Texte und Zeichen

Thomas-Mann-Jahr 2025 — Eine Retrospektive

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»Das hält aus bis zum letzten Seufzer«

Ein Rückblick auf das Thomas-Mann-Jahr 2025

von Jörg Auberg

In memo­ri­am
Han­jo Kes­t­ing
(1943–2025)

Thomas Mann: Mario und der Zauberer (Kunsthaus Lübeck, 2004)
Tho­mas Mann: Mario und der Zau­be­rer (Kunst­haus Lübeck, 2004)

Als »Ame­ri­ka« sich für Tho­mas Mann von der »Lösung« zum »Pro­blem« wan­del­te, dis­ku­tier­ten er und sei­ne Toch­ter Eri­ka mit dem lin­ken Fil­me­ma­cher Abra­ham Polon­sky über ein Film­pro­jekt, das auf der Novel­le Mario und der Zau­be­rer beru­hen soll­te. Obwohl Mann mit den Vor­stel­lun­gen Polon­skys zur Umset­zung des Films nicht gänz­lich ein­ver­stan­den war, gab er ihm eine Opti­on für die Lizenz­rech­te, und Polon­sky such­te in Euro­pa Geld­ge­ber für das Pro­jekt, schei­ter­te aber schon im Vor­feld an der Umset­zung. Im Jah­re 1950 glaub­ten nahe­zu alle Ver­ant­wort­li­chen, dass der Faschis­mus ein »alter Hut« sei, obwohl Mann gegen­über Polon­sky die Befürch­tung äußer­te, dass der Faschis­mus auf die USA über­grei­fen könn­te, und ihm emp­fahl, das Land zu ver­las­sen. Obwohl Polon­sky noch zwan­zig Jah­re spä­ter das Pro­jekt ver­folg­te, waren die Hol­ly­wood-Stu­di­os weder von Tho­mas Mann noch von sei­nem Stoff beein­druckt, sodass der Film nie­mals rea­li­siert wur­de, zumal Polon­sky in sei­nem Sze­na­rio die poli­ti­schen Unter­tö­ne der Novel­le stär­ker als in Manns Ori­gi­nal beton­te und den Prot­ago­nis­ten Mario als Rebell im Sin­ne von Jean Vigos Revol­te-Klas­si­ker Zéro de Con­duite (1933) anle­gen woll­te.1


Thomas Mann zwischen KI und Feuilletonisierung

Thomas Mann: Der Zauberberg (Fischer, 2025)

Im Jubi­lä­ums­jahr von Tho­mas Manns 150. Geburts­tag über­schlu­gen sich dage­gen Ver­la­ge in Deutsch­land mit zahl­rei­chen Neu- und Re-Publi­ka­tio­nen im Geden­ken an den »Natio­nal­dich­ter«. Im Ver­lag S. Fischer erschien eine neue Taschen­buch-Aus­ga­be der grund­le­gen­den Roman­wer­ke sowie eini­ger Essay­samm­lun­gen (mit beglei­ten­den Nach­wor­ten von kul­tur­in­dus­tri­el­len Pro­mi­nen­zen wie Ulrich Tukur, Dani­el Kehl­mann, Feli­ci­tas Hop­pe, Vol­ker Wei­de­mann oder Kai Sina), wobei jedoch an der krea­ti­ven und kos­ten­in­ten­si­ven Arbeit von Illustrator:innen gespart wur­de und statt­des­sen die Müns­te­ra­ner Agen­tur Kos­mos Design mit der Cover-Gestal­tung beauf­trag­te, die mit dem KI-Tool Mid­jour­ney umge­setzt wur­de, wobei der eine oder ande­re Feh­ler unter­lief. »Die neue Tho­mas-Mann-Aus­ga­be bei S. Fischer wirkt modern, atmo­sphä­risch – und irgend­wie selt­sam«, heißt es in dem Lite­ra­tur­por­tal literaturcafe.de. »Bei genau­em Hin­se­hen fällt auf: Den Lie­ge­stüh­len auf dem ›Zau­ber­berg‹ feh­len eini­ge Bei­ne. Auf ›Dok­tor Faus­tus‹ thront ein Metro­nom, das jedem Flü­gel die Show stiehlt.«2

Thomas Mann, <i>Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull</i>(Büchergilde Gutenberg, 1981)
Tho­mas Mann: Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull (Bücher­gil­de Guten­berg, 1981) 

Es sind nicht allein die far­ben­fro­hen, bun­ten Titel-Illus­tra­tio­nen, die stö­rend wir­ken, son­dern schlicht die fla­che Ver­höh­nung von Manns eige­ner Schreib­tech­no­lo­gie von Blei­stift & Feder, die er vom Zau­ber­berg bis zu Felix Krull ein­setz­te (»Indem ich die Feder ergrei­fe, um in völ­li­ger Muße und Zurück­ge­zo­gen­heit … mich also anschi­cke, mei­ne Geständ­nis­se in der sau­be­ren und gefäl­li­gen Hand­schrift, die mir eigen ist, dem gedul­di­gen Papier anzu­ver­trau­en …«3, begin­nen die Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull). »S. Fischer setzt ein Signal: KI ist ange­kom­men – auch in der Hoch­li­te­ra­tur«, kom­men­tiert der Jour­na­list Wolf­gang Tischer. »Zumin­dest auf dem Cover. Der Ver­lag macht kein Geheim­nis dar­aus und bricht damit offen ein unaus­ge­spro­che­nes Tabu.«4 Aller­dings gehört die selt­sa­me Umschlag­ge­stal­tung zur Tra­di­ti­on des Tho­mas-Mann-Haus­ver­la­ges S. Fischer: Wie Til­mann Lah­me in sei­ner Tho­mas-Mann-Bio­gra­fie süf­fi­sant bemerkt, zeich­ne­te der Illus­tra­tor Wil­helm Schulz für die ein­bän­di­ge Bud­den­brooks-Aus­ga­be des Jah­res 1903 »eine gie­be­li­ge Gas­se sei­ner Hei­mat­stadt Lüne­burg«, »nicht Lübeck«.5

Neben die­ser KI-Kom­pa­ti­bi­li­sie­rung Tho­mas Manns haben die publi­zis­ti­schen Jubel­fei­ern für den »Natio­nal­dich­ter« auch eine Feuil­le­to­ni­sie­rung des »Mann-Clans« wei­ter vor­an­ge­trie­ben, in der es weni­ger um Lite­ra­tur denn um Klatsch & Tratsch, Gerüch­te & Mut­ma­ßun­gen geht. »Lan­ge schon ist die Fami­lie Mann auf dem Weg in die Fik­ti­on«, kon­sta­tier­te der Lite­ra­tur­kri­ti­ker Lothar Mül­ler.6 In Büchern wie Hein­rich Bre­loers Ein tadel­lo­ses Glück, Kers­tin Holz­ers Tho­mas Mann macht Feri­en, Flo­ri­an Illies’ Wenn die Son­ne unter­geht, Mar­tin Mit­tel­mei­ers Heim­weh im Para­dies oder in Colm Tói­bíns Roman Der Zau­be­rer (die zumeist auch in Hör­buch-Form vor­lie­gen) geht es in ers­ter Linie um Kol­por­ta­ge, die Fik­tio­na­li­sie­rung von Prot­ago­nis­ten und Kon­tex­ten, ohne dass neue Erkennt­nis­se zu längst bekann­ten Fak­ten und Kon­stel­la­tio­nen hin­zu­ge­fügt wür­den. Sie gehö­ren zu der ein­ge­zo­ge­nen Decken­plat­te zwi­schen Hoch- und Mas­sen­kul­tur, die der Kul­tur­kri­ti­ker Dwight Mac­do­nald in den spä­ten 1950er-Jah­ren als »Mid­cult« bezeich­ne­te: Pro­duk­te die­ser Pro­ve­ni­enz geben vor, die Nor­men der Hoch­kul­tur ein­zu­hal­ten, wäh­rend sie sie de fac­to ver­wäs­sern und vul­ga­ri­sie­ren.7

Heinrich Breloer: Ein tadelloses Glück (DVA, 2024)
Hein­rich Bre­lo­er:
Ein tadel­lo­ses Glück
(DVA, 2024)

»Es ist ein fak­ten­ge­stütz­ter Text«, insis­tiert bei­spiels­wei­se Bre­lo­er, »weil sämt­li­che Dia­lo­ge auf Recher­chen, Doku­men­ten und Gesprä­chen beru­hen, zugleich sind sie gelengt­lich frei erfun­den. Ich habe mir damit die Frei­heit des roma­nes­ken Erzäh­lens genom­men, habe Orte, Men­schen und Begeg­nun­gen nicht immer haar­ge­nau nach Tag und Stun­de ein­ge­hal­ten. Zwi­schen der natu­ra­lis­ti­schen Genau­ig­keit und dem ver­dich­te­ten Erzäh­len gibt es Gewin­ne, auf die ich nicht ver­zich­ten woll­te.«8 Von die­sen »Gewin­nen« ist Bre­lo­er vor allem allein über­zeugt, wenn er bei­spiels­wei­se im Kapi­tel »Zwei Brü­der auf dem See« Tho­mas und Hein­rich Mann im Ruder­boot prä­sen­tiert und den älte­ren Bru­der sagen lässt: »Aber Tom­my, du bist Künst­ler. Ehe und Fami­lie pas­sen nicht zu dir.« 9 Offen­bar fehl­te bei die­sem Pro­jekt schmerz­haft eine künst­le­ri­sche Instanz wie Horst König­stein, mit dem Bre­lo­er zu Beginn des Jahr­tau­sends den Film Die Manns – Ein Jahr­hun­der­t­ro­man rea­li­sier­te und eine Tho­mas-Mann-Renais­sance einleitete.

Ähn­lich ver­fährt Kers­tin Hol­zer in ihren Feri­en­be­schrei­bun­gen der Fami­lie Mann und lässt sich von Ima­gi­na­tio­nen und nicht über­prüf­ba­ren Fak­ten und Urtei­len lei­ten. »Tho­mas Mann hat kei­ne Ahnung von Päd­ago­gik«, weiß sie zu berich­ten. »Jede Art von Füh­rung ist ihm fremd: Er ist ein zutiefst anti­au­to­ri­tä­rer Künst­ler, kein Erzie­her.«10 Über Manns Frau Katia weiß sie eben­falls bes­tens Bescheid: »Katia fühlt sich von den Träu­men ihres Gat­ten kein biss­chen bedroht.«11

Martin Mittelmeier: Heimweh im Paradies (Dumont, 2025)
Mar­tin Mit­tel­mei­er: Heim­weh im Para­dies (Dumont, 2025)

Im glei­chen Duk­tus führt Mar­tin Mit­tel­mei­er Tho­mas Mann im kali­for­ni­schen Exil vor: »Tho­mas Mann lauscht dem Gram­mo­fon«, gibt der Autor den Zeit­zeu­gen vor. An ande­rer Stel­le spa­ziert er durch das Inne­re des Dich­ters: »Tho­mas Mann mag nicht, was er hört, aber er kann es schät­zen.«12 Mit der his­to­ri­schen Wahr­heit nimmt es Mit­tel­mei­er nicht so genau. So behaup­tet er: »Tho­mas Mann ist in das Lager gewech­selt, in dem sein Bru­der immer schon war.«13 Damit unter­schlägt er jedoch das his­to­ri­sche Fak­tum, dass Hein­rich Mann – vor sei­nem Über­gang ins »lin­ke Lager« (um bei Mit­tel­mei­ers Dik­ti­on zu blei­ben) – um 1895 wüs­te anti­se­mi­ti­sche Arti­kel ver­fass­te.14 Sei­nen Text ver­kauft Mit­tel­mei­er als »erzäh­le­ri­sche« Auf­be­rei­tung aus Tho­mas Manns Tage- und Notiz­bü­chern, Essays, Vor­trä­gen und Reden, Tex­ten von Klaus und Eri­ka Mann sowie Sekun­där­li­te­ra­tur von Kai Sina, Tho­mas Blub­a­cher, Han­jo Kes­t­ing, Tobi­as Boes und ande­ren Autor:innen, wobei der Ver­lag – laut Aus­kunft des Autors – die Anmer­kun­gen aus­la­ger­te, um »den Fließ­text nicht zu beschwe­ren«. Der Quel­len-Bal­last lässt sich per QR-Code her­un­ter­la­den: Wel­che klein­geis­ti­gen Leser:innen wol­len schon läs­ti­ge Fuß­no­ten nachprüfen?

Auf die Mög­lich­keit der Aus­la­ge­rung hat der Ver­lag S. Fischer bei Flo­ri­an Illies’ Wenn die Son­ne unter­geht über das Exil der Fami­lie Mann im süd­fran­zö­si­schen Exil Sana­ry-sur-Mer ganz ver­zich­tet. Um Nach­prüf­bar­keit geht es in die­sem Buch an kei­ner Stel­le – es ist rei­ne Fik­tio­na­li­sie­rung mit ideo­lo­gi­schem Vor­zei­chen. »Tho­mas Mann unter­drückt sei­ne Wut und zieht das nach Veil­chen duf­ten­de Taschen­tuch aus der Jacke«, fabu­liert der ver­hin­der­te Roman­cier aus dem Feuil­le­ton-Metier, um spä­ter sei­ner Figur Hein­rich Mann zu unter­stel­len, er habe zu oft mit den Sozia­lis­ten sym­pa­thi­siert.15 Der Feuil­le­ton-Erzäh­ler aus der unter­ge­gan­ge­nen Guck­kas­ten­welt ergeht sich in der Ansamm­lung geis­ti­ger und sprach­li­cher Cli­chés und müllt die Sei­ten mit berichts­ähn­li­chen Ver­laut­ba­run­gen vor­geb­li­cher gesell­schaft­li­cher Erfah­run­gen zu. »Was für eine selt­sa­me Fami­lie ist die­se Fami­lie Mann«, raunt der Feuil­le­to­nist: »Alle unauf­lös­lich mit­ein­an­der ver­bun­den, aber oft weni­ger durch Lie­be als durch Sehn­sucht nach Aner­ken­nung, durch Sen­ti­men­ta­li­tät, durch herz­li­che Abnei­gung oder Angst.«16

Florian Illies: <i>Wenn die Sonne untergeht</i> (S. Fischer, 2025)
Flo­ri­an Illies: Wenn die Son­ne unter­geht (S. Fischer, 2025)

Sein eige­nes Metier beherrscht der Feuil­le­to­nist nicht – weder sprach­lich (Tho­mas Mann muss er stän­dig als »Nobel­preis­trä­ger« und sei­nen älte­ren Bru­der als »Sozia­lis­ten­freund« klas­si­fi­zie­ren) – noch fach­lich: Carl von Ossietz­ky ist in sei­nem »post-fak­ti­schen« Duk­tus »der fein­sin­ni­ge, pazi­fis­ti­sche Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift Welt­wo­che« (die erst im Novem­ber 1933 in der Schweiz gegrün­det wur­de und mit der Ossietz­ky nie etwas zu tun hat­te), obwohl sich Illies am Ende des Buches ehr­erbie­tig für »die so sorg­fäl­ti­ge wie lei­den­schaft­li­che Betreu­ung und Lek­to­rie­rung« durch sei­nen »Haus­ver­lag S. Fischer« bedankt. 17 Dane­ben gesellt sich eine ver­quas­te Schein­hei­lig­keit, die mit den gut situ­ier­ten Exilant:innen wie den Schwie­ger­el­tern Tho­mas Manns – den Pringsheims (»Die machen nur kurz Urlaub im freund­li­chen Kli­ma der Mit­tel­meer­küs­te.« 18) – oder Lion Feucht­wan­ger ob sei­ner sexu­el­len Affä­ren (»sein Tage­buch ist da lei­der pein­lich genau«19, lässt der Feuil­le­to­nist die Leser:innenschaft in Paren­the­se wis­sen) im Sin­ne der herr­schen­den Macht­ha­ber im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land abrech­net. Im Schund ver­kommt – wie der Kri­ti­ker Jan Drees schrieb – Illies’ Grup­pen­rei­se mit »Fami­lie Mann in Sana­ry« zu einer »Som­mer­rei­se ins Exil, bei der ein Text gleich mit baden geht«.20

Der Außenseiter als Gezeichneter

Um der »Midcult«-Masse unter allen Umstän­den zu gefal­len (wie Mac­do­nald den Publi­ka­ti­ons­trick beschrieb21, instru­men­ta­li­siert Illies nicht allein die unter­schwel­li­ge anti­se­mi­ti­sche Masche, son­dern bedient sich auch homo­pho­ber Vor­ur­tei­le, um sei­nem Mid­cult-Publi­kum mit gespitz­ten Lip­pen über die Homo­se­xua­li­tät des »schwu­len Natio­nal­dich­ters« zu berich­ten, der um sei­ne »homo­ero­ti­schen« Fan­ta­sien in den Tage­bü­chern bang­te, die sein Sohn Golo »ent­sor­gen« muss­te, oder »in Mün­chen alle Besu­cher ohne jede Scham unter den drei nack­ten Jüng­lin­gen von Lud­wig von Hoff­mann emp­fan­gen hat«. Und Illies fragt sich, »ob dort in den alten Noti­zen viel­leicht doch noch ganz ande­res, Gewal­ti­ges ver­bor­gen lie­gen könn­te«, raunt der nach sen­sa­tio­na­lis­ti­scher Lüs­tern­heit gie­ren­de Feuil­le­to­nist.22

Morten Høi Jensen: <i>The Master of Cantradictions</i> (Yale University Press, 2025)
Mor­ten Høi Jen­sen: The Mas­ter of Con­tra­dic­tions (Yale Uni­ver­si­ty Press, 2025)

Mit sol­chen Ein­flüs­te­run­gen ver­fällt Illies der bür­ger­li­chen affekt­ge­la­de­nen Vor­ur­teils­ge­schich­te, die Homo­se­xua­li­tät als »Per­ver­si­on« oder »Psy­cho­pa­tho­lo­gie« wahr­nahm und die »Geschlecht­lich­keit« als Stig­ma klas­si­fi­zier­te. Hans May­er, der in Deutsch­land als Jude, Mar­xist und Homo­se­xu­el­ler ein mehr­fa­cher stig­ma­ti­sier­ter Außen­sei­ter war, insis­tier­te, dass man unter die Außen­sei­ter gehen müs­se, um dem Typus der homo­se­xu­el­len Lite­ra­tur (wie bei Mar­cel Proust oder Jean Genet) zu begeg­nen.23 Wäh­rend Illies mühe­voll ver­sucht, eine chro­ni­que scan­da­leu­se um Tho­mas Mann für sein reak­tio­när-kon­ser­va­ti­ves Publi­kum auf­zu­ti­schen, fin­den sol­che Ein­las­sun­gen allen­falls noch im destruk­tiv-faschis­ti­schen Milieu post­de­mo­kra­ti­scher, rück­wärts­ge­wand­ter Klein- und Mit­tel­stands­bür­ger einen Reso­nanz­bo­den, wo ein dunk­les, undurch­schau­ba­res Begeh­ren bös­ar­ti­ge Reak­tio­nen her­vor­ruft.24 Bereits Ernst Löwy insis­tier­te, dass »der Weg Tho­mas Manns kein gerad­li­ni­ger, son­dern ein dia­lek­ti­scher« gewe­sen sei25, und im Zau­ber­berg schrieb Mann selbst: »Der Mensch ist Herr der Gegen­sät­ze, sie sind durch ihn, und also ist er vor­neh­mer als sie.«26 In sei­ner Geschich­te der Ent­ste­hung des Zau­ber­bergs schreibt der dänisch-ame­ri­ka­ni­sche Autor Mor­ten Høi Jen­sen, dass Mann die Gegen­sät­ze – Kunst und Tod sowie Vita­li­tät der lite­ra­ri­schen Pro­duk­ti­on – zu ver­ei­nen such­te: In sei­nem Werk woll­te Mann das Bür­ger­li­che ver­ber­gen, ohne tat­säch­lich bür­ger­lich zu wer­den.27

Thomas Mann: <i>Der kleine Herr Friedemann</i> (Büchergilde Gutenberg, 2025)
Tho­mas Mann: Der klei­ne Herr Frie­de­mann (Bücher­gil­de Guten­berg, 2025)

Das gesam­te erzäh­le­ri­sche Werk Tho­mas Manns durch­zie­hen – wie bereits Wil­liam Troy in den spä­ten 1930er-Jah­ren kon­sta­tier­te – Figu­ren wie Johan­nes Frie­de­mann, Tobi­as Min­der­ni­ckel oder Chris­ti­an Jaco­by, die als Gezeich­ne­te, als »schwar­ze Scha­fe der bür­ger­li­chen Gesell­schaft« Künst­ler­fi­gu­ren in der Ent­stel­lung oder als Außen­sei­ter reprä­sen­tier­ten.28 In die­sen Figu­ren reflek­tier­te Tho­mas Mann die eige­ne Rol­le in der wil­hel­mi­ni­schen bür­ger­li­chen Gesell­schaft und ver­wen­de­te sie als Mas­ken im eige­nen Kampf gegen die Sexua­li­tät – ähn­lich wie der däni­sche Schrift­stel­ler Her­man Bang, der trotz sei­ner wenig ver­hüll­ten Homo­se­xua­li­tät und »Deka­denz« zum Objekt öffent­li­cher Erpres­sung wur­de, da gleich­ge­schlecht­li­che Lie­be als »Las­ter« und »Per­ver­si­tät« wahr­ge­nom­men wur­de. Der homo­se­xu­el­le Außen­sei­ter war kei­nes­wegs ein anti­bür­ger­li­cher Rebell (wie spä­ter in den Fäl­len von »Out­laws« wie Wil­liam Bur­roughs oder John Rechy), son­dern die Typo­lo­gie reich­te – wie Lothar Mül­ler her­vor­hob – vom »rech­ten« bis zum »lin­ken« Flü­gel der schwu­len Phä­no­me­no­lo­gie.29

Oliver Fischer.
<i>»Man kann die Liebe nicht stärker erleben«: 
Thomas Mann und Paul Ehrenberg</i> (Rowohlt, 2024)
Oli­ver Fischer.
»Man kann die Lie­be nicht stär­ker erle­ben«:
Tho­mas Mann und Paul Ehren­berg
(Rowohlt, 2024)

Im Typus des ent­stell­ten »klei­nen Herrn Frie­de­mann« sub­li­mier­te Mann die eige­nen ero­ti­schen Wün­sche und ließ hin­ter dem Unglück eine kom­pli­zier­te Sexua­li­tät her­vor­schei­nen. Wie Oli­ver Fischer in sei­ner Mono­gra­fie zu Tho­mas Mann und dem Tier­ma­ler Paul Ehren­berg – der als Modell sowohl in Tonio Krö­ger (Hans Han­sen) als auch in Dok­tor Faus­tus (Rudi Schwerdt­fe­ger) ver­wen­det wur­de – betont, gehör­te Tho­mas Mann in sei­ner frü­hen Mün­che­ner Zeit zu »rech­ten« Flü­gel der homo­ero­ti­schen Män­ner­bün­de an, die als »das Bin­de­mit­tel und der Motor aller kul­tu­rel­len Höher­ent­wick­lung« fun­gie­ren soll­ten, wie sie der kon­ser­va­ti­ve Ideo­lo­ge Hans Blü­her ima­gi­nier­te. Des­sen Pro­gramm sei, kon­sta­tiert Fischer, »anti­li­be­ral, anti­fe­mi­nis­tisch und anti­se­mi­tisch: Frau­en haben in sei­ner män­ner­bün­di­schen Ide­al­welt kei­nen Platz. Weib­lich auf­tre­ten­de Schwu­le betrach­tet er als Abwei­chung von der Natur. Juden sind für ihn ein zer­stö­rere­ri­sches Ele­ment und gehö­ren nicht zu Deutsch­land.«30

Wolfgang Tarnowski: 
<i>Auf den Spuren von Thomas Mann</i>
(Ellert & Richter, 2025)
Wolf­gang Tar­now­ski:
Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann
(Ellert & Rich­ter, 2025)

Sowohl in sei­ner Bezie­hung zu Ehren­berg als auch zu sei­nem jün­ge­ren Bru­der Vik­tor (dem er »Geis­tes­faul­heit« unter­stellt) legt Tho­mas Mann ein aggres­si­ves Ver­hal­ten an den Tag, indem er sei­ne intel­lek­tu­el­le Über­le­gen­heit und sei­ne Sprach­ge­wandt­heit als Mit­tel der Demü­ti­gung anwen­det. Zur glei­chen Zeit geht er in sei­nem Wer­ben um sei­ne zukünf­ti­ge Frau Katia Pringsheim mit »mas­si­ver Pene­tranz« vor, setzt, wie Fischer schreibt, »sein gesam­tes schrift­stel­le­ri­sches Talent, sei­nen Witz, aber auch sei­ne mani­pu­la­ti­ven Fähig­kei­ten ein, um Katia für sich zu gewin­nen«.31 Wie der ehe­ma­li­ge Ham­bur­ger Kul­tur­se­na­tor Wolf­gang Tar­now­ski (1931–2018) in sei­nem neu auf­ge­leg­ten Buch Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann bemerk­te, gehör­te zu Tho­mas Manns Cha­rak­ter­zü­gen »auch eine zuwei­len bos­haf­te Unauf­rich­tig­keit«, die nicht zuletzt den bür­ger­lich-kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen und sei­nem Rol­len­ver­ständ­nis in die­ser engen Welt geschul­det war: »Dass sich hin­ter der glän­zen­den Fas­sa­de kein fürst­li­cher, son­dern ein zuwei­len recht pro­sa­ischer, klein­li­cher und schwie­ri­ger Mensch zwei­fel­haf­ten Cha­rak­ters ver­barg, wuss­ten Ein­ge­weih­te schon lan­ge«, berich­te­te Tar­now­ski. 32 Der lebens­lan­ge »Kampf gegen sei­ne Homo­se­xua­li­tät« war kei­nes­wegs – wie die domi­nan­te Tho­mas-Mann-For­schung (von Her­mann Kurz­ke bis Kai Sina) insis­tiert und ent­spre­chen­de »Unter­su­chun­gen« als »Schnüf­fel- und Ent­lar­vungs­phi­lo­lo­gie« dif­fa­miert – eine »Peti­tes­se« in der Bio­gra­fie Tho­mas Manns, son­dern ein exis­ten­zi­el­les Moment.33

Auch Til­mann Lah­me fokus­siert sich in sei­ner Tho­mas-Mann-Bio­gra­fie auf die Homo­se­xua­li­tät, deren Patho­lo­gi­sie­rung durch Psych­ia­ter wie Richard von Krafft-Ebbing oder Albert Moll extre­me Aus­wir­kun­gen auf Mann und sei­ne Freun­de wie Otto Grau­toff oder Paul Ehren­berg hat­te. Indem Homo­se­xua­li­tät mit Begrif­fen wie »wider­na­tür­li­che Unzucht«, Anoma­lie und »Ent­ar­tung« belegt wur­de, ging es in ers­ter Linie um das »Abdor­ren­las­sen des Trie­bes«, um in der repres­si­ven bür­ger­li­chen Gesell­schaft nicht als abnor­mer Aus­sät­zi­ger zu gel­ten.34 In der frü­hen Erzäh­lung »Lui­schen« (1893) beschreibt Mann den Rechts­an­walt Jaco­by als Kari­ka­tur eines eff­emi­nier­ten Homo­se­xu­el­len und lei­tet die Erzäh­lung mit dem Satz ein: »Es gie­bt Ehen, deren Ent­ste­hung die bel­le­tris­tisch geüb­tes­te Phan­ta­sie sich nicht vor­zu­stel­len ver­mag«35. Das The­ma der Erzäh­lung ist – kom­men­tiert Lah­me – »das Nie­der­ma­chen eines Außen­sei­ters, dem nichts ande­res vor­zu­hal­ten ist, als dass sei­ne Kör­per­lich­keit und sei­ne Lie­be Anstoß« im Inte­ri­eur des Bana­len und Gewöhn­li­chen erre­gen. Tho­mas Mann reflek­tie­re das Res­sen­ti­ment und den Ekel, mit dem Men­schen nicht gesell­schaft­li­cher kon­for­mer Erschei­nung (in die­sem Fall von koloss­ar­ti­ger Beleibt­heit) be- und ver­ur­teilt wer­den.36

Literatur als Fluch

Tilmann Lahme: <i>Thomas Mann - Ein Leben</i> (dtv, 2025)
Til­mann Lah­me: Tho­mas Mann — Ein Leben (dtv, 2025)

Lite­ra­tur für Tho­mas Mann ist – mit den Wor­ten Til­mann Lah­mes – ein »Weg zum Ver­ste­hen«, aber kei­ne Pro­fes­si­on im her­kömm­li­chen Sin­ne, son­dern ein »Fluch«, wie es in Tonio Krö­ger heißt. »Ist der Künst­ler über­haupt ein Mann?«, fragt Mann. In ers­ter Linie ist er – mit Law­rence Dur­rell gespro­chen – ein gegen sich selbst ver­schwo­re­ner Dich­ter, für den die Sub­li­mie­rung wich­ti­ger ist als die Rea­li­tät.37 »Tho­mas Manns Lite­ra­tur«, resü­miert Lah­me, »spie­gelt wider, was er erlebt, ersehnt und fürch­tet. Sei­ne Figu­ren leben oft in einer Welt, die der sei­nen gleicht. Dann öff­net sich der Abgrund.«38

Es wären ande­re Lebens­ent­wür­fe auch in der Gesell­schaft des deut­schen Kai­ser­rei­ches mög­lich gewe­sen. Der unga­ri­sche Bohè­me-Schrift­stel­ler Emil Szit­tya (1886–1964) berich­te­te von einer Kari­ka­tur des Zeich­ners Tho­mas Theo­dor Hei­ne (1867–1948) in der Sati­re-Zeit­schrift Sim­pli­cis­si­mus (für die auch Tho­mas Mann kurz­zei­tig arbei­te­te) zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts, in der es hieß: »War­um ist in Deutsch­land die Homo­se­xua­li­tät so ver­brei­tet?«, und Dich­ter wie Erich Müh­sam argu­men­tier­ten in der Debat­te gegen »die sitt­li­che Empö­rung des Mor­al­mobs« für »Dif­fe­ren­ziert­heit«.39

Tho­mas Mann blieb jedoch der »Sohn sei­ner Klas­se« – trotz allen Ver­falls der Lübe­cker Fami­li­en-Dynas­tie nach dem Tod des Vaters. »Tho­mas Mann hat sich«, schreibt Lah­me, »ein Lebens­kor­sett ange­legt, das ihm hel­fen soll, sei­ne Homo­se­xua­li­tät nie­der­zu­rin­gen.«40 In sei­nem Essay »Die Ehe als Über­gang« aus dem Jah­re 1925 ver­sucht er, sich mit sei­ner Vor­stel­lung von »Homo­ero­tik« in die Öffent­lich­keit zu wagen, ohne sich selbst zu demas­kie­ren. Der Text ist, kom­men­tiert Lah­me, »ein Bekennt­nis zur Ehe und eines zur Homo­ero­tik glei­cher­ma­ßen, die nur der Künst­ler in sich ver­ei­ni­gen und im Werk gestal­ten« kön­ne.41 Ähn­lich wie Oli­ver Fischer kri­ti­siert auch Lah­me die gän­gi­ge Tho­mas-Mann-For­schung, die das The­ma der Homo­se­xua­li­tät zuguns­ten des Künst­lers Tho­mas Mann her­un­ter­spie­le, und führt unver­öf­fent­lich­te oder »ver­steck­te« Brie­fe des Jugend­freun­des Otto Grau­toff an, in denen Homo­se­xua­li­tät ledig­lich als »spät­pu­ber­tä­re Gefühls­schwan­kun­gen« auf­tauch­te. Die Beschäf­ti­gung mit Tho­mas Manns Homo­se­xua­li­tät sei der aka­de­mi­schen Kar­rie­re nicht beson­ders för­der­lich, wie etwa die Phi­lo­lo­gen Ger­hard Härd­le und Karl Wer­ner Böhm erfah­ren muss­ten, die unter der »Homo­se­xua­li­täts­keu­le« lei­den muss­ten.42

Der schreibende Bürger als Sozialist

Tho­mas Mann wahr­te – mit Lah­mes Wor­ten – die »dis­kre­ten For­men und Mas­ken«, blieb zugleich der »Außen­sei­ter-Autor« und der ins Sys­tem inte­grier­te kul­tu­rel­le Aris­to­krat und phi­lo­so­phi­sche Iro­ni­ker, der sich im Grenz­be­reich zwi­schen Reak­ti­on, Tra­di­ti­on und Moder­ne beweg­te und vor­sich­tig bemüh­te, nicht die »roten Lini­en« zu über­schrei­ten.43 Bereits wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges dia­gnos­ti­zier­te Sieg­fried Kra­cau­er, dass der von Tho­mas Mann beschrie­be­ne ästhe­ti­sche Typus vor allem durch »die Sehn­sucht nach der Bür­ger­lich­keit« gekenn­zeich­net ist und »im gro­ßen Strom« mit­schwim­men möch­te, danach trach­tet, ein Kon­for­mist zu sein.44 Der Außen­sei­ter wird zum Mitläufer.

Caren Heuer und Barbara Eschenburg (Hgg.):
<i>Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie</i>
(Königshausen & Neumann, 2025)
Caren Heu­er und Bar­ba­ra Eschen­burg (Hgg.):
Mei­ne Zeit: Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie
(Königs­hau­sen & Neu­mann, 2025)

Wie Juli­us Sonn­tag in sei­nem Bei­trag zur Lübe­cker Aus­stel­lung Mei­ne Zeit: Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie schreibt, war schon der ange­hen­de Schrift­stel­ler (trotz sei­ner an Jean Vigos Zéro de Con­duite gemah­nen­den Revol­te gegen die reak­tio­nä­re Schul­herr­schaft in Lübeck) weni­ger ein »Umstürz­ler« oder »Rebell«, son­dern vor allem dar­um bemüht, »sich mit dem Bestehen­den zu arran­gie­ren, sich klug dar­in ein­zu­rich­ten und sich eine sozia­le Posi­ti­on zu sichern«.45. In sei­ner Zeit (auf die der Titel der Aus­stel­lung als auch einen Vor­trag Manns aus dem Jah­re 1950 anspielt) durch­lief er die his­to­risch-poli­ti­sche wie auch die kul­tu­rell-tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen vom wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reich über die Wei­ma­rer Repu­blik und das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Reich deut­scher Her­ren­men­schen bis zum Exil in Frank­reich, der Schweiz und den USA und schließ­lich in der bipo­la­ren Kon­fron­ta­ti­on des Kal­ten Krieges.

In dem Vor­trag »Mei­ne Zeit« aus dem Jah­re 1950 the­ma­ti­sier­te Mann – ähn­lich wie Wal­ter Ben­ja­min in sei­nem Essay »Der Erzäh­ler« (1936) – die zeit­li­che Erfah­rung von der Pfer­de­tram­bahn bis zur Gefahr der ato­ma­ren Aus­lö­schung der Mensch­heit durch die Hydro­gen­bom­be.46 Obwohl nicht gänz­lich auf­rich­tig, rühm­te sich der Groß­schrift­stel­ler, er habe sei­ner Zeit »nie ihren Lie­be­die­ner und Schmeich­ler« gemacht (»weder im Künst­le­ri­schen noch im Poli­tisch-Mora­li­schen«) und zeich­ne­te sich selbst als Non­kon­for­mist wider den Zeit­geist (wobei er die eige­ne Will­fäh­rig­keit in der »Kriegs­er­tüch­ti­gung« unterschlug).

Den­noch sprach er eine grund­le­gen­de Wahr­heit aus, näm­lich dass die Lüge nicht allein im tota­len Staat, son­dern auch in der »libe­ra­len Welt« eine Heim­statt gefun­den hat­te, und hell­sich­tig erkann­te Mann: »Auto­kra­tie und Revo­lu­ti­on haben, im Ergeb­nis, ein­an­der gefun­den, und was uns vor Augen steht, ist die auto­kra­ti­sche Revo­lu­ti­on …«47 Bereits vor der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen »Macht­er­grei­fung« hat­te Mann (wie Caren Heu­er und Bar­ba­ra Eschen­burg in der Ein­lei­tung zum Kata­log der Lübe­cker Aus­stel­lung beto­nen) vor der Mas­sen­ma­ni­pu­la­ti­on durch auto­ri­tä­re Figu­ren gewarnt, vor dem »Zustand von mili­tä­ri­schem Som­na­bu­lis­mus« und einer »Erbö­tig­keit zu jedem Unsinn«, der Mann um 1914 selbst ver­fal­len war. »In Mario und der Zau­be­rer schil­dert Mann«, schrei­ben Heu­er & Eschen­burg, »die Auf­füh­rung eines Hyp­no­si­teurs als Gleich­nis auf die bedin­gungs­lo­se Unter­wer­fung des Ein­zel­nen unter einen auto­ri­tä­ren Füh­rer im Faschis­mus.«48

Tenor der Aus­stel­lung ist die »Erret­tung« des »öffent­li­chen Intel­lek­tu­el­len« Tho­mas Mann, der sich vom »Bour­geois« zum »Citoy­en« wan­del­te. »Der poli­ti­sche Platz des Bür­ger­tums sei an der Sei­te der Sozi­al­de­mo­kra­tie«, resü­mier­te Wil­ly Brandt in sei­nen Memoi­ren die Rol­le Tho­mas Manns und beschrieb ihn als »schrei­ben­den Bür­ger«, der sich zum Sozia­lis­ten wan­del­te.49 Die­sem Nar­ra­tiv folgt auch Hein­rich Dete­ring in sei­nem Essay »Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie«, in dem er Tho­mas Manns Wand­lung in 1920er-Jah­ren nach­zeich­net. »Der über­le­ge­ne Kri­ti­ker eines ›uner­bitt­lich sozia­len Akti­vis­mus‹ wird«, schreibt Dete­ring, »zum ent­schie­de­nen, invol­vier­ten sozia­len Akti­vis­ten – ein­schließ­lich der Bereit­schaft zu rhe­to­risch-per­for­ma­ti­ven Zuspit­zun­gen, die dem Artis­ten nicht immer leicht­fie­len.«50 Als Bei­spie­le für Manns Enga­ge­ment benennt Dete­ring sein öffent­li­ches Ein­tre­ten für die Abschaf­fung des Para­gra­fen 175 (der Homo­se­xua­li­tät unter Stra­fe stell­te), für die Rote Hil­fe (die Kommunist:innen in Haft unter­stütz­te), gegen die NSDAP-Betei­li­gung an der Lan­des­re­gie­rung von Thü­rin­gen oder gegen die juris­ti­sche Ver­fol­gung des Welt­büh­ne-Her­aus­ge­bers Carl von Ossietzky.

Thomas Mann und die Politik

Kai Sina - Thomas Mann als politischer Aktivist
Kai Sina: Was gut ist und was böse: Tho­mas Mann als poli­ti­scher Akti­vist (Pro­py­lä­en, 2024)

»Er pro­tes­tiert 1927 gegen den Jus­tiz­mord an den Anar­chis­ten Nico­la Sac­co und Bart Van­zet­ti in den USA«, schreibt Dete­ring über Tho­mas Mann mit Beru­fung auf Kai Sina, der Manns Repu­ta­ti­on als poli­ti­scher Akti­vist ret­ten und ihn zum Hei­li­gen Tho­mas für die Demo­kra­tie erhe­ben möch­te, wäh­rend er his­to­ri­sche Rea­li­tä­ten oft­mals aus­spart.51 Der Fall von Sac­co & Van­zet­ti bei­spiels­wei­se ist kei­nes­wegs so ein­deu­tig, wie es in der gän­gi­gen Legen­den­dar­stel­lung des »guten Schuh­ma­chers« und »armen Fisch­händ­lers« kol­por­tiert wird, obgleich die Hin­rich­tung ein unbe­streit­bar ekla­tan­tes Kapi­tel in der Geschich­te der US-ame­ri­ka­ni­schen Klas­sen­jus­tiz dar­stell­te.52

<i>Thomas Mann: Zwei Dokumentationen</i> (SWF 1955 und 1975)
Tho­mas Mann: Zwei Doku­men­ta­tio­nen (SWF 1955 und 1975)

Ange­sichts der Ehr­furcht, mit der Tho­mas Mann zu sei­nem 150. Geburts­tag als Strei­ter für die Demo­kra­tie und poli­ti­scher Akti­vist gefei­ert wur­de, der sich »kraft­voll für das mora­lisch Rich­ti­ge« ein­ge­setzt habe (wie Kai Sina in sei­ner hagio­gra­fi­schen Elo­ge behaup­tet53, erscheint die Dis­kus­si­on über die Rol­le Tho­mas Manns als poli­ti­scher Schrift­stel­ler, die der Süd­west­funk (SWF, heu­te SWR) anläss­lich des 100. Geburts­ta­ges des Dich­ters mit dama­li­gen Pro­mi­nen­zen des Kul­tur­be­trie­bes wie Mar­cel Reich-Rani­cki, Mar­tin Wal­ser, Wal­ter Boeh­lich, Peter Wapnew­s­ki und Kurt Sont­hei­mer sowie eini­gen Abiturient:innen 1975 führ­te, gera­de­zu blas­phe­misch. Wäh­rend der noto­ri­sche Mann-Kri­ti­ker Boeh­lich – als pfei­fe­rau­chen­der, von den Fra­gen des Rund­funk­mo­de­ra­tors Jür­gen Lode­mann generv­ter Intel­lek­tu­el­ler im roten Pull­over – die gan­ze Ver­an­stal­tung als »rei­ne Pflicht­übung« abkan­zel­te, beschrieb Mar­tin Wal­ser (damals noch in den ideo­lo­gi­schen Sphä­ren der DKP unter­wegs) den »Kol­le­gen« Tho­mas Mann als »nega­ti­ven Modellfall«.

Mit zuneh­men­dem Ver­lauf ver­engt sich die Dis­kus­si­on zu einem Schlag­ab­tausch zwi­schen Reich-Rani­cki (den Boeh­lich mehr­fach iro­nisch-süf­fi­sant als »unse­ren Lite­ra­t­ur­sach­ver­stän­di­gen« bezeich­net) und Wal­ser, wobei jeder sei­ne Posi­ti­on mit ideo­lo­gi­scher Schüt­zen­gra­ben-Hin­ga­be ver­tei­digt und kein Fuß­breit Abwei­chung wagt. Reich-Rani­cki – wie sein Leh­rer Georg Lukács ein getreu­er und pas­sio­nier­ter Ver­tei­di­ger Tho­mas Manns – will die Spreu vom Wei­zen tren­nen, näm­lich Hein­rich Mann, dem er die »sozi­al­kri­ti­sche Gesin­nung« und die Pro­duk­ti­on von »schlech­ter, schlud­ri­ger Lite­ra­tur« vor­wirft, von Tho­mas Mann, der noch im Miss­lin­gen gut sei. Als eine Abitu­ri­en­tin ihn nach sei­nen Kate­go­rien für »gute« und »schlech­te« Lite­ra­tur fragt, zieht sich der »Lite­ra­t­ur­sach­ver­stän­di­ge« ins Unge­fäh­re zurück: Was »gut« und »schlecht« sei, müs­se jeder für sich selbst ent­schei­den. Den­noch gibt er als kri­ti­schen Maß­stab aus, Lite­ra­tur dür­fe nicht lang­wei­len, wor­auf­hin Wal­ser mit geziel­ter Pro­vo­ka­ti­on ein­wirft, die »dürf­ti­ge Kon­struk­ti­on« der Novel­le Tonio Krö­ger habe ihn unsag­bar gelang­weilt und Lan­ge­wei­le als Beur­tei­lungs­kri­te­ri­um für Lite­ra­tur sei voll­kom­men deplat­ziert.54

Wäh­rend Mann vor fünf­zig Jah­ren dafür kri­ti­siert wur­de, »nicht der Weg­be­rei­ter poli­ti­schen Fort­schritts« gewe­sen zu sein (wie Boeh­lich kon­sta­tier­te) und sich »zu spät« für den poli­ti­schen Wider­stand ent­schie­den zu haben (1936 warf ihm Eri­ka Mann vor, aus ego­is­ti­schen Grün­den »der gesam­ten Emi­gra­ti­on und ihren Bemü­hun­gen in den Rücken« gefal­len zu sein), wird Mann zu den Jubel­fei­ern sei­nes 150. Geburts­ta­ges als intel­lek­tu­el­ler Leucht­turm in der von Auto­ri­ta­ris­mus und Gewalt bedroh­ten poli­ti­schen Demo­kra­tie umschmei­chelt.55 Heu­ti­ge »Man­no­kra­ten« wie der arri­vier­te Ger­ma­nist Kai Sina (der sich agil & strom­li­ni­en­för­mig durch die von Volks­wa­gen-Stif­tung und Lich­ten­berg-Pro­fes­su­ren geför­der­te Wis­sen­schafts- und For­schungs­be­triebs­ar­chi­tek­tur nebst ange­schlos­se­nen Medi­en­agen­tu­ren wie FAZ & Zeit zu han­geln ver­mag) prei­sen Manns Anpas­sungs­ver­mö­gen in den jewei­li­gen Zei­ten. »Es ist vor allem die Art und Wei­se«, umschreibt Sina Manns tak­ti­schen Oppor­tu­nis­mus, »wie der poli­ti­sche Tho­mas Mann dach­te und schrieb, die bis heu­te in hohem Maße inspi­rie­ren kann: sei­ne Bereit­schaft, die Din­ge im Licht der jewei­li­gen his­to­ri­schen Erfah­rung immer wie­der neu zu betrach­ten …«56

Die­se »Neu­be­trach­tung« poli­ti­scher Vor­gän­ge leg­te aber auch eini­ge nega­ti­ve Per­sön­lich­keits­struk­tu­ren des Groß­schrift­stel­lers offen. Am 20. April 1933 ver­merk­te er bei­spiels­wei­se in sei­nem Tage­buch: »Die Revol­te gegen das Jüdi­sche hät­te gewis­ser­ma­ßen mein Ver­ständ­nis, wenn nicht der Weg­fall der Kon­trol­le des Deut­schen durch den jüdi­schen Geist für jenes so bedenk­lich und das Deutsch­tum nicht so dumm wäre, mei­nen Typus mit in den sel­ben Topf zu wer­fen und mich mit aus­zu­trei­ben.« Wolf­gang Tar­now­ski bezeich­net dies mit Recht als »unfass­bar schä­bi­gen Kom­men­tar«, der »Man­no­kra­ten« wie Sina in ihrer per­ma­nen­ten Lob­hu­de­lei ad absur­dum führt.57

Wolfgang Benz:
<i>Exil - Geschichte einer Vertreibung 1933-1945</i> (C. H. Beck, 2025)
Wolf­gang Benz:
Exil — Geschich­te einer Ver­trei­bung 1933–1945 (C. H. Beck, 2025)

Den­noch greift es zu kurz, Tho­mas Mann das poli­ti­sche Ver­ständ­nis und das Begrei­fen von poli­ti­scher Theo­rie und Pra­xis per se abzu­spre­chen (wie es in der SWF-Dis­kus­si­on von 1975 sowohl sei­ne Ver­äch­ter als auch sei­ne Ver­tei­di­ger vor dem Fern­seh­pu­bli­kum exer­zier­ten). Tho­mas Mann hat nicht – wie Wal­ser behaup­te­te – nur »dann und wann Vor­trä­ge gehal­ten«, um dem »Zeit­dienst« Genü­ge zu tun, son­dern enga­gier­te sich vehe­ment gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus nach sei­ner Emi­gra­ti­on in die USA. Im Exil fiel ihm, schreibt Wolf­gang Benz in sei­ner kon­zi­sen und prä­gnan­ten Geschich­te der deut­schen Emi­gra­ti­on nach 1933, »die reprä­sen­ta­ti­ve Rol­le des Lord­sie­gel­be­wah­rers eines ›ande­ren Deutsch­land‹ zu, als Leucht­turm deut­scher Kul­tur und Huma­ni­tät, der die Deut­schen ver­geb­lich zum Wider­stand gegen das Regime Hit­lers beschwor«.58

Thomas Mann: <i>Schriften zur Politik</i>, hg. Walter Boehlich (Bibliothek Suhrkamp, 1970)
Tho­mas Mann: Schrif­ten zur Poli­tik, hg. Wal­ter Boeh­lich (Biblio­thek Suhr­kamp, 1970)

Daher ist Boeh­lichs Vor­wurf (den er 1948 in einer Rezen­si­on von Dok­tor Faus­tus erhob) unge­recht­fer­tigt, in »Ame­ri­ka« habe sich Tho­mas Mann der »Hei­mat« ent­frem­det. »Der Boden, dem er alles ver­dank­te, hat ihm gefehlt«, schrieb Boeh­lich. »Fern von Deutsch­land hat er etwas sehr Deut­sches schrei­ben wol­len; es ist ihm miß­lun­gen.« Die Schuld orte­te er im »kul­tur­lo­sen« Ame­ri­ka: Es sei, wuss­te Boeh­lich (in deut­scher Über­heb­lich­keit & Arro­ganz) zu berich­ten, »ein Land ohne gro­ße Dich­tung, ohne poe­ti­sche Tra­di­ti­on, ohne leben­di­ge Kri­tik. Sie ist es, die dem altern­den Tho­mas Mann am meis­ten gefehlt hat.«59 Eini­ge Jah­re spä­ter kri­ti­sier­te Boeh­lich Manns feh­len­de poli­ti­sche Kom­pe­tenz dezi­dier­ter: »Der Haß gegen das Unter­men­schen­tum des Faschis­mus ver­klärt die nicht­fa­schis­ti­sche Welt in ihrer Gesamt­heit mit einem über­ir­di­schen Schim­mer«, dia­gnos­ti­zier­te er 1954. In Manns poli­ti­schen Tex­ten wer­de die Ein­sicht in die Wirk­lich­keit der Poli­tik ver­dun­kelt: Frank­lin D.Roosevelt umge­be die Aureo­le des idea­len Poli­ti­kers, wobei Mann Wunsch­vor­stel­lun­gen erlag, die nicht der poli­ti­schen Rea­li­tät ent­spra­chen.60

Zaudern und Furor

Thomas Mann: <i>Deutsche Hörer!
Radiosendungen nach Deutschland</i>
(S. Fischer, 2025)
Tho­mas Mann: Deut­sche Hörer!
Radio­sen­dun­gen nach Deutsch­land

(S. Fischer, 2025)

Im Gegen­satz zu die­ser Auf­fas­sung sieht ihn Mely Kiyak im Vor­wort zu den neu her­aus­ge­ge­be­nen Rund­funk­re­den Manns für die BBC aus den Jah­ren zwi­schen 1940 und 1945, als Anti­fa­schist, der den Faschis­mus als per­sön­li­chen Angriff ver­stand. Nach Auf­fas­sung Kiyaks gehör­te Mann »zu den ers­ten deut­schen Schrift­stel­lern, die von den Natio­nal­so­zia­lis­ten beläs­tigt, bedroht und gejagt wur­den«.61 Damit unter­schlägt sie aller­dings, dass Autoren wie Erich Müh­sam schon am 28. Febru­ar 1933 durch die SA ver­haf­tet und wenig spä­ter ermor­det wur­den. »Müh­sams poli­ti­sche Über­zeu­gung und sei­ne jüdi­sche Abstam­mung hat­ten ihn zum Opfer des Faschis­mus wer­den las­sen«, erin­ner­te Lien­hard Böh­ning. »Sei­ne Unbeug­sam­keit wur­de zum Sym­bol des anti­fa­schis­ti­schen Wider­stan­des.«62 Mit sei­nem Pro­test gegen die neu­en faschis­ti­schen Macht­ha­ber hielt sich Mann tak­tisch zurück. »Strei­chung betref­fend einer cen­sur­wid­ri­gen Phra­se im Wag­ner-Essay über den Natio­na­lis­mus«, heißt es in einem Tage­buch­ein­trag vom 15. März 1933. »Wozu in die­sem Augen­blick die­se Tie­re rei­zen?«63

Den­noch ist der anti­fa­schis­ti­sche Furor sei­ner Rund­funk­re­den nicht zu unter­schät­zen. Ent­ge­gen dem Vor­wurf Boeh­lichs, er habe den Kon­takt zur »Hei­mat« ver­lo­ren, beton­te Mann immer wie­der sein »Deutsch­tum« und sein »Lei­den« an einem Deutsch­land, das »nach dem Wil­len ver­bre­che­ri­scher Gewalt­men­schen« der Welt Unheil zufü­ge. Schon früh (im Janu­ar 1942) sprach Mann davon, dass Juden als »Ver­suchs­ob­jek­te für Gift­gas« die­nen muss­ten, und eini­ge Mona­te spä­ter – im Sep­tem­ber 1942 – berich­te­te er: »In Paris wur­den bin­nen weni­ger Tage 16000 Juden zusam­men­ge­trie­ben, in Vieh­wa­gen ver­la­den und abtrans­por­tiert. Wohin? Das weiß der deut­sche Loko­mo­tiv­füh­rer, von dem man sich in der Schweiz erzählt.«64 Offen­bar war Mann fern­ab der »Hei­mat« bes­ser infor­miert als die deut­sche Bevöl­ke­rung, vor deren Augen jüdi­sche Bürger:innen durch die Städ­te zu den Bahn­hö­fen getrie­ben wur­den und die der »KZ-Pro­pa­gan­da« der Alli­ier­ten kei­nen Glau­ben schen­ken woll­te. Mit­ge­fühl mit den Opfern des »Raub- und Mord­re­gimes« (wie Mann den NS-Staat bezeich­ne­te) hat­ten sie nicht, denn schließ­lich pro­fi­tier­te sie von der anti­jü­di­schen Poli­tik und Pra­xis des Regimes.65

Trotz allem woll­te Mann »Deutsch­land« nicht in Grund und Boden ver­dam­men, son­dern eröff­ne­te ihm die Mög­lich­keit einer »Erret­tung« in einer demo­kra­ti­schen Revo­lu­ti­on auf euro­päi­scher Ebe­ne. »Deut­sche Hörer«, ver­kün­de­te er in einer Rund­funk­re­de vom 28. März 1944, »Euro­pa wird sozia­lis­tisch sein, sobald es frei ist. Der sozia­le Huma­nis­mus war an der Tages­ord­nung, er war die Visi­on der Bes­ten in dem Augen­blick, als der Faschis­mus sei­ne schie­len­de Frat­ze über die Welt erhob. Er, der das wahr­haft Neue, Jun­ge und Revo­lu­tio­nä­re ist, wird Euro­pa sei­ne äuße­re und inne­re Gestalt geben, ist nur erst der Lügen­schlan­ge das Haupt zer­tre­ten.« 66 In ihrem Nach­wort zu Manns BBC-Reden wider­spricht Mely Kiyak dem Vor­wurf, er habe Poli­tik nicht ver­stan­den. In ihren Augen war Tho­mas Mann ein »Schrift­stel­ler der Frei­heit«, der ange­sichts der per­sön­li­chen Bedro­hung zum glü­hen­den Demo­kra­ten wur­de. »Weil Poli­tik vor der Ver­nich­tung des Men­schen immer erst den Sprach­miss­brauch betreibt«, argu­men­tiert Kiyak. »Gera­de weil Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler die Macht der Spra­che ken­nen, dient die Ein­mi­schung nicht nur der Mensch­heits- und Mensch­lich­keits­ver­tei­di­gung, son­dern auch der Ver­tei­di­gung der Spra­che. Wor­te, die Faschis­ten ein­mal im Mun­de hat­ten, sind anschlie­ßend unbrauch­bar.«67

<i>Thomas Manns 150. Geburtstag</i>, <i>Neue Rundschau</i> (S.Fischer, 2025)
Tho­mas Manns 150. Geburts­tag, Neue Rund­schau (S.Fischer, 2025)

Den­noch ist die Kri­tik an Manns Poli­tik­ver­ständ­nis nicht gänz­lich unbe­rech­tigt. »Frei­heit, poli­tisch ver­stan­den, ist vor allem ein mora­lisch-innen­po­li­ti­scher Begriff«68, pos­tu­lier­te er im April 1945, wäh­rend er öko­no­misch-gesell­schaft­li­che Kom­po­nen­ten außen vor ließ. Sei­ne Kri­tik beweg­te sich vor allem im Mytho­lo­gi­schen, in Begrif­fen wie »Teu­fel«, »Höl­le« oder »See­le«, in der »Dämo­nie«, die im Dok­tor Faus­tus aus der deut­schen Ver­gan­gen­heit zehr­te, ohne kapi­ta­lis­ti­sche Ent­wick­lun­gen des zurück­lie­gen­den Jahr­hun­derts in Betracht zu zie­hen. In Georg Lukács’ Inter­pre­ta­ti­on war Manns Dämon »ein geschicht­li­cher Kri­ti­ker der gesam­ten bür­ger­li­chen Kul­tur des Impe­ria­lis­mus«. Doch wie Antho­ny Heil­but und ande­re Autoren beschrie­ben, resul­tier­te Manns Ein­sam­keit in »Ame­ri­ka« auch aus einer anti­quier­ten Spra­che, die kaum die gesell­schaft­li­chen Rea­li­tä­ten in Deutsch­land reflek­tier­te. »In Kali­for­ni­en«, so lau­tet der Tenor bezüg­lich sei­ner Emi­gra­ti­ons­er­fah­rung in einem Essay von Alex­an­der Honold in dem lite­ra­ri­schen Fischer-Fan­zine Neue Rund­schau zum 150. Geburts­tag der lite­ra­ri­schen »Cash­cow« des Ver­la­ges, »befand Tho­mas Mann sich fern­ab des deut­schen Lite­ra­tur­pu­bli­kums, das er ver­lo­ren hat­te.« 69 Manns »Emi­gra­ti­ons­spra­che« rief in Deutsch­land nach 1945 aggres­si­ve Angrif­fe her­vor. Sym­pto­ma­tisch war das Urteil des kon­ser­va­ti­ven Kul­tur­kri­ti­kers und Ernst-Jün­ger-Freun­des Ger­hard Nebel, der Tho­mas Mann 1950 vor­warf, er tre­te »uns als Expo­nent einer bis zur Dumm­heit gehen­den Abnei­gung gegen Deutsch­land ent­ge­gen.«70

Helmut Kiesel:
<i>Schreiben in finsteren Zeiten</i> (C. H. Beck, 2025)
Hel­mut Kie­sel:
Schrei­ben in fins­te­ren Zei­ten (C. H. Beck, 2025)

Mit Befrem­den notier­te Max Frisch 1949 auf Sylt in sei­nem Tage­buch, mit wel­chem Hass Tho­mas Mann in Frank­furt im Goe­the­jahr emp­fan­gen wur­de. Die Deut­schen, schrieb Frisch, »lech­zen nach Welt­ach­tung«, Mann habe sie, »aber sie kön­nen sich nicht mit ihm ver­brü­dern, ohne daß sie etli­ches zuge­ben müß­ten, was er zu ihrem Unbe­ha­gen gesagt hat – so begnü­gen sich jetzt die meis­ten mit dem Ver­such, ihm die Welt­ach­tung abzu­krat­zen: als könn­ten sie dabei gewin­nen.«71 In sei­nem monu­men­ta­len Werk Schrei­ben in fins­te­ren Zei­ten, in dem Hel­mut Kie­sel das gesam­te Spek­trum der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur zwi­schen 1933 und 1945 (von Roma­nen, Dra­men und Gedich­ten sys­tem­kon­for­mer Autor:innen der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Lite­ra­tur über die Wer­ke der »inne­ren Emi­gra­ti­on« bis zu den viel­schich­ti­gen Aus­prä­gun­gen der deutsch­spra­chi­gen Exil­li­te­ra­tur) ana­ly­siert, wider­spricht der Autor vehe­ment den zeit­ge­nös­si­schen deut­schen Nega­tiv-Kri­ti­ken (oder »Ver­ris­sen«) von Dok­tor Faus­tus: Der Roman sei »nicht nur das Doku­ment eines tie­fen Lei­dens an Deutsch­land, son­dern auch das Doku­ment einer zwar in For­meln der nega­ti­ven Theo­lo­gie vor­ge­tra­ge­nen, aber nichts­des­to­we­ni­ger reli­gi­ös fun­dier­ten Zuver­sicht auf Zukunft und Hei­lung«. Aller­dings ver­weist Kie­sel – in einem frü­he­ren Werk – auch auf die Ver­an­ke­rung des Mann-Wer­kes in der tra­di­tio­nel­len Roman­form des 19. Jahr­hun­derts (trotz aller »Tech­nik der iro­ni­schen Illu­si­ons­bre­chung«), wäh­rend Repräsentant:innen einer avan­cier­ten Moder­ni­tät wie James Joy­ce oder Alfred Döb­lin mit dem rea­lis­ti­schen Illu­sio­nis­mus bra­chen.72

Wie Joseph Con­rad, des­sen Roma­ne Lord Jim und Nostro­mo er auf sei­ner Euro­pa-Rei­se 1951 mit »Ergrif­fen­heit«, »Lie­be und Bewun­de­rung« las und in denen eine laten­te Homo­se­xua­li­tät aus den Frus­tra­tio­nen des dépay­se­ment (wie Robert Ald­rich schreibt) als Sub­text in die Erzäh­lung geschmug­gelt wur­de, konn­te er dem poli­ti­schen Leben wenig abge­win­nen, auch wenn er von der Bewun­de­rung gegen­über Frank­lin D. Roo­se­velt »über­mannt« wur­de. Trotz allem blieb er (mit den Wor­ten Peter Gays) ein »kul­tu­rel­ler Aris­to­krat und phi­lo­so­phi­scher Iro­ni­ker«, der »bis zum letz­ten Seuf­zer« dem lite­ra­ri­schen Rea­lis­mus des 19. Jahr­hun­derts ver­haf­tet war.73

Lübeck als geistige Lebensform

Thomas Mann: <i>Lübeck als geistige Lebensform</i>, Hörbuchfassung von Christian Brückner (vacat, 2005)
Tho­mas Mann: Lübeck als geis­ti­ge Lebens­form, Hör­buch­fas­sung von Chris­ti­an Brück­ner (vacat, 2005)

In sei­nem Vor­trag »Lübeck als geis­ti­ge Lebens­form« beschrieb sich Tho­mas Mann als Künst­ler und Schrift­stel­ler, der »ein Lübe­cker geblie­ben« sei und ver­or­te­te sich in der sprach­li­chen Land­schaft der Stadt, die sich in »Stim­mung, Stimm­klang, Ton­fall, Dia­lekt, als Hei­mat­laut, Musik der Hei­mat« äuße­re.74 In Wolf­gang Tar­now­skis Buch Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann ist ein Foto von Manns mit Schreib­tisch, Bücher­re­ga­len, Ses­seln, Bil­dern und Erb­stü­cken aus dem Lübe­cker Eltern­haus abge­bil­det und Tar­now­ski beton­te, dass die »ver­trau­ten Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de die­ses kom­for­ta­blen Refu­gi­ums« den Dich­ter »durchs gan­ze Leben, selbst im Exil« beglei­te­ten, obwohl Lübeck in sei­ner Kin­der- und Jugend­zeit nach den Erin­ne­run­gen sei­nes Freun­des Otto Grau­toff durch einen »Gefäng­nis­cha­rak­ter« und ein »beson­ders hohes Maß an Kunst- und Kör­per­feind­lich­keit« geprägt war.75 Wäh­rend die wohl­si­tu­ier­ten Lübe­cker Bürger:innen nach dem Erschei­nen der Bud­den­brooks sich über den Skan­dal­ro­man echauf­fier­ten, ist Tho­mas Mann als Wer­be­trä­ger der Stadt über­all in Lübeck prä­sent – nicht nur dort, wo stän­dig das Mar­zi­pan lau­ert und der Nobel­preis­trä­ger sati­risch als »Lübe­cker Mar­zi­pan­bä­cker« ver­höhnt wur­de. Die­se »lite­ra­ri­sche Sati­re« tue ihm gar nicht weh, gab Mann in sei­nem Vor­trag von 1926 zu Pro­to­koll, »denn was Lübeck betrifft, so muß man irgend­wo­her ja sein, und ich sehe nicht ein, wes­halb Lübeck eine lächer­li­che­re Her­kunft sein soll­te als eine ande­re – ich rech­ne es sogar zu den bes­se­ren Her­künf­ten.«76

Als ich in dem mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten und aus­ge­such­ten Pro­sa-Buch­la­den in der Lübe­cker Alt­stadt77 einen schma­len Band mit Tex­ten Carl von Ossietz­kys erstand, mel­de­te sich Lübecks bekann­tes­ter Bür­ger mit einem Ein­lei­tungs­zi­tat zu Wort als »dank­ba­re und ehr­erbie­ti­ge Hul­di­gung« für jenen Mann, der »den Mär­ty­rer­tod für Frei­heit und Frie­den starb«.78 So kommt man auch heu­te in Lübeck auf Schritt & Tritt nicht an Tho­mas Mann vorbei.

»Thomas Mann oder Hört das nie auf?«

In einer Lau­da­tio auf Gert West­phal, der von Katia Mann als des »Dich­ters obers­ter Mund« gerühmt wur­de, bemerk­te der lang­jäh­ri­ge Lei­ter der NDR-Kul­tur­re­dak­ti­on Han­jo Kes­t­ing, dass Tho­mas Mann das am Mor­gen Geschrie­be­ne am Abend im Fami­li­en- und Freun­des­kreis vor­las, um es »münd­lich zu erpro­ben«. »Erst wenn es dort stand­hielt, durf­te es im Buche ste­hen blei­ben«, wuss­te Kes­t­ing zu berich­ten.79 Über Jahr­zehn­te war Gert West­phal durch »einen unge­wöhn­li­chen Reich­tum an Klang­ges­ten, Klang­spra­che, Klang­re­de, ja Klang­zau­ber« (wie Kes­t­ing in einer gera­de­zu eksta­ti­schen Lau­da­tio aus­rief) prä­sent, wobei Kes­t­ing vor allem die Auf­nah­me der Lesung von Joseph und sei­ne Brü­der wegen ihrer »Fri­sche und Vita­li­tät, in Ver­bin­dung mit Wis­sen und Fein­ge­fühl« her­vor­hob.80

<i>Thomas Mann Box</i> (Argon, 2025)
Tho­mas Mann Box (Argon, 2025)

In der Argon-Hör­buch-Edi­ti­on zu den Wer­ken Tho­mas Manns ragt vor allem die unge­kürz­te Lesung des Zau­ber­bergs her­aus. Der 1961 in Ham­burg gebo­re­ne und in der Schweiz leben­de Schau­spie­ler Tho­mas Sar­ba­cher (der mitt­ler­wei­le auch für den RBB eine Radio-Ver­si­on der Bud­den­brooks pro­du­ziert hat81) lie­fert eine zeit­ge­mä­ße Rezi­ta­ti­on des Tex­tes in der Fas­sung von 1924, der jedoch – mit Han­jo Kes­t­ing gespro­chen – die Trans­for­ma­ti­on in eine ent­rück­te Klang­welt, in »Sprach­ma­gie und Wort­zau­ber, sug­ges­tiv und ein­sau­gend wie sonst nur Musik« fehlt.82

Thomas Mann: <i>Mario und der Zauberer</i>, Hörbuchfassung von Gert Westphal (NDR 1979/Litraton 1996)
Tho­mas Mann: Mario und der Zau­be­rer, Hör­buch­fas­sung von Gert West­phal (NDR 1979/Litraton 1996)

Ähn­lich ver­hält es sich mit der älte­ren Auf­nah­me von Mario und der Zau­be­rer in der Fas­sung von Peter Matic aus dem Jah­re 2006. »Bis­her hat­te ich immer Gert West­phal für den bes­ten Vor­le­ser der Wer­ke von Tho­mas Mann gehal­ten«, schrieb vor Jah­ren ein Inter­net-Kri­ti­ker über die­se Pro­duk­ti­on. »Aber bei die­ser in süd­li­chen Gefil­den spie­len­den Para­bel auf die Ver­führ­bar­keit des Men­schen passt Peter Matic Stim­me bes­ser. Denn in ihr wie­ne­ri­schen Ton­fall hört man die Deka­denz, den Ver­fall der Sit­ten, das Unmo­ra­li­sche bes­ser als in West­phal sono­rer nord­deut­scher Stim­me.«83 Wäh­rend Matics Rezi­ta­ti­ons­leis­tun­gen (bei­spiels­wei­se in der kom­plet­ten Lesung von Mar­cel Prousts Roman­zy­klus Auf der Suche nach der ver­lo­re­nen Zeit) unbe­strit­ten sind, erscheint sei­ne Inter­pre­ta­ti­on des Erzähl­tex­tes von Mario und der Zau­be­rer stel­len­wei­se exal­tiert und dis­zi­plin­los, wäh­rend West­phals Fas­sung von 1979 restrin­gier­ter und näher am tex­tu­el­len Inge­ni­um der Novel­le ist. West­phal, schrieb Kes­t­ing über den »Vor­le­ser« im Text-Gewe­be, »ver­sucht uns ein­zu­spin­nen, in sei­nen Bann zu zie­hen, er lang­weilt nie, über­treibt lie­ber als dass er unter­treibt, er lässt uns, wäh­rend er erzählt, nicht spü­ren, wie die Zeit ver­geht, unse­re kost­ba­re Lebens­zeit, die wir zuhö­rend ver­schwen­den«.84

Fami­li­en­bild, von links: Tho­mas Mann, Micha­el Mann, Katia Mann, Golo Mann, Eri­ka Mann, Klaus Mann, Eli­sa­beth Mann.

Ein nicht zu ver­nach­läs­si­gen­der Höhe­punkt der Argon-Edi­ti­on ist der Essay »Tho­mas Mann oder Hört das nie auf?« von C. Bernd Sucher, der die The­ma­tik der Homo­se­xua­li­tät im Leben Tho­mas Mann ähn­lich wie Til­mann Lah­me in sei­ner Bio­gra­fie in kom­pri­mier­ter Form auf­greift und die Fra­gen, ob der Dich­ter – allem Ruhm und Luxus zum Trotz – ein »Geplag­ter« war. »Man denkt wohl«, beginnt der Essay mit einem auto­bio­gra­fisch zu deu­ten­den, von Hans Peter Hall­wachs gele­se­nen Zitat aus Joseph und sei­ne Brü­der: »mit fünf­und­sieb­zig kann’s so schlimm nicht mehr sein mit der Hörig­keit und knech­ti­schen Lust, aber da irrt man sich. Das hält aus bis zum letz­ten Seuf­zer.«85 Damit ist die Exis­tenz Tho­mas Manns, der in sei­nen Roma­nen (mit den Wor­ten C. Bernd Suchers) die kal­te Wirk­lich­keit sub­li­mier­te, chif­frier­te und kaschier­te, tref­fend beschrie­ben. Am Ende hat­te sich der Dich­ter gegen sich selbst und die mög­li­chen Rea­li­tä­ten im Sin­ne der Kunst ver­schwo­ren. Wie Sieg­fried Kra­cau­er 1915 kon­sta­tier­te, blüh­te der Dich­ter in sei­ner Sehn­sucht nach Bür­ger­lich­keit wie sei­ne Figu­ren auf und ver­ging pflan­zen­haft.86

© Jörg Auberg 2026

Danksagung

Für die freund­li­che Über­las­sung von Rezen­si­ons­exem­pla­ren dan­ke ich den Ver­la­gen S. Fischer, Rowohlt, DVA, dtv, Pro­py­lä­en, Ellert & Rich­ter, Königs­hau­sen & Neu­mann und C. H. Beck sowie Argon, DAV und dieGehörGäng.

Beson­de­rer Dank für Unter­stüt­zung & Anre­gun­gen gilt Caren Heu­er (Bud­den­brook­haus Lübeck) und Maria Nowot­nick (Argon Berlin).

Bibliographische Daten

Hein­rich Bre­lo­er.
Ein tadel­lo­ses Glück:
Der jun­ge Tho­mas Mann und der Preis des Erfolgs.

Mün­chen: DVA, 2024.
464 Sei­ten, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑4210–7036‑4.

Hein­rich Bre­lo­er.
Ein tadel­lo­ses Glück:
Der jun­ge Tho­mas Mann und der Preis des Erfolgs.

Gele­sen von Hanns Zisch­ler.
Ber­lin: Der Audio-Ver­lag (DAV), 2024.
2 MP3-CDs, Lauf­zeit 14:17 Stun­den, 25 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3284‑1.

Kers­tin Hol­zer.
Tho­mas Mann macht Feri­en: Ein Som­mer am See.

Köln: Kie­pen­heu­er & Witsch, 2025.
208 Sei­ten, 22 Euro.
ISBN: 978–3‑462–00671‑1.

Flo­ri­an Illies.
Wenn die Son­ne unter­geht:
Fami­lie Mann in Sana­ry.

Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
336 Sei­ten, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑10–397192‑7.

Flo­ri­an Illies.
Wenn die Son­ne unter­geht:
Fami­lie Mann in Sana­ry.

Gele­sen von Ste­phan Schad.
Ber­lin: Argon, 2025.
MP3-CD, Lauf­zeit 8:45 Stun­den, 30 Euro.
ISBN: 978–3‑7324–8445‑4.

Mar­tin Mit­tel­mei­er.
Heim­weh im Para­dies
Tho­mas Mann in Kali­for­ni­en.

Köln: Dumont, 2025.
192 Sei­ten, 22 Euro.
ISBN: 978–3‑7558–0033‑0.

Wolf­gang Tar­now­ski.
Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann.

Ham­burg: Ellert & Rich­ter, 2025.
176 Sei­ten, 120 Abbil­dun­gen, 19,95 Euro.
ISBN: 978–3‑8319–0882‑0.

Til­mann Lah­me.
Tho­mas Mann: Ein Leben.

Mün­chen: dtv, 2025.
592 Sei­ten, 28 Euro.
ISBN: 978–3‑423–28445‑5.

Oli­ver Fischer.
»Man kann die Lie­be nicht stär­ker erle­ben«:
Tho­mas Mann und Paul Ehren­berg.

Ham­burg: Rowohlt, 2024.
304 Sei­ten, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑498–00389‑0.

Mor­ten Høi Jen­sen.
The Mas­ter of Con­tra­dic­tions:
Tho­mas Mann and the Making of »The Magic Moun­tain«.

New Haven: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2025.
248 Sei­ten, 28 US-$.
ISBN: 978–0‑300–23374‑2.

Caren Heu­er und Bar­ba­ra Eschen­burg (Hgg.).
Tho­mas Manns Der Zau­ber­berg:
Fie­ber­traum und Höhen­rausch.

Aus­stel­lungs­ka­ta­log des Bud­den­brook­hau­ses in Lübeck.
Würz­burg: Königs­hau­sen & Neu­mann, 2024.
176 Sei­ten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑8260–8913‑8.

Caren Heu­er und Bar­ba­ra Eschen­burg (Hgg.).
Mei­ne Zeit: Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie.

Aus­stel­lungs­ka­ta­log des Bud­den­brook­hau­ses in Lübeck.
Würz­burg: Königs­hau­sen & Neu­mann, 2025.
208 Sei­ten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑8260–9341‑8.

Kai Sina.
Was gut ist und was böse:
Tho­mas Mann als poli­ti­scher Akti­vist.

Ber­lin: Pro­py­lä­en, 2024.
304 Sei­ten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑5491–0085‑1.

Sascha Michel (Hg.).
Tho­mas Manns 150. Geburts­tag.

Neue Rund­schau 136, Heft 1.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
120 Sei­ten, 17 Euro.
ISBN: 978–3‑10–809140‑8.

Tho­mas Mann.
Der klei­ne Herr Frie­de­mann.
Eine Novel­le über die ver­nich­ten­den Kräf­te der Lei­den­schaft.

Über­ar­bei­te­te Aus­ga­be mit Illus­tra­tio­nen von Karl-Georg Hirsch.
Frankfurt/Main: Bücher­gil­de Guten­berg, 2025.
96 Sei­ten, 28 Euro.
ISBN: 978–3‑7632–7628‑8.

Tho­mas Mann.
Tonio Kröger/ Mario und der Zau­be­rer.
Zwei Erzäh­lun­gen.

Mit einem Nach­wort von Vol­ker Wei­der­mann.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 55. erwei­ter­te Auf­la­ge.
192 Sei­ten, 12 Euro.
ISBN: 978–3‑596–21381‑8.

Tho­mas Mann.
Bud­den­brooks. Ver­fall einer Fami­lie.

Mit einem Nach­wort von Dani­el Kehl­mann.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 69. erwei­ter­te Auf­la­ge.
848 Sei­ten, 18 Euro.
ISBN: 978–3‑596–29431‑2.

Tho­mas Mann.
Der Zau­ber­berg.

Mit einem Nach­wort von Kai Sina.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 31. erwei­ter­te Auf­la­ge.
1072 Sei­ten, 20 Euro.
ISBN: 978–3‑596–29433‑6.

Tho­mas Mann.
Der Tod in Vene­dig.

Mit einer Nach­wort-Erzäh­lung von Ulrich Tukur.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 31. erwei­ter­te Auf­la­ge.
144 Sei­ten, 12 Euro.
ISBN: 978–3‑596–11266‑1.

Tho­mas Mann.
Die Erzäh­lun­gen.

Frankfurt/Main: S. Fischer, 2024.
992 Sei­ten, 29 Euro.
ISBN: 978–3‑10–397647‑2.

Tho­mas Mann.
Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull.
Der Memoi­ren ers­ter Teil.

Mit einem Nach­wort von Feli­ci­tas Hop­pe.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 58. erwei­ter­te Auf­la­ge.
464 Sei­ten, 16 Euro.
ISBN: 978–3‑596–29429‑9.

Tho­mas Mann.
Dok­tor Faus­tus.
Das Leben des deut­schen Ton­set­zers Adri­an Lever­kühn,
erzählt von einem Freun­de.

Mit einem Nach­wort von Micha­el Lenz.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 44. erwei­ter­te Auf­la­ge.
704 Sei­ten, 20 Euro.
ISBN: 978–3‑10–492290‑4.

Tho­mas Mann.
Zur Ver­tei­di­gung der Demo­kra­tie:
Poli­ti­sche Schrif­ten.

Her­aus­ge­ge­ben von Kai Sina und Mat­thi­as Löwe
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
288 Sei­ten, 16 Euro.
ISBN: 978–3‑596–71166‑6.

Tho­mas Mann.
Deut­sche Hörer!
Radio­sen­dun­gen nach Deutsch­land.

Mit einem Vor­wort und einem Nach­wort von Mely Kiyak.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
272 Sei­ten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑10–397685‑4.

Tho­mas Mann.
Bud­den­brooks. Ver­fall einer Fami­lie.

Unge­kürz­te Lesung mit Gert West­phal.
Ber­lin: Der Audio-Ver­lag (DAV), 2025.
Digi­ta­le Aus­ga­be.
Lauf­zeit 27:47 Stun­den, 39,95 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3607‑8.

Tho­mas Mann.
Der Zau­ber­berg.

Gekürz­te Lesung mit Gert West­phal.
Ber­lin: Der Audio-Ver­lag (DAV), 2024.
2 MP3-CDs, Lauf­zeit 18:26 Stun­den, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3356‑5.

Tho­mas Mann.
Dok­tor Faus­tus.
Das Leben des deut­schen Ton­set­zers Adri­an Lever­kühn,
erzählt von einem Freun­de.

Gekürz­te Lesung mit Gert West­phal.
Ber­lin: Der Audio-Ver­lag (DAV), 2024.
3 MP3-CDs, Lauf­zeit 28:08 Stun­den, 29 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3354‑1.

Tho­mas Mann.
Lot­te in Wei­mar.

Unge­kürz­te Lesung mit Gert West­phal.
Ber­lin: Der Audio-Ver­lag (DAV), 2024.
2 MP3-CDs, Lauf­zeit 16:27 Stun­den, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3352‑7.

Tho­mas Mann.
Joseph und sei­ne Brü­der.

Gekürz­te Lesung mit Gert West­phal.
Ber­lin: Der Audio-Ver­lag (DAV), 2024.
3 MP3-CDs, Lauf­zeit 33:37 Stun­den, 34 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3350‑3.

Tho­mas Mann.
Tho­mas Mann Box: Argon Edition.

Der Zau­ber­berg.
Gele­sen von Tho­mas Sar­ba­cher, befasst sich mit den The­men Zeit, Krank­heit und Ver­fall, wäh­rend der Prot­ago­nist Hein­rich Mann in einem Sana­to­ri­um die Abgrün­de der mensch­li­chen Exis­tenz erkun­det.
Lauf­zeit: 38:36 Stun­den.
Der Tod in Vene­dig.
Gele­sen von Gerd Wame­ling, ist eine bewe­gen­de Novel­le, in der die The­men Ästhe­tik und Deka­denz im Mit­tel­punkt ste­hen, als Gus­tav von Aschen­bach in das ver­füh­re­ri­sche Vene­dig reist und dort in einen gefähr­li­chen Stru­del aus Lei­den­schaft und Krank­heit gerät.
Lauf­zeit: 3:34 Stun­den.
Mario und der Zau­be­rer.
Gele­sen von Peter Matić, erzählt die fes­seln­de Geschich­te eines Magi­ers, der in einer ita­lie­ni­schen Stadt das Publi­kum mit sei­ner gewag­ten Zau­ber­kunst in den Bann zieht, was bald in eine erschre­cken­de Wen­dung mün­det.
Lauf­zeit: 2:13 Stun­den.
Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull.
Gele­sen von Boris Alji­no­vić, schil­dert die Aben­teu­er des char­man­ten Betrü­gers Felix Krull, des­sen schil­lern­de Per­sön­lich­keit und Mani­pu­la­ti­ons­ge­schick ihn durch die Gesell­schaft der obe­ren Klas­sen in die uner­war­tets­ten Situa­tio­nen füh­ren.
Lauf­zeit: 14:37 Stun­den.
Tho­mas Mann oder Hört das nie auf?
Essay von C. Bernd Sucher.

Spre­cher: Hans Peter Hall­wachs, C. Bernd Sucher u. a., beleuch­tet auf ein­drucks­vol­le Wei­se die Wir­kung und das Erbe von Manns Werk sowie des­sen Ein­fluss auf die moder­ne Lite­ra­tur und das kul­tu­rel­le Gedächt­nis Euro­pas.
Lauf­zeit: 1:20 Stunden.

Ber­lin: Argon, 2025.
8 MP3-CDs, Lauf­zeit 60 Stun­den, 70 Euro.
ISBN: 978–3‑8398–2207‑4.

Colm Tói­bín.
Der Zau­be­rer.

Gele­sen von Tho­mas Schen­del.
Ber­lin: die­Ge­hör­Gäng, 2025.
MP3-Down­load, Lauf­zeit 20:40 Stun­den, 21,95 Euro.
ASIN: B0DVC5B3SR.

Wolf­gang Benz.
Exil: Geschich­te einer Ver­trei­bung 1933–1945.

Mün­chen: C. H. Beck, 2025.
407 Sei­ten, 36 Euro.
ISBN: 978–3‑406–82933‑8.

Hel­mut Kie­sel.
Schrei­ben in fins­te­ren Zei­ten:
Geschich­te der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur 1933–1945.

Mün­chen: C. H. Beck, 2025.
1392 Sei­ten, 68 Euro.
ISBN: 978–3‑406–71611‑9.

Han­jo Kes­t­ing.
Mach’s einer nach:
Gesam­mel­te Lob­re­den.

Han­no­ver: Wehr­hahn Ver­lag, 2025.
288 Sei­ten, 25 Euro.
ISBN: 978–3‑98859–111‑1.

Nachweise

  1. Abra­ham Polon­sky: Inter­views, hg. Andrew Dic­kos (Jack­son: Uni­ver­si­ty of Mis­sis­sip­pi Press, 2013), S. 133–134; Paul Buh­le und Dave Wag­ner, A Very Dan­ge­rous Citi­zen: Abra­ham Lin­coln Polon­sky and the Hol­ly­wood Left (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 2001), S. 156–157; Tho­mas Mann, Tage­buch­ein­trag vom 29. März 1950, in: Mann, Tage­bü­cher 1949–1950, hg. Inge Jens (Frankfurt/Main: Fischer, 2003), S. 180. Zur Bio­gra­fie Polon­skys sie­he auch Jörg Auberg, »Auf­recht gehen: Abra­ham Polon­sky, Hol­ly­wood und die Schwar­ze Lis­te«, Thea­ter­Zeit­Schrift, Nr. 27 (Früh­jahr 1989), S. 120–133. Zu Tho­mas Manns Erfah­run­gen in den USA cf. Tho­mas Mann in Ame­ri­ka, hg. Ulrich Raulff und Ellen Stritt­mat­ter, Mar­ba­cher Maga­zin, Nr. 163/164 (Mar­bach: Deut­sche Schil­ler­ge­sell­schaft, 2018), S. 73, 191
  2. Wolf­gang Tischer, »KI-Cover für Tho­mas Mann: Feh­len­de Bei­ne auf dem Berg«, literaturcafe.de, 22. Juli 2025, https://www.literaturcafe.de/ki-cover-fuer-thomas-mann-fehlende-beine-auf-dem-berg/; sie­he auch Quen­tin Licht­blau, »KI-Slop auf dem Buch­co­ver: Haupt­sa­che was Bun­tes«, https://lichtblau.substack.com/p/ki-slop-auf-dem-buchcover-hauptsache
  3. Tho­mas Mann, Bekennt­nis­se des Hoch­stap­lers Felix Krull (Frankfurt/Main: Bücher­gil­de Guten­berg, 1981), S. 11
  4. Wolf­gang Tischer, »KI-Cover für Tho­mas Mann: Feh­len­de Bei­ne auf dem Berg«, literaturcafe.de, 22. Juli 2025, https://www.literaturcafe.de/ki-cover-fuer-thomas-mann-fehlende-beine-auf-dem-berg/. Redak­tio­nel­le Nach­fra­gen an S. Fischer und Kos­mos Design blie­ben im Übri­gen unbe­ant­wor­tet.
  5. Til­mann Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben (Mün­chen: dtv, 2025), S. 219
  6. Lothar Mül­ler, »Der Zau­de­rer«, Süd­deut­sche Zei­tung, Nr. 244, 23. Okto­ber 2025, S. 11
  7. Dwight Mac­do­nald, Against the Ame­ri­can Grain (New York: Ran­dom House, 1962), S. 37. Zu Mac­do­nalds Kul­tur­kri­tik cf. Jörg Auberg, New Yor­ker Intel­lek­tu­el­le: Eine poli­tisch-kul­tu­rel­le Geschich­te von Auf­stieg und Nie­der­gang, 1930–2020 (Bie­le­feld: Tran­script-Ver­lag, 2022), S. 214–222
  8. Hein­rich Bre­lo­er, Ein tadel­lo­ses Glück: Der jun­ge Tho­mas Mann und der Preis des Erfolgs (Mün­chen: DVA, 2024), S. 15
  9. Bre­lo­er, Ein tadel­lo­ses Glück, S. 231
  10. Kers­tin Hol­zer, Tho­mas Mann macht Feri­en: Ein Som­mer am See (Köln: Kie­pen­heu­er & Witsch, 2025), S. 45
  11. Hol­zer, Tho­mas Mann macht Feri­en, S. 150
  12. Mar­tin Mit­tel­mei­er, Heim­weh im Para­dies: Tho­mas Mann in Kali­for­ni­en (Köln: Dumont, 2025), S. 15, 31
  13. Mit­tel­mei­er, Heim­weh im Para­dies, S. 47
  14. Cf. Hein­rich Mann, »›Jüdi­schen Glau­bens‹«, in: Hein­rich Mann, Essays und Publi­zis­tik, Bd. 1, hg. Peter Stein (Bie­le­feld: Ais­the­sis Ver­lag, 2013), S. 195–202; Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 96
  15. Flo­ri­an Illies, Wenn die Son­ne unter­geht: Fami­lie Mann in Sana­ry (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025), S. 7, 14
  16. Illies, Wenn die Son­ne unter­geht, S. 21
  17. Illies, Wenn die Son­ne unter­geht, S. 22, 23, 32, 326
  18. Illies, Wenn die Son­ne unter­geht, S. 134
  19. Illies, Wenn die Son­ne unter­geht, S. 135
  20. Jan Drees, »Baden gehen mit Tho­mas Mann«, 27. Okto­ber 2025, https://www.lesenmitlinks.de/baden-gehen-mit-thomas-mann/, zuerst in: Bücher­markt, 24. Okto­ber 2025, https://www.deutschlandfunk.de/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht-familie-mann-in-sanary-102.html
  21. Mac­do­nald, Against the Ame­ri­can Grain, S. 37
  22. Illies, Wenn die Son­ne unter­geht, S. 93; Gus­tav Seibt, »Der schwu­le Natio­nal­dich­ter«, Süd­deut­sche Zei­tung, Nr. 184, 12. August 2025, S. 10
  23. Cf. Hans May­er, Außen­sei­ter (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1975), S. 9–29; Karl Wer­ner Böhm, Zwi­schen Selbst­zucht und Ver­lan­gen: Tho­mas Mann und das Stig­ma der Homo­se­xua­li­tät (Würz­burg: Königs­hau­sen & Neu­mann, 1991), S. 116–118; und Ger­hard Härd­le, Män­ner­weib­lich­keit: Zur Homo­se­xua­li­tät bei Klaus und Tho­mas Mann (Frankfurt/Main: Athe­nä­um, 1988), S. 29
  24. Cf. Caro­lin Amlin­ger und Oli­ver Nachtwey, Zer­stö­rungs­lust: Ele­men­te des demo­kra­ti­schen Faschis­mus (Ber­lin: Suhr­kamp, 2025), S. 172–187
  25. Ernst Löwy, Zwi­schen den Stüh­len: Essays und Auto­bio­gra­phi­sches aus 50 Jah­ren (Ham­burg: Euro­päi­sche Ver­lags­an­stalt, 1995), S. 137
  26. Tho­mas Mann, Der Zau­ber­berg, Stock­hol­mer Gesamt­aus­ga­be (Stock­holm: S. Fischer, 1950), S. 702
  27. Mor­ten Høi Jen­sen, The Mas­ter of Con­tra­dic­tions: Tho­mas Mann and the Making of »The Magic Moun­tain« (New Haven: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2025), S. 29
  28. Wil­liam Troy, »Tho­mas Mann: Myth and Reason« (1938), in Troy, Sel­ec­ted Essays, hg. Stan­ley Edgar Hyman (New Bruns­wick: Rut­gers Uni­ver­si­ty Press, 1967), S. 214–215
  29. Cf. Lothar Mül­ler, Her­man Bang (Mün­chen: Deut­scher Kunst­ver­lag, 2011), S. 48–49; Her­man Bang, »Gedan­ken zum Sexua­li­täts­pro­blem«, in: Bang, Micha­el (Ham­burg: Män­ner­schwarm Ver­lag, 2012, Biblio­thek rosa Win­kel, Nr. 63), S. 259–277. Zum Typus des lite­ra­ri­schen oder kul­tu­rel­len Out­laws sie­he Ted Mor­gan, Lite­ra­ry Out­law: The Life and Times of Wil­liam S. Bur­roughs (New York: Hen­ry Holt, 1988); und Charles Cas­il­lo, Out­law: The Lives and Care­ers of John Rechy (Los Ange­les, CA: Advo­ca­te Books, 2002)
  30. Ulri­ke Bru­not­te, Zwi­schen Eros und Krieg: Män­ner­bund und Ritu­al in der Moder­ne (Ber­lin: Wagen­bach, 2004), S. 88; Robert Beachy, Gay Ber­lin: Birth­place of a Modern Iden­ti­ty (New York: Alfred A. Knopf, 2014), S. 158–176; Hans Wiss­kir­chen, »Repu­bli­ka­ni­scher Eros: Zu Walt Whit­mans und Hans Blü­hers Rol­le in der poli­ti­schen Publi­zis­tik Tho­mas Manns«, in: »Heim­su­chung und süßes Gift«: Ero­tik und Poe­tik bei Tho­mas Mann, hg. Ger­hard Här­le (Frankfurt/Main: Fischer, 1992), S. 17–40; Tho­mas Mann, »Die Ehe im Über­gang«, in: Mann, Essays II: 1914–1926, hg. Her­mann Kurz­ke, GKFA, 15.1 (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2002), S. 1031; Oli­ver Fischer, »Man kann die Lie­be nicht stär­ker erle­ben«: Tho­mas Mann und Paul Ehren­berg (Ham­burg: Rowohlt, 2024), S. 192
  31. Fischer, »Man kann die Lie­be nicht stär­ker erle­ben«, S. 105–107, Zitat S. 153; Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 205
  32. Wolf­gang Tar­now­ski, Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann (Ham­burg: Ellert & Rich­ter, 2025), S. 11–12
  33. Fischer, »Man kann die Lie­be nicht stär­ker erle­ben«, S. 117
  34. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 109
  35. Tho­mas Mann, Die Erzäh­lun­gen (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2024), S. 139
  36. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 143–144
  37. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 241; Tho­mas Mann, Die Erzäh­lun­gen, S. 238; Law­rence Dur­rell, Das Alex­an­dria-Quar­tett, übers. Wal­ter Schü­ren­berg und Maria Carls­son (Zürich: Kam­pa, 2021), S. 842
  38. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 247
  39. Emil Szit­tya, Das Kurio­si­tä­ten-Kabi­nett (Kon­stanz: See-Ver­lag, 1923), S. 154–155; Wal­ter Fähn­ders, »Kampf­ob­jekt Homo­se­xua­li­tät«, Ein­lei­tung zu: Erich Müh­sam, Die Homo­se­xua­li­tät: Eine Streit­schrift (Mün­chen: bel­le­ville, 1996), S. 25
  40. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 277
  41. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 343
  42. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 506
  43. Lah­me, Tho­mas Mann: Ein Leben, S. 137; Her­bert Leh­nert und Eva Wes­sell, Tho­mas Mann (Lon­don: Reak­ti­on Books, 2019), S. 15–31
  44. Sieg­fried Kra­cau­er, »Vom Erle­ben des Kriegs« (1915), in: Kra­cau­er, Wer­ke, Bd. 5.1, hg. Inka Mül­der-Bach (Ber­lin: Suhr­kamp, 2011), S. 20
  45. Juli­us Sonn­tag, »Huma­ne Absichts­lo­sig­keit: Über den Zusam­men­hang von Anthro­po­lo­gie, Ästhe­tik und Poli­tik beim frü­hen Tho­mas Mann«, in: Mei­ne Zeit: Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie, hg. Caren Heu­er und Bar­ba­ra Eschen­burg (Würz­burg: Königs­hau­sen & Neu­mann, 2025), S. 43. Zu Jean Vigos Kino­werk: cf. Film­kri­tik, 12, Nr. 9 (Sep­tem­ber 1968), S. 622–632; und James Tra­vers, »Zéro de Con­duite«, http://www.frenchfilms.org/review/zero-de-conduite-1933.html
  46. Tho­mas Mann, »Mei­ne Zeit«, in: Mann, Über mich selbst: Auto­bio­gra­phi­sche Schrif­ten (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2022), S. 13, 22, 24; Wal­ter Ben­ja­min, »Der Erzäh­ler«, in: Ben­ja­min, Gesam­mel­te Schrif­ten, Bd. 2, hg. Rolf Tie­de­mann und Her­mann Schwep­pen­häu­ser (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1991), S. 439
  47. Tho­mas Mann, »Mei­ne Zeit«,S. 16–17, 19, Zitat S. 22
  48. Tho­mas Mann, Die Erzäh­lun­gen, S. 732; Car­la Heu­er und Bar­ba­ra Eschen­burg, »Mei­ne Zeit ist unse­re Zeit«, in: Mei­ne Zeit: Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie, S. 15; sie­he auch Gert Sau­ter­meis­ter, Tho­mas Mann: »Mario und der Zau­be­rer« (Mün­chen: Fink/UTB, 1981), S. 84–119
  49. Wil­ly Brandt, Links und frei: Mein Weg 1930–1950 (Ham­burg: Hoff­mann & Cam­pe, 2021), S. 39–43
  50. Hein­rich Dete­ring, »Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie«, in: Mei­ne Zeit: Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie, S. 32
  51. Dete­ring, »Tho­mas Mann und die Demo­kra­tie«, S. 31; Kai Sina, Was gut ist und was böse: Tho­mas Mann als poli­ti­scher Akti­vist (Ber­lin: Pro­py­lä­en, 2024), S. 102–103
  52. Zum his­to­ri­schen Hin­ter­grund cf. Paul Avrich, Sac­co and Van­zet­ti: The Anar­chist Back­ground (Prince­ton, NJ: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 1991), und Paul Avrich, »Sac­co and Vanzetti’s Reven­ge«, in: The Lost World of Ita­li­an-Ame­ri­can Radi­cal­ism: Poli­tics, Labor, and Cul­tu­re, hg. Phil­ip Can­nis­tra­ro und Gerald Mey­er (West­port, CT: Prae­ger, 2003), S. 163–169; Bernd Grei­ner, Weiß­glut: Die inne­ren Krie­ge der USA – Eine Geschich­te von 1900 bis heu­te (Mün­chen: C. H. Beck, 2025), S. 97–98, 129–130
  53. Sina, Was gut ist und was böse: Tho­mas Mann als poli­ti­scher Akti­vist, S. 241
  54. »Tho­mas Mann als poli­ti­scher Schrift­stel­ler«, SWF-Pro­duk­ti­on 1975, in: Tho­mas Mann: Zwei Doku­men­ta­tio­nen, Mün­chen: Film 101, o. J., https://www.film101.de/271-thomas-mann-zwei-dokumentationen
  55. Wal­ter Boeh­lich, »Zu spät und zu wenig: Tho­mas Mann und die Poli­tik«, Text + Kri­tik: Son­der­band Tho­mas Mann, hg. Heinz Lud­wig Arnold (Mün­chen: edi­ti­on text + kri­tik, ²1982), S. 60; Eri­ka Mann, zitiert in: Klaus Har­precht, Tho­mas Mann: Eine Bio­gra­phie (Rein­bek: Rowohlt, 1996), S. 878; sie­he auch Fre­de­ric Spotts, Cur­sed Lega­cy: The Tra­gic Life of Klaus Mann (New Haven: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2016), S. 111–114
  56. Sina, Was gut ist und was böse: Tho­mas Mann als poli­ti­scher Akti­vist, S. 241
  57. Tho­mas Mann, Tage­bü­cher 1933–1934, hg. Peter de Men­dels­sohn (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2003), S. 54; Tar­now­ski, Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann, S. 12
  58. Wolf­gang Benz, Exil: Geschich­te einer Ver­trei­bung 1933–1945 (Mün­chen: C. H. Beck, 2025), S. 44
  59. Wal­ter Boeh­lich, »Tho­mas Manns ›Dok­tor Faus­tus‹«, Mer­kur, 2, Nr. 4 (1948), S. 603
  60. Wal­ter Boeh­lich, »Altes und Neu­es von Tho­mas Mann«, Mer­kur, 8, Nr. 1 (Janu­ar 1954), S. 85; sie­he auch den Brief an Golo Mann vom 31. Juli 1969 anläss­lich der Her­aus­ga­be der poli­ti­schen Schrif­ten Tho­mas Manns in der Biblio­thek Suhr­kamp, in: Wal­ter Boeh­lich, »Ich habe mei­ne Skep­sis, mei­ne Kennt­nis­se und mein Gewis­sen«: Brie­fe 1944 bis 2000, hg. Chris­toph Kapp und Wolf­gang Schopf (Frankfurt/Main: Schöff­ling, 2021), S. 339–340
  61. Mely Kiyak, Vor­wort zu: Tho­mas Mann, Deut­sche Hörer! Radio­sen­dun­gen nach Deutsch­land (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025), S. 11, 20
  62. Lien­hard Böh­ning, Vor­wort zu: »Kennst Du das Land, wo die Faschis­ten blühn?«: Müh­sams poli­ti­scher und lite­ra­ri­scher Kampf gegen den Faschis­mus – Vor­bild für heu­te?, Schrif­ten der Erich-Müh­sam-Gesell­schaft, Nr. 48 (Lübeck: Erich-Müh­sam-Gesell­schaft, 2022), S. 6
  63. Tho­mas Mann, Tage­bü­cher 1933–1934, hg. Peter de Men­dels­sohn (Frankfurt/Main: Fischer, 2003), S. 3
  64. Mann, Deut­sche Hörer!, S. 29, 88, 127–128
  65. Mann, Deut­sche Hörer!, S. 174. Sie­he auch Frank Bajohr und Die­ter Pohl, Mas­sen­mord und schlech­tes Gewis­sen: Die deut­sche Bevöl­ke­rung, die NS-Füh­rung und der Holo­caust (Frankfurt/Main: Fischer, 2008), S. 46, 125; und Robert Gel­l­ate­ly, Back­ing Hit­ler: Con­sent and Coer­ci­on in Nazi Ger­ma­ny (New York: Oxford Uni­ver­si­ty Press, 2001), S. 90–150
  66. Mann, Deut­sche Hörer!, S. 200
  67. Mely Kiyak, Nach­wort zu: Mann, Deut­sche Hörer!, S. 262–263
  68. Mann, Deut­sche Hörer!, S. 232
  69. Mann, Deut­sche Hörer!, S. 220; Georg Lukács, Essays on Tho­mas Mann (Lon­don: Mer­lin Press, 1964), S. 76; Antho­ny Heil­but, Exi­led in Para­di­se: Ger­man Refu­gee Artists and Intellec­tu­als in Ame­ri­ca from the 1930s to the Pre­sent (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1997), S. 298–321; Alex­an­der Honold, »›Der Geist der Erzäh­lung? Den habe ich doch nicht gebor­ro­wed.‹: Emi­gra­ti­ons­spra­che und Spra­che­mi­gra­ti­on bei Tho­mas Mann«, Neue Rund­schau, 136, Nr. 1 (2025), S. 74
  70. Ger­hard Nebel, zitiert in: Honold, »›Der Geist der Erzäh­lung?‹«, S. 67
  71. Max Frisch, Tage­bü­cher 1946–1949 (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 2011, eBook-Ver­si­on), S. 269
  72. Hel­mut Kie­sel, Schrei­ben in fins­te­ren Zei­ten: Geschich­te der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur 1933–1945 (Mün­chen: C. H. Beck, 2025), S. 1304; Hel­mut Kie­sel, Geschich­te der lite­ra­ri­schen Moder­ne: Spra­che, Ästhe­tik, Dich­tung im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert (Mün­chen: C. H. Beck, ²2016), S. 318
  73. Tho­mas Mann, Tage­buch­ein­trag vom 7. Juli 1951, in: Mann, Tage­bü­cher 1951–1952, hg. Inge Jens (Frankfurt/Main: Fischer, 2003), S. 79; Irving Howe, Poli­tics and the Novel (Chi­ca­go: Ivan R. Dee, 2002), S. 76; Robert Ald­rich, Colo­nia­lism and Homo­se­xua­li­ty (Lon­don: Rout­ledge, 2007, eBook-Ver­si­on), S. 152; Peter Gay, Wei­mar Cul­tu­re: The Out­si­der as Insi­der (New York: W. W. Nor­ton, 2001), S. 123–124
  74. Tho­mas Mann, »Lübeck als geis­ti­ge Lebens­form«, in Mann, Über mich selbst: Auto­bio­gra­phi­sche Schrif­ten, S. 29, 41
  75. Tar­now­ski, Auf den Spu­ren von Tho­mas Mann, S. 8; Otto Grau­toff, zitiert in: Böhm, Zwi­schen Selbst­zucht und Ver­lan­gen: Tho­mas Mann und das Stig­ma der Homo­se­xua­li­tät, S. 93
  76. Mann, »Lübeck als geis­ti­ge Lebens­form«, S. 43
  77. »Pro­sa – der Buch­la­den, Ihre Buch­hand­lung in Lübecks Alt­stadt«, https://prosa-buchladen.de/
  78. Tho­mas Mann, »Zum Tode Carl von Ossietz­kys«, in: Carl von Ossietz­ky, Idio­ten­füh­rer durch die Regie­rungs­kri­se: Über die Demo­kra­tie und ihre Fein­de, hg. Alex­an­der Kluy (Wien: Lim­bus, 2025), S. 5
  79. Han­jo Kes­t­ing, Mach’s einer nach: Gesam­mel­te Lob­re­den (Han­no­ver: Wehr­hahn Ver­lag, 2025), S. 69–70
  80. Kes­t­ing, Mach’s einer nach: Gesam­mel­te Lob­re­den, S. 74–75
  81. Tho­mas Mann, Bud­den­brooks, gele­sen von Tho­mas Sar­ba­cher, https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/lesung/archiv/20260116_1330.html
  82. Kes­t­ing, Mach’s einer nach: Gesam­mel­te Lob­re­den, S. 77
  83. Pon­go­ka­ter, »Der pas­sen­de Vor­le­ser«, https://www.lovelybooks.de/autor/Thomas-Mann/H%C3%B6rbuch-Mario-und-der-Zauberer-220678800‑w/rezension/2680820376/
  84. Kes­t­ing, Mach’s einer nach: Gesam­mel­te Lob­re­den, S. 78
  85. Tho­mas Mann, Joseph und sei­ne Brü­der (in der GKFA-Fas­sung), (Frankfurt/Main: Fischer, ²2025), S. 1894
  86. Kra­cau­er, »Vom Erle­ben des Kriegs«, S. 20

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Jörg Auberg - Writer, critic, editor, publisher