Hommage an Cineaste

H

Kritik und Gegenöffentlichkeit

Seit 1967 setzt die Zeitschrift Cineaste Massstäbe in der Filmpublizistik

 

von Jörg Auberg

 

»Kurz­um, der Film­kri­ti­ker von Rang ist nur als Gesell­schafts­kri­ti­ker denkbar.«
Sieg­fried Kra­cau­er 1

 

Cineaste: Erste Ausgabe 1967
Cine­as­te: Ers­te Aus­ga­be 1967

Im Som­mer 1967 erschien die ers­te drei­ßigsei­ti­ge Aus­ga­be der New Yor­ker Film­zeit­schrift Ciné­as­te (damals noch in der fran­zö­si­schen Schreib­wei­se), die Gary Crow­dus – zu jener Zeit ein Stu­dent der New York Uni­ver­si­ty in Green­wich Vil­la­ge – auf einem Ver­viel­fäl­ti­gungs­ap­pa­rat der Uni­ver­si­tät in einer Auf­la­ge von fünf­hun­dert Exem­pla­ren pro­du­zier­te und kos­ten­frei an Kom­mi­li­to­nen ver­teil­te sowie an Inter­es­sen­ten in New York, Detroit, San Fran­cis­co, Los Ange­les und ande­ren US-ame­ri­ka­ni­schen Städ­ten ver­schick­te.2 Damals – zwi­schen der abeb­ben­den »Nou­vel­le Vague« und der auf­schwap­pen­den Wel­le des »New Hol­ly­wood« – waren die Cahiers du Ciné­ma das leuch­ten­de Vor­bild einer enga­gier­ten Filmkritik.

In der Revol­te des Mai 1968 spiel­te nicht nur das Medi­um Film in der Ver­brei­tung revo­lu­tio­nä­rer Gedan­ken und einer radi­ka­len Gesell­schafts­kri­tik eine beson­de­re Rol­le, son­dern auch Film­zeit­schrif­ten erhiel­ten zuneh­mend eine poli­tisch-sozia­le Aus­rich­tung.3 Obwohl Cine­as­te kei­nen Hehl aus sei­ner Ver­bun­den­heit mit dem »lin­ken Pro­jekt« mach­te (im Rück­blick bezeich­ne­te sich Crow­dus als »SDS-Fel­low-tra­ve­ler«4), bewahr­te sich die Zeit­schrift ihre Unab­hän­gig­keit und ver­wei­ger­te sich dem Abdrif­ten in ideo­lo­gi­sche oder sek­tie­re­ri­sche Fähr­nis­se, wie es etwa die Cahiers du Ciné­ma in ihren »roten Jah­ren« des Mao­is­mus vor­ex­er­zier­ten5 in einem Arti­kel für die Ency­clo­pe­dia of the Ame­ri­can Left (1990) hob der lang­jäh­ri­ge Cine­as­te-Redak­teur Dan Georga­kas her­vor: »Cine­as­te war der selbst­er­nann­te Ver­fech­ter der neu­en Bewe­gung; Ende der 1980er Jah­re genoss es eine welt­wei­te Repu­ta­ti­on für sei­ne her­vor­ra­gen­de Qua­li­tät und gehör­te zu den Film­zeit­schrif­ten mit den höchs­ten Auf­la­gen­zah­len in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten.«6

Cineaste (Winter 1969/70)
Cine­as­te (Win­ter 1969/70)

Wäh­rend Cine­as­te vor allem mit sei­ner breit­ge­fä­cher­ten Mischung aus kri­ti­schen Arti­keln, Inter­views, Buch‑, Film- und Video­re­zen­sio­nen bestach, blieb die Beschäf­ti­gung mit der »Fran­zo­sen­theo­rie«, die Ende der 1970er und vor allem in den 1980er Jah­ren zum bevor­zug­ten Spiel­ma­te­ri­al aka­de­mi­scher Fan-Clubs wur­de, außen vor. Die­sen Vor­wurf erho­ben die Kol­le­gen der mar­xis­tisch-leni­nis­tisch aus­ge­rich­te­ten, im pro­le­ta­ri­schen groß­for­ma­ti­gen Zei­tungs­for­mat gedruck­ten Kon­kur­renz­zeit­schrift Jump Cut in ihrem Gruß zum zehn­jäh­ri­gen Jubi­lä­um: Unge­ach­tet aller Ver­diens­te habe Cine­as­te eine star­ke Aver­si­on gegen neue Theo­rie wie die Semio­lo­gie und gestal­te­ri­sche Inno­va­tio­nen im poli­ti­schen Film – »Godard ist der offen­sicht­lichs­te Fall« – an den Tag gelegt. Nichts­des­to­trotz ent­rich­te­te das Jump Cut-Polit­bü­ro (in Gestalt von Julia Lesa­ge, John Hess und Chuck Klein­hans) den Cine­as­te-Genos­sen »unse­re Soli­da­ri­tät und bes­ten revo­lu­tio­nä­re Grü­ße für die nächs­ten zehn Jah­re«.7

Cahiers du Cinéma: Letzte »unabhängige« Ausgabe, April 2020
Cahiers du Ciné­ma: Letz­te »unab­hän­gi­ge« Aus­ga­be, April 2020

Mitt­ler­wei­le haben sich die Zei­ten geän­dert. Tra­di­tio­nel­le Film­zeit­schrif­ten kön­nen sich zumeist ihr Über­le­ben nur noch sichern, indem sie sich (wie Sight and Sound oder Film Quar­ter­ly) einer gro­ßen Insti­tu­ti­on wie dem Bri­tish Film Insti­tu­te oder einer pri­va­ten Stif­tung wie der Ford Foun­da­ti­on unter­ord­nen oder zum Mund­stück der Indus­trie umfunk­tio­niert wur­den (die Redak­ti­on der Cahiers du Ciné­ma trat geschlos­sen zurück, als Medi­en­un­ter­neh­mer die Zeit­schrift kauf­ten, um die Kri­tik im Inter­es­se der Indus­trie zu ent­haup­ten8). Ande­rer­seits ver­lo­ren die unab­hän­gi­gen Zeit­schrif­ten durch den unauf­halt­sa­men Alte­rungs­pro­zess ihre Pro­du­zen­ten: Nach dem Tod von John Hess und Chuck Klein­hans fällt es Julia Lesa­ge zuneh­mend schwer, das Unter­neh­men Jump Cut am Lau­fen zu hal­ten. In der bis­lang letz­ten Aus­ga­be vom 30. März 2021 bekann­te sie, dass sie 82 Jah­re alt sei, aber noch in guter Ver­fas­sung, umso lan­ge wie mög­lich, einen Jump Cut nach dem ande­ren her­aus­zu­brin­gen.9

Die Cineaste-Redaktion der 1970er Jahre in einer Zeichnung von Bill Plympton: Im Uhrzeigersinn aus der unteren Mitte: Gary Crowdus, Dan Georgakas, Ruth McCormick und Lenny Rubenstein.
Die Cine­as­te-Redak­ti­on der 1970er Jah­re in einer Zeich­nung von Bill Plympton: Im Uhr­zei­ger­sinn aus der unte­ren Mit­te: Gary Crow­dus, Dan Georga­kas, Ruth McCor­mick und Len­ny Rubenstein.

Im Gegen­satz war Cine­as­te nie ein unter­neh­me­ri­sches oder ideo­lo­gi­sches Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt. Obwohl seit der Grün­dung Gary Crow­dus das New Yor­ker Pro­jekt »Edi­tor in Chief« beglei­tet, war zu kei­nem Zeit­punkt ein nach Ren­di­te schie­len­der kapi­ta­lis­ti­scher Unter­neh­mer. Zwar war es Cine­as­te immer wie­der gelun­gen, talen­tier­te und enga­gier­te Autoren wie Bill Nichols, Peter Bis­kind, James Mona­co, James Roy Mac­Be­an, Tho­mas Doh­erty und Richard Por­ton zu gewin­nen, doch pro­fi­tier­te die Zeit­schrift von einer poli­ti­schen und per­sön­li­chen Beharr­lich­keit und Nach­hal­tig­keit ihrer Pro­du­zen­ten. Über vie­le Jah­re (wenn nicht Jahr­zehn­te) präg­ten Crow­dus, Georga­kas, Ruth McCor­mick und Len­ny Ruben­stein das redak­tio­nel­le Geschäft. Auch wenn McCor­mick und Ruben­stein sich in den 1980er und 1990er Jah­ren sich aus »ope­ra­ti­vem Geschäft« der Zeit­schrift zurück­zo­gen, gelang es Crow­dus über die Deka­den hin­weg, neue Autoren und Redak­ti­ons­mit­ar­bei­ter für Cine­as­te zu gewin­nen, ohne dass das poli­ti­sche und künst­le­ri­sche Ethos der Zeit­schrift in Fra­ge gestellt wurde.

The Cineaste Interviews: Band 1 (Lake View Press, 1983)
The Cine­as­te Inter­views: Band 1 (Lake View Press, 1983)

Im Lau­fe der Jahr­zehn­te sam­mel­te sich in den Archi­ven von Cine­as­te nicht allein Unmen­gen kri­ti­scher Arti­kel und Essays über die Geschich­te und Poli­tik des Films in den letz­ten hun­dert Jah­ren, son­dern vor allem Inter­views mit Film­schaf­fen­den (Regis­seu­ren, Autoren und Kri­ti­kern) mit einer refle­xi­ven »Tie­fen­schär­fe«, die im gän­gi­gen Film­jour­na­lis­mus nahe­zu kon­kur­renz­los ist. Die Balan­ce zwi­schen Aspek­ten des Psy­cho­lo­gi­schen und des Poli­ti­schen sowohl in der Kunst als auch im Leben, schrieb Karen Jaeh­ne in einer Rezen­si­on des ers­ten Cine­as­te-Inter­view­ban­des, kata­pul­tie­re die Inter­views an die Spit­ze einer inno­va­ti­ven Film­kri­tik.10 Für die Cine­as­te-Pro­du­zen­ten ist die Form des Inter­views in ers­ter Linie ein Forum für die Arti­ku­la­ti­on pro­vo­ka­ti­ver Ideen in poli­ti­scher und künst­le­ri­scher Hin­sicht. Daher sehen sie sich eher in der Tra­di­ti­on von Studs Ter­kel und sei­ner Pra­xis der »Oral Histo­ry« von Arbei­tern und Ange­stell­ten in der Gesell­schaft als in der von Pro­mi­nen­ten­ga­zet­ten der Kul­tur­in­dus­trie, die sich auf ein simp­les Fra­ge-Ant­wort-Pro­ze­de­re redu­zie­ren.11 Als Pro­du­zen­ten im Sin­ne Wal­ter Ben­ja­mins, die sich nicht mit »der blo­ßen Belie­fe­rung eines Pro­duk­ti­ons­ap­pa­ra­tes«12 begnü­gen und sich als fun­gi­ble Stich­wort­ge­ber für nar­ziss­ti­sche Selbst­dar­stel­ler in einer funk­tio­na­len Indus­trie ver­wer­ten wol­len, besteht – auch für Spä­ter­ge­bo­re­ne, die nicht zur Grün­dungs­ge­nera­ti­on gehö­ren – der Anspruch, dem radi­ka­len Impe­tus der Zeit­schrift Gel­tung zu verschaffen.

Cineaste: Redaktionskonferenz in den 1990er Jahren
Cine­as­te: Redak­ti­ons­kon­fe­renz in den 1990er Jahren

Über vie­le Jah­re war neben dem ehe­ma­li­gen »SDS-Fel­low-Tra­ve­ler« Gary Crow­dus auch der grie­chisch-ame­ri­ka­ni­sche Autor und Akti­vist Dan Georga­kas (1938–2021) für die poli­ti­sche Kon­ti­nui­tät der Zeit­schrift ver­ant­wort­lich. Im Novem­ber 2021 erstarb jedoch sei­ne Stim­me.13 Seit den 1960er Jah­ren war Georga­kas in links­li­ber­tä­ren und anar­chis­ti­schen Zir­keln aktiv, publi­zier­te im Som­mer 1966 Gesprächs­no­ti­zen mit James Bald­win in Arts in Socie­ty14, spä­ter den Klas­si­ker Detroit: I Do Mind Dying15 Neben sei­ner Tätig­keit in der Cine­as­te-Redak­ti­on arbei­te­te Georga­kas mit dem His­to­ri­ker Paul Buh­le an der Ency­clo­pe­dia of the Ame­ri­can Left und der Antho­lo­gie The Immi­grant Left in the United Sta­tes (1996) sowie mit den Fil­me­ma­chern Debo­rah Shaf­fer und Ste­wart Bird an dem Pro­jekt Soli­da­ri­ty Fore­ver: On Oral Histo­ry of IWW (1985). 2015 setz­te ihm Kos­tas Vak­kas mit sei­nem Doku­men­tar­film Dan Georga­kas: A Dia­spo­ra Rebel ein Denkmal.

Underground: Cineaste Winter 1976-77
Under­ground: Cine­as­te Win­ter 1976–77

Ohne Georga­kas, gibt Gary Crow­dus unum­wun­den zu, hät­te Cine­as­te in all den Jahr­zehn­ten weder admi­nis­tra­tiv noch redak­tio­nell funk­tio­niert.16 Obgleich er sich der radi­ka­len Lin­ken zurech­ne­te, distan­zier­te er sich von auto­ri­tä­ren, mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schen Vor­stel­lun­gen, wie sie bei­spiels­wei­se die Unter­grund-For­ma­ti­on Wea­ther­man ver­trat. Als der radi­ka­le Fil­me­ma­cher Emi­le de Anto­nio, der in den 1960er Jah­ren zu schar­fen Kri­ti­kern der US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik in Gestalt von Joseph McCar­thy, Lyn­don B. John­son und Richard Mill­house Nixon gehör­te, den Reprä­sen­tan­ten des »Wea­ther Under­ground« ein nahe­zu unkri­ti­sches Forum bot, kri­ti­sier­te Georga­kas harsch die feh­len­de Kri­tik gegen­über einem auto­ri­tä­ren Polit­bü­ro, das in Ver­klei­dung über Mili­ta­ris­mus und Faschis­mus schwa­dro­nier­te, aber nie den Ver­rat an den demo­kra­ti­schen Idea­len der Stu­den­ten- und Anti­kriegs­be­we­gung der 1960er Jah­re the­ma­ti­sier­te. Aus macht­po­li­ti­schen Moti­ven zer­stör­ten sie eine Bewe­gung und deren Struk­tu­ren, womit sie popu­lis­tisch-auto­ri­tä­ren Kräf­ten (die mit Nixon, Ronald Rea­gan und Donald Trump die ame­ri­ka­ni­schen Insti­tu­tio­nen ihren Zwe­cken in einem »Zom­bie-Faschis­mus« über­nah­men) den Boden berei­te­ten. In den Augen Georga­kas’ tru­gen nicht allein die Funk­tio­nä­re eines in einen ima­gi­nä­ren Unter­grund abge­drif­te­ten ML-Auto­ri­ta­ris­mus Schuld an der poli­tisch-gesell­schaft­li­chen Situa­ti­on: Auch die Fil­me­ma­cher woll­te er »nicht vom Haken las­sen«. Obgleich er ihre Ernst­haf­tig­keit, einer radi­ka­len Grup­pe im Zeit­al­ter des Kon­for­mis­mus Gehör zu ver­schaf­fen, nicht in Abre­de stel­len woll­te, hielt er ihnen ihre all­zu leich­te Bereit­wil­lig­keit vor, die Ver­laut­ba­run­gen des Wea­ther Under­ground unkri­tisch zu akzep­tie­ren, ohne »har­te Fra­gen« zu stel­len.17

Dan Georgakas
Dan Georga­kas

Obwohl Cine­as­te der film­his­to­ri­schen Ver­gan­gen­heit (vor allem der Zeit der »Schwar­zen Lis­te« in den spä­ten 1940er und den 1950er Jah­ren – zuletzt in einem unver­öf­fent­lich­ten Inter­view von Bri­an Neve mit dem Dreh­buch­au­tor und Regis­seur Abra­ham Polon­sky18) seit je einen gro­ßen kri­ti­schen Raum gebo­ten hat, wer­den neue­re Ent­wick­lung nicht in einer nost­al­gi­schen Retro­ma­nie aus­ge­blen­det. Die Zeit­schrift tauch­te nicht in einem »Retros­cape«19 unter. Auch wenn (nach einem Dik­tum Wil­liam Faulk­ners) »die Ver­gan­gen­heit nie­mals tot« und auch nie ver­gan­gen ist20, darf die Beschäf­ti­gung mit der Ver­gan­gen­heit nicht in einer »Muse­u­mi­fi­ka­ti­on«21 der Gegen­wart aus­ar­ten. Obwohl er selbst auf den Club der Acht­zig­jäh­ri­gen zusteue­re und Remi­nis­zen­zen über »die guten alten Zei­ten« genie­ße, sei er mehr an der Gegen­wart inter­es­siert, schrieb Georga­kas zum fünf­zig­jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Zeit­schrift im Herbst 2017. »Ich glau­be, dass der Bedarf nach einer alter­na­ti­ven Medi­en­kul­tur ist heu­te sogar ent­schei­den­der als zu der Zeit unse­rer Grün­dung«, insis­tier­te er.22

Cineaste: Ausgabe Frühjahr 2022 (47:2)
Cine­as­te: Aus­ga­be Früh­jahr 2022 (47:2)

Die jüngs­te Aus­ga­be von Cine­as­te ist ein Beweis für die kri­ti­sche Leben­dig­keit des »Pro­jekts«: Neben film­his­to­ri­schen Arti­keln über Bil­ly Wil­der, Fred Zin­ne­mann, Joseph Man­kie­wicz und Mel­vin Van Pee­bles fin­den sich dar­in auch ein lan­ges Inter­view mit Ken­neth Bra­nagh, mit dem Gary Crow­dus über sei­nen Kind­heits­film Bel­fast sprach, als auch ein Inter­view mit der Regis­seu­rin Jane Schoe­n­brun, die sich in ihren Fil­men kri­tisch mit den Inter­net-Tech­no­lo­gien und deren Aus­wir­kung auf die mensch­li­che Psy­che aus­ein­an­der­setzt. Die­se Balan­ce zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart impli­ziert eine Kri­tik der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se, die sowohl in der Zeit der »Schwar­zen Lis­te« als auch in den momen­ta­nen Aus­prä­gun­gen der »sozia­len Medi­en­platt­for­men« wie Face­book und Twit­ter das Sche­ma der Kon­ta­mi­na­ti­on durch Des­in­for­ma­ti­on nut­zen, um im Sin­ne auto­ri­tä­rer Struk­tu­ren Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit zu eli­mi­nie­ren.23 Cine­as­te ist somit kei­ne blo­ße Film­zeit­schrift, son­dern steht in der Tra­di­ti­on des radi­kal­de­mo­kra­ti­schen Pro­jekts der »New Left«, wie es sich in Zeit­schrif­ten wie Libe­ra­ti­on (1956–1977) und Radi­cal Ame­ri­ca (1967–1999) arti­ku­lier­te. Zu wün­schen ist, dass Cine­as­te trotz Ver­lus­ten auch die jet­zi­gen »har­ten Zei­ten« übersteht.

© Jörg Auberg 2022

Bibliografische Angaben:

Cine­as­te.
Her­aus­ge­ge­ben von Gary Crowdus.
Vier­tel­jähr­li­che Erscheinungsweise.
Adres­se: 733 Third Ave­nue, 16th Floor. New York, NY, 10017
Web: www.cineaste.com
4 Print-Aus­ga­ben (inter­na­tio­nal): 44 US-Dol­lar.
Online-Archiv­zu­griff über Jour­nal Sto­rage (JSTOR) (kos­ten­pflich­tig).

 

Bild­quel­len (Copy­rights)
Cover Cine­as­te
© Cine­as­te
Cover Cahiers du Cinéma
© Cahiers du Cinéma
Cover The Cine­as­te Interviews
© Lake View Press
Zeich­nung Cine­as­te-Redak­ti­on
© Bill Plympton/Cineaste
Foto Cine­as­te-Redak­ti­ons­kon­fe­renz
© Cine­as­te
Lay­out Under­ground Con
© Cine­as­te
Foto Dan Georga­kas
© The Natio­nal Herald (dan-georga­kas_15_0_­ty­pe13281)

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nachweise

  1. Sieg­fried Kra­cau­er, »Über die Auf­ga­be des Film­kri­ti­kers« (1932), in: Kra­cau­er, Wer­ke, Bd. 6:3, hg. Inka Mül­der-Bach (Ber­lin: Suhr­kamp, 2004), S. 63
  2. Gary Crow­dus, »Loo­king Back at Our Begin­nings: A Per­so­nal Histo­ry of Cine­as­te«, Cine­as­te 32, Nr. 4 (Herbst 2007): 39
  3. Cf. Paul Dou­glas Grant, Ciné­ma mili­tant: Poli­ti­cal Filmma­king & May 1968 (New York: Wall­flower Press, 2016), S. 16
  4. Crow­dus, »Loo­king Back at Our Begin­nings: A Per­so­nal Histo­ry of Cine­as­te«, S. 40
  5. Cf. Emi­lie Bicker­ton, A Short Histo­ry of Cahiers du Ciné­ma (Lon­don: Ver­so, 2011), S. 71–84
  6. Dan Georga­kas, »News­re­el and Post-New Left Radi­cal Filmma­king«, in: Ency­clo­pe­dia of the Ame­ri­can Left, hg. Mari Jo Buh­le, Paul Buh­le und Dan Georga­kas (New York: Gar­land, 1990), S. 531
  7. Julia Lesa­ge, John Hess und Chuck Klein­hans, »Hap­py Bir­th­day, Ciné­as­te«, Jump Cut, Nr. 19 (Dezem­ber 1978), S. 39, http://www.ejumpcut.org/archive/onlinessays/JC19folder/CineasteBirthdayEdl.html
  8. Cf. Cahiers du Ciné­ma, Nr. 765 (April 2020)
  9. Julia Lesa­ge, »The Last Word: Sin­ce the Last Issue«, Jump Cut, Nr. 60, http://ejumpcut.org/currentissue/LastWord/index.html
  10. Karen Jaeh­ne, Rezen­si­on von The Cine­as­te Inter­views, Film Quar­ter­ly 37, Nr. 1 (Herbst 1983), S. 54
  11. Cine­as­te-Redak­ti­on, »Edi­to­ri­al«, Cine­as­te 44, Nr. 2 (Früh­jahr 2019): 1
  12. Wal­ter Ben­ja­min, »Der Autor als Pro­du­zent«, in: Ben­ja­min, Gesam­mel­te Schrif­ten, Bd. II:2, hg. Rolf Tie­de­mann und Her­mann Schwep­pen­häu­ser (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1991), S. 692
  13. Ele­ni Sakel­lis, »Dan Georga­kas, Aut­hor, Acti­vist and TNH Con­tri­bu­tor Has Died, 83«, The Natio­nal Herald, 24. Novem­ber 2021, https://www.thenationalherald.com/dan-georgakas-author-activist-and-tnh-contributor-has-died-83/; Gary Crow­dus et al., »A Memo­ri­al Tri­bu­te to Dan Georga­kas (1938–2021)«, https://www.cineaste.com/spring2022/a‑memorial-tribute-to-dan-georgakas
  14. Dan Georga­kas, »James Bald­win … in Con­ver­sa­ti­on«, in: Black Voices: An Antho­lo­gy of Afro-Ame­ri­can Lite­ra­tu­re, hg. Abra­ham Chap­man (New York: New Ame­ri­can Libra­ry, 1968), S. 660–668
  15. Dan Georga­kas und Mar­vin Sur­kin, Detroit: I Do Mind Dying – A Stu­dy in Urban Revo­lu­ti­on (1975; rpt. Chi­ca­go: Hay­mar­ket Books, 2012)
  16. Crow­dus, »Loo­king Back at Our Begin­nings: A Per­so­nal Histo­ry of Cine­as­te«, S. 41
  17. Dan Georga­kas, »Under­ground Con«, Cine­as­te 7, Nr. 4 (Win­ter 1976–77): 23, 51; Dan Georga­kas und Paul McI­saac, »Inter­view with Emi­le de Anto­nio und Mary Lamp­son« (1976), in: Emi­le de Anto­nio: A Rea­der, hg. Dou­glas Kell­ner und Dan Streible (Min­nea­po­lis: Uni­ver­si­ty of Min­ne­so­ta Press, 2000), S. 291–297; Gary Crow­dus und Dan Georga­kas, »Histo­ry is the The­me of All My Films: An Inter­view with Emi­le de Anto­nio«, Cine­as­te 12, Nr. 2 (1982): 20–28
  18. Bri­an Neve, »Roman­ti­cism, Rea­lism, and the Black­list: An Inter­view with Abra­ham Polon­sky«, Cine­as­te 47, Nr. 1 (Win­ter 2021): 12–20
  19. Simon Rey­nolds, Retro­ma­nia: Pop Culture’s Addic­tion to Its Own Past (Lon­don: Faber & Faber, 2011), S. ix
  20. Wil­liam Faulk­ner, Requi­em for a Nun (Lon­don: Vin­ta­ge, 2015), S. 85
  21. Rey­nolds, Retro­ma­nia, S. 21
  22. Dan Georga­kas, »Cine­as­te at Fif­ty«, Cine­as­te 42, Nr. 4 (Herbst 2017): 33
  23. Cine­as­te-Redak­ti­on, »Edi­to­ri­al: From the Back­list to Social Media«, Cine­as­te 47, Nr. 1 (Win­ter 2021): 1

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