Aus den Archiven: Das verlorene Paradies

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AchiveAndré Schif­frin und Klaus Wagen­bach bli­cken in ihren unter­schied­li­chen Lebens- und Arbeits­er­in­ne­run­gen auf das Ver­lags­we­sen in den USA und Deutsch­land zurück und las­sen ihre unab­hän­gi­gen Ver­la­ge als Ver­mächt­nis für die Zukunft zurück.

 

von Jörg Auberg

 

 

Zum Hand­werk gehört das Lamen­to. »Alles in allem sieht man, wenn man es genau nimmt«, schrieb Lou­is-Fer­di­nand Céli­ne grol­lend in sei­nen Gesprä­chen mit Pro­fes­sor Y, »eine gan­ze Men­ge Schrift­stel­ler in der Gos­se enden, ande­rer­seits fin­det man nur sel­ten einen Ver­le­ger unter einer Brü­cke … ist das nicht zum Pie­pen?« Auf der ande­ren Sei­te beklagt der tra­di­tio­nel­le Ver­le­ger, der im Bücher­ma­chen nicht allein ein pro­fit­träch­ti­ges Geschäft sieht, das Aus­ster­ben sei­ner Spe­zi­es, da das Ver­lags­we­sen mitt­ler­wei­le von kra­ken­glei­chen, glo­bal agie­ren­den Medi­en­kon­glo­me­ra­ten beherrscht wird, wel­che die Bran­che und damit die Öffent­lich­keit nach ihren Leit­li­ni­en des strom­li­ni­en­för­mi­gen Mar­ke­tings und der opti­ma­len Pro­fit­ma­xi­mie­rung for­men. Wäh­rend die Schrift­stel­ler als Text­pro­du­zen­ten sich den neu­en Gege­ben­hei­ten anpass­ten und auch mit­hil­fe scha­kal­haf­ter Lite­ra­tur­agen­tu­ren neue Ein­nah­me­quel­len im E‑Book-Markt jen­seits der tra­di­tio­nel­len Ver­triebs­we­ge der Ver­la­ge requi­rie­ren, ver­en­det der klas­si­sche Ver­le­ger in den ste­ri­len Räu­men der Groß­kon­zer­ne. So ist nicht ein­mal der Kada­ver eines alten Ver­le­gers unter der Brü­cke zu fin­den, da er bereits vor­her markt­ge­recht ent­sorgt wur­de.

André Schiffrin -  Politische Lehrjahre eines VerlegersDie­se Ent­wick­lung umriss der ame­ri­ka­ni­sche Ver­le­ger André Schif­frin bereits vor zehn Jah­ren in sei­nem BuchVer­la­ge ohne Ver­le­ger, das er nun in sei­nen Memoi­renParis, New York und zurück als »eine Art beruf­li­che Auto­bio­gra­fie über mei­ne Rol­le als Ver­le­ger« bezeich­net. Sei­ne ver­le­ge­ri­sche Kar­rie­re begann Schif­frin Ende der 1950er Jah­re in dem Taschen­buch­ver­lag New Ame­ri­can Libra­ry, ehe er zum Ver­lag Pan­the­on wech­sel­te, der 1942 von den Emi­gran­ten Kurt und Helen Wolff sowie Schif­frins Vater Jac­ques gegrün­det wor­den war und zu einem renom­mier­ten Qua­li­täts­ver­lag in den USA auf­stieg, ehe er zunächst 1960 an Ran­dom House und spä­ter an Groß­kon­zer­ne wie S. I. New­house und (als bit­te­re Iro­nie der Geschich­te) 1998 an Ber­tels­mann ver­hö­kert wur­de. Im Jah­re 1990 grün­de­te Schif­frin mit The New Press einen unab­hän­gi­gen, nicht-pro­fit­ori­en­tier­ten Ver­lag, der an die kri­ti­sche Tra­di­ti­on von Pan­the­on anknüpft und Autoren wie Noam Chom­sky, Studs Ter­kel, Eric Hobs­bawm, Michel Fou­cault und Pierre Bour­dieu publi­ziert.

Im Gegen­satz zu den Schil­de­run­gen der Prak­ti­ken in der Ver­lags­in­dus­trie neh­men sich Schif­frins Lebens­er­in­ne­run­gen, in denen er per­sön­li­che Betrach­tun­gen gänz­lich aus­spart, etwas tro­cken aus, was nicht zuletzt dar­an liegt, dass der Autor selbst in den Schil­de­run­gen sei­ner Kind­heit und Jugend in den 1930er und 1940er Jah­ren sich nie­mals aus der Per­spek­ti­ve des erfah­re­nen Ver­le­gers zu lösen ver­mag. Im Jah­re 1935 als Sohn Jac­ques Schif­frins, des Begrün­ders der legen­dä­renBiblio­t­hè­que de la Plé­ia­de, und Nef­fe des Film­pro­du­zen­ten Simon Schif­frin (der unter ande­rem den Film­klas­si­ker Hafen im Nebel pro­du­zier­te) gebo­ren, wuchs er in Paris in einem Zen­trum der fran­zö­si­schen kul­tu­rel­len Bour­geoi­sie auf und mach­te früh Bekannt­schaft mit intel­lek­tu­el­len Grö­ßen wie André Gide, ehe sein Vater nach der nazis­ti­schen Beset­zung Frank­reichs wegen sei­ner jüdi­schen Her­kunft auf Druck der neu­en Macht­ha­ber in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt aus dem Ver­lag Gal­li­mard gedrängt wur­de und 1941 in die USA emi­grie­ren muss­te. Immer schon, sug­ge­riert Schif­frin im Rück­blick, war ihm eine Kar­rie­re als Ver­le­ger vor­ge­zeich­net. Schon als Kind agiert er wie ein Cou­sin des klei­nen Lords Faunt­leroy, prä­sen­tiert sich alt­klug und früh­reif in der Welt der Erwach­se­nen, lässt sich als Vier­zehn­jäh­ri­ger bei einem Besuch in Frank­reich als geschäfts­rei­sen­der Emis­sär sei­nes Vaters bei Gas­ton Gal­li­mard instru­men­ta­li­sie­ren, mit dem er »ver­trau­li­che Gesprä­che« über die Rück­kehr Jac­ques Schif­frins (der wenig spä­ter an den Fol­gen einer Lun­gen­krank­heit starb) in das Ver­lags­haus führ­te. Bereits im Jah­re 1948 sei für ihn, schreibt Schif­frin, der Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf ein bestim­men­des The­ma gewe­sen. »Poli­tik wur­de für mich das Mit­tel, ethi­sche For­de­run­gen in unse­rer Gesell­schaft umzu­set­zen«, resü­miert er sei­ne Exis­tenz als Jugend­li­cher, der nichts dabei gefun­den habe, »als Drei­zehn­jäh­ri­ger Wahl­ver­samm­lun­gen und Kund­ge­bun­gen zu besu­chen«.

Die Pro­ble­ma­tik besteht dar­in, dass Schif­frin nie der Erfah­rungs­welt und Sinn­lich­keit des Kin­des Raum gibt, son­dern sei­nem Leben die grei­sen­haf­te Sum­me aus der Exis­tenz eines intel­lek­tu­el­len Chefs auf­schlägt. Eine Ent­wick­lung fin­det kaum statt: Immer schon lugt der abge­klär­te Ver­le­ger hin­ter der Ecke vor, der Puber­tät und per­sön­li­che Irrun­gen und Wir­run­gen dank der groß­zü­gi­gen Aus­spa­rung per­sön­li­cher und damit pri­va­ter Ent­wick­lun­gen über­springt. So gera­ten die Lebens­er­in­ne­run­gen zu einer unauf­rich­ti­gen Zur­schau­stel­lung des vor­geb­lich rich­ti­gen Lebens im Fal­schen. Einer­seits geriert sich Schif­frin als Non­kon­for­mist am Ran­de des Main­streams, der die Pri­vi­le­gi­en der Aus­bil­dung an Eli­te-Uni­ver­si­tä­ten wie Yale und Cam­bridge genoss, ande­rer­seits aber als anti­kom­mu­nis­ti­scher Sozia­list gänz­lich ins Sys­tem inte­griert war. »Wir waren zwar Non­kon­for­mis­ten, doch kei­nes­wegs Extre­mis­ten«, erklärt er, womit er sich von den radi­ka­len Kri­ti­kern der US-ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft distan­ziert. Er fühl­te sich einer mode­ra­ten, sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Lin­ken ver­pflich­tet, die sich in Orga­ni­sa­tio­nen wie der Stu­dent League of Indus­tri­al Demo­cra­cy (SLID) zu arti­ku­lie­ren ver­such­te, aber bei den Stu­den­ten der spä­ten 1950er Jah­re auf wenig Gehör stieß. Obwohl die SLID die orga­ni­sa­to­ri­sche Speer­spit­ze für die spä­te­renStu­dents for a Demo­cra­tic Socie­ty (SDS) dar­stell­te, für die Tom Hay­den 1962 mit dem Port Huron State­ment das »Mani­fest für eine Genera­ti­on« schrieb, waren SLID-Funk­tio­nä­re wie Schif­frin für jün­ge­re Akti­vis­ten wie Hay­den ledig­lich Über­bleib­sel einer toten Ver­gan­gen­heit einer über­kom­me­nen Lin­ken. In sei­nen Memoi­ren ver­sucht sich Schif­frin jedoch in einer frag­wür­di­gen »Ope­ra­ti­on Rewri­te«, indem er sich und sei­ne SLID-Genos­sen nach dem Mot­to »Wer hat’s erfun­den?« als wah­re SDS-Grün­der dar­zu­stel­len ver­sucht.

»Die Jahr­zehn­te, in denen ich gelebt habe, waren poli­tisch gese­hen kei­ne glück­li­chen«, bilan­ziert Schif­frin. Ähn­li­ches trifft auf die Ent­wick­lung der Ver­lags­si­tua­ti­on nach 1960 zu. Nach sei­nem Ein­stieg beim Taschen­buch­ver­lag New Ame­ri­can Libra­ry wur­de er Lek­tor bei Pan­the­on, des­sen Nie­der­gang er kri­tisch beglei­te­te. Nach­dem er im Jah­re 2002 die Ver­ant­wor­tung für den Ver­lag The New Press in jün­ge­re Hän­de leg­te, pen­delt Schif­frin zwi­schen New York und Paris, den kri­ti­schen Kul­tu­ren der bei­den Kon­ti­nen­te, und agiert wei­ter­hin als Lek­tor für sei­nen Ver­lag. »Man lebt unab­hän­gig weit­aus bes­ser und glück­li­cher, als wenn man sich von den Gro­ßen schlu­cken lässt«, lau­tet sein Resü­mee, wobei er die Ver­gan­gen­heit des Ver­lags­we­sens ange­sichts der Vor­herr­schaft gro­ßer, amor­pher Medi­en­kon­zer­ne wie Ber­tels­mann ver­klärt. Betrach­tet man sich die markt­mä­ßi­ge Zurich­tung von Lite­ra­tur, wie sie bei­spiels­wei­se die New Ame­ri­can Libra­ry mit ihrer Mar­ke Signet betrieb, ist die Schif­frins Trau­er um das vor­geb­li­che Gol­de­ne Zeit­al­ter oder das ver­lo­re­ne Para­dies der seriö­sen Lite­ra­tur fehl am Platz. Nicht von unge­fähr monier­te Theo­dor W. Ador­no nach einem Besuch der Frank­fur­ter Buch­mes­se im Jah­re 1959, dass »die Bücher nicht mehr aus­se­hen wie Bücher«.

Klaus Wagenbach - Die Freiheit des VerlegersIm Gegen­satz zu sei­nem Kol­le­gen ver­knüpft Klaus Wagen­bach in sei­ner Text­samm­lung Die Frei­heit des Ver­le­gers das Per­sön­li­che mit dem Poli­ti­schen, und damit gelingt ihm eine weit­aus auf­rich­ti­ge­re Bestands­auf­nah­me des eige­nen Lebens. 1930 in Ber­lin gebo­ren, ver­brach­te Wagen­bach sei­ne Jugend in den tris­ten hes­si­schen Land­schaf­ten, ehe er nach dem Stu­di­um der Ger­ma­nis­tik als Lek­tor im Ver­lag S. Fischer arbei­te­te. Nach­dem der Holtz­brinck-Kon­zern das Unter­neh­men sich ein­ver­leibt und den Lek­tor aus faden­schei­ni­gen poli­ti­schen Grün­den ent­las­sen hat­te, grün­de­te Wagen­bach in Ber­lin sei­nen eige­nen Ver­lag, der zunächst als gesamt­deut­sche Unter­neh­mung gedacht war, in Fol­ge der Stu­den­ten­be­we­gung jedoch zu einem zen­tra­len Out­let der radi­ka­len Lin­ken mutier­te. In der auf­ge­heiz­ten Stim­mung West­ber­lins geriet Wagen­bach ins Faden­kreuz der West­ber­li­ner Alli­anz von Jus­tiz und Sprin­ger-Pres­se, die den »Baa­der-Mein­hof-Ver­lag« mit Ankla­gen und Pro­zes­sen über­zog, wäh­rend dem klei­nen Unter­neh­men von lin­ker Sei­te mit der Abspal­tung des soge­nann­ten Rot­buch-Kol­lek­tivs 1973 und den Angrif­fen der RAF-Gefan­ge­nen auf Tex­te des unab­hän­gi­gen kri­ti­schen Intel­lek­tu­el­len Peter Brück­ner (der wegen sei­ner angeb­li­chen RAF-Unter­stüt­zung vom Uni­ver­si­täts­dienst sus­pen­diert wur­de) erheb­lich zuge­setzt wur­de. Noch heu­te wird Wagen­bach (aus­ge­rech­net in der ehe­mals links­li­be­ra­len Frank­fur­ter Rund­schau) der res­sen­ti­ment­ge­la­de­ne Vor­wurf gemacht, er habe mit »teil­wei­se extrem lin­ker Lite­ra­tur« sein »Ver­mö­gen« gemacht, wäh­rend ihm von einem Ver­tre­ter einer bramar­ba­sie­ren­den Salon­lin­ken im ver­blogg­ten Frei­tag vor­ge­hal­ten wird, er habe »seit zir­ka 1990« sei­nen Frie­den mit den »deut­schen Ver­hält­nis­sen« gemacht, ohne mit auf die Rech­nung zu neh­men, dass auch die soge­nann­te Lin­ke Teil die­ser deut­schen Ver­hält­nis­se (und somit des Pro­blems, nicht der Lösung) ist.

Ähn­lich wie Schif­frin gibt Wagen­bach in sei­nen Erin­ne­run­gen den zufrie­de­nen Pen­sio­när, der bei­zei­ten die Geschäf­te jün­ge­ren Kräf­ten über­trug, ehe er mit den Schu­hen vor­an aus dem Büro getra­gen wur­de oder bereits begie­ri­ge Nach­lass­ver­wal­ter das Inven­tar in Beschlag nah­men. Er zeigt sich glück­lich, am Ende des Krie­ges 1945 mit dem Leben davon­ge­kom­men zu sein und etwas geschaf­fen zu haben, das trotz allen Unbills der Zeit eine Zukunft in den Hän­den ande­rer jen­seits der gro­ßen Kon­zer­ne zu haben scheint. Wäh­rend Schif­frin von den gesichts­lo­sen Funk­tio­nä­ren eines amor­phen Kon­zerns heim­ge­sucht wird, kann Wagen­bach den eins­ti­gen Weg­ge­nos­sen den Ver­rat nicht ver­zei­hen. Der Lieb­ha­ber der Kar­ni­ckel (deren Leben er in einem legen­dä­ren Inter­view mit dem Ber­li­ner links­al­ter­na­ti­ven Sen­der Radio 100 in den spä­ten 1980er Jah­ren ein­drück­lich beschrieb) dekla­riert sei­ne miss­lie­bi­gen Ex-Genos­sen als »Mies­ni­ckel« – wie etwa Wolf Bier­mann, der mitt­ler­wei­le auf der rech­ten Sei­te der Mau­er her­aus­ge­kom­men ist oder F. C. Deli­us, der eins­ti­ge Vor­zei­ge-Akti­vist des Rot­buch-Kol­lek­tivs, der vor allem das eige­ne Hab und Gut in Sicher­heit brach­te, ehe Rot­buch hava­rier­te.

Das Pro­blem bei­der Erin­ne­rungs­bü­cher ist, dass eine kri­ti­sche Refle­xi­on der Ver­gan­gen­heit fehlt. Schif­frin schließt jeg­li­che Kri­tik hin­sicht­lich des Pro­gram­mes des Ver­la­ges The New Press aus, als wäre es sakro­sankt. Nicht jedes New-Press-Pro­dukt ist ein Bei­spiel her­aus­ra­gen­der Qua­li­tät, und zuwei­len hat das Ver­lags­pro­gramm einen Cha­rak­ter der Belie­big­keit. Gleich­falls schirmt Wagen­bach jeg­li­che Kri­tik an sei­ner Ver­lags­po­li­tik mit dem Hin­weis auf die vor­geb­li­chen Bedürf­nis­se des Publi­kums ab. Wäh­rend in den 1970er Jah­ren die Leser bereit waren, das har­te Brot der Poli­tik zu zer­mah­len, woll­ten sie im dar­auf fol­gen­den Jahr­zehnt nicht mehr die har­te Kost zu sich neh­men. Die Poli­tik-Rei­he, in der kri­ti­sche Auf­satz­samm­lun­gen von Peter Brück­ner wie Über die Gewalt oder Gewalt und Soli­da­ri­tät erschie­nen, wich einem poli­ti­schen Bric-à-Brac, das von dem Frank­fur­ter öko­li­ber­tä­ren Trend­set­ter und heu­ti­gen Ange­stell­ten des Sprin­ger-Kon­zerns Tho­mas Schmid geführt wur­de. An die Stel­le einer poli­tisch durch­dach­ten und intel­lek­tu­ell stim­mi­gen Argu­men­ta­ti­on trat eine erbärm­li­che Schwur­be­lei, wel­che unter dem Deck­man­tel, die Lin­ke neu zu erfin­den, ledig­lich die Bana­li­tät des Über­lau­fens zur Gegen­sei­te kaschie­ren soll­te. Sym­pto­ma­tisch für die New-Wave-Pro­sa der 1980er Jah­re war die schwüls­ti­ge Ein­lei­tung Schmids zu dem Band Die Früch­te der Revol­te: »Es scheint mir zu früh, um grö­ße­re Klar­heit dar­über gewin­nen zu kön­nen, was um 1968 geschah …« All­zu ein­fach mach­te es sich Wagen­bach, indem er sich auf die Tri­ni­tät von Geschichts­be­wusst­sein, Hedo­nis­mus und Anar­chie berief, wäh­rend er links­au­to­nom dra­pier­te Heiß­luft­akro­ba­ten in den Ver­lag hol­te, ohne der his­to­ri­schen Anar­chie (die er so an Ita­li­en schätzt) Sub­stanz zu ver­lei­hen. Wie Schif­frin ver­zich­tet auch Wagen­bach auf ein selbst­kri­ti­sches Resü­mee. Am Ende tri­um­phiert der fröh­li­che Pen­sio­när, der mit Stolz auf sein Lebens­werk blickt und gegen­über der digi­ta­len Gegen­wart skep­tisch ist, ohne sie als grol­len­der alter Mann zu dämo­ni­sie­ren. Tat­säch­lich sind Wagen­bach und Schif­frin Ver­tre­ter einer aus­ster­ben­den Spe­zi­es, die trotz allem ein Ver­mächt­nis für die Zukunft hin­ter­las­sen.

 

Bibliografische Angaben:

André Schif­frin: Paris, New York und zurück. Poli­ti­sche Lehr­jah­re eines Ver­le­gers. Über­setzt von Andrea Maren­zel­ler. Ber­lin: Mat­thes & Seitz, 2010. 256 Sei­ten, € 22,90.

Klaus Wagen­bach: Die Frei­heit des Ver­le­gers. Erin­ne­run­gen, Fest­re­den, Sei­ten­hie­be. Her­aus­ge­ge­ben von Susan­ne Schüs­s­ler. Ber­lin: Ver­lag Klaus Wagen­bach, 2010. 352 Sei­ten, € 19,90

 

Zuerst erschie­nen in:  satt.org  (August 2010)

© Jörg Auberg

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