James Joyce — Der Bogeyman der Moderne

J

Der Bogeyman der Moderne

James Joyce und die Abgründe der Politik

Von Jörg Auberg

»When you tell the Irish that they are slow in reco­gni­zing their own men of geni­us they reply with street riots and poli­tics.«1
Ezra Pound, 1917

»I have no wish to codi­fy mys­elf as anar­chist or socia­list or reac­tion­a­ry.«2
James Joy­ce, 1907

Im Okto­ber 1939, als er Zuflucht in einem Pari­ser Hotel gesucht hat­te, ging James Joy­ce in Beglei­tung Samu­el Becketts in sei­ne alte Woh­nung, um eini­ge Bücher zu holen. Äußerst erregt, da die­se Din­ge des alten Lebens unwi­der­ruf­lich der Ver­gan­gen­heit ange­hör­ten, sprang er zum Kla­vier und sang für eine hal­be Stun­de mit lau­ter Stim­me, ehe er Beckett frag­te: »Wel­chen Nut­zen hat die­ser Krieg?« Für Joy­ce war die Ant­wort klar: kei­nen. Und was weit­aus schlim­mer war, kom­men­tier­te der empha­ti­sche Joy­ce-Bio­graph Richard Ell­mann, dass die­ser Krieg die Welt von der Lek­tü­re von Finnegan’s Wake ablenk­te, wor­in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit von Krie­gen im voll­stän­di­gen Kreis mensch­li­chen Han­delns in voll­kom­me­ner Klar­heit dar­ge­legt wur­de.3

James Joyce: Ausgewählte Briefedition von Richard Ellmann (Faber & Faber)
James Joy­ce: Aus­ge­wähl­te Brie­fe­di­ti­on von Richard Ell­mann (Faber & Faber)

In die­ser Epi­so­de, die Ell­mann auf Basis eines Inter­views mit Beckett im Jah­re 1954 rekon­stru­ier­te, erschien Joy­ce als apo­li­ti­scher Künst­ler, der – obgleich er den herr­schen­den poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen sei­ner Zeit unter­wor­fen war – der Poli­tik über­drüs­sig war, doch sah er (wie Jose­phi­ne McQuail schrieb) die »Lösung des Pro­blems der Poli­tik als das Ende der Poli­tik«.4 Trotz allen Unbills (in gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Hin­sicht) ver­moch­te Joy­ce – wie Irving Howe aner­ken­nend ver­merk­te – den »Hero­is­mus« des Moder­nis­mus bis zum Ende zu leben, wäh­rend ande­re Pro­mi­nen­zen der eins­ti­gen Avant­gar­de wie Ezra Pound oder T. S. Eli­ot im Fahr­was­ser des Auto­ri­ta­ris­mus oder der Reak­ti­on ende­ten.5 der Moder­nis­mus war, wie Ste­phen Eric Bron­ner schrieb, eine »anti­au­to­ri­tä­re Reak­ti­on« auf die Moder­ni­tät, und die »Moder­nis­ten« begrif­fen sich als »Revo­lu­tio­nä­re des Geis­tes und Vor­bo­ten einer neu­en Mensch­heit«. Deren neue Gemein­schaft wür­de einen anar­chis­ti­schen Geschmack ent­fal­ten.6 Die anti­au­to­ri­tä­re Revol­te bedeu­te­te nicht per se eine Befrei­ung von den Chi­mä­ren des Auto­ri­ta­ris­mus. Wie Theo­dor W. Ador­no 1969 kon­sta­tier­te, west in den Anti­au­to­ri­tä­ren Auto­ri­tät fort, und so ende­te eine brei­te Pha­lanx poli­ti­scher und kul­tu­rel­ler »Revol­teu­re« am rech­ten Rand.7

James Joyce: Ulyssesin der Textfassung von 1922
James Joy­ce: Ulys­ses in der Text­fas­sung von 1922 (Oxford Uni­ver­si­ty Press)

In sei­nem unbe­irr­ba­ren »Ego­is­mus« (in dem Joy­ce – wie Jean-Michel Raba­té beob­ach­te­te – einen poli­ti­schen mit einem ethi­schen Impe­tus ver­band8) blieb er sowohl resis­tent gegen­über auto­ri­tä­ren Ver­füh­run­gen als auch Ver­ein­nah­mun­gen von schein­bar eman­zi­pa­to­ri­schen Unter­neh­mun­gen. Nach­dem das Jahr­hun­dert­werk Ulys­ses 1934 die Zen­sur­schran­ken der USA über­wun­den hat­te, dis­ku­tier­ten Sprach­roh­re der »pro­le­ta­risch-revo­lu­tio­nä­ren Lite­ra­tur«, wie Joy­ces Metho­den für die Dar­stel­lung gesell­schaft­li­cher oder mensch­li­cher Kon­flik­te vor dem Hin­ter­grund des Klas­sen­kamp­fes genutzt oder benutzt wer­den könn­ten. Wil­liam Phil­ipps, ein Redak­teur der kom­mu­nis­ti­schen Zeit­schrift Par­ti­san Review (der in den 1980er Jah­ren zu den publi­zis­ti­schen Mul­ti­pli­ka­to­ren des Neo­kon­ser­va­tis­mus gehör­te), tadel­te Joy­ces nega­ti­ven Ein­fluss auf die neue Genera­ti­on der »Arbei­ter­schrift­stel­ler« und bemän­gel­te die feh­len­de revo­lu­tio­nä­re Kampf­be­reit­schaft in Ulys­ses.9

Mimmo Paladino - Joyces Ulysses (Insel-Bücherei Nr. 1255)
Mim­mo Pala­di­no — Joy­ces Ulys­ses (Insel-Büche­rei Nr. 1255)

In ers­ter Linie ging es dar­um, Joy­ces Posi­ti­on in der moder­nen Lite­ra­tur zu dis­kre­di­tie­ren, um die Vor­stel­lung eines »revo­lu­tio­nä­ren« sozia­len Rea­lis­mus in der lite­ra­ri­schen Pro­duk­ti­on durch­zu­set­zen. Auf dem sowje­ti­schen Schrift­stel­ler­kon­gress im Som­mer 1934 redu­zier­te der ehe­ma­li­ge Weg­ge­fähr­te Leo Trotz­kis und spä­te­re sta­li­nis­ti­sche Über­läu­fer Karl Radek (über den Trotz­ki sag­te, er sei viel tie­fer gefal­len, als er ange­nom­men habe 10) auf die simp­le For­mel »James Joy­ce oder Sozia­lis­ti­scher Rea­lis­mus«. Dem »mys­te­riö­sen Autor von Ulys­ses« warf er vor, den »Klein­bür­gern« Leo­pold Bloom und Ste­phen Daeda­lus durch die Gas­sen, Kaschem­men und Bor­del­le Dub­lins zu fol­gen, anstatt sei­ne Auf­merk­sam­keit den »gro­ßen Ereig­nis­sen des Klas­sen­kamp­fes«, den »tita­ni­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen der moder­nen Welt« zuzu­wen­den. Der Roman sei ein »Mist­hau­fen vol­ler krie­chen­der Wür­mer, foto­gra­fiert mit einer Mikro­skop-Kame­ra«, echauf­fier­te sich Radek, um sodann das »mor­bi­de Inter­es­se« eines Teils »unse­rer Autoren« zu gei­ßeln: »Die­ses Inter­es­se an Joy­ce ist ein unbe­wuss­ter Aus­druck der Nei­gun­gen eini­ger rech­ter Autoren, die sich der Revo­lu­ti­on ange­passt haben, aber in Wirk­lich­keit ihre Grö­ße nicht ver­ste­hen.«11

James Joyce: Ulysses in der korrigierten Bodley-Head-Textversion (Everyman's Library)
James Joy­ce: Ulys­ses in der kor­ri­gier­ten Bod­ley-Head-Text­ver­si­on (Everyman’s Libra­ry)

Für Phil­ipps und Radek war Joy­ce ein »Bogey­man«, der die Auf­trags­schrei­ber der Revo­lu­ti­on (die auf der neu asphal­tier­ten »Grub Street« sowje­ti­scher Prä­gung ihre Exis­tenz­be­rech­ti­gung ver­die­nen soll­ten) in die Irre oder zumin­dest in den klein­bür­ger­li­chen Abgrund oder den Abort führ­te. In den Augen der kom­mu­nis­ti­schen Apo­lo­ge­ten eines »sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­ren« Rea­lis­mus kleb­te Joy­ce an einem extre­men Sub­jek­ti­vis­mus, in der sich klein­bür­ger­li­che Durch­schnitt­lich­keit und all­täg­li­cher Stumpf­sinn aus­tob­ten, ohne die Signa­le für das Gro­ße, den Umsturz und die Geburt des neu­en Men­schen wahr­zu­neh­men. Im Kon­text eines »sozia­len Rea­lis­mus« kom­mu­nis­ti­scher Prä­gung wur­de Joy­ce immer aufs Neue mit dem Abort asso­zi­iert. »Woll­te Joy­ce Napo­le­on auf das Klo­sett des Klein­bür­gers Bloom set­zen«, schrieb Georg Lukács, »so wür­de er gera­de das her­vor­he­ben, was zwi­schen Napo­le­on und Bloom gemein­sam ist.«12 Im Ekel vor der Avant­gar­de tra­fen sich die Eli­ten sta­li­nis­ti­scher und bür­ger­li­cher Herr­schaft vor den Abor­ten: In Anklang an Lukács’ Ekel über Ulys­ses erschau­der­te Edith Sit­well in der Dis­kus­si­on über den ähn­lich skan­dal­um­wit­ter­ten Roman Naked Lunch von Wil­liam Bur­roughs und wei­ger­te sich, für den Rest ihres Lebens mit der Nase an die Klo­bril­len ande­rer Leu­te gena­gelt zu sein.13

Ein Sucher nach neu­en Aus­drucks­for­men ist rea­li­ter ein Rebell«, schrieb der tsche­chisch-ame­ri­ka­ni­sche Anar­chist

Hip­po­ly­te Havel, »und wo fin­det man einen Rebel­len ohne anar­chis­ti­sche Nei­gun­gen?«14 Die­se Nei­gun­gen hat­te Joy­ce – zumin­dest zeit­wei­se – wohl auch. In einer Notiz für sei­nen Bio­gra­fen Her­bert Gor­man lis­te­te er die Bücher jener Autoren aus sei­ner Biblio­thek auf, die mit dem Anar­chis­mus in Ver­bin­dung stan­den: »Most, Mala­tes­ta, Stir­ner, Baku­nin, Kro­pot­kin, Eli­sée Reclus, Spen­cer und Ben­ja­min Tucker«15. Der Impe­tus für Joy­ces Rebel­li­on gegen die herr­schen­den Ver­hält­nis­se war das Inein­an­der­grei­fen der öku­me­ni­schen Macht des bri­ti­schen Impe­ri­ums und der römi­schen Kir­che. Nach Auf­fas­sung Richard Ell­manns hat­te Michail Bakunins Schrift Gott und der Staat (1871) ent­schei­den­den Ein­fluss auf das poli­ti­sche Den­ken Joy­ces. Für ihn bil­de­ten Staat und Kir­che, argu­men­tiert Ell­mann, ein opp­res­si­ves Gemisch aus kras­sem Mate­ria­lis­mus und hoch­flie­gen­dem Idea­lis­mus, woge­gen das künst­le­ri­sche Schrei­ben einen Akt des Wider­stands und der Befrei­ung dar­stell­te.16

Dominic Manganiello: Joyce's Politics
Domi­nic Man­ga­ni­ello: Joyce’s Poli­tics (Rout­ledge, 1980; rpt. 2016)

Dezi­dier­ter als Ell­mann ver­folg­te sein Dok­to­rand Domi­nic Man­ga­ni­ello Joy­ces poli­ti­sche Auf­fas­sun­gen. Wäh­rend Joy­ce für die mar­xis­ti­sche Vari­an­te des Sozia­lis­mus kaum Enthu­si­as­mus ver­riet, fas­zi­nier­ten ihn Anar­chis­ten wie Baku­nin, Kro­pot­kin oder Mala­tes­ta als Reprä­sen­tan­ten eines »Ego­is­mus«, der das Indi­vi­du­um ins Zen­trum der Gesell­schaft rück­te, ohne dass es gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len oder intel­lek­tu­el­len Zwän­gen unter­wor­fen wäre. In den Augen Man­ga­ni­ellos ver­folg­te Joy­ce eine poli­ti­sche Visi­on, die aus einem »Sozia­lis­mus ohne Marx« und einem »Anar­chis­mus ohne Gewalt« bestand.17 Man­ga­ni­ellos Dis­kus­si­on des anar­chis­ti­schen Ein­flus­ses auf Joy­ces Werk beruht im Wesent­li­chen auf klas­si­schen His­to­rio­gra­fien von Paul Eltz­ba­cher und Geor­ge Wood­cock, die aus heu­ti­ger Sicht weit­ge­hend anti­quiert erschei­nen. Bei Man­ga­ni­ello erscheint »der Anar­chis­mus« als homo­ge­ner Block, und häu­fig spricht er von »den Anar­chis­ten«, als stell­ten sie eine ver­schwo­re­ne Grup­pe dar. Wäh­rend er noch ein­mal Bakunins Kon­flikt mit Marx in Kür­ze refe­riert und die Geschich­te des Sozia­lis­mus im 19. Jahr­hun­dert in den tra­di­tio­nel­len Bina­ri­tä­ten von Staats­so­zia­lis­mus und Anti-Eta­tis­mus erzählt, ver­gisst er die die anar­chis­ti­sche Debat­te um Inter­ven­tio­nis­mus und Anti­mi­li­ta­ris­mus in den Jah­ren zwi­schen 1914 und 1917, als Joy­ce die Arbeit zu Ulys­ses auf­nahm.18 in sei­nem Buch Anar­chism: A Histo­ry of Liber­ta­ri­an Ide­as and Move­ments (das erst­mals 1962 erschien) betrieb der kana­di­sche Schrift­stel­ler, Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer und zeit­wei­li­ge anar­chis­ti­sche Akti­vist Geor­ge Wood­cock (1912–1995) eine Ein­bal­sa­mie­rung des Anar­chis­mus, ehe er im Zuge der Jugend­re­vol­ten in den 1960er Jah­ren von den Toten wie­der auf­er­stand. In sei­ner His­to­rio­gra­fie eta­blier­te Wood­cock einen Kanon der klas­si­schen Tra­di­ti­on, in dem sich Mythen und Rea­li­tä­ten ver­schränk­ten, wobei Kro­pot­kin die Rol­le des »good guy« und Baku­nin jene des »bad boy« zukam. Die Poli­to­lo­gin Ruth Kin­na wies jedoch dar­auf hin, dass die­se Ste­reo­ty­pen in der Geschichts­schrei­bung die his­to­ri­schen Rea­li­tä­ten sim­pli­fi­zie­ren und im Lau­fe der Jahr­zehn­te zumin­dest drei »Anar­chis­men« indi­vi­dua­lis­ti­scher, kol­lek­ti­vis­ti­scher und kom­mu­nis­ti­scher Prä­gung exis­tier­ten.19

Ulysses (Büchergilde Gutenberg)
Ulys­ses (Bücher­gil­de Guten­berg)

In Joy­ces Werk sind die anar­chis­ti­schen Spu­ren über­schau­bar, und im Gegen­satz zu Kaf­ka such­te er auch nie Kon­takt zu anar­chis­ti­schen Akti­vis­ten oder Grup­pen, son­dern beschränk­te sich auf die Lek­tü­re von anar­chis­ti­schen Autoren wie Ben­ja­min Tucker, des­sen Buch über den indi­vi­dua­lis­ti­schen Anar­chis­mus (Ins­tead of a Book, 1893) ihn in sei­ner Kon­zep­ti­on des gegen die Zwän­gen der eng­stir­ni­gen Gesell­schaft auf­be­geh­ren­den Künst­lers Ste­phen maß­geb­lich beein­fluss­te: Beseelt von einem »unaus­rott­ba­ren Ego­is­mus« begreift sich Ste­phen als »Herold einer neu­en Ord­nung«.20 in Ulys­ses ver­streu­te Joy­ce ver­klau­su­lier­te Hin­wei­se auf Johann Most (den vom Sozi­al­de­mo­kra­ten zum Anar­chis­ten kon­ver­tier­ten Autor der Schrift Die Got­tespest 21 und Baku­nin (»Gott will Blut­op­fer«), wäh­rend er Leo­pold Bloom in der »Circe«-Episode als Par­odie eines gewalt­tä­ti­gen, umstürz­le­ri­schen Anar­chis­ten auf­tre­ten lässt.22

Obwohl Joy­ce nach sei­ner Zeit in Tri­est sich nicht wei­ter mit sozia­lis­ti­scher Poli­tik beschäf­tig­te und sich statt­des­sen sei­nen radi­ka­len lite­ra­ri­schen Expe­ri­men­ten wid­me­te, war dies jedoch nicht Aus­druck einer Des­il­lu­sio­nie­rung mit den Mög­lich­kei­ten des inter­na­tio­na­len Sozia­lis­mus, die ihn – wie Robert Scho­les mut­maß­te – mit auto­ri­tä­ren Lösun­gen in Poli­tik und Kunst sym­pa­thi­sie­ren ließ. In den Jah­ren, als sich Joy­ce ernst­haft mit Poli­tik aus­ein­an­der setz­te, schrieb Scho­les, favo­ri­sier­te er eine Revo­lu­ti­on, die eine par­la­men­ta­ri­sche Regie­rung unter­drück­te, die katho­li­sche Kir­che ent­eig­ne­te, die Bour­geoi­sie bestraf­te und das Pro­le­ta­ri­at befrei­te. Dies wur­de, so schluss­fol­ger­te Scho­les, das Pro­gramm von Beni­to Mus­so­li­nis faschis­ti­scher Par­tei, als er 1921 die sozia­lis­ti­schen Ele­men­te sei­nes Pro­gramms über Bord warf, um nur sein Anti­par­la­men­ta­ris­mus bei­zu­be­hal­ten.23

Für Jeff Shantz sind die­se Ver­su­che, Joy­ces Poli­tik durch das Objek­tiv tra­di­tio­nel­ler sozia­lis­ti­scher Kate­go­rien zu dechif­frie­ren, nicht dazu geeig­net, »die Kom­ple­xi­tät von Joy­ces idio­syn­kra­ti­scher poli­ti­scher Visi­on« zu ver­ste­hen. In den Augen Shantz’ ent­warf Joy­ce den Künst­ler als Herold einer neu­en Welt nicht gegen das Gleich­heits­prin­zip des Sozia­lis­mus, son­dern als des­sen Rea­li­sa­tor, der nach dem Errei­chen die­ses Ziels sich ande­ren Unter­neh­mun­gen zuwen­den konn­te.24 obwohl Joy­ce 1907 sein Inter­es­se am Sozia­lis­mus ver­lor, schrieb Lio­nel Tril­ling, schuf er mit Ulys­ses doch einen ein­zig­ar­ti­gen Klas­si­ker der Welt­li­te­ra­tur, in dem mit Leo­pold Bloom eine lite­ra­ri­sche Figur ins kul­tu­rel­le Gedächt­nis fest­ge­schrie­ben wur­de, die nach­drück­lich Sym­pa­thie für fort­schritt­li­che gesell­schaft­li­che Ideen zum Aus­druck brach­te.25

Bild­quel­len (Copy­rights)
Cover Selec­ted Let­ters © Faber & Faber
Cover Ulys­ses — The 1922 Text © Oxford Uni­ver­si­ty Press
Cover Mim­mo Pala­di­no — Ulys­ses © Insel Ver­lag
Cover Joyce’s Poli­tics © Rout­ledge
Cover Ulys­ses (Bod­ley-Head-Fas­sung) © Alfred A. Knopf
Cover Ulys­ses (Woll­schlä­ger-Fas­sung) © Bücher­gil­de Guten­berg

Zuerst erschie­nen in feuerstuhl.org, Nr. 3
© Jörg Auberg 2020

 

Nachweise

  1. Ezra Pound, »James Joy­ce: At Least the Novel Appears«, The Ego­ist, 2:4 (Febru­ar 1917), S. 22
  2. James Joy­ce, Brief an Sta­nis­laus Joy­ce, 1. März 1907, in: Selec­ted Let­ters of James Joy­ce, hg, Rich­arld Ell­mann (1975; rpt.London: Faber and Faber, 1992), S. 151–152
  3. Richard Ell­mann, James Joy­ce (1959; erw. New York: Oxford Uni­ver­si­ty Press, 1982), S. 728
  4. Jose­phi­ne A. McQuail, »Sus­pi­cious of the Sta­te: The Anar­chist Poli­tics of James Joy­ce«, in: Spec­ters of Anar­chy: Lite­ra­tu­re and the Anar­chist Ima­gi­na­ti­on, hg. Jeff Shantz (New York: Algo­ra, 2015), S. 81
  5. Har­vey Teres, Renewing the Left: Poli­tics, Ima­gi­na­ti­on, and the New York Intel­lec­tu­als (New York: Oxford Uni­ver­si­ty Press, 1996), S. 112
  6. Ste­phen Eric Bron­ner, Moder­nism at the Bar­ri­ca­des: Aes­the­tics, Poli­tics, Uto­pia (New York: Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 2012), S. 12–13
  7. Theo­dor W. Ador­no, Stich­wor­te: Kri­ti­sche Model­le 2 (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1969), S. 183; John P. Dig­gins, Up From Com­mu­nism: Con­ser­va­ti­ve Odys­seys in Ame­ri­can Intel­lec­tu­al Deve­lo­p­ment (1975; rpt. New York: Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 1994); John P. Dig­gins, The Rise and Fall of the Ame­ri­can Left (1973; rpt. W. W. Nor­ton, 1992)
  8. Jean- Michel Raba­té, James Joy­ce and the Poli­tics of Ego­ism (New York: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 2001), S. 40
  9. Wil­liam Phil­ipps (als »Wal­lace Phel­ps«), »The Methods of Joy­ce«, New Mas­ses, Nr. 10:8 (20. Febru­ar 1934), S. 26; Bar­ba­ra Foley, Radi­cal Repre­sen­ta­ti­ons: Poli­tics and Form in U.S. Pro­le­ta­ri­an Fic­tion, 1929–1941 (Durham: Duke Uni­ver­si­ty Press, 1993), S. 58–59
  10. Isaac Deut­scher, The Pro­phet: The Life of Leon Trot­s­ky (Lon­don: Ver­so, 2015), S. 1111
  11. Karl Radek, »Con­tem­pora­ry World Lite­ra­tu­re and the Tasks of Pro­le­ta­ri­an Art«, https://www.marxists.org/archive/radek/1934/sovietwritercongress.htm#s7; Jef­frey Segall, Joy­ce in Ame­ri­ca: Cul­tu­ral Poli­tics and the Tri­als of Ulys­ses (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1993), S. 12–47
  12. Georg Lukács, »Die intel­lek­tu­el­le Phy­sio­gno­mie der künst­le­ri­schen Gestal­ten«, in: Lukács, Essays über Rea­lis­mus (Ber­lin: Auf­bau-Ver­lag, 1948), S. 73
  13. Edith Sit­well, Brief an den Her­aus­ge­ber, Times Litera­ry Sup­ple­ment, 28. Novem­ber 1963, rpt. Wil­liam S. Bur­roughs, The Naked Lunch (Lon­don: Pala­din, 1986), S. 213
  14. Hip­po­ly­te Havel, zitiert in: Paul Avrich, The Modern School Move­ment: Anar­chism and Edu­ca­ti­on in the United Sta­tes (1980; rpt. Oak­land, CA: AK Press, 2006), S. 146
  15. Ell­mann, James Joy­ce, S. 142Fn.
  16. Richard Ell­mann, »The Poli­tics of Joy­ce«, New York Review of Books, 24:10 (9. Juni 1977), https://www.nybooks.com/articles/1977/06/09/the-politics-of-joyce/
  17. Domi­nic Man­ga­ni­ello, Joyce’s Poli­tics (1980; rpt. Lon­don: Rout­ledge & Kegan Paul, 2016), S.232
  18. Cf. Peter Ryley, »The Mani­festo of the Six­teen: Kropotkin’s Rejec­tion of Anti-War Anar­chism and his Cri­tique of the Poli­tics of Peace«, und Carl Levy, »Mala­tes­ta and the War Inter­cen­tio­nist Deba­te 1914–1917: From the ›Red Week‹ to the Rus­si­an Revo­lu­ti­ons«, in: Anar­chism, 1914–18: Inter­na­tio­na­lism, Anti-Mili­ta­rism and War, hg. Mat­thew S. Adams und Ruth Kin­na (Man­ches­ter: Man­ches­ter Uni­ver­si­ty Press, 2017), S.49–92
  19. Ruth Kin­na, Kro­pot­kin: Reviewing the Clas­si­cal Anar­chist Tra­di­ti­on (Edin­burgh: Edin­burgh Uni­ver­si­ty Press, 2016), S. 9–23; Ruth Kin­na, The Government of No One: The Theo­ry and Prac­ti­ce of Anar­chism (Lon­don: Peli­can, 2019), S. 42–54
  20. James Joy­ce, Ste­phen Hero (New York: New Direc­tions, 1963), S. 34, 42
  21. Johann Most, Die Got­tespest (1887), https://www.marxists.org/deutsch/referenz/most/1887/xx/gottespest.htm)
  22. James Joy­ce, Ulys­ses (New York: Everyman’s Libra­ry, 1997), S. 224, 295, 686; Don Gif­ford, Ulys­ses Anno­ta­ted (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1989), S. 156–157
  23. Robert Scho­les, Pro­to­cols of Rea­ding (New Haven: Yale Uni­ver­si­ty Press, 1989), S. 37–38
  24. Jeff Shantz, Against All Aut­ho­ri­ty: Anar­chism and the Litera­ry Ima­gi­na­ti­on (Char­lot­tes­vil­le, VA: Imprint Aca­de­mic, 2011), S. 71
  25. Lio­nel Tril­ling, The Moral Obli­ga­ti­on to be Intel­li­gent: Selec­ted Essays, hg. Leon Wie­sel­tier (Evans­ton, IL: Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty Press, 2008), S. 468

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