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Kri­ti­ken
  • Iwan Heilbut — ZugvögelIwan Heil­but — Zug­vö­gel14. Okto­ber 2026Der Ver­ges­se­ne Die Erret­tung von Iwan Heil­buts Exil­ro­man »Zug­vö­gel« von Jörg Auberg   Im Mar­ba­cher Lite­ra­tur­mu­se­um der Moder­ne ent­deck­te Hans Magnus Enzens­ber­ger 2016 »den ver­ges­se­nen deut­schen Dich­ter Iwan Heil­but«, der 1898 in Ham­burg gebo­ren wur­de und in der Wei­ma­rer Repu­blik mit weni­ger ambi­tio­nier­ten denn mone­ta­ri­sier­ba­ren Roma­nen reüs­sier­te.1 Nach der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­über­nah­me wur­de er kurz­zei­tig inhaf­tiert und emi­grier­te nach einem Umweg über Prag nach Paris. Mit jour­na­lis­ti­schen Arbei­ten in der Pari­ser Exil­pres­se hielt er sich über Was­ser. 1937 erschien im Züri­cher Euro­­pa-Ver­­lag sein poli­ti­scher Essay Die öffent­li­chen Ver­leum­der: die »Pro­to­kol­le der Wei­sen von Zion« und ihre Anwen­dung in der heu­ti­gen Welt­po­li­tik.2 Fal­scher Pass für Char­lot­te und Iwan Heil­but, NL Iwan Heil­but, Deut­sches Exil­ar­chiv 1933–1945 der DNB­Nach dem Beginn des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­de Heil­but als »feind­li­cher Aus­län­der« mehr­fach inter­niert. »Wir wur­den aus Deutsch­land aus­ge­wie­sen, weil wir Juden waren«, schrieb Han­nah Are­ndt rück­bli­ckend 1943 in einem Arti­kel für das Meno­rah Jour­nal. »Aber kaum nach­dem wir die fran­zö­si­sche Gren­ze über­schrit­ten hat­ten, wur­den wir in boches umge­wan­delt.«3 Nach sei­ner Frei­las­sung im August 1940 schlug sich Heil­but mit sei­ner Frau Char­lot­te und sei­nem acht Mona­te alten Sohn nach Mar­seil­le durch, wo er wie vie­le ande­re Flücht­lin­ge auf die Unter­stüt­zung des von Vari­an Fry orga­ni­sier­ten Emer­gen­cy Res­cue Com­mit­tee (ERC) hof­fen konn­te, um schließ­lich über Lis­sa­bon eine Pas­sa­ge nach Ame­ri­ka zu fin­den. Der har­te Weg nach Ame­ri­ka In einem Brief an der Züri­cher Ver­le­ger Emil Oprecht schrieb der tsche­chi­sche Schrift­stel­ler Hans Nan­to­nek am 7. Okto­ber 1940 über eini­ge exi­lier­te Schrift­stel­ler wie Leon­hard Frank, die in Lis­sa­bon fest­sa­ßen und auf Visa für die USA war­te­ten: Leon­hard Frank war­tet hier immer noch auf sein ame­ri­ka­ni­sches Visum, fer­ner Iwan Heil­butt [sic], ich und noch eini­ge weni­ge, die ich noch fest­stel­len wer­de. […] Das ame­ri­ka­ni­sche Kon­su­lat in Lis­sa­bon macht immer grö­ße­re Schwie­rig­kei­ten, und das Kon­su­lat in Mar­seil­le über­weist die etwa gege­be­nen Visa nicht hier­her. […] Wir von der Fry-Lis­­te ste­hen in stän­di­ger Ver­bin­dung mit ihm selbst, mit dem hie­si­gen Komi­tee und mit der New Yor­ker Zen­tra­le […].4 Drei Mona­te spä­ter – am 28. Dezem­ber 1940 – gelang es der Fami­lie Heil­but, mit dem Schiff Ser­pa Pin­to Lis­sa­bon in Rich­tung USA zu ver­las­sen, die sie am 9. Janu­ar 1941 erreich­te. Zwar konn­te Iwan Heil­but dort sei­ne schrift­stel­le­ri­sche Arbeit fort­füh­ren, doch war er gezwun­gen, einem Brot­be­ruf nach­zu­ge­hen, um sei­ner Fami­lie ein Aus­kom­men zu sichern. Ab 1945 erhielt er einen Lehr­auf­trag für deut­sche Lite­ra­tur am Hun­ter Col­lege in New York, ohne dass er in sei­ner neu­en ame­ri­ka­ni­schen Hei­mat Fuß fas­sen konn­te, sodass er fünf Jah­re spä­ter nach Euro­pa zurück­kehr­te. Dort zog er durch meh­re­re Städ­te in Deutsch­land und der Schweiz, hielt Vor­trä­ge und arbei­te­te für Rund­funk­an­stal­ten und Zei­tun­gen.5 »Heil­but wur­de in der frem­den Hei­mat nie mehr hei­misch«, schrieb Enzens­ber­ger; »er blieb, wie es omi­nö­ser­wei­se heißt, ›ohne fes­ten Wohn­sitz‹. Am 15. April 1972 ist er, vier­und­sieb­zig­jäh­rig, in Bonn gestor­ben.«6 Spu­ren in New York Anna Seg­hers: The Seventh Cross (Litt­le, Brown, 1942)Wäh­rend sich sei­ne Spu­ren in Euro­pa ver­lo­ren, hat­te er in den USA zumin­dest vor­über­ge­hend einen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen. Beim New Yor­ker Ver­lag Dou­ble­day erschien 1943 (in der Über­set­zung von James Aus­tin Gal­s­ton, der auch Anna Seg­hers’ Exil­ro­ma­ne Tran­sit und Das sieb­te Kreuz ins Eng­li­sche über­tra­gen hat­te) sein Roman Birds of Pas­sa­ge, der Heil­buts Exil-Erfah­rung in Frank­reich reflek­tiert. In einer Rezen­si­on in der New York Times – beti­telt als »Der Uner­wünsch­te« – beschrieb die Kri­ti­ke­rin Nona Bal­a­ki­an (1918–1991), selbst eine Immi­gran­tin aus dem ehe­ma­li­gen Osma­ni­schen Reich, den Flücht­lin­ge als einen neu­en Men­schen­ty­pus, der zum Sym­bol »die­ser tra­gi­schen Zei­ten« wur­de. Sie lob­te die Schön­heit und Inten­si­tät des Romans, hob aber auch sei­ne ver­stö­ren­de Kraft her­vor. Heil­butt beschrei­be die soge­nann­ten »feind­li­chen aus­län­der« in die­sen »ver­zwei­fel­ten Tagen des Juni 1940« als Krea­tu­ren, die nur auf Gerücht und Annah­me exis­tier­ten, obwohl sie – im Gegen­satz zu den »Reichs­deut­schen« im Inter­nie­rungs­la­ger – »Fran­zo­sen im Geis­te« waren.7 Iwan Heil­but: Zug­vö­gel (Cla­as­sen, 2026)In der ame­ri­ka­ni­schen Fas­sung, über die Heil­butt nicht glück­lich war, blie­ben vie­le Pas­sa­gen des ursprüng­li­chen Manu­skripts außen vor. Wie jedoch Peter Graf (der Heil­buts Roman­text edi­tier­te und unter dem Titel Zug­vö­gel her­aus­brach­te) unter­strich, waren am man­geln­den Erfolg weder Ver­lag noch Über­set­zer schuld. »Die Kür­zun­gen sind sehr bedau­er­lich, aber an der Über­set­zung ist wenig aus­zu­set­zen«, urteilt der Her­aus­ge­ber der voll­stän­di­gen Aus­ga­be. »Und als sich das Buch trotz der über­aus guten Pres­se weni­ger gut ver­kauft als von dem in finan­zi­el­ler Not ste­cken­den Ver­fas­ser erhofft, beklagt sich Iwan Heil­butt dar­über, dass schlech­tes Mar­ke­ting und eine schlech­te Dis­tri­bu­ti­on dafür ver­ant­wort­lich sind.«8 Wäh­rend Enzens­ber­ger bei sei­ner Ent­de­ckung des »ver­ges­se­nen Dich­ters« davon aus­ging, dass sei­ne Schrif­ten nie wie­der gedruckt wür­den (»Die Geschich­te der Lite­ra­tur ist ver­gess­lich, und damit mag es am Ende sogar sein Bewen­den haben. Die Mensch­heit kann und will sich nicht alles mer­ken.«9), gehört Heil­buts wie­der­ent­deck­ter Roman zu den gro­ßen Wer­ken der Exil­li­te­ra­tur. Es ist Grafs Ver­dienst, dass er die­sen Roman – wie schon frü­he­re Wer­ke von »ver­ges­se­nen« Autoren wie Ulrich Alex­an­der Boschwitz oder Karl Alfred Loe­ser – ins lite­ra­ri­sche Gedächt­nis aus der Grab­stät­te des Archivs geholt hat. Die Denun­zia­ti­on der Exil­li­te­ra­tur Grafs bewun­de­rungs­wür­di­ge Aus­gra­bungs­ar­beit straft auch jene arro­gan­te Ver­höh­nung von Exil­li­te­ra­tur und Exil­for­schung Lügen, die in den 1980er-Jah­­ren bei Epi­go­nen der Kul­tur­in­dus­trie­kri­tik in der Tra­di­ti­on der »Frank­fur­ter Schu­le« en vogue war. »Der Rum­mel um Exil­li­te­ra­tur und Exil­for­schung ist eine Form der Ver­drän­gung«, ver­kün­de­te der Kra­wall­pu­bli­zist Wolf­gang Pohrt im Novem­ber 1984 auf einem Vor­trag in Ham­burg, »inso­fern er unter­stellt, daß man die wich­tigs­ten Wer­ke erst noch aus­gra­ben muß, wäh­rend sie tat­säch­lich längst aus­ge­gra­ben wor­den und schon wie­der in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind.«10 Hämisch schwa­dro­nier­te Pohrt (den sein Her­aus­ge­ber und Nach­lass­ver­wal­ter Klaus Bit­ter­mann mit einem MEW-Look-Pas­­ti­che der Pohrt-Wer­k­aus­­ga­­ben zum »bril­lan­ten« und »weit­sich­ti­gen« Gesell­schafts­ana­ly­ti­ker adelt11), über die »mit­tel­mä­ßi­gen und zu Recht ver­ges­sen Autoren, die es natür­lich im Exil wie über­all gege­ben hat«12 Am Ende schlägt die Denun­zia­ti­on auf den Urhe­ber zurück, der nie über die deut­schen pro­vin­zi­el­len Land­schaf­ten an den Rän­dern von Stutt­gart, Lud­wigs­burg oder Lüne­burg hin­aus­ge­kom­men ist und dort ver­west. © Jörg Auberg 2026 Biblio­gra­fi­sche Anga­ben: Ivan Heil­but.Birds of Pas­sa­ge.Über­setzt von James Aus­tin Gal­s­ton.New York: Dou­ble­day, Doran & Com­pa­ny, 1943.331 Sei­ten, US-$ 2.75.Iwan Heil­but.Zug­vö­gel.Roman.Edi­tiert und mit einem Nach­wort her­aus­ge­ge­ben von Peter Graf.Ber­lin: Cla­as­sen, 2026.656 Sei­ten, 29 Euro.ISBN: 978–3‑546–10159‑2. Medi­en­quel­len Pass für Char­lot­te und Iwan Heil­but© Deut­sches Exilarchiv/DNB Cover The Seventh CrossInter­net Archi­ve Cover Zug­vö­gel© Cla­as­sen Anmer­kun­gen­Hans Magnus Enzens­ber­ger, »Heil­but? Nie gehört!«, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, 23. Mai 2016, S. 39, https://web.archive.org/web/20160823215533/http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/marbacher-fundstuecke-heilbut-nie-gehoert-1327544.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 Ein­seh­bar in der Deut­schen Natio­nal­bi­blio­thek, Frankfurt/Main; cf. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/VLESD7N2FOMYWWNNS2FCW33S45HQWA5G Han­nah Are­ndt, The Jewish Wri­tin­gs, hg. Jero­me Kohn und Ron H. Feld­man (New York: Scho­cken Books, 2007), S. 270; zum Hin­ter­grund cf. Saman­tha Rose Hill, Cri­ti­cal Lives: Han­nah Are­ndt (Lon­don: Reak­ti­on Books, 2021), S. 70–81 Chris­toph Ema­nu­el Dejung, Emil Oprecht: Ver­le­ger der Exil­au­to­ren (Mün­chen: Euro­pa Ver­lag, 2023, ePub-Ver­­­si­on), S. 225  Syl­via Asmus, »Wie­der­ent­deckt: Iwan Heil­buts ›Zug­vö­gel‹«, Blog der Deut­schen Natio­nal­bi­blio­thek, 22. August 2026, https://blog.dnb.de/wiederentdeckt-iwan-heilbuts-zugvoegel/ Enzens­ber­ger, »Heil­but? Nie gehört!«, FAZ, 23.05.2016 Nona Bal­a­ki­an, »The Unwan­ted«, New York Times, 17. Okto­ber 1943, S. 61 Peter Graf, »›Leben, Beben, Schwan­ken‹ – Nach­wort des Her­aus­ge­bers«, in: Iwan Heil­but, Zug­vö­gel (Ber­lin: Cla­as­sen, 2026), S. 648 Enzens­ber­ger, »Heil­but? Nie gehört!«, FAZ, 23.05.2016 Wolf­gang Pohrt, Gewalt und Poli­tik: Aus­ge­wähl­te Reden & Schrif­ten, hg. Klaus Bit­ter­mann (Ber­lin: Edi­ti­on Tiamat, 2010), S. 186 Klaus Bit­ter­mann, »Der intel­lek­tu­el­le Unru­he­stif­ter«, in: Pohrt, Gewalt und Poli­tik, S. 438 Pohrt, Gewalt und Poli­tik, S. 187  […]
  • Pierre Adrian: Hotel RomaPierre Adri­an: Hotel Roma31. August 2026Im Ver­ges­sen ein­ge­schneit Pierre Adri­an auf den Spu­ren Cesa­re Pave­ses von Jörg Auberg Am 18. August 1950 schrieb Cesa­re Pave­se einen letz­ten Ein­trag in sein Tage­buch, das post­hum unter dem Titel Das Hand­werk des Lebens ver­öf­fent­licht wur­de: »All das ist ekel­haft. Nicht Wor­te. Eine Ges­te. Ich wer­de nicht mehr schrei­ben.«9 Eine Woche spä­ter voll­zog Pave­se auch als Mensch das Ende, als er sich in einem Turi­ner Durch­gangs­ho­tel namens Roma gegen­über dem Bahn­hof mit Schlaf­ta­blet­ten das Leben nahm.  Pierre Adri­an: Hotel Roma (Coll­ec­tion Folio, 2024)»Der Selbst­mord des Schrift­stel­lers ging dem des Man­nes um neun Tage vor­aus«, kom­men­tiert der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Pierre Adri­an in sei­nem Roman Hotel Roma, in dem er Pave­ses Spu­ren nach­spürt.13 Es war kei­ne Ver­zweif­lungs­tat, son­dern die Kon­se­quenz eines lang­jäh­ri­gen Pro­zes­ses, den Pave­se in sei­nem Tage­buch akri­bisch doku­men­tier­te. Schon im April 1936 schrieb er: »Mein Prin­zip ist der Selbst­mord, nie voll­zo­gen, den ich nie voll­zie­hen wer­de, der aber mei­ner Emp­find­sam­keit schmei­chelt.«14 Andert­halb Jah­re spä­ter notier­te er: »Nichts ist nie­der­träch­ti­ger als der Zustand mora­li­schen Ver­falls, zu dem der Gedan­ke, die Gewohn­heit des Gedan­kens an Selbst­mord führt. Ver­ant­wort­lich­keit, Bewusst­sein, Kraft, alles treibt ziel­los auf jenem toten Meer, geht unter und taucht gele­gent­lich wie­der auf, jedem Antrieb zum Spott.«15 Adri­an ver­gleicht Pave­se mit den Har­pu­nie­ren aus Her­man Mel­vil­les Roman Moby Dick (den Pave­se ins Ita­lie­ni­sche über­setz­te): Gleich ihnen, die mit dem Tod ver­kehr­ten, »leb­te Pave­se mit dem Gedan­ken an Selbst­mord«.16 Stig Dager­man: Trost (Fischer, 2025)Ähn­lich wie der schwe­di­sche Autor Stig Dager­man, der 1954 31-jäh­­rig sei­nem Leben mit Aus­puff­ga­sen in der Gara­ge ein Ende berei­te­te, war für Pave­se der Selbst­mord »der ein­zi­ge Beweis für die Frei­heit des Men­schen«17. Wie bei Pave­se konn­te auch der Erfolg im Lite­ra­tur­be­trieb ihn nicht aus der depres­si­ven Welt befrei­en. »Mit bit­te­rer Freu­de will ich sehen«, schrieb Dager­man in einem kur­zen Text, »wie mei­ne Häu­ser zu Rui­nen ver­fal­len und ich selbst im Ver­ges­sen ein­ge­schneit wer­de.«18 Zwar ist Pave­se heu­te nicht ver­ges­sen, doch hat er in der Lite­ra­tur der Gegen­wart einen gerin­ge­ren Stel­len­wert als bei­spiels­wei­se Pier Pao­lo Paso­li­ni, über den sich Adri­an Pave­se näher­te. »Anders als Paso­li­ni, der sich ganz auf die Welt ein­ließ, kör­per­lich, rück­sichts­los«, schreibt Adri­an, »hielt Pave­se sich her­aus.« Er »enga­gier­te sich nicht ein­mal im Wider­stand«19 Rea­li­ter enga­gier­ten sich nur weni­ge ita­lie­ni­sche Intel­lek­tu­el­le im Wider­stand gegen den Faschis­mus, und Paso­li­ni selbst war in sei­nen jun­gen Jah­ren Teil der faschis­ti­schen Jugend­kul­tur.20  Pierre Adri­an: Hotel Roma (Rot­punkt­ver­lag, 2026)In sei­nem Roman hef­tet sich Adri­an an die Spu­ren Pave­ses, wobei er nicht der Ver­su­chung erliegt, das Leben des Autors in eine ima­gi­nä­re Fik­ti­on zu über­füh­ren. Viel­mehr nähert er sich der Per­son Pave­se in nüch­ter­nen Refle­xio­nen, die in ihrer zurück­ge­nom­me­nen Dar­stel­lung aus Distanz und Nähe an die Annä­he­run­gen des Schwei­zer Fil­me­ma­chers Richard Din­do (1944–2025) an Max Frischs Montauk-Rei­­se erin­nern. Wie Din­do folgt Adri­an sei­nem Prot­ago­nis­ten an die »tat­säch­li­chen Schau­plät­ze« der Lebens­rei­se Pave­ses (Pie­mont, Turin, Rom und Kala­bri­en).21 Mit Recht bezeich­net die Schrift­stel­le­rin Suzan­ne Azmayesh Adri­ans Roman als Jour­nal des Umher­strei­fens am Meer oder in den Hügeln: »Fast wie in einem Rei­se­ta­ge­buch lädt uns Pierre Adri­an in die­sem wun­der­schö­nen Buch ein, an sei­ner Sei­te umher­zu­strei­fen, ›als wür­den wir eine Erzäh­lung von Pave­se nach­spie­len‹, am Meer oder in den Hügeln, von einem Zug zum nächs­ten, von einer Anek­do­te zu einer Erin­ne­rung, um zu ver­su­chen, die Dämo­nen die­ses zyni­schen und melan­cho­li­schen Schrift­stel­lers zu ver­ste­hen, der uns para­do­xer­wei­se auch leh­ren kann, zu leben.«22 »In mei­nen Drei­ßi­gern wur­de Cesa­re Pave­se mein Schrift­stel­ler«, schreibt Adri­an, »wahr­schein­lich weil ich kei­nen Vor­den­ker mehr such­te, son­dern nur einen Freund, der mir Gesell­schaft leis­tet. Ich akzep­tier­te jetzt die Welt und hat­te auf­ge­ge­ben, sie zu ver­än­dern.«23 In Adri­ans Wahr­neh­mung ist Pave­se als Mensch und Schrift­stel­ler pri­mär von Ein­sam­keit, Ver­zweif­lung, Resi­gna­ti­on und »zyni­scher Hell­sich­tig­keit« geprägt24, wäh­rend er die Ent­frem­dung und die Schwie­rig­kei­ten des Enga­ge­ments ver­nach­läs­sigt. »Pave­se war unen­ga­giert; sei­ne Gleich­gül­tig­keit ent­sprach dem unbe­deu­ten­den Lärm der Welt.«25, schreibt Adri­an, wobei sich die Fra­ge stellt, ob ein Schrift­stel­ler über­haupt »unen­ga­giert« sein kann. Selbst der her­me­ti­sche Dich­ter Sté­pha­ne Mall­ar­mé war für Jean-Paul Sart­re »so total wie mög­lich« enga­giert – »gesell­schaft­lich eben­so wie poe­tisch«.26 Pave­se war kein »Mann der Akti­on«, wie Gio­se Rima­nel­li in sei­ner Mono­gra­fie Cesa­re Pavese’s Long Jour­ney schrieb. Ihm gelang es nicht, sei­ne Sehn­sucht nach mensch­li­cher Brü­der­lich­keit in eine akti­ve poli­ti­sche Teil­nah­me umzu­wan­deln. »Er bezahl­te die Stra­fe der poli­ti­schen Ver­ban­nung eher auf­grund sei­ner Kon­tak­te denn wegen ande­rer Grün­de.«27 Die frü­he Erzäh­lung »Land der Ver­ban­nung« aus dem Jah­re 1936 (die eini­ge Zeit spä­ter in den zwei Jah­re spä­ter ent­stan­de­nen Kurz­ro­man Il car­ce­re ein­floss) lässt Pave­se mit den Wor­ten des ver­bann­ten Ich-Erzäh­­lers begin­nen:  Son­der­ba­re Umstän­de mei­ner Tätig­keit hat­ten mich aus­ge­rech­net tief nach Unter­ita­li­en ver­schla­gen; ich fühl­te mich dort sehr ein­sam und sah die­ses schmut­zi­ge klei­ne Dorf als eine Art Stra­fe an, wie sie jeden von uns min­des­tens ein­mal im Leben erwar­tet –, oder auch als ganz abge­le­ge­nen Ort, wo ich mich sam­meln und merk­wür­di­ge Erfah­run­gen machen. Und eine eine Stra­fe waren sie, all die Mona­te, die ich dort ver­brach­te, wäh­rend mich der Ort, was fremd­ar­ti­ge Erfah­run­gen anlangt, nicht wenig ent­täusch­te.28 Auch in dem spä­te­ren Roman Die Ver­ban­nung (Il car­ce­re) herr­schen Ein­sam­keit, Trost­lo­sig­keit und Iso­la­ti­on bei dem Prot­ago­nis­ten Ste­fa­no vor. Als er am Ende des Exils (das für Pave­se ein gan­zes Leben dau­er­te) am Bahn­hof auf den ein­fah­ren­den Zug war­tet, scheint das »blei­che Meer« im Lee­ren sich auf­zu­bäu­men. »Als der Zug ein­fuhr«, heißt es am Schluss, »kam es Ste­fa­no so vor, als wir­bel­ten die Gesich­ter und die Namen derer, die nicht da waren, wie dür­re Blät­ter um ihn her.«29 In sei­nen Erzäh­lun­gen und Roma­nen nahm Pave­se mit sei­nem stoi­schen Ertra­gen der Ein­sam­keit und Ver­zweif­lung vie­les von Michel­an­ge­lo Anto­nio­nis Bild­spra­che in Fil­men wie Le ami­che (der auf Pave­ses Roman Die ein­sa­men Frau­en basier­te) oder Il gri­do vor­weg. Tref­fend ana­ly­siert Adri­an die ästhe­ti­sche Ver­wandt­schaft zwi­schen den bei­den Künst­lern. »Pave­se zyni­sche Hell­sich­tig­keit, sei­ne Resi­gna­ti­on zeich­nen auch die männ­li­chen Figu­ren Anto­nio­nis aus«, kon­sta­tiert er. »Die­se Män­ner ste­hen da, mit lee­rem Blick, trost­los, die Hän­de in den Taschen.«30 Cesa­re Pave­se: Das Hand­werk des Lebens (Rot­punkt­ver­lag, 2024)Am Ende schei­ter­te Pave­se an den Anfor­de­run­gen des erwar­te­ten Enga­ge­ments. »Die Intel­lek­tu­el­len, die sich in der Fra­ge der Frei­heit von der KPI distan­zie­ren, soll­ten sich fra­gen, was sie mit die­ser Frei­heit anfan­gen wol­len, um die sie so besorgt sind«31, notier­te er im April 1945 in sei­nem Tage­buch. Zwei Jah­re spä­ter ver­dun­kel­te sich der Hori­zont wei­ter: »In der Zeit der Klan­des­t­in­i­tät war alles Hoff­nung; jetzt ist alles Aus­sicht auf Desas­ter.«32 Am Ende fin­den sich kaum bemer­kens­wer­te Spu­ren Pave­ses in einem Turi­ner Buch­la­den, den Adri­an bei sei­ner Recher­che auf­sucht. »Eines Tages frag­te ich den Buch­händ­ler nach den Wer­ken von Pave­se«, erzählt Adri­an, »und­war mir sicher, ein gut gefüll­tes Regal, eine klei­ne Kapel­le, ein Mau­so­le­um zu ent­de­cken. Der Mann erhob sich, umrun­de­te einen Tisch mit Bild­bän­den, mur­mel­te ›Pave­se, Pave­se…‹. Dann such­te er die Drei in sei­ner Buch­hand­lung ver­streu­ten grau­en, tris­ten Mon­d­a­do­ri-Bän­­de zusam­men. Mehr kön­nen er mir nicht anbie­ten, sonst habe er nichts.«33 Glück­li­cher­wei­se kön­nen zeit­ge­nös­si­sche deutsch­spra­chi­ge Leser*innen auf die gro­ßen Wer­ke Pave­ses zurück­grei­fen, die zumeist von Maja Pflug kon­ge­ni­al ins Deut­sche über­tra­gen wur­den. © Jörg Auberg 2026 Für die Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen wur­de die Soft­ware DeepL ver­wen­det.  Biblio­gra­fi­sche Angaben:Pierre Adri­an.Hotel Roma.Roman.Über­setzt von Andrea Spin­gler.Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2026.216 Sei­ten, 25 Euro.ISBN: 978–3‑03973–084.Stig Dager­man.Trost.Über­setzt von Paul Berf.Frankfurt/Main: Fischer, 2025.64 Sei­ten, 12 Euro.ISBN: 978–3‑596–71161‑1.Weiterführende Literatur:Cesa­re Pave­se.Das Hand­werk des Lebens:Tage­buch 1935–1950.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Maja Pflug.Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2024.480 Sei­ten, 32 Euro.ISBN: 978–3‑03973–019‑3.Cesa­re Pave­se.Der schö­ne Som­mer.Drei Roma­ne.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Maja Pflug.Nach­wort von Nata­lia Ginz­burg.Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2021.488 Sei­ten, 32 Euro.ISBN: 978–3‑85869–903‑9.Cesa­re Pave­se.Das Haus auf dem Hügel.Roman.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Maja Pflug.Nach­wort von Lothar Mül­ler.Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2018.216 Sei­ten, 26 Euro.ISBN: 978–3‑85869–782.Cesa­re Pave­se.Der Mond und die Feu­er.Roman.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Maja Pflug.Nach­wort von Pao­la Tra­ver­so.Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2018.216 Sei­ten, 26 Euro.ISBN: 978–3‑85869–715‑8.Cesa­re Pave­se.Der Genos­se.Roman.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Maja Pflug.Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2019.224 Sei­ten, 26 Euro.ISBN: 978–3‑85869–841‑4.Cesa­re Pave­se.Klar und ver­las­sen gehen die Mor­gen dahin.Sämt­li­che Gedich­te.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Dag­mar Leu­pold.Zürich: Atlan­tis Ver­lag, 2024.240 Sei­ten, 24 Euro.ISBN: 978–3‑7152–5042‑7.Cesa­re Pave­se und Bian­ca Garu­fi.Gro­ßes Feu­er.Roman.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Maja Pflug.Zürich: Atlan­tis Ver­lag, 2022.128 Sei­ten, 20 Euro.ISBN: 978–3‑7152–5014‑4.Cesa­re Pave­se.Der Strand.Roman.Aus dem Ita­lie­ni­schen von Hel­mut Moy­sich.Nach­wort von Hanns-Josef Ort­heil.Mainz: Dieterich’sche Ver­lags­buch­hand­lung, 2021.128 Sei­ten, 18 Euro.ISBN: 978–3‑87162–109‑3.  Medi­en­quel­len Cover Hotel Roma© Gal­li­mard Cover Trost© Fischer Cover Hotel Roma© Rot­punkt­ver­lag Publi­ci­­ty-Spot Hotel Roma© Gal­li­mard Cover Das Hand­werk des Lebens© Rot­punkt­ver­lag AnmerkungenCesa­re Pave­se, Das Hand­werk des Lebens: Tage­buch 1935–1950, übers. Maja Pflug (Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2024), S. 469 Pierre Adri­an, Hotel Roma, übers. Andrea Spin­gler (Zürich: Rot­punkt­ver­lag, 2026), S. 21 Pave­se, Das Hand­werk des Lebens, S. 40 Pave­se, Das Hand­werk des Lebens, S. 65 Adri­an, Hotel Roma, S. 19  Stig Dager­man, Trost, übers. Paul Berf (Frankfurt/Main: Fischer, 2025), S. 20  Dager­man, Trost, S. 19 Adri­an, Hotel Roma, S. 17 Cf. Simo­na Bon­da­vel­li, Fic­tions of Youth: Pier Pao­lo Paso­li­ni, Ado­le­sence, Fascism (Toron­to: Uni­ver­si­ty of Toron­to Press, 2015), S. 36–43 Cf. Richard Din­do, Max Frisch: Jour­nal I‑III (Ber­lin: Suhr­kamp, 2011), Book­let, S. 5  Suzan­ne Azmayesh, »Pierre Adri­an ou la liber­té du roman­cier«, La règ­le du jeu, 3. Dezem­ber 2024, https://laregledujeu.org/2024/12/03/41194/pierre-adrian-ou-la-liberte-du-romancier/ Adri­an, Hotel Roma, S. 18 Adri­an, Hotel Roma, S. 69, 108 Adri­an, Hotel Roma, S. 17 Jean-Paul Sart­re, Was kann Lite­ra­tur? Inter­views, Reden, Tex­te, 1960–1976, hg. Trau­gott König, übers. Trau­gott König et al. (Rein­bek: Rowohlt, 1986), S. 12 Gio­se Rima­nel­li, Cesa­re Pavese’s Long Jour­ney: A Cri­­ti­­cal-Ana­­ly­­ti­­cal Stu­dy, hg. Mark Pie­tral­un­ga (New York: Bord­ig­he­ra Press, 2019), S. 128 Cesa­re Pave­se, Die Nacht von San Roc­co: Erzäh­lun­gen, übers. Char­lot­te Birn­baum (Hil­des­heim: Cla­as­sen extra, 1992), S.7 Cesa­re Pave­se, Die Ver­ban­nung, übers. Ari­an­na Giachi (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1963), S. 153Adri­an, Hotel Roma, S. 108 Pave­se, Das Hand­werk des Lebens, S. 371 Pave­se, Das Hand­werk des Lebens, S. 385 Adri­an, Hotel Roma, S. 50  […]
  • Steffen Kopetzky — Die HarzreiseStef­fen Kopetz­ky — Die Harz­rei­se8. August 2026Unter­wegs in der Zone Stef­fen Kopetz­ky auf den Spu­ren von Hein­rich Hei­ne im Harz  von Jörg Auberg In Tho­mas Pyn­chons Roman Gravity’s Rain­bow (1973) – der von Kritiker*innen gern als »exem­pla­ri­scher post­mo­der­ner Text« und als Ulys­ses des spä­ten 20. Jahr­hun­derts klas­si­fi­ziert wird25 – taucht der Ober­harz bei einem Über­flug von See­sen nach Gos­lar Rich­tung Lei­ne und Weser mit einem Ort »Claus­­thal-Zel­­t­er­feld« auf.34 (In der deut­schen Über­set­zung wur­de der Schreib­feh­ler still­schwei­gend kor­ri­giert.35)  Auf dem Weg zum Geis­ter­haus Stef­fen Kopetz­ky: Die Harz­rei­se: Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung (Rowohlt Ber­lin, 2026)In sei­nem Buch Die Harz­rei­se bewegt sich Stef­fen Kopetz­ky auf den Spu­ren Hein­rich Hei­nes (der als Göt­tin­ger Stu­dent 1824 aus gesund­heit­li­chen Grün­den auf eine »Fuß­rei­se« durch das nörd­lichs­te Mit­tel­ge­bir­ge Deutsch­lands auf­ge­bro­chen war) in dem geo­gra­fi­schen Raum des Har­zes, der bei Pyn­chon als »Zone« (der Schuld und Ver­stri­ckung) bezeich­net wird36) und freut sich – nach sei­nem Auf­bruch in Göt­tin­gen – auf »das mythisch schim­mern­de Claus­thal«.37 Wie sein Vor­gän­ger nimmt der neue Harz­rei­sen­de Quar­tier im Hotel »Gol­de­ne Kro­ne«, das sich aller­dings weni­ger »gol­den« denn etwas »aus­ge­stor­ben« aus­nimmt. Etwas despek­tier­lich nennt es Kopetz­ky ein »fein möblier­tes Geis­ter­haus«.38 In sei­nem Rei­se­be­richt Die Harz­rei­se (1826 in Buch­form im Ham­bur­ger Ver­lag Hoff­mann & Cam­pe erschie­nen) hielt Hei­ne detail­liert sein Mit­tags­mahl in der »Kro­ne« fest:   Hein­rich Hei­ne: Die Harz­rei­se (Fischer Klas­sik, 2010)In der »Kro­ne« zu Klaus­thal hielt ich Mit­tag. Ich bekam früh­lings­grü­ne Peter­si­li­en­sup­pe, veil­chen­blau­en Kohl, einen Kalbs­bra­ten, groß wie der Chim­bor­as­so in Minia­tur, so wie auch eine Art geräu­cher­ter Herin­ge, die Bückin­ge hei­ßen, nach dem Namen ihres Erfin­ders, Wil­helm Bücking, der 1447 gestor­ben, und um jener Erfin­dung wil­len von Karl V. so ver­ehrt wur­de, daß der­sel­be anno 1556 von Mid­del­burg nach Bievlied in See­land reis­te, bloß um dort das Grab die­ses gro­ßen Man­nes zu sehen. Wie herr­lich schmeckt doch solch ein Gericht, wenn man die his­to­ri­schen Noti­zen dazu weiß und es selbst ver­zehrt! Nur der Kaf­fee nach Tische wur­de mir ver­lei­det, indem sich ein jun­ger Mensch dis­kur­sie­rend zu mir setz­te und so ent­setz­lich schwa­dro­nier­te, daß die Milch auf dem Tische sau­er wur­de.39  Brief­kopf des Hotels zur »Gol­de­nen Kro­ne« in Claus­thal vor 1933Bereits in einer Schwarz-Weiß-Repor­­ta­­ge des NDR aus dem Jah­re 1961, die dem »Emi­gran­ten« und »bit­te­ren Spöt­ter« Hein­rich Hei­ne mit dem Bus­un­ter­neh­men Max Hei­ne bis zur »Zonen­gren­ze« folg­te, ist die Claus­tha­ler »Kro­ne« ein his­to­ri­scher Ort. »Schon vor 1933 kam es zu anti­se­mi­ti­schen Pöbe­lei­en, als jüdi­sche Gäs­te die ›Kro­ne‹ auf­such­ten«, heißt es im Film­kom­men­tar, »und im Drit­ten Reich ver­schwand die Erin­ne­rung an Hei­ne auch vom Brief­kopf des Hotels.«40 Hei­nes aktu­el­ler »Nach­gän­ger« hat in der »Kro­ne« jedoch noch weni­ger Glück mit dem Mit­tag­essen, da im Restau­rant gegen­wär­tig ledig­lich ein »köst­li­ches Früh­stück« ange­bo­ten wird41, sodass Kopetz­ky sei­nen Hun­ger aus­wärts stil­len muss, wo ihm die nächs­te Ent­täu­schung ent­ge­gen­schlägt: »Es gibt kein Claus­tha­ler in Claus­thal-Zel­ler­feld«42. Die Mar­ke »Claus­tha­ler« ist ein alko­hol­frei­es Bier, das 1979 von der Frank­fur­ter Bin­­ding-Brau­e­­rei auf den Markt gebracht wur­de, nach­dem sie ein Jahr zuvor die »Städ­ti­sche Braue­rei Claus­thal« über­nom­men und sofort geschlos­sen hat­te. Aus »Pro­test« oder »Ran­kü­ne« wird in Claus­­thal-Zel­­ler­­feld zwar »Alten­au­er«, »Flens­bur­ger« oder »Jever« aus­ge­schenkt – aber kein »Claus­tha­ler«. Logik des Ver­falls Bei sei­ner Exkur­si­on in die »Unter­stadt« Zel­ler­feld erkun­det er ein ver­rot­ten­des Ter­ri­to­ri­um, als wäre es ein Relikt aus der Zwi­schen­welt von T. S. Eli­ots Was­te Land und Samu­el Becketts End­ga­me – öde, kahl und ver­waist. »Jedes zwei­te Gebäu­de, Wohn­haus oder Geschäft steht leer«, beob­ach­tet Kopetz­ky. »Der Stra­ßen­zug wirkt ein­fach her­un­ter­ge­kom­men, Unkraut wächst, wo es nur kann.«43 Vor dem Auge des Rei­sen­den brei­tet sich der Ort in einem Mias­ma der Schmud­de­lig­keit aus, wie ein Resi­du­um aus einer ver­lo­re­nen und aus­ge­träum­ten Zeit oder eine kli­schee­haf­te Geis­ter­stadt aus einem Kin­­topp-Wes­­tern. An jeder Ecke könn­te die Zel­lu­­lo­id-Lei­che des alten Berg­manns im Ober­har­zer Berg­werks­mu­se­um aus dem NDR-Retro-Film Hein­rich Hei­ne – Die Harz­rei­se auf­tau­chen und in sei­nem »Claus­tha­ler Säch­sisch« (das Kopetz­ky als his­to­ri­sches Über­bleib­sel der erfah­re­nen Berg­leu­te aus dem säch­si­schen Erz­ge­bir­ge bezeich­net, die als »Ent­wick­lungs­hel­fer« in den Harz kamen44) über die »Vor­fah­ren« schwa­dro­nie­ren, aber nicht über die eige­ne jüngst zurück­lie­gen­de Ver­stri­ckung in die Bar­ba­rei (am Hirsch­ler Brink nahe Claus­­thal-Zel­­ler­­feld wur­den am 6. April 1945 elf KZ-Häf­t­­lin­­ge auf dem Todes­marsch durch den Harz erschos­sen)45.  Rolf Denecke: Goe­thes Harz­rei­sen (Ver­lag August Lax, 1980)Die Beschrei­bung des Ver­falls kor­re­spon­diert mit einer NDR-Repor­­ta­­ge, die den bezeich­nen­den Titel Hei­mat Harz: Wer stoppt den Nie­der­gang? trägt: Dar­in beschreibt ein Repor­ter an Bei­spie­len ehe­mals »blü­hen­der« Orte wie Sankt Andre­as­berg oder Herz­berg den Harz (wie Kopetz­ky resü­miert) »als eine ster­ben­de Regi­on ohne Zukunft«.46 Ähn­li­che Beob­ach­tun­gen macht Kopetz­ky auf sei­ner wei­te­ren Wan­dung nach Gos­lar und Bad Harz­burg. Schon Hei­ne war mit gro­ßen Erwar­tun­gen nach Gos­lar auf­ge­bro­chen und ima­gi­nier­te eine »impo­san­te, statt­li­che Stadt«, doch fand er ledig­lich »ein Nest mit meis­tens schma­len, laby­rin­thisch krum­men Stra­ßen« vor, »all­wo mit­ten­durch ein klei­nes Was­ser, wahr­schein­lich die Gose, fließt, ver­fal­len und dump­fig, und ein Pflas­ter, so holp­rig wie Ber­li­ner Hexa­me­ter«.47 Auch Goe­the war von Gos­lar nicht über­mä­ßig begeis­tert. »Die Stadt ver­mo­dert in ihren Pri­vi­le­gi­en«, zitiert ihn der Harz-Exper­­te Gün­ter Auberg in sei­nem Gos­la­rer Rou­ten­füh­rer aus dem Jah­re 1980, um hin­zu­zu­fü­gen: »Käme er heu­te noch ein­mal in die­se Stadt, er wür­de sicher einen ganz ande­ren Ein­druck von der Stadt gewin­nen, die sich doch auch in ihrem Alt­stadt­be­reich sehr betrieb­sam zeigt.«48   Das Urteil über Gos­lar wäre bei Hei­ne, »der noch im Grab ein ras­sisch und poli­tisch Ver­folg­ter wur­de« (wie es im Kom­men­tar des NDR-Retro-Films heißt), um eini­ges ver­nich­ten­der aus­ge­fal­len, nach­dem die knapp fünf­zig Gos­la­rer Juden zwi­schen 1938 und 1943 ent­we­der schon in der Pogrom­nacht 1938 oder in den Ver­nich­tungs­la­gern The­re­si­en­stadt oder Ausch­witz ermor­det wor­den waren (den krank in sei­nem Bett lie­gen­den Gos­la­rer Kauf­mann Sel­mar Hoch­berg erschlug ein SA-Trupp in der Nacht zwi­schen dem 9. und 10. Novem­ber 1938 mit einem Schrau­ben­schlüs­sel).49 Wie schon im Ober­harz dia­gnos­ti­ziert Kopetz­ky in der Kur­stadt Bad Harz­burg eine »nos­t­al­­gisch-skur­ri­­le« Atmo­sphä­re, in der die »Kri­se des frü­he­ren west­li­chen Zonen­rands« deut­lich erkenn­bar sei, wobei jedoch das Kur­bad­pu­bli­kum im Harz stel­len­wei­se kaum weni­ger unsym­pa­thisch ist als der anti­se­mi­ti­sche Wut­bür­ger Wie­demann in Tho­mas Manns Zau­ber­berg. Die gut situ­ier­ten Gäs­te (in Per­son eines sport­li­chen Grau­barts) echauf­fie­ren sich über Euro­pa und flu­chen sich »durch das gro­ße Alpha­bet der Aus­län­der­feind­lich­keit«, um ihrer Wut mit »Radau an der Radau« (dem Fluss, an dem Bad Harz­burg liegt) Aus­druck zu ver­lei­hen. »Was mich am meis­ten befrem­de­te«, resü­miert Kopetz­ky die­se uner­freu­li­chen Begeg­nun­gen in Bad Harz­burg, »war die abso­lu­te Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der der Grau­bär­ti­ge üble Schimpf­wor­te aus­pack­te, als gehör­ten sie zum nor­ma­len Wort­schatz einer zufäl­li­gen Unter­hal­tung.«50 Der Preis des Fort­schritts Die Stär­ke des Buches liegt – neben der Schil­de­rung von Beschwer­nis­sen auf der Wan­de­rung (wie Erschöp­fung und schmer­zen­de Bla­sen an den Füßen) und Moment­auf­nah­men an den Orten der Rou­te – auch in den kri­ti­schen Bezü­gen zur Geschich­te und Öko­lo­gie der Regi­on. Wäh­rend in his­to­ri­schen Doku­men­ta­tio­nen oft ein sen­ti­men­ta­ler Ton über die Tra­di­ti­ons­pfle­ge der Berg­män­ner über­wiegt51, weist Kopetz­ky dar­auf hin, dass Berg­leu­te mit unge­wöhn­li­chen Pri­vi­le­gi­en aus­ge­stat­tet waren und »als eige­ne sozia­le Klas­se« sich durch die »Berg­frey­heit« von ande­ren Grup­pen wie Bau­ern und Hand­wer­kern ekla­tant unter­schie­den.52 Der Preis für die­se Pri­vi­le­gi­en war eine ver­deck­te mili­­tä­risch-hier­ar­chi­­sche Orga­ni­sa­ti­on »mit Offi­zie­ren, Unter­of­fi­zie­ren und Fuß­sol­da­ten, die dem strengs­ten Ver­hal­tens­ko­dex unter­wor­fen waren« und eine »Aus­beu­tungs­ge­mein­schaft« bil­de­ten. Die auto­ri­tä­re Durch­drin­gung des Har­zer All­tags­le­bens (»Glas­kla­re Befehls­ket­ten. Gere­gel­te Hoheit. Denn davon hing das Leben aller ab«, fasst Kopetz­ky die kul­tu­rel­le Orga­ni­sa­ti­on in der Berg­bau­re­gi­on zusam­men) erleich­ter­te auch den Tri­umph der NSDAP im Ober­harz: Bei der Reichs­tags­wahl im Juli 1932 erreich­te die Nazi-Par­­tei im Kreis Zel­ler­feld einen Stim­men­an­teil von 51,1 Pro­zent (1928 lag er noch bei 2,8 Pro­zent). 53 Zudem brach­te die­ses Sys­tem von Herr­schaft und Hier­ar­chie kom­ple­men­tär eine ruch­lo­se Unter­wer­fung und Aus­beu­tung der Natur her­vor. »Es ist eine her­ge­brach­te Vor­stel­lung, daß in gewis­sen Peri­oden nur vom Raub gelebt ward«, schrieb Hei­nes spä­te­rer Freund Karl Marx in Vor­stu­di­en zum Kapi­tal. »Um aber rau­ben zu kön­nen, muß etwas zu rau­ben da sein, also Pro­duk­ti­on. Und die Art des Raubs ist selbst wie­der durch die Art der Pro­duk­ti­on bestimmt.«54 Wie der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Hein­rich Dete­ring aus­führ­te, kam dem Holz als nach­wach­sen­dem »Roh­stoff für die Ener­gie­ge­win­nung im Berg­bau und den ihm ange­schlos­se­nen Indus­trie­an­la­gen« eine beson­de­re Bedeu­tung zu.55 Aus »Pro­duk­ti­ons­in­ter­es­sen« ent­wi­ckel­te sich im Harz eine Mono­kul­tur aus schnell nach­wach­sen­den Res­sour­cen, wel­che die Land­schaft anfäl­lig für die Destruk­ti­on durch Bor­ken­kä­fer mach­te. »Wegen des unge­heu­ren Bedarfs an Fich­ten­holz war der Harz schon vor Jahr­hun­der­ten lan­ge kein Natur­pa­ra­dies«, schreibt Kopetz­ky, »son­dern von Kahl­schlag und inten­si­ver Nut­zung geprägt. Als Hei­ne sei­ne Rei­se absol­vier­te, lag der Harz in wei­ten Tei­len baum­los und abge­ro­det, die Land­schaft sah dem heu­ti­gen durch Tro­cken­heit und Bor­ken­kä­fer gezeich­ne­ten Gebiet ver­blüf­fend ähn­lich!«56 Hei­ne im Harz (Hentrich & Hentrich, 2024)Bereits zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts hat­te Fried­rich Gott­schalck (unter dem Pseud­onym »Wil­hem Fer­di­nand Mül­ler«) in sei­nen »Strei­ferey­en in den Harz« (die in dem Begleit­band zur Aus­stel­lung Hei­ne im Harz aus den Jah­ren 2024–25 tran­skri­biert sind) die von »Wurm­trock­niß« heim­ge­such­ten Wal­dun­gen beschrie­ben. »Ueber­all ent­deck­te ich gro­ße ent­blöß­te, ganz nie­der­ge­haue­ne Stri­che«, schrieb er. »Trau­ri­ge Aus­sich­ten für unse­re Nach­kom­men.«57 Die Ver­wen­dung von Che­mi­ka­li­en wie Blei, Arsen und Schwe­fel im Betrieb der Poch­wer­ke und Sil­ber­hüt­ten im Ober­harz erin­ner­te ihn an das Bren­nen von Sodom und Gomor­ra, und über­all nahm er einen »gif­ti­gen Hauch« wahr, der das Gras ver­dor­ren und ver­öden ließ. Auf sei­nem Weg nach Claus­thal war Hei­ne einem Rei­sig suchen­den Jun­gen begeg­net, der über »Albi­nos« im Tal von Ler­bach, »dum­me Kropf­leu­te und wei­ße Moh­ren« sprach, die Gott­schalck bereits zwan­zig Jah­re zuvor mit einer lei­chen­ähn­lich wei­ßen Haut auf­ge­fal­len waren.58 »Wer ein Bild des mensch­li­chen Elends«, schrieb Gott­schalck in sei­nen Strei­ferey­en, »wer es sehen will, was der Mensch für Geld zu thun, zu wagen im Stan­de ist, für wel­chen Preis ihm Gesund­heit und Leben feil sind; der kom­me hier­her und sehe, sehe, wie die Men­schen glei­chen Gespens­tern umher­schlei­chen, wie sie gelähmt, abge­bleicht, ent­markt, mit hoh­len Augen und krumm gezerr­ten Gebei­nen vor dem glü­hen­den Ofen stehn, um sich ihr sie­ches Leben, das mit jedem Tag an Qua­len zunimmt, eini­gen Unter­halt zu ver­schaf­fen.« 59   Im Land der Eichen und des Stumpf­sinns Am Ende gelingt Kopetz­ky der Auf­stieg auf den Bro­cken, der zwar ein »Fas­zi­no­sum« dar­stellt, aber trotz allem »furcht­bar deutsch« ist. »Der Bro­cken ist ein Deut­scher«, schrieb Hei­ne. »Mit deut­scher Gründ­lich­keit zeigt er uns, klar und deut­lich, wie ein Rie­sen­pan­ora­ma, die vie­len hun­dert Städ­te, Städt­chen und Dör­fer, die meis­tens nörd­lich lie­gen, und rings­um alle Ber­ge, Wäl­der, Flüs­se, Flä­chen, unend­lich weit.«60 Nach dem Abstieg begeg­net Kopetz­ky in der mit mas­si­ven EU-Mit­­teln auf­ge­hübsch­ten Stadt Wer­ni­ge­ro­de mur­ren­den AfD-Anhänger*innen in beige­far­be­nen Rent­ner­blou­sons, die ihren Res­sen­ti­ments gegen Flücht­lin­ge und Migrant*innen frei­en Lauf las­sen. »Es war bis­lang alles so wun­der­bar in Wer­ni­ge­ro­de gewe­sen«, resü­miert Kopetz­ky, »aber das ist auch eine Rea­li­tät in die­ser Stadt, im Harz. In Deutsch­land. Ich möch­te weg. Es ist ja auch Zeit.«61 In der NDR-Repor­­ta­­ge Hei­mat Harz lässt der Repor­ter die Markt­pro­pa­gan­da des Geschäfts­füh­rers der Tou­ris­mus GmbH von Wer­ni­ge­ro­de vom »tou­ris­ti­schen Grund­rau­schen« und von den »gesam­ten Mischun­gen von Wer­ni­ge­ro­de« unkri­tisch ins Mikro­fon bla­sen – Haupt­sa­che, die Geschäf­te sind offen. Alles ist Ver­kauf. »In zehn, fünf­zehn Jah­ren, so viel ist gewiss, wird Deutsch­land«, schluss­fol­gert Kopetz­ky, »ein ande­res Land sein und der Wald im Harz neue Pracht ent­fal­tet, den Kli­ma­wan­del getrotzt haben, viel­leicht mit neu­en ande­ren Baum­ar­ten, sich anpas­sen­den Öko­sys­te­men.«62 Lud­wig Mar­cu­se: Hei­ne in Selbst­zeug­nis­sen (Rowohlt, 1960)Mög­li­cher­wei­se ist die­ses Deutsch­land am Ende noch brau­ner & blau­er als befürch­tet: Will­kom­men in der Zone der »Remi­gra­ti­on«. Oder noch­mals mit Hei­ne gespro­chen: »Alles, was deutsch ist, ist mir zuwi­der … Alles Deut­sche wirkt auf mich wie ein Brech­pul­ver.« Durch das »Land der Eichen und des Stumpf­sinns« wabert »das unse­li­ge Gewä­sche jener Pfen­nings­men­schen, die mit dem Deutsch­tum koket­tie­ren«.63 Die »Hei­mat Harz« ist offen­bar nicht nur baum‑, son­dern auch hirn­los. Der Nie­der­gang ist bereits Geschich­te.  © Jörg Auberg 2026 Biblio­gra­fi­sche Angaben:Stef­fen Kopetz­ky.Die Harz­rei­se.Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung.Ber­lin: Rowohlt Ber­lin, 2026.240 Sei­ten, 23 Euro.ISBN: 978–3‑7371–0256‑8.Elke-Vera Kotow­ski und Uwe Lag­a­tz (Hgg.).Hei­ne im Harz:Ent­de­ckun­gen am Ran­de einer legen­dä­ren Fuß­rei­se.Ber­lin: Hen­rich & Hentrich, 2024320 Sei­ten, 245 Abbil­dun­gen, 28 Euro.ISBN: 978–3‑95565–676‑8.  Medi­en­quel­len Cover Stef­fen Kopetz­ky: Die Harz­rei­se© Rowohlt Ber­lin Cover Hein­rich Hei­ne: Die Harz­rei­se© Fischer Klas­sik Film Hein­rich Hei­ne — Die Harz­rei­se© NDR Brief­kopf Hotel zur »Gol­de­nen Kro­ne«© NDR (Screen­shot aus: Hein­rich Hei­ne — Die Harz­rei­se) Cover Goe­thes Harz­rei­sen© Ver­lag August Lax Cover Hei­ne im Harz© Hentrich & Hentrich Cover Hei­ne in Selbst­zeug­nis­sen© Rowohlt AnmerkungenMal­colm Brad­bu­ry und Richard Ruland, From Puri­ta­nism to Post­mo­der­nism: A Histo­ry of Ame­ri­can Lite­ra­tu­re (New York: Pen­gu­in, 1992), S. 391–392Tho­mas Pyn­chon, Gravity’s Rain­bow (New York: Pen­gu­in, 2006), S. 335; sie­he auch Pyn­chon Wiki, https://gravitys-rainbow.pynchonwiki.com/wiki/index.php?title=Pages_329-336 Tho­mas Pyn­chon, Die Enden der Para­bel, übers. Elfrie­de Jeli­nek und Tho­mas Piltz (Rein­bek: Rowohlt, 2015, eBook-Aus­­­ga­­be), S. 494Pyn­chon, Gravity’s Rain­bow, S. 434–435. Das Ober­berg­amt Claus­­thal-Zel­­ler­­feld war – bei­spiels­wei­se in Per­son des Ober­ber­grats Her­bert Den­nert – in die Orga­ni­sa­ti­on des KZ Mit­­tel­­bau-Dora ver­strickt. Zum Hin­ter­grund cf. https://moleskinblues.net/2016/06/25/jens-christian-wagner-produktion-des-todes/; und https://www.goslarsche.de/Nachrichten/Landesamt-bringt-Nazi-Vergangenheit-ans-Licht-526386.html Stef­fen Kopetz­ky, Die Harz­rei­se: Eine Deutsch­lan­d­er­kun­dung (Ber­lin: Rowohlt Ber­lin, 2026), S. 7Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 57Hein­rich Hei­ne, Die Harz­rei­se, Fischer Klas­sik Plus, eBook-Aus­­­ga­­be (Frankfurt/Main: Fischer, 2011), S. 12–13Nino Erné, Hein­rich Hei­ne – Die Harz­rei­se, NDR, 29.06.1961, https://www.ndr.de/geschichte/ndr_retro/Heinrich-Heine-Die-Harzreise,norddeutschegeschichten176.html https://www.goldenekrone-harz.de/restaurantKopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 53Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 58Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 66 »Am Abend des 5. April 1945 traf der Todes­marsch aus dem KZ-Außen­la­­ger Bruns­hau­sen in Claus­­thal-Zel­­ler­­feld ein. Die Häft­lin­ge wur­den in der St. Sal­­va­­to­ris-Kir­che in Zel­ler­feld ein­ge­pfercht. Sie lit­ten unter Durch­fall. Ihnen wur­de ver­bo­ten, die Kir­che zu ver­las­sen. So konn­ten sie ihre Not­durft nur im Gebäu­de ver­rich­ten. Am 6. April zog der Todes­marsch wei­ter in Rich­tung Braun­la­ge. Als Stra­fe für die Ver­schmut­zung der Kir­che ermor­de­ten die Wach­mann­schaf­ten hier am Hirsch­ler Brink elf Gefan­ge­ne. Sie wur­den an die­sem Ort von sowje­ti­schen Zwangs­ar­bei­tern aus dem nahen Werk Tan­ne begra­ben.« Quel­le: https://www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/Mediathek/Infotafel_Holzen_Low_Tafel_Hirschler_Brink_2026.pdf; sie­he auch Zwi­schen Harz und Hei­de: Todes­mär­sche und Räu­mungs­trans­por­te im April 1945, hg, Regi­ne Heu­baum und Jens-Chris­­ti­an Wag­ner (Göt­tin­gen: Wall­stein, 2015), S. 82Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 89; https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndrstory/Heimat-Harz-Wer-stoppt-den-Niedergang,sendung1531420.html Hei­ne, Die Harz­rei­se, S. 20 Gün­ter Auberg, Rund­we­ge Gos­lar (Bam­berg: Baye­ri­sche Ver­lags­an­stalt, 1980), S. 65–66; sie­he auch Rolf Denecke, Goe­thes Harz­rei­sen (Hil­des­heim: Ver­lag August Lax, 1980), S. 38–42, 121–126 Hans Donald Cra­mer, Das Schick­sal der Gos­la­rer Juden 1933–45: Eine Doku­men­ta­ti­on (Gos­lar: Selbst­ver­lag des Geschichts- und Hei­mat­schutz­ver­eins Gos­lar, 1986), S. 62, 91Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 107, 108, 111, 112 Cf. https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/goldrausch-im-harz-1521-bergbau-veraendert-die-landschaft,harzbergbau102.html; Ste­fan Radüg, »Wie der Berg­bau den Harz ver­än­der­te«, NDR 2021, https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL25kci5kZS8xNDYxXzIwMjEtMTEtMjAtMTItMDA Zu den Berg­frei­hei­ten im Ober­harz cf. Rai­mund Wille­cke, »Die Berg­frei­hei­ten des Ober­har­zes und die Ent­ste­hung der sie­ben Berg­städ­te«, https://www.bergbaumuseum.de/fileadmin/forschung/zeitschriften/der-anschnitt/1983/1983–02/anschnitt‑2–1983-willecke-bergfreiheiten.pdf Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 66–68; Clau­dia Küp­­per-Eichers, »Vom Mon­tan­re­vier zum Rüs­tungs­stand­ort: Ober­har­zer Per­spek­ti­ven in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts«, https://www.bergbaumuseum.de/fileadmin/forschung/zeitschriften/der-anschnitt/2006/2006–4‑5/anschnitt‑4–5‑2006-kuepper-eichas-montanrevier.pdf, S. 222 Karl Marx, »Ein­lei­tung [zu den ›Grund­ris­sen der poli­ti­schen Öko­no­mie‹]«, in: MEW, Bd. 42 (Ber­lin: Karl Dietz Ver­lag, ³2015), S. 33Hein­rich Dete­ring, Die Revol­te der Erde: Karl Marx und die Öko­lo­gie (Göt­tin­gen: Wall­stein, 2025), S. 25Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 64 Wil­helm Fer­di­nand Mül­ler (d. i. Fried­rich Gott­schalck ), »Mei­ne Strei­ferey­en in den Harz und in eini­ge sei­ner umlie­gen­den Gegen­den«, Tran­skrip­ti­on, in: Hei­ne im Harz: Ent­de­ckun­gen am Ran­de einer legen­dä­ren Fuß­rei­se, hg. Elke-Vera Kotow­ski und Uwe Lag­a­tz (Ber­lin: Hentrich & Hentrich, 2024), S. 205 Hei­ne, Die Harz­rei­se, S. 12; Wil­helm Fer­di­nand Mül­ler, »Mei­ne Strei­ferey­en in den Harz und in eini­ge sei­ner umlie­gen­den Gegen­den«, S. 208 Wil­helm Fer­di­nand Mül­ler, »Mei­ne Strei­ferey­en in den Harz und in eini­ge sei­ner umlie­gen­den Gegen­den«, S. 192 Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 137; Hei­ne, Die Harz­rei­se, S. 36Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 185Kopetz­ky, Die Harz­rei­se, S. 236 Hei­ne, zitiert in: Lud­wig Mar­cu­se, Hei­ne in Selbst­zeug­nis­sen und Bild­do­ku­men­ten (Rein­bek: Rowohlt, 1960), S. 70 […]

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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