­heit, Demo­kra­tie, Fort­schritt und Kost­bar­keit des All­täg­li­chen« ihn von ande­ren Reprä­sen­tan­ten der lite­ra­ri­schen Avant­gar­de in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts abhob, kei­ner Rede wert ist.43   Frank Cal­la­nan: James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life (Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 2026)»Die Poli­tik des Moder­nis­mus ist ambi­va­lent«, merkt Eagle­ton an. »Ein Aspekt ist eli­tär, ras­sis­tisch, archa­isch, gewalt­tä­tig und hier­ar­chisch, wäh­rend ein eher unter­ge­ord­ne­ter Strang pro­gres­siv, demo­kra­tisch und ega­li­tär ist.« 44 Wäh­rend Ezra Pound und T. S. Eli­ot die Wege zu Faschis­mus, Kon­ser­va­tis­mus und Anti­se­mi­tis­mus ver­folg­ten, blieb Joy­ce als iri­scher Außen­sei­ter dem poli­ti­schen Non­kon­for­mis­mus ver­haf­tet und mach­te den Juden Leo­pold Bloom zu einer Haupt­fi­gur von Ulys­ses, der gegen den Ras­sis­mus iri­scher Bür­ger oppo­niert. In sei­nem unvoll­ende­ten Werk James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life kar­to­gra­fiert der His­to­ri­ker Frank Cal­la­nan (1956–2021) im Detail (und manch­mal sehr aus­ufernd) die Ver­bin­dung Joy­ces zum iri­schen Natio­na­lis­mus, reprä­sen­tiert durch Charles Ste­wart Par­nell, den Vor­sit­zen­den der »Irish Par­lia­men­ta­ry Par­ty«, der wegen einer außer­ehe­li­chen Bezie­hung von sei­nem Amt zurück­tre­ten muss­te. Trotz sei­ner Sym­pa­thie für die iri­schen Natio­na­lis­ten lehn­te Joy­ce deren Kle­ri­ka­lis­mus und Chau­vi­nis­mus ab.  Nach­dem er 1905 in sein selbst gewähl­tes Exil in Tri­est gegan­gen war, setz­te sich Joy­ce mit dem revo­lu­tio­nä­ren Syn­di­ka­lis­mus und Anar­chis­mus medi­ter­ra­ner Prä­gung aus­ein­an­der, der in der dama­li­gen his­to­ri­schen Situa­ti­on eine pro­gres­si­ve Alter­na­ti­ve zum Staats- und Par­tei­so­zia­lis­mus in Mit­­tel- oder Ost­eu­ro­pa dar­stell­te. Obwohl Joy­ce klas­si­sche anar­chis­ti­sche Autoren wie Michail Baku­nin, Pjotr Kro­pot­kin, Erri­co Mala­tes­ta und Johann Most gele­sen hat­te, inter­es­sier­ten ihn am ehes­ten Indi­vi­du­al­an­ar­chis­ten wie Ben­ja­min Tucker und Max Stir­ner. Einen direk­ten Nie­der­schlag die­ser Lek­tü­ren in sei­ner lite­ra­ri­schen Arbeit ist nach Cal­la­nan nicht nach­zu­wei­sen. »Joy­ce cha­rak­te­ri­sier­te sich nie­mals selbst Anar­chist«, kon­sta­tiert Cal­la­nan, aber ein akti­ves, auch wenn flüch­ti­ges, Inter­es­se am Anar­chis­mus über­dau­er­te sein Inter­es­se am zeit­ge­nös­si­schen Sozia­lis­mus.«45  Nach 1907 voll­zog sich bei Joy­ce ein »De-Enga­­ge­­ment« hin­sicht­lich sei­ner sozia­lis­ti­schen und anar­chis­ti­schen Über­zeu­gun­gen, aber den­noch war Ulys­ses, schreibt Cal­la­nan, »eine stra­te­gisch durch­dach­te Ankla­ge des Anti­se­mi­tis­mus«, als die­ser in den Jah­ren nach dem Ers­ten Welt­krieg in Euro­pa ent­flamm­te. In die­sem Sin­ne maxi­mier­te Joy­ce das, kon­sta­tiert Cal­la­nan, »was durch einen Roman poli­tisch erreicht wer­den konn­te«.46 Durch sei­ne Auf­ent­hal­te in Tri­est und Zürich hat­te Joy­ce ein Bewusst­sein für vor­ur­teils­be­la­de­ne Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Juden und Nicht-Juden (die auch Anti­se­mi­ten sein konn­ten) ent­wi­ckelt. Mit dem Prot­ago­nis­ten Bloom ent­wi­ckel­te er (bei­spiels­wei­se in der Kon­fron­ta­ti­on mit dem iri­schen »Bür­ger«) eine imma­nen­te poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Pro­blem des Anti­se­mi­tis­mus, ohne es pla­ka­tiv zu behan­deln. Bloom als assi­mi­lier­ter Jude muss sich trotz sei­ner Ent­frem­dung von der Ver­gan­gen­heit sei­nes Vaters als Jude in Ungarn immer wie­der mit dem Juden­tum aus­ein­an­der­set­zen und sich gegen Anfein­dun­gen im iri­schen All­tag zur Wehr set­zen. 47  Der Per­len­tau­cher in den Ber­gen In Neu­mahrs biblio­phi­ler Kali­ko­welt ist wenig Platz für den his­to­ri­schen Kon­text von Faschis­mus und Anti­se­mi­tis­mus, dafür umso mehr für Anek­do­ten im Edel­kitsch-Design. »7, Rue de l’Odéon – die hel­le Bücher­welt war mei­ne Zuflucht wäh­rend der lan­gen Emi­gra­ti­ons­jah­re in Paris (das sel­ber mir eine Hei­mat war)«, schrieb Sieg­fried Kra­cau­er spä­ter in einer Erin­ne­rung. »Mit­ten in der Hel­le wal­te­te Adri­en­ne Mon­nier, meist in Grau geklei­det und kaum dunk­ler als ihr Reich. Ich kam zu allen Tages­stun­den; am liebs­ten nach­mit­tags, bevor esdrau­ßen zu däm­mern begann. Sie sprach mit mir oder auch nicht.« 48 Bei Neu­mahr liest sich Kra­cau­ers Begeg­nung fol­gen­der­ma­ßen: »Eines Tages betrat Kra­cau­er eher zufäl­lig La Mai­son des Amis des Liv­res – und es wur­de Lie­be auf den ers­ten Blick«49, wobei sich die Fra­ge stellt, war­um sich auf einem Waren­um­schlag­platz, den auch eine Buch­hand­lung dar­stellt, Lie­be auf den ers­ten Blick ein­stel­len soll­te – es sei denn, Fetisch und Biblio­ma­nie wären die vor­nehm­li­chen Trieb­fe­dern des Auf­su­chens eines sol­chen Eta­blis­se­ments.  Ohne­hin beschränkt sich Neu­mahrs zwei­ter Teil der Geschich­te deutsch-jüdi­­scher Exi­lan­ten in Paris auf eine Wie­der­auf­be­rei­tung bekann­ter »Nar­ra­ti­ve«, die Autoren wie Mar­tin Jay, Howard Eiland & Micha­el W. Jen­nings, Miri­am Han­sen, Phil­ipp Len­hard und Jörg Spä­ter über Prot­ago­nis­ten wie Wal­ter Ben­ja­min und Sieg­fried Kra­cau­er (auch in der kon­flikt­rei­chen Bezie­hung zum exi­lier­ten Frank­fur­ter Insti­tut für Sozi­al­for­schung in den Jah­ren 1938–1940) detail­liert beschrie­ben. Wäh­rend Kra­cau­er nach der Inter­nie­rung als »feind­li­cher Aus­län­der« in Mar­seil­le auf sei­ne Aus­rei­se in die USA war­te­te und die »tote Zeit« mit Noti­zen für sei­ne spä­te­re Theo­rie des Films (1960) ver­brach­te, ent­schied sich Ben­ja­min für den beschwer­li­chen Weg über die Pyre­nä­en.50 Peter E. Gor­don: Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver (Yale Uni­ver­si­ty Press, 2026)In sei­ner kon­zi­sen Bio­gra­fie Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver (im Rah­men der Buch­rei­he Jewish Lives) beschreibt der Gesell­schafts­theo­re­ti­ker und Phi­lo­soph Peter E. Gor­don Ben­ja­mins Leben vom Ende her. Der Marsch über die Pyre­nä­en soll­te ihn nach Spa­ni­en brin­gen, um von dort die Flucht aus einem vom Faschis­mus umschlos­se­nen Euro­pa in die USA zu bewerk­stel­li­gen. Dem Flücht­ling in Frank­reich waren nicht allein frü­he­re Ein­nah­me­quel­len zer­ron­nen (Zei­tun­gen wie Die Lite­ra­ri­sche Welt oder die Frank­fur­ter Zei­tung zahl­ten nichts mehr), son­dern auch sein frü­he­res Pres­ti­ge als Lite­ra­tur­kri­ti­ker und Essay­ist war zer­sto­ben. In Frank­reich waren »Aus­län­der« schlecht gelit­ten: »Les émi­g­rés sont pires que les boches« (»Die Immi­gran­ten sind schlim­mer als die Deut­schen«), war eine gän­gi­ge Rede­wen­dung, und über­all waren Jüd*innen uner­wünscht. 51 Zudem gab es zwi­schen Ador­no, Kra­cau­er und Ben­ja­min Dif­fe­ren­zen und Span­nun­gen hin­sicht­lich der Mit­ar­beit an der Zeit­schrift für Sozi­al­for­schung, wobei sich für Ben­ja­min die Ableh­nung sei­nes rich­tungs­wei­sen­den Auf­sat­zes »Das Paris des Second Empire bei Bau­de­lai­re« wie ein Schlag ins Kon­tor anfühl­te. Obwohl er nicht ein­mal ein Mann von fünf­zig Jah­ren war, bezeich­ne­te ihn sei­ne Weg­ge­fähr­tin Lisa Fitt­ko als »alten Ben­ja­min«, der sich selbst in den Pyre­nä­en – trotz schwin­den­der Kräf­te – an sei­ne schwar­ze Akten­ta­sche klam­mer­te. Dar­in bewahr­te er – nach sei­nen Wor­ten – ein Manu­skript auf, das wich­ti­ger als er sei. 52  Am 26. Sep­tem­ber 1940 setz­te Ben­ja­min in Port-Bou an der spa­­nisch-fran­­zö­­si­­schen Gren­ze sei­nem Leben mit einer Mor­­phi­um-Dosis ein Ende, »um sich vor den deut­schen Fol­ter­knech­ten ein für alle­mal in Sicher­heit zu brin­gen«53 (wie Rolf Tie­de­mann ein­mal schrieb). Nur an die­sem Tag war die Gren­ze gesperrt; einen Tag frü­her wären die Flücht­lin­ge durch­ge­kom­men. »Nur an die­sem Tag war die Kata­stro­phe mög­lich«, schrieb Han­nah Are­ndt.54 In Gordons Ima­gi­na­ti­on hät­te Ben­ja­min in den Kata­kom­ben einer Biblio­thek wei­ter­le­ben kön­nen, als Per­len­tau­cher auf der Suche nach halb­ver­ges­se­nen Schät­zen.55 Die lan­ge Hoff­nung Paul Ingen­da­ay: Ent­schei­dung in Spa­ni­en: Der gro­ße Kampf der Lite­ra­tur 1936–1939 (C. H. Beck, 2026)In den Jah­ren zwi­schen 1936 und 1939 war Spa­ni­en der Ort einer hoff­nungs­vol­len Uto­pie, die sich jedoch zer­schlug. »Auf den Schlacht- und Mord­fel­dern des spa­ni­schen Bür­ger­krie­ges wur­de zum letz­ten Male um Frei­heit, Soli­da­ri­tät, Mensch­lich­keit in revo­lu­tio­nä­rem Sin­ne gekämpft …«, schrieb Her­bert Mar­cu­se rück­bli­ckend. »Hier war das Ende einer geschicht­li­chen Peri­ode, und der Schre­cken der kom­men­den kün­dig­te sich an in der Gleich­zei­tig­keit des Bür­ger­kriegs in Spa­ni­en und der Pro­zes­se in Mos­kau.«56 In sei­ner anek­do­ti­schen Kom­pi­la­ti­on Ent­schei­dung in Spa­ni­en redu­ziert der lang­jäh­ri­ge Spa­­ni­en-Kor­­re­s­pon­­dent der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung Paul Ingen­da­ay den Bür­ger­krieg auf den »gro­ßen Kampf der Lite­ra­tur« und kapri­ziert sich auf die »Big Names« der »Geschich­te« wie Ernest Heming­way, Geor­ge Orwell, Mar­tha Gell­horn, Robert Capa oder Pablo Picas­so. »Eine inter­na­tio­na­le Soli­da­ri­tät wie damals hat­te es in der Geschich­te noch nie gege­ben – nach­zu­le­sen nicht nur bei Orwell und Heming­way, son­dern auch bei Egon Erwin Kisch, Simo­ne Weil, bei Hein­rich und Tho­mas Mann«, heißt es in Ingen­da­ays »Vor­spann«. »Ihre poli­ti­schen Spu­ren sind bis heu­te sicht­bar.«57  Im pene­tran­ten Prä­sens des jour­na­lis­ti­schen Schrei­bers, der mit sei­ner Schreib­wei­se in der »Lüge der Dar­stel­lung«58 (Ador­no) Authen­ti­zi­tät und Erklä­rungs­au­tori­tät vor­gau­kelt, repe­tiert Ingen­da­ay Tage­buch­ein­trä­ge, Noti­zen, Auf­sät­ze oder Erin­ne­run­gen von Zele­bri­tä­ten des Kul­tur­be­triebs wie Tho­mas Mann, Luis Buñuel, Heming­way, Gell­horn, Capa und Picas­so, des­sen Werk Guer­ni­ca im Ingen­­da­ay-Argot sich auf »die Bebil­de­rung des ver­hee­ren­den Bom­ben­an­griffs der Legi­on Con­dor auf ein bas­ki­sches Städt­chen« redu­ziert, wäh­rend Capa das »berühm­tes­te Kriegs­fo­to des 20. Jahr­hun­derts« gemacht habe (als hät­te es die Kriegs­fo­to­gra­fie im Viet­nam­krieg nicht gege­ben).59  So treibt das feuil­le­to­nis­ti­sche Schwemm­holz durch den trä­gen »Fluß der abge­stan­de­nen Spra­che« 60 (Ador­no): Ingen­da­ay schwa­dro­niert über den »sagen­um­wo­be­nen« Anar­chis­ten Buen­a­ven­tura Dur­ru­ti, die »Bril­len­trä­ge­rin an der Front« Simo­ne Weil oder das »Auf­se­hen erre­gen­de blon­de Haar« und die »schlan­ken Bei­ne« von Mar­tha Gell­horn. In ste­ti­gen Akten über­grif­fi­ger Aneig­nung geriert sich der Schrei­ber als unsicht­ba­rer Beglei­ter von Klaus und Eri­ka Mann auf ihrer Rei­se im Auf­trag der Pari­ser Tages­zei­tung im Juni 1938 nach Spa­ni­en (»Auf dem Weg nach Bar­ce­lo­na wech­seln sich Bil­der der Zer­stö­rung und ver­blüf­fen­der Nor­ma­li­tät ab.«) oder spa­ziert durch Heming­ways Kopf (»Aber dann setzt er sich in Bewe­gung, und sei­ne Vor­freu­de ist groß.«) 61 Anek­do­ten im Strom des Immer­glei­chen Der Schrift­stel­ler Alvah Bes­sie als Mit­glied der Abra­ham Lin­coln Bri­ga­de in Spa­ni­en, April 1938 (abge­bil­det auf dem Buch­co­ver: Alan M. Wald, Tri­ni­ty of Pas­si­on, 2007)In sei­ner Kom­pi­la­ti­on ver­mag Ingen­da­ay kei­ne neu­en Erkennt­nis­se bezüg­lich des Ver­hält­nis­ses von Lite­ra­tur und Poli­tik zu ergrün­den. Bereits in den 1960er-Jah­­ren hat­ten Autoren wie Allen Gutt­man (The Wound in the Heart, 1962), Fre­de­rick R. Ben­son (Wri­ters in Arms, 1967) und Stan­ley Weint­raub (The Last Gre­at Cau­se, 1968) die Rol­le von Schriftsteller*innen und Intel­lek­tu­el­le im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg detail­lier­ter und reflek­tier­ter ana­ly­siert als in einem vor­geb­lich gro­ßen Kampf »der Lite­ra­tur«.62 Indem sich Ingen­da­ay allein auf die »Big Names« kapri­ziert, bleibt auch nur die Vor­füh­rung des Doku­men­tar­films Spa­nish Earth (1937) von Jor­is Ivens (unter Mit­ar­beit von Ernest Heming­way) im Wei­ßen Haus, und Igen­da­ay zitiert einen bri­ti­schen Schrift­stel­ler namens Antho­ny Powell, der sei­ner Über­zeu­gung Aus­druck ver­lieh, dass die­ser Film »kei­ne Kino­ge­schich­te schrei­ben« wer­de.63 All die ande­ren Doku­men­tar­fil­me über den Spa­ni­schen Bür­ger­krieg aus den Jah­ren 1936 bis 1939 sind Ingen­da­ay kei­ner Rede wert, denn Leo T. Hur­witz oder Ben Mad­dow sind kei­ne »Big Names« im Lin­go des FAZ-Neo-Jour­na­lis­mus.64  Dar­über hin­aus nimmt es Ingen­da­ay mit den his­to­ri­schen Fak­ten (wie an Fall von John Dos Pas­sos deut­lich wird). »Als der ame­ri­ka­ni­sche Schrift­stel­ler John Dos Pas­sos um den 8. April 1937 Valen­cia erreicht, seit fünf Mona­ten der Sitz der repu­bli­ka­ni­schen Regie­rung, stol­pert er gera­de­zu in den Skan­dal, der sei­ne Ein­stel­lung zum Kom­mu­nis­mus für immer ver­än­dern: Sein spa­ni­scher Freund José Robles Pazos ist ver­schwun­den.« 65 Poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen wer­den auf pri­va­te Ereig­nis­se redu­ziert, wäh­rend his­to­ri­sche Pro­zes­se und auch die Vor­ge­schich­te aus­ge­blen­det wer­den: Dos Pas­sos’ »Ein­stel­lung zum Kom­mu­nis­mus« war seit den 1920-er Jah­ren illu­si­ons­los und kri­tisch, auch wenn er zeit­wei­lig sich aus der Distanz im Orbit der US-ame­ri­­ka­­ni­­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei und ihren kul­tu­rel­len Orga­nen wie New Mas­ses und Par­ti­san Review beweg­te. Bereits vor sei­ner Rück­kehr nach Spa­ni­en 1937 (er hat­te bereits als jun­ger Mann 1916–1917 eini­ge Zeit in Spa­ni­en ver­bracht) hat­te er sich von der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei ent­fernt (nach­dem er 1932 noch zu jenen Intel­lek­tu­el­len gehört hat­te, die zur Wahl des kom­mu­nis­ti­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Wil­liam Z. Fos­ter auf­ge­ru­fen hat­ten).66  Schat­ten des Betrie­bes Ingen­da­ay geriert sich als gro­ßer Erklä­rer der Geschich­te und bie­tet leicht kon­su­mier­ba­re, den Publi­kums­ge­schmack bedie­nen­de Geschich­ten in Anek­do­ten­form feil – ob das Beschrie­be­ne von his­to­ri­scher Zuver­läs­sig­keit abge­deckt ist, spielt eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le: Jedem Wort ist der Waren­cha­rak­ter des Schrei­­ber-Urteils imple­men­tiert, und der Wert der Schrei­ber­spra­che misst sich an der Zahl der lob­hu­deln­den Pres­se­stim­men, die der Ver­lag wie Jagd­tro­phä­en aus einer schlech­ten Hemin­g­­way-Ver­­­fil­­mung auf sei­ner Home­page prä­sen­tiert.67 Dos Pas­sos’ »Ableh­nung des Kapi­ta­lis­mus, die sei­ner gro­ßen Roman­tri­lo­gie U.S.A. abzu­le­sen ist, äußert sich zwangs­läu­fig«, schreibt Ingen­da­ay, »im Pro­test gegen die Hin­rich­tung der bei­den Anar­chis­ten Fer­di­nan­do Sac­co und Bar­to­lo­meo Van­zet­ti und führt eini­ge Jah­re dar­auf zu tie­fer Sym­pa­thie für den ibe­ri­schen Anar­chis­mus, der beson­ders in der kata­la­ni­schen Arbei­ter­be­we­gung Wur­zeln geschla­gen hat.«68  Sac­co wur­de zwar als Fer­di­nan­do getauft, doch seit 1917 nann­te er sich Nico­la, mit dem er (auch inter­na­tio­nal) bekannt wur­de.69 Den angeb­lich zwangs­läu­fi­gen Zusam­men­hang zwi­schen der »Ableh­nung des Kapi­ta­lis­mus« und dem Pro­test gegen die Exe­ku­ti­on von Sac­co & Van­zet­ti ver­mei­det Ingen­da­ay zu bele­gen – er behaup­tet ihn ledig­lich. Rea­li­ter war Dos Pas­sos’ Enga­ge­ment für Sac­co & Van­zet­ti aus ihrem Außen­sei­ter­sta­tus als Immi­gran­ten in der US-ame­ri­­ka­­ni­­schen Gesell­schaft begrün­det: In sei­nem Pam­phlet Facing the Chair aus dem Jah­re 1927 beschrieb er ihre Bio­gra­fien iro­nisch als »Geschich­te der Ame­ri­ka­ni­sie­rung von zwei im Aus­land gebo­re­nen Arbei­tern« und ver­such­te den Anar­chis­mus als eine Poli­tik der Hoff­nung als Gegen­pol zur domi­nan­ten Herr­schaft von Reak­ti­on und Angst dar­zu­stel­len.70 Das Inter­es­se für Spa­ni­en und den Anar­chis­mus bei Dos Pas­sos rühr­te aus sei­ner schon frü­hen indi­vi­dua­lis­ti­schen Revol­te, und in meh­re­ren Auf­ent­hal­ten in Spa­ni­en seit 1916 beschäf­tig­te er sich mit der »klas­si­schen Hei­mat der Anar­chis­ten«. Dem Pro­test gegen die Ver­fol­gung von Sac­co & Van­zet­ti schloss er sich dage­gen erst zehn Jah­re spä­ter an. 71 Die lan­ge Hoff­nung, Begleit­buch zum gleich­na­mi­gen Doku­men­tar­film der Medi­en­werk­statt Frei­burg (Trotz­dem Ver­lag, 1985)Bemer­kens­wert ist, dass Ingen­da­ay zwar einen Abschnitt »Fäl­schung oder Wirk­lich­keit?« in sei­ne Kom­pi­la­ti­on auf­nimmt, aber selbst zu kei­ner kri­ti­schen Selbst­re­fle­xi­on fähig ist. Sei­ne Schreib­wei­se ist im bes­ten Fall plump und geschwät­zig; sie ist vom Duk­tus des Gleich­gül­ti­gen geprägt, denn es gibt nir­gend­wo in die­sem Text das Bemü­hen, die poli­ti­schen Spu­ren des Ver­gan­ge­nen mit neu­en »Fun­ken der Hoff­nung« zu ent­fa­chen. Auch »die Toten wer­den vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein«, schrieb Wal­ter Ben­ja­min kurz vor sei­nem Tod. »Und die­ser Feind hat zu sie­gen nicht auf­ge­hört.«72   © Jörg Auberg 2026  Biblio­gra­fi­sche Angaben:Uwe Neu­mahr.Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten.Paris 1940 — Zuflucht und Wider­stand.Mün­chen: C. H. Beck, 2026.320 Sei­ten, 25 Abbil­dun­gen, 26 Euro.ISBN: 978–3‑406–84494‑2.Paul Ingen­da­ay.Ent­schei­dung in Spa­ni­en.Der gro­ße Kampf der Lite­ra­tur, 1936–1939.Mün­chen: C. H. Beck, 2026.352 Sei­ten, 23 Abbil­dun­gen, 28 Euro.ISBN: 978–3‑406–84363‑1.Frank Cal­la­nan.James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life.Prince­ton: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 2026.944 Sei­ten, 18 Abbil­dun­gen, 45 US-Dol­lar.ISBN: 978–0‑691–22797‑9.Peter E. Gor­don.Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver.New Haven, NJ: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2026.224 Sei­ten, 8 Abbil­dun­gen, 28 US-Dol­lar.ISBN: 978–0‑300–21686‑8. Medi­en­quel­len Bei­trags­bild© Jörg Auberg/Moleskin Blues Cover Shake­speare and Com­pa­ny© Faber & Faber (Archiv des Autors) Cover Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten© C. H. Beck Cover James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life© Prince­ton Uni­ver­si­ty Press Cover Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver© Yale Uni­ver­si­ty Press Cover Ent­schei­dung in Spa­ni­en© C. H. Beck Cover Tri­ni­ty of Pas­si­on© Uni­ver­si­ty of North Caro­li­na Press Cover Die lan­ge Hoff­nung© Trotz­dem Ver­lag AnmerkungenQuel­len: https://www.shakespeareandcompany.com/history; https://cupblog.org/2019/11/19/the-last-days-of-shakespeare-and-company/; Uwe Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten: Paris 1940 — Zuflucht und Wider­stand (Mün­chen: C. H. Beck, 2026), S. 116–117 Ernest Heming­way, A Moveable Feast: The Res­to­red Text, hg. Seán Heming­way (New York: Scrib­ner, 2009), S. 31  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 56  Éric Hazan, Die Erfin­dung von Paris, übers. Micha­el Mül­ler und Karin Utten­dör­fer (Ber­lin: Matthes & Seitz, 2020), S. 134  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 20  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 34–35 Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 89  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 89  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 91; Neil Pear­son, Obe­lisk: A Histo­ry of Jack Kaha­ne and the Obe­lisk Press (Liver­pool: Liver­pool Uni­ver­si­ty Press, 2007), S. 414  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 104  Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 289Ter­ry Eagle­ton, »Star­ve­ling Rabblem­ent«, Lon­don Review of Books, 48, Nr. 13 (23. Juli 2026): 46Ter­ry Eagle­ton, »Star­ve­ling Rabblem­ent«, S. 46 Frank Cal­la­nan, James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life (Prince­ton: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 2026), S. S. 478, 512; Zitat: S. 539Cal­la­nan, James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life, S. 788Cal­la­nan, James Joy­ce: A Poli­ti­cal Life, S. 808–809Sieg­fried Kra­cau­er, »Zur Erin­ne­rung an Adri­en­ne Mon­nier«, in: Kra­cau­er, Wer­ke, Bd. 5:4: Essays, Feuil­le­tons, Rezen­sio­nen, 1932–1965, hg. Inka Mül­­der-Bach (Ber­lin: Suhr­kamp, 2011), S. 628 Neu­mahr, Die Buch­hand­lung der Exi­lan­ten, S. 165 Jörg Spä­ter, Sieg­fried Kra­cau­er: Eine Bio­gra­phie (Ber­lin: Suhr­kamp, 2016), S. 394–408; Miri­am Bra­tu Han­sen, Cine­ma and Expe­ri­ence: Sieg­fried Kra­cau­er, Wal­ter Ben­ja­min, and Theo­dor W. Ador­no (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 2012), S. 253–266 Peter E. Gor­don, Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver (New Haven, NJ: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2026), S. 117, 138  Gor­don, Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver, S. 156  Rolf Tie­de­mann, Ador­no und Ben­ja­min noch ein­mal: Erin­ne­run­gen, Begleit­wor­te, Pole­mi­ken (Mün­chen: edi­ti­on text + kri­tik, 2011), S. 310 Han­nah Are­ndt, Men­schen in fins­te­ren Zei­ten, hg, Ursu­la Ludz (Mün­chen: Piper, 2012), S. 221  Gor­don, Wal­ter Ben­ja­min: The Pearl Diver, S. 161  Her­bert Mar­cu­se, Vor­wort zu: Mar­cu­se, Kul­tur und Gesell­schaft I (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1965), S. 11  Paul Ingen­da­ay, Ent­schei­dung in Spa­ni­en: Der gro­ße Kampf der Lite­ra­tur, 1936–1939 (Mün­chen: C. H. Beck, 2026), S. 8 Theo­dor W. Ador­no, Noten zur Lite­ra­tur, hg. Rolf Tie­de­mann (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1981), S. 45 Ingen­da­ay, Ent­schei­dung in Spa­ni­en, S. 11, 77 Theo­dor W. Ador­no, Mini­ma Mora­lia: Refle­xio­nen aus dem beschä­dig­ten Leben (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1987), S. 106 Ingen­da­ay, Ent­schei­dung in Spa­ni­en, S. 45, 63, 136, 10, 167; zu Klaus Manns Spa­­ni­en-Repor­­ta­­gen cf. Klaus Mann, Das Wun­der von Madrid: Auf­sät­ze, Reden, Kri­ti­ken 1936–1938, hg. Uwe Nau­mann und Micha­el Töte­berg (Rein­bek: Rowohlt, 1993), S. 396–424; und Fre­de­ric Spotts, Cur­sed Lega­cy: The Tra­gic Life of Klaus Mann (New Haven, NJ: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2016), S. 131–133Allen Gutt­man, The Wound in the Heart: Ame­ri­ca in the Spa­nish Civil War (New York: The Free Press, 1962); Fre­de­rick R. Ben­son, Wri­ters in Arms: The Lite­ra­ry Impact of the Spa­nish Civil War (New York: New York Uni­ver­si­ty Press, 1967); Stan­ley Weint­raub, The Last Gre­at Cau­se: The Intellec­tu­als and the Spa­nish Civil War (New York: Wey­bright & Tal­ley, 1968); sie­he auch Dani­el Aaron, »Ethics and Poli­tics«, New York Times, 18. Febru­ar 1968, und Ste­phen Spen­der, »Wri­ters and Revo­lu­tio­na­ries: The Spa­nish War«, New York Review of Books, 13, Nr. 5 (25. Sep­tem­ber 1969), https://www.nybooks.com/articles/1969/09/25/writers-and-revolutionaries-the-spanish-war/ Ingen­da­ay, Ent­schei­dung in Spa­ni­en, S. 228 Zur Geschich­te des Films im Spa­ni­schen Bür­ger­krieg sie­he Peter Nau, »Spa­ni­scher Bür­ger­krieg und Film«, Film­kri­tik 18, Nr. 10 (Okto­ber 1974): 441–488; Rus­sell Camp­bell, Cine­ma Strikes Back: Radi­cal Film­ma­king in the United Sta­tes, 1930–1942 (Ann Arbor, MI: UMI Rese­arch Press, 1982), S. 165–192; Jörg Auberg, »Die Pro­jek­ti­on des Fal­schen: Medi­en, Rea­li­tät und der Spa­ni­sche Bür­ger­krieg«, Tran­via, Nr. 19 (Dezem­ber 1990): 78–83 Ingen­da­ay, Ent­schei­dung in Spa­ni­en, S. 178Zu Dos Pas­sos’ poli­ti­scher Ent­wick­lung wäh­rend des Spa­ni­schen Bür­ger­krie­ges cf. Robert C. Rosen, John Dos Pas­sos: Poli­tics and the Wri­ter (Lin­coln: Uni­ver­si­ty of Nebras­ka Press, 1981), S. 93–96; und die Arti­kel in: John Dos Pas­sos: The Major Non­fic­tion­al Pro­se, hg. Donald Pizer (Detroit: Way­ne Sta­te Uni­ver­si­ty Press, 1988), S. 183–195 https://www.chbeck.de/ingendaay-entscheidung-spanien/product/39976653 Ingen­da­ay, Ent­schei­dung in Spa­ni­en, S. 179 Paul Avrich, Sac­co and Van­zet­ti: The Anar­chist Back­ground (Prince­ton, NJ: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 1991), S. 10 Rosen, John Dos Pas­sos: Poli­tics and the Wri­ter, S. 52–56 Jörg Auberg, »Das Ende der Stra­ße: John Dos Pas­sos und die spa­ni­sche Uto­pie«, Tran­via, Nr. 23 (Dezem­ber 1991): 5–7; Auberg, »Ana­to­mie einer Meta­mor­pho­se: John Dos Pas­sos’ Odys­see durch das 20. Jahr­hun­dert«, Mole­skin Blues, ver­öf­fent­licht 17. Okto­ber 2020, https://moleskinblues.net/2020/10/17/john-dos-passos-anatomie-einer-metamorphose/ Wal­ter Ben­ja­min, »Über den Begriff der Geschich­te«, in: Gesam­mel­te Schrif­ten, Bd. I:2, hg. Rolf Tie­de­mann und Her­mann Schwep­pen­häu­ser (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1991), S. 695  […]
  • Dwight Macdonald — Atrocities of the MindDwight Mac­do­nald — Atro­ci­ties of the Mind11. Juli 2026Der Fluch der Gewalt Dwight Mac­do­nalds poli­ti­sche Essays von Jörg Auberg Zeit sei­nes Lebens wur­de der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­le Dwight Mac­do­nald (1906–1982) hin­sicht­lich sei­ner poli­ti­schen Ein­schät­zun­gen und intel­lek­tu­el­len Fähig­kei­ten äußerst kon­tro­vers beur­teilt. Er sei, ließ bei­spiels­wei­se Leo Trotz­ki kurz vor sei­nem Tod einen revo­lu­tio­nä­ren Genos­sen in den USA wis­sen, »ein biss­chen dumm«: Es feh­le ihm an Ori­gi­na­li­tät und intel­lek­tu­el­lem Stand­ver­mö­gen. Auch der sich zeit­wei­lig im trotz­kis­ti­schen Fahr­was­ser bewe­gen­de Schrift­stel­ler James T. Far­rell beklag­te, dass Mac­do­nald fort­wäh­rend sei­ne Mei­nung ände­re, wäh­rend der Anar­chist Hol­ley Can­ti­ne abschät­zig mein­te, Mac­do­nald ver­fü­ge unge­fähr über so viel phi­lo­so­phi­sche Kon­sis­tenz wie ein Kanin­chen. Han­nah Are­ndt dage­gen lob­te sei­ne »intel­lek­tu­el­le Unbe­stän­dig­keit« als Tugend eines kri­ti­schen Suchen­den, wäh­rend er für Paul Good­man schlicht »unser bes­ter Jour­na­list« war, obgleich er ihm ein man­geln­des geis­ti­ges Durch­hal­te­ver­mö­gen und eine Unlust, Pro­ble­me bis ins letz­te Detail zu durch­den­ken, attes­tier­te.39 Dwight Mac­do­nald: Mass­cult and Mid­cult (New York Review Books, 2011)In ers­ter Linie ist Mac­do­nald als Kri­ti­ker der Mas­sen­kul­tur in Erin­ne­rung – eher in der Tra­di­ti­on von T. S. Eli­ot denn der »Kri­ti­schen Theo­rie«, wie sie von der »Hor­k­hei­­mer-Grup­­pe« mit ihrem mar­xis­ti­schen Werk­zeug­kas­ten prak­ti­ziert wur­de.73 Bereits vor fünf­zehn Jah­ren hat­te der His­to­ri­ker John Sum­mers in einem schma­len Band (Mass­cult and Mid­cult: Essays Against the Ame­ri­can Grain, 2011) spä­te Tex­te Mac­do­nalds zur Kri­tik der Mas­sen­kul­tur neu her­aus­ge­ge­ben (wäh­rend frü­he­re Kul­­tur- und Film­kri­ti­ken aus den 1930er- und 1940er-Jah­­ren außen vor blie­ben). In der Aus­spa­rung von Mac­do­nalds Ana­ly­sen der sta­li­nis­ti­schen Unter­drü­ckung sowje­ti­scher Film­künst­ler wie Eisen­stein und Pudow­kin (die für ihn – laut Alex­an­der Bloom – ähn­lich ver­bre­che­risch wie die poli­ti­sche Eli­mi­na­ti­on Trotz­kis im Zuge der Ver­fol­gung der »Gene­ral­li­nie« war) als auch der Ver­än­de­rung der Mas­sen­kul­tur­kri­tik über die 1940er- und 1950er-Jah­­re kapp­te Sum­mers die his­to­ri­sche Ent­wick­lung von intel­lek­tu­el­len Pro­zes­sen ab und prä­sen­tier­te schließ­lich nur die »End­fas­sung« einer kri­ti­schen, letzt­lich poli­­tisch-ideo­­lo­­gisch ver­här­te­ten Posi­ti­on, mit der Mac­do­nald ins Grab gegan­gen ist.74 Auch in der neu­en Mac­­do­nald-Antho­­lo­­gie Atro­ci­ties of the Mind, die sich auf die poli­ti­schen Auf­sät­ze haupt­säch­lich aus den 1940er-Jah­­ren fokus­siert75, in denen Mac­do­nald in Oppo­si­ti­on zur vor­herr­schen­den poli­ti­schen und intel­lek­tu­el­len Mei­nung sei­ne anarcho-pazi­­fis­­ti­­sche Zeit­schrift Poli­tics her­aus­gab, blen­det der Her­aus­ge­ber Sum­mers vie­le Aspek­te des selbst gewähl­ten The­men­kom­ple­xes Gewalt & Poli­tik aus. Zen­tral sind die Kri­tik der Kol­lek­tiv­schuld­the­se (wie sie Mac­do­nald in sei­nem Essay »The Respon­si­bi­li­ty of Peo­p­les« 1945 for­mu­lier­te) oder der Funk­tio­na­li­tät der Kriegs­ma­schi­ne­rie mit ihrer Psy­cho­lo­gie des Tötens, wobei vor allem Welt­kriegs­hel­den wie die Gene­rä­le Geor­ge S. Pat­ton oder Wil­liam F. (»Bull«) Hal­sey als men­schen­ver­ach­ten­de, ras­sis­ti­sche Anstif­ter zum mas­sen­haf­ten Töten »her­vor­ste­chen«. Vor auf­mar­schier­ten Batail­lo­nen des US-ame­ri­­ka­­ni­­schen Mili­tärs ver­brei­te­ten sie »Gräu­el­ta­ten des Geis­tes« (atro­ci­ties of the mind). Für Mac­do­nald, der in den spä­ten 1930er-Jah­­ren den »New Deal« schon als Pro­gramm der Kriegs­er­tüch­ti­gung (»War Deal«) kri­ti­siert hat­te, führ­te die per­ma­nen­te Kriegs­öko­no­mie zur wirt­schaft­li­chen Rekon­va­les­zenz des US-Staats­­­ka­pi­­ta­­lis­­mus letzt­lich in eine zivi­li­sa­to­ri­sche Abwärts­spi­ra­le. Für ihn war der Zwei­te Welt­krieg kein »guter Krieg« (weder mora­lisch noch poli­tisch), und der Ein­satz der Atom­bom­ben redu­zie­re die Befehls­ha­ben­den »auf das mora­li­sche Niveau der Bes­ti­en von Maj­da­nek«.76  Simo­ne Weil: War and the Ili­ad (New York Review Books, 2005)Ein zen­tra­les The­ma der Zeit­schrift Poli­tics war die Gewalt, wie sie am ein­dring­lichs­ten Simo­ne Weil in ihrem Essay Die Ili­as oder das Poem der Gewalt (ent­stan­den 1938/39) beschrieb: »Die Gewalt, die von den Men­schen aus­ge­übt wird, die Gewalt, der die Men­schen aus­ge­setzt sind, die Gewalt, vor der die Men­schen zusam­men­zucken.« 77 Zwar weist Sum­mers in sei­ner Ein­lei­tung auf die Bedeu­tung des Faschis­mus in Euro­pa und den USA für die »Psy­cho­pa­tho­lo­gie« in den 1940er-Jah­­ren hin78, doch in der Zusam­men­stel­lung der Tex­te über Gewalt & Poli­tik fehlt die »Vor­ge­schich­te« (auch in der intel­lek­tu­el­len »Text­bio­gra­fie« Mac­do­nalds) gänz­lich: Sie setzt 1945 mit dem Ende ein – der Dis­kus­si­on der Ver­ant­wort­lich­keit der Völ­ker (den Begriff hat­te Mac­do­nald von sei­nem Freund Nico­la Chia­ro­mon­te über­nom­men, einem ita­lie­ni­schen Anar­chis­ten, der im New Yor­ker Exil leb­te). Neben Ana­ly­sen des Natio­nal­so­zia­lis­mus und des »büro­kra­ti­schen Kol­lek­ti­vis­mus« (wie der Sta­li­nis­mus in trotz­kis­ti­schen Zir­keln dis­ku­tiert wur­de) beschäf­tig­te sich Mac­do­nald auch mit dem »hei­mi­schen Faschis­mus«, des­sen Vertreter*innen nicht in brau­nen Hem­den auf­tra­ten, son­dern unter dem »Ban­ner von ›Frei­heit‹ und selbst ›Demo­kra­tie‹« mar­schier­ten: Der Faschis­mus ver­barg sich hin­ter Eti­ket­ten wie »Anti­fa­schis­mus« oder »wah­rer Ame­ri­ka­nis­mus« und konn­te bei Bedarf vom Groß­ka­pi­tal akti­viert wer­den.79 In sei­nen Ana­ly­sen bezog sich Mac­do­nald vor allem auf Stu­di­en »abtrün­ni­ger« Lin­ke wie Dani­el Gué­rin und Igna­zio Silo­ne und zog sich den Zorn Trotz­kis zu, der 1940 zu Pro­to­koll gab, dass sei­ne Faschis­mus­theo­rie ledig­lich eine »arm­se­li­ge Kom­pi­la­ti­on von Pla­gia­ten« aus der trotz­kis­ti­schen Theo­rie­fa­brik sei.80  Dwight Mac­do­nald: Poli­tics Past — vor­mals Memoirs of a Revo­lu­tio­nist (Viking, 1970)Inner­halb weni­ger Jah­re durch­lief Mac­do­nald einen Pro­zess, in des­sen Ver­lauf er vom Libe­ra­lis­mus zum Mar­xis­mus, Anar­chis­mus und Pazi­fis­mus und schließ­lich zum libe­ra­len Anti­kom­mu­nis­mus des Kal­ten Krie­ges wech­sel­te. In den spä­ten 1940er-Jah­­ren fühl­te er sich aus­ge­laugt, müde und demo­ra­li­siert81, sodass er sei­ne Zeit­schrift 1949 schließ­lich ein­stell­te. In einem pro­gram­ma­ti­schen State­ment (»I Choo­se the West«) erklär­te Mac­do­nald 1952, er unter­stüt­ze »kri­tisch« den poli­ti­schen, öko­no­mi­schen und mili­tä­ri­schen Kampf des Wes­tens (der USA und ihrer Ver­bün­de­ten) gegen den Osten (die Sowjet­uni­on, ihre Satel­li­ten­staa­ten und Chi­na) und ver­ab­schie­de­te sich vom Pazi­fis­mus, der in sei­nen Augen »kei­ne ver­nünf­ti­ge Chan­ce« besit­ze, »gegen einen tota­li­tä­ren Feind« effek­tiv zu sein.82 1938 hat­te Mac­do­nald noch Mut­ma­ßun­gen ange­stellt, ob und wann die US-ame­ri­­ka­­ni­­sche Groß­bour­geoi­sie den Faschis­mus auf die Tages­ord­nung set­zen wür­de, und ein Jahr­zehnt spä­ter reih­te er sich in die Scha­ren hin­ter der Groß­bour­geoi­sie ein, der er einst unter­stellt hat­te, sie wer­de faschis­ti­sche Struk­tu­ren nut­zen, um ihre Pro­fi­te und das eige­ne Über­le­ben jen­seits der alten bür­­ger­­lich-demo­­kra­­ti­­schen Regie­rungs­form zu sichern.83 Aller­dings wech­sel­te er nicht – wie zahl­rei­che Ex-Trot­z­kis­­ten oder New Yor­ker Intel­lek­tu­el­le – ins Lager des Wes­tens als »Rene­gat« (wie Enzo Tra­ver­so unter­streicht), son­dern als »Ket­zer«, der trotz allem – auch den USA und vor allem ihrer Kul­tur­in­dus­trie gegen­über – kri­tisch blieb, wie an dem Essay »Ame­ri­ca! Ame­ri­ca!« aus dem Jah­re 1958 abzu­le­sen ist. 84  »Die­ser Intel­lek­tu­el­le«, kom­men­tiert Tra­ver­so, »gehört zu den ganz weni­gen Men­schen angel­­säch­­sisch-pro­­tes­­tan­­ti­­scher Her­kunft, die im Milieu der (weit­ge­hend vom jüdi­schen Ele­ment domi­nier­ten) New Yor­ker Intel­li­gen­zi­ja leb­ten und Anfang 1945 Ausch­witz als einen Zivi­li­sa­ti­ons­bruch begrif­fen.«85 Die Gewalt, die sich in den Ver­nich­tungs­la­gern und auf den Schlacht­fel­dern ereig­ne­te, war auch Resul­tat einer auf tech­no­lo­gi­scher Ratio­na­li­tät beru­hen­den Destruk­ti­on und Anni­hi­la­ti­on, wel­che die gesam­te Zivi­li­sa­ti­on (ein­schließ­lich der Auf­klä­rung und der »kri­ti­schen Theo­rie« des Mar­xis­mus) in den Unter­gang zu zie­hen droh­te. Die­se exis­ten­zi­el­le Kri­se ver­such­te Mac­do­nald (unter Ein­fluss sei­nes anar­chis­ti­schen Freun­des Chia­ro­mon­te) in dem Essay »The Root is Man« (1946) zu the­ma­ti­sie­ren, der selt­sa­mer­wei­se in die­ser Antho­lo­gie fehlt.86 Dwight Mac­do­nald: Atro­ci­ties of the Mind (Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, 2026)Statt­des­sen sind in der Antho­lo­gie eher zweit­ran­gi­ge Tex­te wie eine Rezen­si­on von Erwin Lei­sers Doku­men­tar­film Mein Kampf (1960) auf­ge­nom­men, den Mac­do­nald mit Nuit et brouil­lard (1956) von Alain Res­nais und Jean Cayrol ver­gleicht, um zu dem Urteil zu kom­men, dass Res­nais’ Film bei ihm einen »stär­ke­ren Ein­druck« hin­ter­las­sen habe. Nicht allein die­se Gegen­über­stel­lung zwei­er grund­sätz­lich ver­schie­de­ner Fil­me ist frag­wür­dig, son­dern auch die unge­prüf­te Über­nah­me von Falsch­schrei­bun­gen von Namen (die NS-Regis­­seu­rin Leni Rie­fen­stahl wird zu »Leni Rei­fen­stahl«) und Fehl­in­for­ma­tio­nen über Erwin Lei­ser (er war kein »schwe­di­scher Regis­seur«, son­dern wur­de als deut­scher Jude 1923 in Ber­lin gebo­ren und muss­te 1938 nach Schwe­den flie­hen).87 In einer Rezen­si­on von Mac­do­nalds Memoirs of a Revo­lu­tio­nist im Jah­re 1958 kon­sta­tier­te der Lite­ra­tur­kri­ti­ker Alfred Kazin, dass Poli­tics eine kon­kre­te Anstren­gung signa­li­sier­te und ermu­tig­te, sich sei­nen eige­nen Weg zurück zum Huma­nis­mus, Expe­ri­men­ta­lis­mus und Uni­ver­sa­lis­mus von vor- und anti­mar­xis­ti­schen Sozia­lis­men zu den­ken. 88 Für die­ses Pro­jekt bedarf es jedoch einer kri­ti­schen Aus­ga­be der Tex­te Dwight Mac­do­nalds, die über die blo­ße Wie­der­auf­la­ge bereits erschie­ne­ner Essays und Arti­kel in den zurück­lie­gen­den Jahr­zehn­ten hin­aus­geht. © Jörg Auberg 2026  Biblio­gra­fi­sche Angaben:Dwight Mac­do­nald.Atro­ci­ties of the Mind.Essays on Vio­lence and Poli­tics in the Ame­ri­can Cen­tu­ry.Aus­ge­wählt und her­aus­ge­ge­ben von John Sum­mers.Vor­wort von Andrew J. Bace­vich.Chi­ca­go: Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, 2026.352 Sei­ten, 25 US-Dol­lar.ISBN: 9780226847993.  Medi­en­quel­len Cover Mass­cult and Mid­cult© New York Review Books Cover War and the Ili­ad© New York Review Books Cover Poli­tics Past© Viking Press Cover Atro­ci­ties of the Mind© Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press Anmer­kun­gen Leo Trotz­ki, »Répon­ses à des ques­ti­ons con­cer­nant les États-Unis« (August 1940), in: Trotz­ki, Œuvres, Bd. 24, hg. Pierre Broué (Paris: Publi­ca­ti­ons de l’Institut Léon Trots­ky, 1987), S. 291; Han­nah Are­ndt, »He’s all Dwight« (1968), in: Are­ndt, Thin­king Wit­hout a Ban­nis­ter: Essays in Under­stan­ding, 1953–1975, hg. Jero­me Kohn (New York: Scho­cken, 2018), S. 397; Hol­ley R. Can­ti­ne, »Reviews: Poli­tics«, Ret­ort 3, Nr. 4 (Früh­jahr 1947): 40; Paul Good­man, »Our Best Jour­na­list«, Dis­sent 5, Nr. 1 (Win­ter 1958): 82 Dwight Mac­do­nald, »›A Cor­rupt Bright­ness‹«, Encoun­ter 8, Nr. 6 (Juni 1957): 75 Dwight Mac­do­nald, Mass­cult and Mid­cult: Essays Against the Ame­ri­can Grain, hg. John Sum­mers (New York: New York Review Books, 2011); Alex­an­der Bloom, Pro­di­gal Sons: The New York Intellec­tu­als and Their World (New York: Oxford Uni­ver­si­ty Press, 1986), S. 111; zu Mac­do­nalds Ana­ly­se des sowje­ti­schen Kinos cf. Dwight Mac­do­nald, On Movies (New York: DaCa­po, 1981), S. 181–265Die aus­ge­wähl­ten Tex­te erschie­nen in den frü­he­ren Auf­satz­samm­lun­gen Memoirs of a Revo­lu­tio­nist (1957, 1971 unter dem Titel Poli­tics Past neu her­aus­ge­ge­ben), Dis­cri­mi­na­ti­ons (1972) und On Movies (1969; rpt. 1981)Poli­tics 2, Nr. 8 (August 1945):225; Enzo Tra­ver­so, Im Bann der Gewalt: Der euro­päi­sche Bür­ger­krieg, 1914–1945, übers. Micha­el Bay­er (Mün­chen: Sied­ler, 2008), S. 158 Simo­ne Weil, »Die Ili­as oder das Poem der Gewalt«, übers. Tho­mas Laugsti­en, in: Weil, Krieg und Gewalt: Essays und Auf­zeich­nun­gen (Zürich: Dia­pha­nes, 2025), S. 161; Simo­ne Weil, War and the Ili­ad, übers. Mary McCar­thy (New York: New York Review Books, 2005), S. 3, zuerst erschie­nen in Poli­tics, Novem­ber 1945 John Sum­mers, »Intro­duc­tion: The Last of the Free Indi­vi­du­als«, in: Dwight Mac­do­nald, Atro­ci­ties of the Mind: Essays on Vio­lence and Poli­tics in the Ame­ri­can Cen­tu­ry, hg. John Sum­mers (Chi­ca­go: Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, 2026), S. 4–5 Dwight Mac­do­nald, »Fascism and the Ame­ri­can Sce­ne« (New York: Pio­neer Publishers, 1938), https://libcom.org/article/fascism-and-american-scene-dwight-macdonald, PDF-Datei, S. 3–29; Micha­el Joseph Rober­to, The Coming of the Ame­ri­can Behe­mo­th: The Ori­g­ins of Fascism in the United Sta­tes, 1920–1940 (New York: Month­ly Review Press, 2018), S. 13–14 Dwight Mac­do­nald, »What is the Fascist Sta­te?«, New Inter­na­tio­nal 7, Nr. 2 (Febru­ar 1941): 22–27; Mac­do­nald, »Fascism – A New Social Order«, New Inter­na­tio­nal 7, Nr. 4 (Mai 1941): 82–85; Dani­el Gué­rin, Sur le fascis­me: La peste bru­ne. Fascis­me et grand capi­tal (Paris: La Décou­ver­te, 2001); Igna­zio Silo­ne, Der Fascis­mus (Zürich: Euro­­pa-Ver­­lag, 1934; rpt. Frankfurt/Main: Ver­lag Neue Kri­tik, 1984); Trotz­ki, Brief an Albert Gold­man, 9. August 1940, in: Trotz­ki, Œuvres, Bd. 24, S. 292  Mac­do­nald, »A Report to the Rea­ders«, Poli­tics 5, Nr. 1 (Win­ter 1948): 58 Dwight Mac­do­nald, »I Choo­se the West«, in: Mac­do­nald, Atro­ci­ties of the Mind, S. 132 Mac­do­nald, »Fascism and the Ame­ri­can Sce­ne«, S. 28 Enzo Tra­ver­so, Ausch­witz den­ken: Die Intel­lek­tu­el­len und die Sho­ah, übers. Hel­mut Dah­mer (Ham­burg: Ham­bur­ger Edi­ti­on, 2000), S. 304; Dwight Mac­do­nald, »Ame­ri­ca! Ame­ri­ca!«, in: Mac­do­nald, Atro­ci­ties of the Mind, S. 191–205 Tra­ver­so, Ausch­witz den­ken, S. 326Dwight Mac­do­nald, »The Root is Man«, Poli­tics 3, Nr. 4 (April 1946): 97–115, und Poli­tics 3, Nr. 6 (Juli 1946): 194–214; in einer bear­bei­te­ten Form online ver­füg­bar: https://theanarchistlibrary.org/library/dwight-macdonald-the-root-is-man; zur Dis­kus­si­on des Essays sie­he Jörg Auberg, New Yor­ker Intel­lek­tu­el­le: Eine poli­­tisch-kul­­tu­­rel­­le Geschich­te von Auf­stieg und Nie­der­gang, 1930–2020 (Bie­le­feld: tran­script, 2022), S. 163–171Mac­do­nald, On Movies, S. 447–449; Mac­do­nald, Atro­ci­ties of the Mind, S. 229–231; zur Bio­gra­fie Erwin Lei­sers cf. https://dffb-archiv.de/editorial/erwin-leiser Alfred Kazin, »Old Revo­lu­tio­nists«, Par­ti­san Review 25, Nr. 1 (Win­ter 1958): 135 […]

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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