»Das hält aus bis zum letzten Seufzer«
Ein Rückblick auf das Thomas-Mann-Jahr 2025
von Jörg Auberg
In memoriam
Hanjo Kesting
(1943–2025)
Als »Amerika« sich für Thomas Mann von der »Lösung« zum »Problem« wandelte, diskutierten er und seine Tochter Erika mit dem linken Filmemacher Abraham Polonsky über ein Filmprojekt, das auf der Novelle Mario und der Zauberer beruhen sollte. Obwohl Mann mit den Vorstellungen Polonskys zur Umsetzung des Films nicht gänzlich einverstanden war, gab er ihm eine Option für die Lizenzrechte, und Polonsky suchte in Europa Geldgeber für das Projekt, scheiterte aber schon im Vorfeld an der Umsetzung. Im Jahre 1950 glaubten nahezu alle Verantwortlichen, dass der Faschismus ein »alter Hut« sei, obwohl Mann gegenüber Polonsky die Befürchtung äußerte, dass der Faschismus auf die USA übergreifen könnte, und ihm empfahl, das Land zu verlassen. Obwohl Polonsky noch zwanzig Jahre später das Projekt verfolgte, waren die Hollywood-Studios weder von Thomas Mann noch von seinem Stoff beeindruckt, sodass der Film niemals realisiert wurde, zumal Polonsky in seinem Szenario die politischen Untertöne der Novelle stärker als in Manns Original betonte und den Protagonisten Mario als Rebell im Sinne von Jean Vigos Revolte-Klassiker Zéro de Conduite (1933) anlegen wollte.1
Thomas Mann zwischen KI und Feuilletonisierung
Im Jubiläumsjahr von Thomas Manns 150. Geburtstag überschlugen sich dagegen Verlage in Deutschland mit zahlreichen Neu- und Re-Publikationen im Gedenken an den »Nationaldichter«. Im Verlag S. Fischer erschien eine neue Taschenbuch-Ausgabe der grundlegenden Romanwerke sowie einiger Essaysammlungen (mit begleitenden Nachworten von kulturindustriellen Prominenzen wie Ulrich Tukur, Daniel Kehlmann, Felicitas Hoppe, Volker Weidemann oder Kai Sina), wobei jedoch an der kreativen und kostenintensiven Arbeit von Illustrator:innen gespart wurde und stattdessen die Münsteraner Agentur Kosmos Design mit der Cover-Gestaltung beauftragte, die mit dem KI-Tool Midjourney umgesetzt wurde, wobei der eine oder andere Fehler unterlief. »Die neue Thomas-Mann-Ausgabe bei S. Fischer wirkt modern, atmosphärisch – und irgendwie seltsam«, heißt es in dem Literaturportal literaturcafe.de. »Bei genauem Hinsehen fällt auf: Den Liegestühlen auf dem ›Zauberberg‹ fehlen einige Beine. Auf ›Doktor Faustus‹ thront ein Metronom, das jedem Flügel die Show stiehlt.«2
Es sind nicht allein die farbenfrohen, bunten Titel-Illustrationen, die störend wirken, sondern schlicht die flache Verhöhnung von Manns eigener Schreibtechnologie von Bleistift & Feder, die er vom Zauberberg bis zu Felix Krull einsetzte (»Indem ich die Feder ergreife, um in völliger Muße und Zurückgezogenheit … mich also anschicke, meine Geständnisse in der sauberen und gefälligen Handschrift, die mir eigen ist, dem geduldigen Papier anzuvertrauen …«3, beginnen die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull). »S. Fischer setzt ein Signal: KI ist angekommen – auch in der Hochliteratur«, kommentiert der Journalist Wolfgang Tischer. »Zumindest auf dem Cover. Der Verlag macht kein Geheimnis daraus und bricht damit offen ein unausgesprochenes Tabu.«4 Allerdings gehört die seltsame Umschlaggestaltung zur Tradition des Thomas-Mann-Hausverlages S. Fischer: Wie Tilmann Lahme in seiner Thomas-Mann-Biografie süffisant bemerkt, zeichnete der Illustrator Wilhelm Schulz für die einbändige Buddenbrooks-Ausgabe des Jahres 1903 »eine giebelige Gasse seiner Heimatstadt Lüneburg«, »nicht Lübeck«.5
Neben dieser KI-Kompatibilisierung Thomas Manns haben die publizistischen Jubelfeiern für den »Nationaldichter« auch eine Feuilletonisierung des »Mann-Clans« weiter vorangetrieben, in der es weniger um Literatur denn um Klatsch & Tratsch, Gerüchte & Mutmaßungen geht. »Lange schon ist die Familie Mann auf dem Weg in die Fiktion«, konstatierte der Literaturkritiker Lothar Müller.6 In Büchern wie Heinrich Breloers Ein tadelloses Glück, Kerstin Holzers Thomas Mann macht Ferien, Florian Illies’ Wenn die Sonne untergeht, Martin Mittelmeiers Heimweh im Paradies oder in Colm Tóibíns Roman Der Zauberer (die zumeist auch in Hörbuch-Form vorliegen) geht es in erster Linie um Kolportage, die Fiktionalisierung von Protagonisten und Kontexten, ohne dass neue Erkenntnisse zu längst bekannten Fakten und Konstellationen hinzugefügt würden. Sie gehören zu der eingezogenen Deckenplatte zwischen Hoch- und Massenkultur, die der Kulturkritiker Dwight Macdonald in den späten 1950er-Jahren als »Midcult« bezeichnete: Produkte dieser Provenienz geben vor, die Normen der Hochkultur einzuhalten, während sie sie de facto verwässern und vulgarisieren.7
»Es ist ein faktengestützter Text«, insistiert beispielsweise Breloer, »weil sämtliche Dialoge auf Recherchen, Dokumenten und Gesprächen beruhen, zugleich sind sie gelengtlich frei erfunden. Ich habe mir damit die Freiheit des romanesken Erzählens genommen, habe Orte, Menschen und Begegnungen nicht immer haargenau nach Tag und Stunde eingehalten. Zwischen der naturalistischen Genauigkeit und dem verdichteten Erzählen gibt es Gewinne, auf die ich nicht verzichten wollte.«8 Von diesen »Gewinnen« ist Breloer vor allem allein überzeugt, wenn er beispielsweise im Kapitel »Zwei Brüder auf dem See« Thomas und Heinrich Mann im Ruderboot präsentiert und den älteren Bruder sagen lässt: »Aber Tommy, du bist Künstler. Ehe und Familie passen nicht zu dir.« 9 Offenbar fehlte bei diesem Projekt schmerzhaft eine künstlerische Instanz wie Horst Königstein, mit dem Breloer zu Beginn des Jahrtausends den Film Die Manns – Ein Jahrhundertroman realisierte und eine Thomas-Mann-Renaissance einleitete.
Ähnlich verfährt Kerstin Holzer in ihren Ferienbeschreibungen der Familie Mann und lässt sich von Imaginationen und nicht überprüfbaren Fakten und Urteilen leiten. »Thomas Mann hat keine Ahnung von Pädagogik«, weiß sie zu berichten. »Jede Art von Führung ist ihm fremd: Er ist ein zutiefst antiautoritärer Künstler, kein Erzieher.«10 Über Manns Frau Katia weiß sie ebenfalls bestens Bescheid: »Katia fühlt sich von den Träumen ihres Gatten kein bisschen bedroht.«11
Im gleichen Duktus führt Martin Mittelmeier Thomas Mann im kalifornischen Exil vor: »Thomas Mann lauscht dem Grammofon«, gibt der Autor den Zeitzeugen vor. An anderer Stelle spaziert er durch das Innere des Dichters: »Thomas Mann mag nicht, was er hört, aber er kann es schätzen.«12 Mit der historischen Wahrheit nimmt es Mittelmeier nicht so genau. So behauptet er: »Thomas Mann ist in das Lager gewechselt, in dem sein Bruder immer schon war.«13 Damit unterschlägt er jedoch das historische Faktum, dass Heinrich Mann – vor seinem Übergang ins »linke Lager« (um bei Mittelmeiers Diktion zu bleiben) – um 1895 wüste antisemitische Artikel verfasste.14 Seinen Text verkauft Mittelmeier als »erzählerische« Aufbereitung aus Thomas Manns Tage- und Notizbüchern, Essays, Vorträgen und Reden, Texten von Klaus und Erika Mann sowie Sekundärliteratur von Kai Sina, Thomas Blubacher, Hanjo Kesting, Tobias Boes und anderen Autor:innen, wobei der Verlag – laut Auskunft des Autors – die Anmerkungen auslagerte, um »den Fließtext nicht zu beschweren«. Der Quellen-Ballast lässt sich per QR-Code herunterladen: Welche kleingeistigen Leser:innen wollen schon lästige Fußnoten nachprüfen?
Auf die Möglichkeit der Auslagerung hat der Verlag S. Fischer bei Florian Illies’ Wenn die Sonne untergeht über das Exil der Familie Mann im südfranzösischen Exil Sanary-sur-Mer ganz verzichtet. Um Nachprüfbarkeit geht es in diesem Buch an keiner Stelle – es ist reine Fiktionalisierung mit ideologischem Vorzeichen. »Thomas Mann unterdrückt seine Wut und zieht das nach Veilchen duftende Taschentuch aus der Jacke«, fabuliert der verhinderte Romancier aus dem Feuilleton-Metier, um später seiner Figur Heinrich Mann zu unterstellen, er habe zu oft mit den Sozialisten sympathisiert.15 Der Feuilleton-Erzähler aus der untergegangenen Guckkastenwelt ergeht sich in der Ansammlung geistiger und sprachlicher Clichés und müllt die Seiten mit berichtsähnlichen Verlautbarungen vorgeblicher gesellschaftlicher Erfahrungen zu. »Was für eine seltsame Familie ist diese Familie Mann«, raunt der Feuilletonist: »Alle unauflöslich miteinander verbunden, aber oft weniger durch Liebe als durch Sehnsucht nach Anerkennung, durch Sentimentalität, durch herzliche Abneigung oder Angst.«16
Sein eigenes Metier beherrscht der Feuilletonist nicht – weder sprachlich (Thomas Mann muss er ständig als »Nobelpreisträger« und seinen älteren Bruder als »Sozialistenfreund« klassifizieren) – noch fachlich: Carl von Ossietzky ist in seinem »post-faktischen« Duktus »der feinsinnige, pazifistische Herausgeber der Zeitschrift Weltwoche« (die erst im November 1933 in der Schweiz gegründet wurde und mit der Ossietzky nie etwas zu tun hatte), obwohl sich Illies am Ende des Buches ehrerbietig für »die so sorgfältige wie leidenschaftliche Betreuung und Lektorierung« durch seinen »Hausverlag S. Fischer« bedankt. 17 Daneben gesellt sich eine verquaste Scheinheiligkeit, die mit den gut situierten Exilant:innen wie den Schwiegereltern Thomas Manns – den Pringsheims (»Die machen nur kurz Urlaub im freundlichen Klima der Mittelmeerküste.« 18) – oder Lion Feuchtwanger ob seiner sexuellen Affären (»sein Tagebuch ist da leider peinlich genau«19, lässt der Feuilletonist die Leser:innenschaft in Parenthese wissen) im Sinne der herrschenden Machthaber im nationalsozialistischen Deutschland abrechnet. Im Schund verkommt – wie der Kritiker Jan Drees schrieb – Illies’ Gruppenreise mit »Familie Mann in Sanary« zu einer »Sommerreise ins Exil, bei der ein Text gleich mit baden geht«.20
Der Außenseiter als Gezeichneter
Um der »Midcult«-Masse unter allen Umständen zu gefallen (wie Macdonald den Publikationstrick beschrieb21, instrumentalisiert Illies nicht allein die unterschwellige antisemitische Masche, sondern bedient sich auch homophober Vorurteile, um seinem Midcult-Publikum mit gespitzten Lippen über die Homosexualität des »schwulen Nationaldichters« zu berichten, der um seine »homoerotischen« Fantasien in den Tagebüchern bangte, die sein Sohn Golo »entsorgen« musste, oder »in München alle Besucher ohne jede Scham unter den drei nackten Jünglingen von Ludwig von Hoffmann empfangen hat«. Und Illies fragt sich, »ob dort in den alten Notizen vielleicht doch noch ganz anderes, Gewaltiges verborgen liegen könnte«, raunt der nach sensationalistischer Lüsternheit gierende Feuilletonist.22
Mit solchen Einflüsterungen verfällt Illies der bürgerlichen affektgeladenen Vorurteilsgeschichte, die Homosexualität als »Perversion« oder »Psychopathologie« wahrnahm und die »Geschlechtlichkeit« als Stigma klassifizierte. Hans Mayer, der in Deutschland als Jude, Marxist und Homosexueller ein mehrfacher stigmatisierter Außenseiter war, insistierte, dass man unter die Außenseiter gehen müsse, um dem Typus der homosexuellen Literatur (wie bei Marcel Proust oder Jean Genet) zu begegnen.23 Während Illies mühevoll versucht, eine chronique scandaleuse um Thomas Mann für sein reaktionär-konservatives Publikum aufzutischen, finden solche Einlassungen allenfalls noch im destruktiv-faschistischen Milieu postdemokratischer, rückwärtsgewandter Klein- und Mittelstandsbürger einen Resonanzboden, wo ein dunkles, undurchschaubares Begehren bösartige Reaktionen hervorruft.24 Bereits Ernst Löwy insistierte, dass »der Weg Thomas Manns kein geradliniger, sondern ein dialektischer« gewesen sei25, und im Zauberberg schrieb Mann selbst: »Der Mensch ist Herr der Gegensätze, sie sind durch ihn, und also ist er vornehmer als sie.«26 In seiner Geschichte der Entstehung des Zauberbergs schreibt der dänisch-amerikanische Autor Morten Høi Jensen, dass Mann die Gegensätze – Kunst und Tod sowie Vitalität der literarischen Produktion – zu vereinen suchte: In seinem Werk wollte Mann das Bürgerliche verbergen, ohne tatsächlich bürgerlich zu werden.27
Das gesamte erzählerische Werk Thomas Manns durchziehen – wie bereits William Troy in den späten 1930er-Jahren konstatierte – Figuren wie Johannes Friedemann, Tobias Mindernickel oder Christian Jacoby, die als Gezeichnete, als »schwarze Schafe der bürgerlichen Gesellschaft« Künstlerfiguren in der Entstellung oder als Außenseiter repräsentierten.28 In diesen Figuren reflektierte Thomas Mann die eigene Rolle in der wilhelminischen bürgerlichen Gesellschaft und verwendete sie als Masken im eigenen Kampf gegen die Sexualität – ähnlich wie der dänische Schriftsteller Herman Bang, der trotz seiner wenig verhüllten Homosexualität und »Dekadenz« zum Objekt öffentlicher Erpressung wurde, da gleichgeschlechtliche Liebe als »Laster« und »Perversität« wahrgenommen wurde. Der homosexuelle Außenseiter war keineswegs ein antibürgerlicher Rebell (wie später in den Fällen von »Outlaws« wie William Burroughs oder John Rechy), sondern die Typologie reichte – wie Lothar Müller hervorhob – vom »rechten« bis zum »linken« Flügel der schwulen Phänomenologie.29

»Man kann die Liebe nicht stärker erleben«:
Thomas Mann und Paul Ehrenberg (Rowohlt, 2024)
Im Typus des entstellten »kleinen Herrn Friedemann« sublimierte Mann die eigenen erotischen Wünsche und ließ hinter dem Unglück eine komplizierte Sexualität hervorscheinen. Wie Oliver Fischer in seiner Monografie zu Thomas Mann und dem Tiermaler Paul Ehrenberg – der als Modell sowohl in Tonio Kröger (Hans Hansen) als auch in Doktor Faustus (Rudi Schwerdtfeger) verwendet wurde – betont, gehörte Thomas Mann in seiner frühen Münchener Zeit zu »rechten« Flügel der homoerotischen Männerbünde an, die als »das Bindemittel und der Motor aller kulturellen Höherentwicklung« fungieren sollten, wie sie der konservative Ideologe Hans Blüher imaginierte. Dessen Programm sei, konstatiert Fischer, »antiliberal, antifeministisch und antisemitisch: Frauen haben in seiner männerbündischen Idealwelt keinen Platz. Weiblich auftretende Schwule betrachtet er als Abweichung von der Natur. Juden sind für ihn ein zerstörererisches Element und gehören nicht zu Deutschland.«30
Sowohl in seiner Beziehung zu Ehrenberg als auch zu seinem jüngeren Bruder Viktor (dem er »Geistesfaulheit« unterstellt) legt Thomas Mann ein aggressives Verhalten an den Tag, indem er seine intellektuelle Überlegenheit und seine Sprachgewandtheit als Mittel der Demütigung anwendet. Zur gleichen Zeit geht er in seinem Werben um seine zukünftige Frau Katia Pringsheim mit »massiver Penetranz« vor, setzt, wie Fischer schreibt, »sein gesamtes schriftstellerisches Talent, seinen Witz, aber auch seine manipulativen Fähigkeiten ein, um Katia für sich zu gewinnen«.31 Wie der ehemalige Hamburger Kultursenator Wolfgang Tarnowski (1931–2018) in seinem neu aufgelegten Buch Auf den Spuren von Thomas Mann bemerkte, gehörte zu Thomas Manns Charakterzügen »auch eine zuweilen boshafte Unaufrichtigkeit«, die nicht zuletzt den bürgerlich-kapitalistischen Verhältnissen und seinem Rollenverständnis in dieser engen Welt geschuldet war: »Dass sich hinter der glänzenden Fassade kein fürstlicher, sondern ein zuweilen recht prosaischer, kleinlicher und schwieriger Mensch zweifelhaften Charakters verbarg, wussten Eingeweihte schon lange«, berichtete Tarnowski. 32 Der lebenslange »Kampf gegen seine Homosexualität« war keineswegs – wie die dominante Thomas-Mann-Forschung (von Hermann Kurzke bis Kai Sina) insistiert und entsprechende »Untersuchungen« als »Schnüffel- und Entlarvungsphilologie« diffamiert – eine »Petitesse« in der Biografie Thomas Manns, sondern ein existenzielles Moment.33
Auch Tilmann Lahme fokussiert sich in seiner Thomas-Mann-Biografie auf die Homosexualität, deren Pathologisierung durch Psychiater wie Richard von Krafft-Ebbing oder Albert Moll extreme Auswirkungen auf Mann und seine Freunde wie Otto Grautoff oder Paul Ehrenberg hatte. Indem Homosexualität mit Begriffen wie »widernatürliche Unzucht«, Anomalie und »Entartung« belegt wurde, ging es in erster Linie um das »Abdorrenlassen des Triebes«, um in der repressiven bürgerlichen Gesellschaft nicht als abnormer Aussätziger zu gelten.34 In der frühen Erzählung »Luischen« (1893) beschreibt Mann den Rechtsanwalt Jacoby als Karikatur eines effeminierten Homosexuellen und leitet die Erzählung mit dem Satz ein: »Es giebt Ehen, deren Entstehung die belletristisch geübteste Phantasie sich nicht vorzustellen vermag«35. Das Thema der Erzählung ist – kommentiert Lahme – »das Niedermachen eines Außenseiters, dem nichts anderes vorzuhalten ist, als dass seine Körperlichkeit und seine Liebe Anstoß« im Interieur des Banalen und Gewöhnlichen erregen. Thomas Mann reflektiere das Ressentiment und den Ekel, mit dem Menschen nicht gesellschaftlicher konformer Erscheinung (in diesem Fall von kolossartiger Beleibtheit) be- und verurteilt werden.36
Literatur als Fluch
Literatur für Thomas Mann ist – mit den Worten Tilmann Lahmes – ein »Weg zum Verstehen«, aber keine Profession im herkömmlichen Sinne, sondern ein »Fluch«, wie es in Tonio Kröger heißt. »Ist der Künstler überhaupt ein Mann?«, fragt Mann. In erster Linie ist er – mit Lawrence Durrell gesprochen – ein gegen sich selbst verschworener Dichter, für den die Sublimierung wichtiger ist als die Realität.37 »Thomas Manns Literatur«, resümiert Lahme, »spiegelt wider, was er erlebt, ersehnt und fürchtet. Seine Figuren leben oft in einer Welt, die der seinen gleicht. Dann öffnet sich der Abgrund.«38
Es wären andere Lebensentwürfe auch in der Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches möglich gewesen. Der ungarische Bohème-Schriftsteller Emil Szittya (1886–1964) berichtete von einer Karikatur des Zeichners Thomas Theodor Heine (1867–1948) in der Satire-Zeitschrift Simplicissimus (für die auch Thomas Mann kurzzeitig arbeitete) zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der es hieß: »Warum ist in Deutschland die Homosexualität so verbreitet?«, und Dichter wie Erich Mühsam argumentierten in der Debatte gegen »die sittliche Empörung des Moralmobs« für »Differenziertheit«.39
Thomas Mann blieb jedoch der »Sohn seiner Klasse« – trotz allen Verfalls der Lübecker Familien-Dynastie nach dem Tod des Vaters. »Thomas Mann hat sich«, schreibt Lahme, »ein Lebenskorsett angelegt, das ihm helfen soll, seine Homosexualität niederzuringen.«40 In seinem Essay »Die Ehe als Übergang« aus dem Jahre 1925 versucht er, sich mit seiner Vorstellung von »Homoerotik« in die Öffentlichkeit zu wagen, ohne sich selbst zu demaskieren. Der Text ist, kommentiert Lahme, »ein Bekenntnis zur Ehe und eines zur Homoerotik gleichermaßen, die nur der Künstler in sich vereinigen und im Werk gestalten« könne.41 Ähnlich wie Oliver Fischer kritisiert auch Lahme die gängige Thomas-Mann-Forschung, die das Thema der Homosexualität zugunsten des Künstlers Thomas Mann herunterspiele, und führt unveröffentlichte oder »versteckte« Briefe des Jugendfreundes Otto Grautoff an, in denen Homosexualität lediglich als »spätpubertäre Gefühlsschwankungen« auftauchte. Die Beschäftigung mit Thomas Manns Homosexualität sei der akademischen Karriere nicht besonders förderlich, wie etwa die Philologen Gerhard Härdle und Karl Werner Böhm erfahren mussten, die unter der »Homosexualitätskeule« leiden mussten.42
Der schreibende Bürger als Sozialist
Thomas Mann wahrte – mit Lahmes Worten – die »diskreten Formen und Masken«, blieb zugleich der »Außenseiter-Autor« und der ins System integrierte kulturelle Aristokrat und philosophische Ironiker, der sich im Grenzbereich zwischen Reaktion, Tradition und Moderne bewegte und vorsichtig bemühte, nicht die »roten Linien« zu überschreiten.43 Bereits während des Ersten Weltkrieges diagnostizierte Siegfried Kracauer, dass der von Thomas Mann beschriebene ästhetische Typus vor allem durch »die Sehnsucht nach der Bürgerlichkeit« gekennzeichnet ist und »im großen Strom« mitschwimmen möchte, danach trachtet, ein Konformist zu sein.44 Der Außenseiter wird zum Mitläufer.

Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie
(Königshausen & Neumann, 2025)
Wie Julius Sonntag in seinem Beitrag zur Lübecker Ausstellung Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie schreibt, war schon der angehende Schriftsteller (trotz seiner an Jean Vigos Zéro de Conduite gemahnenden Revolte gegen die reaktionäre Schulherrschaft in Lübeck) weniger ein »Umstürzler« oder »Rebell«, sondern vor allem darum bemüht, »sich mit dem Bestehenden zu arrangieren, sich klug darin einzurichten und sich eine soziale Position zu sichern«.45. In seiner Zeit (auf die der Titel der Ausstellung als auch einen Vortrag Manns aus dem Jahre 1950 anspielt) durchlief er die historisch-politische wie auch die kulturell-technologischen Entwicklungen vom wilhelminischen Kaiserreich über die Weimarer Republik und das nationalsozialistische Reich deutscher Herrenmenschen bis zum Exil in Frankreich, der Schweiz und den USA und schließlich in der bipolaren Konfrontation des Kalten Krieges.
In dem Vortrag »Meine Zeit« aus dem Jahre 1950 thematisierte Mann – ähnlich wie Walter Benjamin in seinem Essay »Der Erzähler« (1936) – die zeitliche Erfahrung von der Pferdetrambahn bis zur Gefahr der atomaren Auslöschung der Menschheit durch die Hydrogenbombe.46 Obwohl nicht gänzlich aufrichtig, rühmte sich der Großschriftsteller, er habe seiner Zeit »nie ihren Liebediener und Schmeichler« gemacht (»weder im Künstlerischen noch im Politisch-Moralischen«) und zeichnete sich selbst als Nonkonformist wider den Zeitgeist (wobei er die eigene Willfährigkeit in der »Kriegsertüchtigung« unterschlug).
Dennoch sprach er eine grundlegende Wahrheit aus, nämlich dass die Lüge nicht allein im totalen Staat, sondern auch in der »liberalen Welt« eine Heimstatt gefunden hatte, und hellsichtig erkannte Mann: »Autokratie und Revolution haben, im Ergebnis, einander gefunden, und was uns vor Augen steht, ist die autokratische Revolution …«47 Bereits vor der nationalsozialistischen »Machtergreifung« hatte Mann (wie Caren Heuer und Barbara Eschenburg in der Einleitung zum Katalog der Lübecker Ausstellung betonen) vor der Massenmanipulation durch autoritäre Figuren gewarnt, vor dem »Zustand von militärischem Somnabulismus« und einer »Erbötigkeit zu jedem Unsinn«, der Mann um 1914 selbst verfallen war. »In Mario und der Zauberer schildert Mann«, schreiben Heuer & Eschenburg, »die Aufführung eines Hypnositeurs als Gleichnis auf die bedingungslose Unterwerfung des Einzelnen unter einen autoritären Führer im Faschismus.«48
Tenor der Ausstellung ist die »Errettung« des »öffentlichen Intellektuellen« Thomas Mann, der sich vom »Bourgeois« zum »Citoyen« wandelte. »Der politische Platz des Bürgertums sei an der Seite der Sozialdemokratie«, resümierte Willy Brandt in seinen Memoiren die Rolle Thomas Manns und beschrieb ihn als »schreibenden Bürger«, der sich zum Sozialisten wandelte.49 Diesem Narrativ folgt auch Heinrich Detering in seinem Essay »Thomas Mann und die Demokratie«, in dem er Thomas Manns Wandlung in 1920er-Jahren nachzeichnet. »Der überlegene Kritiker eines ›unerbittlich sozialen Aktivismus‹ wird«, schreibt Detering, »zum entschiedenen, involvierten sozialen Aktivisten – einschließlich der Bereitschaft zu rhetorisch-performativen Zuspitzungen, die dem Artisten nicht immer leichtfielen.«50 Als Beispiele für Manns Engagement benennt Detering sein öffentliches Eintreten für die Abschaffung des Paragrafen 175 (der Homosexualität unter Strafe stellte), für die Rote Hilfe (die Kommunist:innen in Haft unterstützte), gegen die NSDAP-Beteiligung an der Landesregierung von Thüringen oder gegen die juristische Verfolgung des Weltbühne-Herausgebers Carl von Ossietzky.
Thomas Mann und die Politik
»Er protestiert 1927 gegen den Justizmord an den Anarchisten Nicola Sacco und Bart Vanzetti in den USA«, schreibt Detering über Thomas Mann mit Berufung auf Kai Sina, der Manns Reputation als politischer Aktivist retten und ihn zum Heiligen Thomas für die Demokratie erheben möchte, während er historische Realitäten oftmals ausspart.51 Der Fall von Sacco & Vanzetti beispielsweise ist keineswegs so eindeutig, wie es in der gängigen Legendendarstellung des »guten Schuhmachers« und »armen Fischhändlers« kolportiert wird, obgleich die Hinrichtung ein unbestreitbar eklatantes Kapitel in der Geschichte der US-amerikanischen Klassenjustiz darstellte.52
Angesichts der Ehrfurcht, mit der Thomas Mann zu seinem 150. Geburtstag als Streiter für die Demokratie und politischer Aktivist gefeiert wurde, der sich »kraftvoll für das moralisch Richtige« eingesetzt habe (wie Kai Sina in seiner hagiografischen Eloge behauptet53, erscheint die Diskussion über die Rolle Thomas Manns als politischer Schriftsteller, die der Südwestfunk (SWF, heute SWR) anlässlich des 100. Geburtstages des Dichters mit damaligen Prominenzen des Kulturbetriebes wie Marcel Reich-Ranicki, Martin Walser, Walter Boehlich, Peter Wapnewski und Kurt Sontheimer sowie einigen Abiturient:innen 1975 führte, geradezu blasphemisch. Während der notorische Mann-Kritiker Boehlich – als pfeiferauchender, von den Fragen des Rundfunkmoderators Jürgen Lodemann genervter Intellektueller im roten Pullover – die ganze Veranstaltung als »reine Pflichtübung« abkanzelte, beschrieb Martin Walser (damals noch in den ideologischen Sphären der DKP unterwegs) den »Kollegen« Thomas Mann als »negativen Modellfall«.
Mit zunehmendem Verlauf verengt sich die Diskussion zu einem Schlagabtausch zwischen Reich-Ranicki (den Boehlich mehrfach ironisch-süffisant als »unseren Literatursachverständigen« bezeichnet) und Walser, wobei jeder seine Position mit ideologischer Schützengraben-Hingabe verteidigt und kein Fußbreit Abweichung wagt. Reich-Ranicki – wie sein Lehrer Georg Lukács ein getreuer und passionierter Verteidiger Thomas Manns – will die Spreu vom Weizen trennen, nämlich Heinrich Mann, dem er die »sozialkritische Gesinnung« und die Produktion von »schlechter, schludriger Literatur« vorwirft, von Thomas Mann, der noch im Misslingen gut sei. Als eine Abiturientin ihn nach seinen Kategorien für »gute« und »schlechte« Literatur fragt, zieht sich der »Literatursachverständige« ins Ungefähre zurück: Was »gut« und »schlecht« sei, müsse jeder für sich selbst entscheiden. Dennoch gibt er als kritischen Maßstab aus, Literatur dürfe nicht langweilen, woraufhin Walser mit gezielter Provokation einwirft, die »dürftige Konstruktion« der Novelle Tonio Kröger habe ihn unsagbar gelangweilt und Langeweile als Beurteilungskriterium für Literatur sei vollkommen deplatziert.54
Während Mann vor fünfzig Jahren dafür kritisiert wurde, »nicht der Wegbereiter politischen Fortschritts« gewesen zu sein (wie Boehlich konstatierte) und sich »zu spät« für den politischen Widerstand entschieden zu haben (1936 warf ihm Erika Mann vor, aus egoistischen Gründen »der gesamten Emigration und ihren Bemühungen in den Rücken« gefallen zu sein), wird Mann zu den Jubelfeiern seines 150. Geburtstages als intellektueller Leuchtturm in der von Autoritarismus und Gewalt bedrohten politischen Demokratie umschmeichelt.55 Heutige »Mannokraten« wie der arrivierte Germanist Kai Sina (der sich agil & stromlinienförmig durch die von Volkswagen-Stiftung und Lichtenberg-Professuren geförderte Wissenschafts- und Forschungsbetriebsarchitektur nebst angeschlossenen Medienagenturen wie FAZ & Zeit zu hangeln vermag) preisen Manns Anpassungsvermögen in den jeweiligen Zeiten. »Es ist vor allem die Art und Weise«, umschreibt Sina Manns taktischen Opportunismus, »wie der politische Thomas Mann dachte und schrieb, die bis heute in hohem Maße inspirieren kann: seine Bereitschaft, die Dinge im Licht der jeweiligen historischen Erfahrung immer wieder neu zu betrachten …«56
Diese »Neubetrachtung« politischer Vorgänge legte aber auch einige negative Persönlichkeitsstrukturen des Großschriftstellers offen. Am 20. April 1933 vermerkte er beispielsweise in seinem Tagebuch: »Die Revolte gegen das Jüdische hätte gewissermaßen mein Verständnis, wenn nicht der Wegfall der Kontrolle des Deutschen durch den jüdischen Geist für jenes so bedenklich und das Deutschtum nicht so dumm wäre, meinen Typus mit in den selben Topf zu werfen und mich mit auszutreiben.« Wolfgang Tarnowski bezeichnet dies mit Recht als »unfassbar schäbigen Kommentar«, der »Mannokraten« wie Sina in ihrer permanenten Lobhudelei ad absurdum führt.57
Dennoch greift es zu kurz, Thomas Mann das politische Verständnis und das Begreifen von politischer Theorie und Praxis per se abzusprechen (wie es in der SWF-Diskussion von 1975 sowohl seine Verächter als auch seine Verteidiger vor dem Fernsehpublikum exerzierten). Thomas Mann hat nicht – wie Walser behauptete – nur »dann und wann Vorträge gehalten«, um dem »Zeitdienst« Genüge zu tun, sondern engagierte sich vehement gegen den Nationalsozialismus nach seiner Emigration in die USA. Im Exil fiel ihm, schreibt Wolfgang Benz in seiner konzisen und prägnanten Geschichte der deutschen Emigration nach 1933, »die repräsentative Rolle des Lordsiegelbewahrers eines ›anderen Deutschland‹ zu, als Leuchtturm deutscher Kultur und Humanität, der die Deutschen vergeblich zum Widerstand gegen das Regime Hitlers beschwor«.58
Daher ist Boehlichs Vorwurf (den er 1948 in einer Rezension von Doktor Faustus erhob) ungerechtfertigt, in »Amerika« habe sich Thomas Mann der »Heimat« entfremdet. »Der Boden, dem er alles verdankte, hat ihm gefehlt«, schrieb Boehlich. »Fern von Deutschland hat er etwas sehr Deutsches schreiben wollen; es ist ihm mißlungen.« Die Schuld ortete er im »kulturlosen« Amerika: Es sei, wusste Boehlich (in deutscher Überheblichkeit & Arroganz) zu berichten, »ein Land ohne große Dichtung, ohne poetische Tradition, ohne lebendige Kritik. Sie ist es, die dem alternden Thomas Mann am meisten gefehlt hat.«59 Einige Jahre später kritisierte Boehlich Manns fehlende politische Kompetenz dezidierter: »Der Haß gegen das Untermenschentum des Faschismus verklärt die nichtfaschistische Welt in ihrer Gesamtheit mit einem überirdischen Schimmer«, diagnostizierte er 1954. In Manns politischen Texten werde die Einsicht in die Wirklichkeit der Politik verdunkelt: Franklin D.Roosevelt umgebe die Aureole des idealen Politikers, wobei Mann Wunschvorstellungen erlag, die nicht der politischen Realität entsprachen.60
Zaudern und Furor
Im Gegensatz zu dieser Auffassung sieht ihn Mely Kiyak im Vorwort zu den neu herausgegebenen Rundfunkreden Manns für die BBC aus den Jahren zwischen 1940 und 1945, als Antifaschist, der den Faschismus als persönlichen Angriff verstand. Nach Auffassung Kiyaks gehörte Mann »zu den ersten deutschen Schriftstellern, die von den Nationalsozialisten belästigt, bedroht und gejagt wurden«.61 Damit unterschlägt sie allerdings, dass Autoren wie Erich Mühsam schon am 28. Februar 1933 durch die SA verhaftet und wenig später ermordet wurden. »Mühsams politische Überzeugung und seine jüdische Abstammung hatten ihn zum Opfer des Faschismus werden lassen«, erinnerte Lienhard Böhning. »Seine Unbeugsamkeit wurde zum Symbol des antifaschistischen Widerstandes.«62 Mit seinem Protest gegen die neuen faschistischen Machthaber hielt sich Mann taktisch zurück. »Streichung betreffend einer censurwidrigen Phrase im Wagner-Essay über den Nationalismus«, heißt es in einem Tagebucheintrag vom 15. März 1933. »Wozu in diesem Augenblick diese Tiere reizen?«63
Dennoch ist der antifaschistische Furor seiner Rundfunkreden nicht zu unterschätzen. Entgegen dem Vorwurf Boehlichs, er habe den Kontakt zur »Heimat« verloren, betonte Mann immer wieder sein »Deutschtum« und sein »Leiden« an einem Deutschland, das »nach dem Willen verbrecherischer Gewaltmenschen« der Welt Unheil zufüge. Schon früh (im Januar 1942) sprach Mann davon, dass Juden als »Versuchsobjekte für Giftgas« dienen mussten, und einige Monate später – im September 1942 – berichtete er: »In Paris wurden binnen weniger Tage 16000 Juden zusammengetrieben, in Viehwagen verladen und abtransportiert. Wohin? Das weiß der deutsche Lokomotivführer, von dem man sich in der Schweiz erzählt.«64 Offenbar war Mann fernab der »Heimat« besser informiert als die deutsche Bevölkerung, vor deren Augen jüdische Bürger:innen durch die Städte zu den Bahnhöfen getrieben wurden und die der »KZ-Propaganda« der Alliierten keinen Glauben schenken wollte. Mitgefühl mit den Opfern des »Raub- und Mordregimes« (wie Mann den NS-Staat bezeichnete) hatten sie nicht, denn schließlich profitierte sie von der antijüdischen Politik und Praxis des Regimes.65
Trotz allem wollte Mann »Deutschland« nicht in Grund und Boden verdammen, sondern eröffnete ihm die Möglichkeit einer »Errettung« in einer demokratischen Revolution auf europäischer Ebene. »Deutsche Hörer«, verkündete er in einer Rundfunkrede vom 28. März 1944, »Europa wird sozialistisch sein, sobald es frei ist. Der soziale Humanismus war an der Tagesordnung, er war die Vision der Besten in dem Augenblick, als der Faschismus seine schielende Fratze über die Welt erhob. Er, der das wahrhaft Neue, Junge und Revolutionäre ist, wird Europa seine äußere und innere Gestalt geben, ist nur erst der Lügenschlange das Haupt zertreten.« 66 In ihrem Nachwort zu Manns BBC-Reden widerspricht Mely Kiyak dem Vorwurf, er habe Politik nicht verstanden. In ihren Augen war Thomas Mann ein »Schriftsteller der Freiheit«, der angesichts der persönlichen Bedrohung zum glühenden Demokraten wurde. »Weil Politik vor der Vernichtung des Menschen immer erst den Sprachmissbrauch betreibt«, argumentiert Kiyak. »Gerade weil Schriftstellerinnen und Schriftsteller die Macht der Sprache kennen, dient die Einmischung nicht nur der Menschheits- und Menschlichkeitsverteidigung, sondern auch der Verteidigung der Sprache. Worte, die Faschisten einmal im Munde hatten, sind anschließend unbrauchbar.«67
Dennoch ist die Kritik an Manns Politikverständnis nicht gänzlich unberechtigt. »Freiheit, politisch verstanden, ist vor allem ein moralisch-innenpolitischer Begriff«68, postulierte er im April 1945, während er ökonomisch-gesellschaftliche Komponenten außen vor ließ. Seine Kritik bewegte sich vor allem im Mythologischen, in Begriffen wie »Teufel«, »Hölle« oder »Seele«, in der »Dämonie«, die im Doktor Faustus aus der deutschen Vergangenheit zehrte, ohne kapitalistische Entwicklungen des zurückliegenden Jahrhunderts in Betracht zu ziehen. In Georg Lukács’ Interpretation war Manns Dämon »ein geschichtlicher Kritiker der gesamten bürgerlichen Kultur des Imperialismus«. Doch wie Anthony Heilbut und andere Autoren beschrieben, resultierte Manns Einsamkeit in »Amerika« auch aus einer antiquierten Sprache, die kaum die gesellschaftlichen Realitäten in Deutschland reflektierte. »In Kalifornien«, so lautet der Tenor bezüglich seiner Emigrationserfahrung in einem Essay von Alexander Honold in dem literarischen Fischer-Fanzine Neue Rundschau zum 150. Geburtstag der literarischen »Cashcow« des Verlages, »befand Thomas Mann sich fernab des deutschen Literaturpublikums, das er verloren hatte.« 69 Manns »Emigrationssprache« rief in Deutschland nach 1945 aggressive Angriffe hervor. Symptomatisch war das Urteil des konservativen Kulturkritikers und Ernst-Jünger-Freundes Gerhard Nebel, der Thomas Mann 1950 vorwarf, er trete »uns als Exponent einer bis zur Dummheit gehenden Abneigung gegen Deutschland entgegen.«70
Mit Befremden notierte Max Frisch 1949 auf Sylt in seinem Tagebuch, mit welchem Hass Thomas Mann in Frankfurt im Goethejahr empfangen wurde. Die Deutschen, schrieb Frisch, »lechzen nach Weltachtung«, Mann habe sie, »aber sie können sich nicht mit ihm verbrüdern, ohne daß sie etliches zugeben müßten, was er zu ihrem Unbehagen gesagt hat – so begnügen sich jetzt die meisten mit dem Versuch, ihm die Weltachtung abzukratzen: als könnten sie dabei gewinnen.«71 In seinem monumentalen Werk Schreiben in finsteren Zeiten, in dem Helmut Kiesel das gesamte Spektrum der deutschsprachigen Literatur zwischen 1933 und 1945 (von Romanen, Dramen und Gedichten systemkonformer Autor:innen der nationalsozialistischen Literatur über die Werke der »inneren Emigration« bis zu den vielschichtigen Ausprägungen der deutschsprachigen Exilliteratur) analysiert, widerspricht der Autor vehement den zeitgenössischen deutschen Negativ-Kritiken (oder »Verrissen«) von Doktor Faustus: Der Roman sei »nicht nur das Dokument eines tiefen Leidens an Deutschland, sondern auch das Dokument einer zwar in Formeln der negativen Theologie vorgetragenen, aber nichtsdestoweniger religiös fundierten Zuversicht auf Zukunft und Heilung«. Allerdings verweist Kiesel – in einem früheren Werk – auch auf die Verankerung des Mann-Werkes in der traditionellen Romanform des 19. Jahrhunderts (trotz aller »Technik der ironischen Illusionsbrechung«), während Repräsentant:innen einer avancierten Modernität wie James Joyce oder Alfred Döblin mit dem realistischen Illusionismus brachen.72
Wie Joseph Conrad, dessen Romane Lord Jim und Nostromo er auf seiner Europa-Reise 1951 mit »Ergriffenheit«, »Liebe und Bewunderung« las und in denen eine latente Homosexualität aus den Frustrationen des dépaysement (wie Robert Aldrich schreibt) als Subtext in die Erzählung geschmuggelt wurde, konnte er dem politischen Leben wenig abgewinnen, auch wenn er von der Bewunderung gegenüber Franklin D. Roosevelt »übermannt« wurde. Trotz allem blieb er (mit den Worten Peter Gays) ein »kultureller Aristokrat und philosophischer Ironiker«, der »bis zum letzten Seufzer« dem literarischen Realismus des 19. Jahrhunderts verhaftet war.73
Lübeck als geistige Lebensform

In seinem Vortrag »Lübeck als geistige Lebensform« beschrieb sich Thomas Mann als Künstler und Schriftsteller, der »ein Lübecker geblieben« sei und verortete sich in der sprachlichen Landschaft der Stadt, die sich in »Stimmung, Stimmklang, Tonfall, Dialekt, als Heimatlaut, Musik der Heimat« äußere.74 In Wolfgang Tarnowskis Buch Auf den Spuren von Thomas Mann ist ein Foto von Manns mit Schreibtisch, Bücherregalen, Sesseln, Bildern und Erbstücken aus dem Lübecker Elternhaus abgebildet und Tarnowski betonte, dass die »vertrauten Einrichtungsgegenstände dieses komfortablen Refugiums« den Dichter »durchs ganze Leben, selbst im Exil« begleiteten, obwohl Lübeck in seiner Kinder- und Jugendzeit nach den Erinnerungen seines Freundes Otto Grautoff durch einen »Gefängnischarakter« und ein »besonders hohes Maß an Kunst- und Körperfeindlichkeit« geprägt war.75 Während die wohlsituierten Lübecker Bürger:innen nach dem Erscheinen der Buddenbrooks sich über den Skandalroman echauffierten, ist Thomas Mann als Werbeträger der Stadt überall in Lübeck präsent – nicht nur dort, wo ständig das Marzipan lauert und der Nobelpreisträger satirisch als »Lübecker Marzipanbäcker« verhöhnt wurde. Diese »literarische Satire« tue ihm gar nicht weh, gab Mann in seinem Vortrag von 1926 zu Protokoll, »denn was Lübeck betrifft, so muß man irgendwoher ja sein, und ich sehe nicht ein, weshalb Lübeck eine lächerlichere Herkunft sein sollte als eine andere – ich rechne es sogar zu den besseren Herkünften.«76
Als ich in dem mehrfach ausgezeichneten und ausgesuchten Prosa-Buchladen in der Lübecker Altstadt77 einen schmalen Band mit Texten Carl von Ossietzkys erstand, meldete sich Lübecks bekanntester Bürger mit einem Einleitungszitat zu Wort als »dankbare und ehrerbietige Huldigung« für jenen Mann, der »den Märtyrertod für Freiheit und Frieden starb«.78 So kommt man auch heute in Lübeck auf Schritt & Tritt nicht an Thomas Mann vorbei.
»Thomas Mann oder Hört das nie auf?«
In einer Laudatio auf Gert Westphal, der von Katia Mann als des »Dichters oberster Mund« gerühmt wurde, bemerkte der langjährige Leiter der NDR-Kulturredaktion Hanjo Kesting, dass Thomas Mann das am Morgen Geschriebene am Abend im Familien- und Freundeskreis vorlas, um es »mündlich zu erproben«. »Erst wenn es dort standhielt, durfte es im Buche stehen bleiben«, wusste Kesting zu berichten.79 Über Jahrzehnte war Gert Westphal durch »einen ungewöhnlichen Reichtum an Klanggesten, Klangsprache, Klangrede, ja Klangzauber« (wie Kesting in einer geradezu ekstatischen Laudatio ausrief) präsent, wobei Kesting vor allem die Aufnahme der Lesung von Joseph und seine Brüder wegen ihrer »Frische und Vitalität, in Verbindung mit Wissen und Feingefühl« hervorhob.80
In der Argon-Hörbuch-Edition zu den Werken Thomas Manns ragt vor allem die ungekürzte Lesung des Zauberbergs heraus. Der 1961 in Hamburg geborene und in der Schweiz lebende Schauspieler Thomas Sarbacher (der mittlerweile auch für den RBB eine Radio-Version der Buddenbrooks produziert hat81) liefert eine zeitgemäße Rezitation des Textes in der Fassung von 1924, der jedoch – mit Hanjo Kesting gesprochen – die Transformation in eine entrückte Klangwelt, in »Sprachmagie und Wortzauber, suggestiv und einsaugend wie sonst nur Musik« fehlt.82

Ähnlich verhält es sich mit der älteren Aufnahme von Mario und der Zauberer in der Fassung von Peter Matic aus dem Jahre 2006. »Bisher hatte ich immer Gert Westphal für den besten Vorleser der Werke von Thomas Mann gehalten«, schrieb vor Jahren ein Internet-Kritiker über diese Produktion. »Aber bei dieser in südlichen Gefilden spielenden Parabel auf die Verführbarkeit des Menschen passt Peter Matic Stimme besser. Denn in ihr wienerischen Tonfall hört man die Dekadenz, den Verfall der Sitten, das Unmoralische besser als in Westphal sonorer norddeutscher Stimme.«83 Während Matics Rezitationsleistungen (beispielsweise in der kompletten Lesung von Marcel Prousts Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) unbestritten sind, erscheint seine Interpretation des Erzähltextes von Mario und der Zauberer stellenweise exaltiert und disziplinlos, während Westphals Fassung von 1979 restringierter und näher am textuellen Ingenium der Novelle ist. Westphal, schrieb Kesting über den »Vorleser« im Text-Gewebe, »versucht uns einzuspinnen, in seinen Bann zu ziehen, er langweilt nie, übertreibt lieber als dass er untertreibt, er lässt uns, während er erzählt, nicht spüren, wie die Zeit vergeht, unsere kostbare Lebenszeit, die wir zuhörend verschwenden«.84

Ein nicht zu vernachlässigender Höhepunkt der Argon-Edition ist der Essay »Thomas Mann oder Hört das nie auf?« von C. Bernd Sucher, der die Thematik der Homosexualität im Leben Thomas Mann ähnlich wie Tilmann Lahme in seiner Biografie in komprimierter Form aufgreift und die Fragen, ob der Dichter – allem Ruhm und Luxus zum Trotz – ein »Geplagter« war. »Man denkt wohl«, beginnt der Essay mit einem autobiografisch zu deutenden, von Hans Peter Hallwachs gelesenen Zitat aus Joseph und seine Brüder: »mit fünfundsiebzig kann’s so schlimm nicht mehr sein mit der Hörigkeit und knechtischen Lust, aber da irrt man sich. Das hält aus bis zum letzten Seufzer.«85 Damit ist die Existenz Thomas Manns, der in seinen Romanen (mit den Worten C. Bernd Suchers) die kalte Wirklichkeit sublimierte, chiffrierte und kaschierte, treffend beschrieben. Am Ende hatte sich der Dichter gegen sich selbst und die möglichen Realitäten im Sinne der Kunst verschworen. Wie Siegfried Kracauer 1915 konstatierte, blühte der Dichter in seiner Sehnsucht nach Bürgerlichkeit wie seine Figuren auf und verging pflanzenhaft.86
© Jörg Auberg 2026
Danksagung
Für die freundliche Überlassung von Rezensionsexemplaren danke ich den Verlagen S. Fischer, Rowohlt, DVA, dtv, Propyläen, Ellert & Richter, Königshausen & Neumann und C. H. Beck sowie Argon, DAV und dieGehörGäng.
Besonderer Dank für Unterstützung & Anregungen gilt Caren Heuer (Buddenbrookhaus Lübeck) und Maria Nowotnick (Argon Berlin).
Bibliographische Daten
Heinrich Breloer.
Ein tadelloses Glück:
Der junge Thomas Mann und der Preis des Erfolgs.
München: DVA, 2024.
464 Seiten, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑4210–7036‑4.
Heinrich Breloer.
Ein tadelloses Glück:
Der junge Thomas Mann und der Preis des Erfolgs.
Gelesen von Hanns Zischler.
Berlin: Der Audio-Verlag (DAV), 2024.
2 MP3-CDs, Laufzeit 14:17 Stunden, 25 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3284‑1.
Kerstin Holzer.
Thomas Mann macht Ferien: Ein Sommer am See.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2025.
208 Seiten, 22 Euro.
ISBN: 978–3‑462–00671‑1.
Florian Illies.
Wenn die Sonne untergeht:
Familie Mann in Sanary.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
336 Seiten, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑10–397192‑7.
Florian Illies.
Wenn die Sonne untergeht:
Familie Mann in Sanary.
Gelesen von Stephan Schad.
Berlin: Argon, 2025.
MP3-CD, Laufzeit 8:45 Stunden, 30 Euro.
ISBN: 978–3‑7324–8445‑4.
Martin Mittelmeier.
Heimweh im Paradies
Thomas Mann in Kalifornien.
Köln: Dumont, 2025.
192 Seiten, 22 Euro.
ISBN: 978–3‑7558–0033‑0.
Wolfgang Tarnowski.
Auf den Spuren von Thomas Mann.
Hamburg: Ellert & Richter, 2025.
176 Seiten, 120 Abbildungen, 19,95 Euro.
ISBN: 978–3‑8319–0882‑0.
Tilmann Lahme.
Thomas Mann: Ein Leben.
München: dtv, 2025.
592 Seiten, 28 Euro.
ISBN: 978–3‑423–28445‑5.
Oliver Fischer.
»Man kann die Liebe nicht stärker erleben«:
Thomas Mann und Paul Ehrenberg.
Hamburg: Rowohlt, 2024.
304 Seiten, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑498–00389‑0.
Morten Høi Jensen.
The Master of Contradictions:
Thomas Mann and the Making of »The Magic Mountain«.
New Haven: Yale University Press, 2025.
248 Seiten, 28 US-$.
ISBN: 978–0‑300–23374‑2.
Caren Heuer und Barbara Eschenburg (Hgg.).
Thomas Manns Der Zauberberg:
Fiebertraum und Höhenrausch.
Ausstellungskatalog des Buddenbrookhauses in Lübeck.
Würzburg: Königshausen & Neumann, 2024.
176 Seiten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑8260–8913‑8.
Caren Heuer und Barbara Eschenburg (Hgg.).
Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie.
Ausstellungskatalog des Buddenbrookhauses in Lübeck.
Würzburg: Königshausen & Neumann, 2025.
208 Seiten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑8260–9341‑8.
Kai Sina.
Was gut ist und was böse:
Thomas Mann als politischer Aktivist.
Berlin: Propyläen, 2024.
304 Seiten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑5491–0085‑1.
Sascha Michel (Hg.).
Thomas Manns 150. Geburtstag.
Neue Rundschau 136, Heft 1.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
120 Seiten, 17 Euro.
ISBN: 978–3‑10–809140‑8.
Thomas Mann.
Der kleine Herr Friedemann.
Eine Novelle über die vernichtenden Kräfte der Leidenschaft.
Überarbeitete Ausgabe mit Illustrationen von Karl-Georg Hirsch.
Frankfurt/Main: Büchergilde Gutenberg, 2025.
96 Seiten, 28 Euro.
ISBN: 978–3‑7632–7628‑8.
Thomas Mann.
Tonio Kröger/ Mario und der Zauberer.
Zwei Erzählungen.
Mit einem Nachwort von Volker Weidermann.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 55. erweiterte Auflage.
192 Seiten, 12 Euro.
ISBN: 978–3‑596–21381‑8.
Thomas Mann.
Buddenbrooks. Verfall einer Familie.
Mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 69. erweiterte Auflage.
848 Seiten, 18 Euro.
ISBN: 978–3‑596–29431‑2.
Thomas Mann.
Der Zauberberg.
Mit einem Nachwort von Kai Sina.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 31. erweiterte Auflage.
1072 Seiten, 20 Euro.
ISBN: 978–3‑596–29433‑6.
Thomas Mann.
Der Tod in Venedig.
Mit einer Nachwort-Erzählung von Ulrich Tukur.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 31. erweiterte Auflage.
144 Seiten, 12 Euro.
ISBN: 978–3‑596–11266‑1.
Thomas Mann.
Die Erzählungen.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2024.
992 Seiten, 29 Euro.
ISBN: 978–3‑10–397647‑2.
Thomas Mann.
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.
Der Memoiren erster Teil.
Mit einem Nachwort von Felicitas Hoppe.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 58. erweiterte Auflage.
464 Seiten, 16 Euro.
ISBN: 978–3‑596–29429‑9.
Thomas Mann.
Doktor Faustus.
Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn,
erzählt von einem Freunde.
Mit einem Nachwort von Michael Lenz.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025; 44. erweiterte Auflage.
704 Seiten, 20 Euro.
ISBN: 978–3‑10–492290‑4.
Thomas Mann.
Zur Verteidigung der Demokratie:
Politische Schriften.
Herausgegeben von Kai Sina und Matthias Löwe
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
288 Seiten, 16 Euro.
ISBN: 978–3‑596–71166‑6.
Thomas Mann.
Deutsche Hörer!
Radiosendungen nach Deutschland.
Mit einem Vorwort und einem Nachwort von Mely Kiyak.
Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025.
272 Seiten, 24 Euro.
ISBN: 978–3‑10–397685‑4.
Thomas Mann.
Buddenbrooks. Verfall einer Familie.
Ungekürzte Lesung mit Gert Westphal.
Berlin: Der Audio-Verlag (DAV), 2025.
Digitale Ausgabe.
Laufzeit 27:47 Stunden, 39,95 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3607‑8.
Thomas Mann.
Der Zauberberg.
Gekürzte Lesung mit Gert Westphal.
Berlin: Der Audio-Verlag (DAV), 2024.
2 MP3-CDs, Laufzeit 18:26 Stunden, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3356‑5.
Thomas Mann.
Doktor Faustus.
Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn,
erzählt von einem Freunde.
Gekürzte Lesung mit Gert Westphal.
Berlin: Der Audio-Verlag (DAV), 2024.
3 MP3-CDs, Laufzeit 28:08 Stunden, 29 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3354‑1.
Thomas Mann.
Lotte in Weimar.
Ungekürzte Lesung mit Gert Westphal.
Berlin: Der Audio-Verlag (DAV), 2024.
2 MP3-CDs, Laufzeit 16:27 Stunden, 26 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3352‑7.
Thomas Mann.
Joseph und seine Brüder.
Gekürzte Lesung mit Gert Westphal.
Berlin: Der Audio-Verlag (DAV), 2024.
3 MP3-CDs, Laufzeit 33:37 Stunden, 34 Euro.
ISBN: 978–3‑7424–3350‑3.
Thomas Mann.
Thomas Mann Box: Argon Edition.
Der Zauberberg.
Gelesen von Thomas Sarbacher, befasst sich mit den Themen Zeit, Krankheit und Verfall, während der Protagonist Heinrich Mann in einem Sanatorium die Abgründe der menschlichen Existenz erkundet.
Laufzeit: 38:36 Stunden.
Der Tod in Venedig.
Gelesen von Gerd Wameling, ist eine bewegende Novelle, in der die Themen Ästhetik und Dekadenz im Mittelpunkt stehen, als Gustav von Aschenbach in das verführerische Venedig reist und dort in einen gefährlichen Strudel aus Leidenschaft und Krankheit gerät.
Laufzeit: 3:34 Stunden.
Mario und der Zauberer.
Gelesen von Peter Matić, erzählt die fesselnde Geschichte eines Magiers, der in einer italienischen Stadt das Publikum mit seiner gewagten Zauberkunst in den Bann zieht, was bald in eine erschreckende Wendung mündet.
Laufzeit: 2:13 Stunden.
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.
Gelesen von Boris Aljinović, schildert die Abenteuer des charmanten Betrügers Felix Krull, dessen schillernde Persönlichkeit und Manipulationsgeschick ihn durch die Gesellschaft der oberen Klassen in die unerwartetsten Situationen führen.
Laufzeit: 14:37 Stunden.
Thomas Mann oder Hört das nie auf?
Essay von C. Bernd Sucher.
Sprecher: Hans Peter Hallwachs, C. Bernd Sucher u. a., beleuchtet auf eindrucksvolle Weise die Wirkung und das Erbe von Manns Werk sowie dessen Einfluss auf die moderne Literatur und das kulturelle Gedächtnis Europas.
Laufzeit: 1:20 Stunden.
Berlin: Argon, 2025.
8 MP3-CDs, Laufzeit 60 Stunden, 70 Euro.
ISBN: 978–3‑8398–2207‑4.
Colm Tóibín.
Der Zauberer.
Gelesen von Thomas Schendel.
Berlin: dieGehörGäng, 2025.
MP3-Download, Laufzeit 20:40 Stunden, 21,95 Euro.
ASIN: B0DVC5B3SR.
Wolfgang Benz.
Exil: Geschichte einer Vertreibung 1933–1945.
München: C. H. Beck, 2025.
407 Seiten, 36 Euro.
ISBN: 978–3‑406–82933‑8.
Helmut Kiesel.
Schreiben in finsteren Zeiten:
Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933–1945.
München: C. H. Beck, 2025.
1392 Seiten, 68 Euro.
ISBN: 978–3‑406–71611‑9.
Hanjo Kesting.
Mach’s einer nach:
Gesammelte Lobreden.
Hannover: Wehrhahn Verlag, 2025.
288 Seiten, 25 Euro.
ISBN: 978–3‑98859–111‑1.
| Bildquellen (Copyrights) | |
| Foto Thomas Mann am Schreibtisch in Nidden, Juli 1930 | ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Fritz Krauskopf / TMA_0197 |
| Cover Mario und der Zauberer (Buch) | © Kunsthaus Lübeck |
| Cover Taschenbuchausgabe von Thomas Mann | © Fischer Verlag |
| Cover Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull | © Büchergilde Gutenberg |
| Cover Ein tadelloses Glück | © DVA |
| Cover Heimweh im Paradies | © Dumont |
| Cover Wenn die Sonne untergeht | © S. Fischer |
| Cover The Master of Contradictions | © Yale University Press |
| Cover Der kleine Herr Friedemann | © Büchergilde Gutenberg |
| Cover »Man kann die Liebe nicht stärker erleben« | © Rowohlt |
| Cover Auf den Spuren von Thomas Mann | © Ellert & Richter |
| Cover Thomas Mann: Ein Leben | © dtv |
| Cover Meine Zeit | © Königshausen & Neumann |
| Cover Was gut ist und was böse | © Propyläen |
| Cover Thomas Mann: Zwei Dokumentationen | © Film 101 |
| TV-Ausschnitte Thomas Mann als politischer Schriftsteller | © SWF (Bearbeitung: Jörg Auberg) |
| Cover Exil | © C. H. Beck |
| Cover Schriften zur Politik | © Bibliothek Suhrkamp |
| Cover Deutsche Hörer! | © S. Fischer |
| Cover Neue Rundschau | © S. Fischer |
| Cover Schreiben in finsteren Zeiten | © C. H. Beck |
| Cover Lübeck als geistige Lebensform | © vacat Verlag |
| Cover Thomas Mann Box | © Argon Verlag |
| Cover Mario und der Zauberer (CD) | © Litraton Verlag |
| Foto Thomas Mann liest vor im Arbeitszimmer, ca. 1940 | ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Unbekannt / TMA_0543 |
Nachweise
- Abraham Polonsky: Interviews, hg. Andrew Dickos (Jackson: University of Mississippi Press, 2013), S. 133–134; Paul Buhle und Dave Wagner, A Very Dangerous Citizen: Abraham Lincoln Polonsky and the Hollywood Left (Berkeley: University of California Press, 2001), S. 156–157; Thomas Mann, Tagebucheintrag vom 29. März 1950, in: Mann, Tagebücher 1949–1950, hg. Inge Jens (Frankfurt/Main: Fischer, 2003), S. 180. Zur Biografie Polonskys siehe auch Jörg Auberg, »Aufrecht gehen: Abraham Polonsky, Hollywood und die Schwarze Liste«, TheaterZeitSchrift, Nr. 27 (Frühjahr 1989), S. 120–133. Zu Thomas Manns Erfahrungen in den USA cf. Thomas Mann in Amerika, hg. Ulrich Raulff und Ellen Strittmatter, Marbacher Magazin, Nr. 163/164 (Marbach: Deutsche Schillergesellschaft, 2018), S. 73, 191 ↩
- Wolfgang Tischer, »KI-Cover für Thomas Mann: Fehlende Beine auf dem Berg«, literaturcafe.de, 22. Juli 2025, https://www.literaturcafe.de/ki-cover-fuer-thomas-mann-fehlende-beine-auf-dem-berg/; siehe auch Quentin Lichtblau, »KI-Slop auf dem Buchcover: Hauptsache was Buntes«, https://lichtblau.substack.com/p/ki-slop-auf-dem-buchcover-hauptsache ↩
- Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (Frankfurt/Main: Büchergilde Gutenberg, 1981), S. 11 ↩
- Wolfgang Tischer, »KI-Cover für Thomas Mann: Fehlende Beine auf dem Berg«, literaturcafe.de, 22. Juli 2025, https://www.literaturcafe.de/ki-cover-fuer-thomas-mann-fehlende-beine-auf-dem-berg/. Redaktionelle Nachfragen an S. Fischer und Kosmos Design blieben im Übrigen unbeantwortet. ↩
- Tilmann Lahme, Thomas Mann: Ein Leben (München: dtv, 2025), S. 219 ↩
- Lothar Müller, »Der Zauderer«, Süddeutsche Zeitung, Nr. 244, 23. Oktober 2025, S. 11 ↩
- Dwight Macdonald, Against the American Grain (New York: Random House, 1962), S. 37. Zu Macdonalds Kulturkritik cf. Jörg Auberg, New Yorker Intellektuelle: Eine politisch-kulturelle Geschichte von Aufstieg und Niedergang, 1930–2020 (Bielefeld: Transcript-Verlag, 2022), S. 214–222 ↩
- Heinrich Breloer, Ein tadelloses Glück: Der junge Thomas Mann und der Preis des Erfolgs (München: DVA, 2024), S. 15 ↩
- Breloer, Ein tadelloses Glück, S. 231 ↩
- Kerstin Holzer, Thomas Mann macht Ferien: Ein Sommer am See (Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2025), S. 45 ↩
- Holzer, Thomas Mann macht Ferien, S. 150 ↩
- Martin Mittelmeier, Heimweh im Paradies: Thomas Mann in Kalifornien (Köln: Dumont, 2025), S. 15, 31 ↩
- Mittelmeier, Heimweh im Paradies, S. 47 ↩
- Cf. Heinrich Mann, »›Jüdischen Glaubens‹«, in: Heinrich Mann, Essays und Publizistik, Bd. 1, hg. Peter Stein (Bielefeld: Aisthesis Verlag, 2013), S. 195–202; Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 96 ↩
- Florian Illies, Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025), S. 7, 14 ↩
- Illies, Wenn die Sonne untergeht, S. 21 ↩
- Illies, Wenn die Sonne untergeht, S. 22, 23, 32, 326 ↩
- Illies, Wenn die Sonne untergeht, S. 134 ↩
- Illies, Wenn die Sonne untergeht, S. 135 ↩
- Jan Drees, »Baden gehen mit Thomas Mann«, 27. Oktober 2025, https://www.lesenmitlinks.de/baden-gehen-mit-thomas-mann/, zuerst in: Büchermarkt, 24. Oktober 2025, https://www.deutschlandfunk.de/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht-familie-mann-in-sanary-102.html ↩
- Macdonald, Against the American Grain, S. 37 ↩
- Illies, Wenn die Sonne untergeht, S. 93; Gustav Seibt, »Der schwule Nationaldichter«, Süddeutsche Zeitung, Nr. 184, 12. August 2025, S. 10 ↩
- Cf. Hans Mayer, Außenseiter (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1975), S. 9–29; Karl Werner Böhm, Zwischen Selbstzucht und Verlangen: Thomas Mann und das Stigma der Homosexualität (Würzburg: Königshausen & Neumann, 1991), S. 116–118; und Gerhard Härdle, Männerweiblichkeit: Zur Homosexualität bei Klaus und Thomas Mann (Frankfurt/Main: Athenäum, 1988), S. 29 ↩
- Cf. Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey, Zerstörungslust: Elemente des demokratischen Faschismus (Berlin: Suhrkamp, 2025), S. 172–187 ↩
- Ernst Löwy, Zwischen den Stühlen: Essays und Autobiographisches aus 50 Jahren (Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 1995), S. 137 ↩
- Thomas Mann, Der Zauberberg, Stockholmer Gesamtausgabe (Stockholm: S. Fischer, 1950), S. 702 ↩
- Morten Høi Jensen, The Master of Contradictions: Thomas Mann and the Making of »The Magic Mountain« (New Haven: Yale University Press, 2025), S. 29 ↩
- William Troy, »Thomas Mann: Myth and Reason« (1938), in Troy, Selected Essays, hg. Stanley Edgar Hyman (New Brunswick: Rutgers University Press, 1967), S. 214–215 ↩
- Cf. Lothar Müller, Herman Bang (München: Deutscher Kunstverlag, 2011), S. 48–49; Herman Bang, »Gedanken zum Sexualitätsproblem«, in: Bang, Michael (Hamburg: Männerschwarm Verlag, 2012, Bibliothek rosa Winkel, Nr. 63), S. 259–277. Zum Typus des literarischen oder kulturellen Outlaws siehe Ted Morgan, Literary Outlaw: The Life and Times of William S. Burroughs (New York: Henry Holt, 1988); und Charles Casillo, Outlaw: The Lives and Careers of John Rechy (Los Angeles, CA: Advocate Books, 2002) ↩
- Ulrike Brunotte, Zwischen Eros und Krieg: Männerbund und Ritual in der Moderne (Berlin: Wagenbach, 2004), S. 88; Robert Beachy, Gay Berlin: Birthplace of a Modern Identity (New York: Alfred A. Knopf, 2014), S. 158–176; Hans Wisskirchen, »Republikanischer Eros: Zu Walt Whitmans und Hans Blühers Rolle in der politischen Publizistik Thomas Manns«, in: »Heimsuchung und süßes Gift«: Erotik und Poetik bei Thomas Mann, hg. Gerhard Härle (Frankfurt/Main: Fischer, 1992), S. 17–40; Thomas Mann, »Die Ehe im Übergang«, in: Mann, Essays II: 1914–1926, hg. Hermann Kurzke, GKFA, 15.1 (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2002), S. 1031; Oliver Fischer, »Man kann die Liebe nicht stärker erleben«: Thomas Mann und Paul Ehrenberg (Hamburg: Rowohlt, 2024), S. 192 ↩
- Fischer, »Man kann die Liebe nicht stärker erleben«, S. 105–107, Zitat S. 153; Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 205 ↩
- Wolfgang Tarnowski, Auf den Spuren von Thomas Mann (Hamburg: Ellert & Richter, 2025), S. 11–12 ↩
- Fischer, »Man kann die Liebe nicht stärker erleben«, S. 117 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 109 ↩
- Thomas Mann, Die Erzählungen (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2024), S. 139 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 143–144 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 241; Thomas Mann, Die Erzählungen, S. 238; Lawrence Durrell, Das Alexandria-Quartett, übers. Walter Schürenberg und Maria Carlsson (Zürich: Kampa, 2021), S. 842 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 247 ↩
- Emil Szittya, Das Kuriositäten-Kabinett (Konstanz: See-Verlag, 1923), S. 154–155; Walter Fähnders, »Kampfobjekt Homosexualität«, Einleitung zu: Erich Mühsam, Die Homosexualität: Eine Streitschrift (München: belleville, 1996), S. 25 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 277 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 343 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 506 ↩
- Lahme, Thomas Mann: Ein Leben, S. 137; Herbert Lehnert und Eva Wessell, Thomas Mann (London: Reaktion Books, 2019), S. 15–31 ↩
- Siegfried Kracauer, »Vom Erleben des Kriegs« (1915), in: Kracauer, Werke, Bd. 5.1, hg. Inka Mülder-Bach (Berlin: Suhrkamp, 2011), S. 20 ↩
- Julius Sonntag, »Humane Absichtslosigkeit: Über den Zusammenhang von Anthropologie, Ästhetik und Politik beim frühen Thomas Mann«, in: Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie, hg. Caren Heuer und Barbara Eschenburg (Würzburg: Königshausen & Neumann, 2025), S. 43. Zu Jean Vigos Kinowerk: cf. Filmkritik, 12, Nr. 9 (September 1968), S. 622–632; und James Travers, »Zéro de Conduite«, http://www.frenchfilms.org/review/zero-de-conduite-1933.html ↩
- Thomas Mann, »Meine Zeit«, in: Mann, Über mich selbst: Autobiographische Schriften (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2022), S. 13, 22, 24; Walter Benjamin, »Der Erzähler«, in: Benjamin, Gesammelte Schriften, Bd. 2, hg. Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1991), S. 439 ↩
- Thomas Mann, »Meine Zeit«,S. 16–17, 19, Zitat S. 22 ↩
- Thomas Mann, Die Erzählungen, S. 732; Carla Heuer und Barbara Eschenburg, »Meine Zeit ist unsere Zeit«, in: Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie, S. 15; siehe auch Gert Sautermeister, Thomas Mann: »Mario und der Zauberer« (München: Fink/UTB, 1981), S. 84–119 ↩
- Willy Brandt, Links und frei: Mein Weg 1930–1950 (Hamburg: Hoffmann & Campe, 2021), S. 39–43 ↩
- Heinrich Detering, »Thomas Mann und die Demokratie«, in: Meine Zeit: Thomas Mann und die Demokratie, S. 32 ↩
- Detering, »Thomas Mann und die Demokratie«, S. 31; Kai Sina, Was gut ist und was böse: Thomas Mann als politischer Aktivist (Berlin: Propyläen, 2024), S. 102–103 ↩
- Zum historischen Hintergrund cf. Paul Avrich, Sacco and Vanzetti: The Anarchist Background (Princeton, NJ: Princeton University Press, 1991), und Paul Avrich, »Sacco and Vanzetti’s Revenge«, in: The Lost World of Italian-American Radicalism: Politics, Labor, and Culture, hg. Philip Cannistraro und Gerald Meyer (Westport, CT: Praeger, 2003), S. 163–169; Bernd Greiner, Weißglut: Die inneren Kriege der USA – Eine Geschichte von 1900 bis heute (München: C. H. Beck, 2025), S. 97–98, 129–130 ↩
- Sina, Was gut ist und was böse: Thomas Mann als politischer Aktivist, S. 241 ↩
- »Thomas Mann als politischer Schriftsteller«, SWF-Produktion 1975, in: Thomas Mann: Zwei Dokumentationen, München: Film 101, o. J., https://www.film101.de/271-thomas-mann-zwei-dokumentationen ↩
- Walter Boehlich, »Zu spät und zu wenig: Thomas Mann und die Politik«, Text + Kritik: Sonderband Thomas Mann, hg. Heinz Ludwig Arnold (München: edition text + kritik, ²1982), S. 60; Erika Mann, zitiert in: Klaus Harprecht, Thomas Mann: Eine Biographie (Reinbek: Rowohlt, 1996), S. 878; siehe auch Frederic Spotts, Cursed Legacy: The Tragic Life of Klaus Mann (New Haven: Yale University Press, 2016), S. 111–114 ↩
- Sina, Was gut ist und was böse: Thomas Mann als politischer Aktivist, S. 241 ↩
- Thomas Mann, Tagebücher 1933–1934, hg. Peter de Mendelssohn (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2003), S. 54; Tarnowski, Auf den Spuren von Thomas Mann, S. 12 ↩
- Wolfgang Benz, Exil: Geschichte einer Vertreibung 1933–1945 (München: C. H. Beck, 2025), S. 44 ↩
- Walter Boehlich, »Thomas Manns ›Doktor Faustus‹«, Merkur, 2, Nr. 4 (1948), S. 603 ↩
- Walter Boehlich, »Altes und Neues von Thomas Mann«, Merkur, 8, Nr. 1 (Januar 1954), S. 85; siehe auch den Brief an Golo Mann vom 31. Juli 1969 anlässlich der Herausgabe der politischen Schriften Thomas Manns in der Bibliothek Suhrkamp, in: Walter Boehlich, »Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen«: Briefe 1944 bis 2000, hg. Christoph Kapp und Wolfgang Schopf (Frankfurt/Main: Schöffling, 2021), S. 339–340 ↩
- Mely Kiyak, Vorwort zu: Thomas Mann, Deutsche Hörer! Radiosendungen nach Deutschland (Frankfurt/Main: S. Fischer, 2025), S. 11, 20 ↩
- Lienhard Böhning, Vorwort zu: »Kennst Du das Land, wo die Faschisten blühn?«: Mühsams politischer und literarischer Kampf gegen den Faschismus – Vorbild für heute?, Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Nr. 48 (Lübeck: Erich-Mühsam-Gesellschaft, 2022), S. 6 ↩
- Thomas Mann, Tagebücher 1933–1934, hg. Peter de Mendelssohn (Frankfurt/Main: Fischer, 2003), S. 3 ↩
- Mann, Deutsche Hörer!, S. 29, 88, 127–128 ↩
- Mann, Deutsche Hörer!, S. 174. Siehe auch Frank Bajohr und Dieter Pohl, Massenmord und schlechtes Gewissen: Die deutsche Bevölkerung, die NS-Führung und der Holocaust (Frankfurt/Main: Fischer, 2008), S. 46, 125; und Robert Gellately, Backing Hitler: Consent and Coercion in Nazi Germany (New York: Oxford University Press, 2001), S. 90–150 ↩
- Mann, Deutsche Hörer!, S. 200 ↩
- Mely Kiyak, Nachwort zu: Mann, Deutsche Hörer!, S. 262–263 ↩
- Mann, Deutsche Hörer!, S. 232 ↩
- Mann, Deutsche Hörer!, S. 220; Georg Lukács, Essays on Thomas Mann (London: Merlin Press, 1964), S. 76; Anthony Heilbut, Exiled in Paradise: German Refugee Artists and Intellectuals in America from the 1930s to the Present (Berkeley: University of California Press, 1997), S. 298–321; Alexander Honold, »›Der Geist der Erzählung? Den habe ich doch nicht geborrowed.‹: Emigrationssprache und Sprachemigration bei Thomas Mann«, Neue Rundschau, 136, Nr. 1 (2025), S. 74 ↩
- Gerhard Nebel, zitiert in: Honold, »›Der Geist der Erzählung?‹«, S. 67 ↩
- Max Frisch, Tagebücher 1946–1949 (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2011, eBook-Version), S. 269 ↩
- Helmut Kiesel, Schreiben in finsteren Zeiten: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933–1945 (München: C. H. Beck, 2025), S. 1304; Helmut Kiesel, Geschichte der literarischen Moderne: Sprache, Ästhetik, Dichtung im zwanzigsten Jahrhundert (München: C. H. Beck, ²2016), S. 318 ↩
- Thomas Mann, Tagebucheintrag vom 7. Juli 1951, in: Mann, Tagebücher 1951–1952, hg. Inge Jens (Frankfurt/Main: Fischer, 2003), S. 79; Irving Howe, Politics and the Novel (Chicago: Ivan R. Dee, 2002), S. 76; Robert Aldrich, Colonialism and Homosexuality (London: Routledge, 2007, eBook-Version), S. 152; Peter Gay, Weimar Culture: The Outsider as Insider (New York: W. W. Norton, 2001), S. 123–124 ↩
- Thomas Mann, »Lübeck als geistige Lebensform«, in Mann, Über mich selbst: Autobiographische Schriften, S. 29, 41 ↩
- Tarnowski, Auf den Spuren von Thomas Mann, S. 8; Otto Grautoff, zitiert in: Böhm, Zwischen Selbstzucht und Verlangen: Thomas Mann und das Stigma der Homosexualität, S. 93 ↩
- Mann, »Lübeck als geistige Lebensform«, S. 43 ↩
- »Prosa – der Buchladen, Ihre Buchhandlung in Lübecks Altstadt«, https://prosa-buchladen.de/ ↩
- Thomas Mann, »Zum Tode Carl von Ossietzkys«, in: Carl von Ossietzky, Idiotenführer durch die Regierungskrise: Über die Demokratie und ihre Feinde, hg. Alexander Kluy (Wien: Limbus, 2025), S. 5 ↩
- Hanjo Kesting, Mach’s einer nach: Gesammelte Lobreden (Hannover: Wehrhahn Verlag, 2025), S. 69–70 ↩
- Kesting, Mach’s einer nach: Gesammelte Lobreden, S. 74–75 ↩
- Thomas Mann, Buddenbrooks, gelesen von Thomas Sarbacher, https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/lesung/archiv/20260116_1330.html ↩
- Kesting, Mach’s einer nach: Gesammelte Lobreden, S. 77 ↩
- Pongokater, »Der passende Vorleser«, https://www.lovelybooks.de/autor/Thomas-Mann/H%C3%B6rbuch-Mario-und-der-Zauberer-220678800‑w/rezension/2680820376/ ↩
- Kesting, Mach’s einer nach: Gesammelte Lobreden, S. 78 ↩
- Thomas Mann, Joseph und seine Brüder (in der GKFA-Fassung), (Frankfurt/Main: Fischer, ²2025), S. 1894 ↩
- Kracauer, »Vom Erleben des Kriegs«, S. 20 ↩


































