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Elliot Neaman: Free Radicals

Im Wes­ten nichts Neu­es

Elli­ot Nea­man erzählt die Geschich­te der Neu­en Lin­ken in der Bun­des­re­pu­blik aufs Neue

Von Jörg Auberg

 

 

Nichts wird wie­der sein wie vor­dem.
Jean Amé­ry (1974)1

 

 

 

In Jubi­lä­ums­an­spra­chen zum Jahr 1968 und zur damals statt­ge­fun­de­nen Jugend­re­vol­te wur­de häu­fig der uto­pi­sche Cha­rak­ter der inter­na­tio­na­len Rebel­li­on betont. Zwan­zig Jah­re nach dem his­to­ri­schen Ereig­nis hob Tho­mas Schmid, damals noch Lek­tor im Ver­lag Klaus Wagen­bach, in einer Art Denk­schrift her­vor, die Bewe­gung von 1968 sei liber­tär und anti­au­to­ri­tär gewe­sen und habe zu einer Moder­ni­sie­rung West­deutsch­lands bei­getra­gen, obgleich der »Grund­stein für die spä­te­re demo­kra­ti­sche Nor­ma­li­tät« bereits wäh­rend der Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik mit ihrer Ent­schei­dung für die West­bin­dung und die sozia­le Markt­wirt­schaft gelegt wor­den sei.2 Mitt­ler­wei­le haben sich die deut­schen Ver­hält­nis­se wei­ter nach rechts ver­scho­ben: Nicht allein Schmid, der in den 1970er Jah­ren zur Grup­pe Revo­lu­tio­nä­rer Kampf in Frank­furt am Main gehör­te und in der Redak­ti­on der links­ra­di­ka­len Zeit­schrift Auto­no­mie arbei­te­te, wech­sel­te die Fron­ten und nahm unter­schied­li­che Füh­rungs­po­si­tio­nen im Sprin­ger-Ver­lag ein. Auch rechts­ex­tre­me Poli­ti­ker möch­ten die Uhr in deutsch­na­tio­na­le Zei­ten zurück­dre­hen. So rede­te bei­spiels­wei­se der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Jörg Meu­then, ein füh­ren­der Funk­tio­när der Rechts­au­ßen­par­tei AfD, vom »links-rot-grün ver­siff­ten 68er-Deutsch­land«3, wäh­rend die AfD-Vor­sit­zen­de Frau­ke Petry den Begriff »völ­kisch« reha­bi­li­tie­ren möch­te4.

 

Elliot Neaman: Free Radicals (Telos Press, 2016)

Elli­ot Nea­man: Free Radi­cals (Telos Press, 2016)

Mit sei­nem Buch Free Radi­cals ver­folgt der an der Uni­ver­si­tät von San Fran­cis­co leh­ren­de His­to­ri­ker Elli­ot Nea­man den Anspruch, einen neu­en Blick auf die Jugend­re­vol­te in der Bun­des­re­pu­blik in den 1960er und 1970er Jah­ren zu wer­fen und die Geschich­te der 68er Bewe­gung – unter Ein­be­zie­hung von Archiv­do­ku­men­ten unter ande­rem aus den Bestän­den der Staats­si­cher­heit der DDR – einer Neu­be­wer­tung zu unter­zie­hen. Nea­mans Erzäh­lung ori­en­tiert sich in ers­ter Linie an der Geschich­te des Sozia­lis­ti­schen Stu­den­ten­bun­des (SDS) vom Aus­schluss aus der SPD zu Beginn der 1960er Jah­re bis zu des­sen Auf­lö­sung im Jah­re 1970, wobei die Ereig­nis­se der Jah­re 1967 und 1968 als Höhe­punk­te in den poli­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen der Zeit in sepa­ra­ten Kapi­teln abge­han­delt wer­den. In Neben­strän­gen wer­den sub­kul­tu­rel­le Grup­pen wie die Situa­tio­nis­ten, »Haschre­bel­len« oder Hip­pies (vor allem im Umfeld von Ber­lin und Mün­chen) beleuch­tet, ehe die 68er-Bewe­gung in den 1970er Jah­ren – in Nea­mans Per­spek­ti­ve – spek­ta­ku­lär im Ter­ro­ris­mus der RAF ver­en­det.

In den Augen Nea­mans war das deut­sche Pro­jekt »68« im Gegen­satz zu ande­ren Pro­test­be­we­gun­gen in Frank­reich, Ita­li­en, Latein­ame­ri­ka oder den USA durch den expli­zit deut­schen Cha­rak­ter beschä­digt. Trotz des stets behaup­te­ten inter­na­tio­na­len Cha­rak­ters der Revol­te waren in der deut­schen Pro­test­be­we­gung deut­li­che Spu­ren von Anti­se­mi­tis­mus, Anti­ame­ri­ka­nis­mus und Natio­na­lis­mus vor­han­den, die sich schließ­lich in den 1970er Jah­ren in einer irrea­len Poli­tik der ter­ro­ris­ti­schen Gewalt ver­lor. Nach Nea­mans Ansicht war die poli­ti­sche Bedeu­tung eher mar­gi­nal, da sie es ver­säum­ten, orga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tu­ren auf­zu­bau­en, mit denen sie ihre Visi­on einer ande­ren, gerech­te­ren Gesell­schaft hät­ten umset­zen kön­nen. Erst mit der Eta­blie­rung der Grü­nen im Par­tei­en­sys­tem der Bun­des­re­pu­blik gelang für Nea­man ein lin­kes Pro­jekt der poli­ti­schen Nach­hal­tig­keit. Doch in Para­phra­se Rus­sell Jaco­bys lie­ße sich sagen: Hul­di­gung des Erfolgs ist Hul­di­gung der Selbst­auf­ga­be.5

Ent­ge­gen dem Anspruch, eine neue Sicht­wei­se der außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on (APO) in der Bun­des­re­pu­blik der 1960er und 1970er Jah­re zu prä­sen­tie­ren, erschöpft sich Nea­mans Buch jedoch in der Wie­der­auf­be­rei­tung einer Main­stream-His­to­rio­gra­fie, die von ex-lin­ken Kon­ver­ti­ten wie Wolf­gang Kraus­haar, Götz Aly, Gerd Koe­nen und ande­ren bestimmt wird, ohne dass Nea­man sich zu einer Form der Quel­len­kri­tik auf­raf­fen könn­te. Ähn­lich ver­hält es sich bei der mut­maß­li­chen Ein­fluss­nah­me der DDR-Staats­si­cher­heit auf han­deln­de Per­so­nen, Medi­en und Orga­ni­sa­tio­nen der Neu­en Lin­ken: Stets schon herrscht ein anti­kom­mu­nis­ti­scher Tenor vor, der sich über die »Unter­wan­de­rung« erei­fert, wäh­rend Nea­man kon­ti­nu­ier­lich die Kon­zen­tra­ti­on öko­no­mi­scher Macht in den Hän­den des Sprin­ger-Kon­zerns und des­sen maß­geb­li­che Beein­flus­sung der poli­ti­schen Pro­zes­se in der Bun­des­re­pu­blik ver­harm­lost.

 

Rudi Dutschke - Szenenfoto aus Ruhestörung - Ereignisse in Berlin 1967

Rudi Dutsch­ke — Sze­nen­fo­to aus Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967

Zudem ver­engt Nea­man die »Jugend­re­vol­te« in der Bun­des­re­pu­blik auf weni­ge »Medi­en­ze­le­bri­tä­ten« wie Rudi Dutsch­ke, Die­ter Kun­zel­mann oder Ulri­ke Mein­hof, wäh­rend er zen­tra­le Gestal­ten der Bewe­gung der »68er« wie etwa Hans-Jür­gen Krahl6 en pas­sant abfer­tigt. Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung zur gegen­sei­ti­gen Ein­fluss­nah­me von Medi­en und poli­ti­scher Oppo­si­ti­on (wie sie für den US-ame­ri­ka­ni­schen SDS Todd Git­lin vor­nahm) fin­det sich bei Nea­man eben­so wenig wie eine Ana­ly­se der »Kul­tur­re­vo­lu­ti­on«, die über die »mao­is­ti­sche« Kon­no­ta­ti­on hin­aus gin­ge.7 Auch die Auf­lö­sung der Neu­en Lin­ken in diver­se mar­xis­tisch-leni­nis­ti­sche, trotz­kis­ti­sche oder anar­chis­ti­sche Mikro-Rackets zu Beginn der 1970er Jah­re oder die Zer­fa­se­rung der öffent­li­chen poli­ti­schen Arbeit in klein­tei­li­ge Fabri­ka­gi­ta­ti­on durch links­ra­di­ka­le Betriebs­grup­pen8 fin­den bei Nea­man eben­so wenig Berück­sich­ti­gung wie jeg­li­che Beschäf­ti­gung mit der »Gegen­kul­tur« und »Gegen­öf­fent­lich­keit« der Zeit.9 Statt­des­sen ver­harrt Nea­mans Erzäh­lung in einem äußerst eng gefass­ten Begriff des Poli­ti­schen.

 

Szenenfoto aus Ruhestörung - Ereignisse in Berlin 1967

Sze­nen­fo­to aus Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967

Zudem pro­ble­ma­ti­siert Nea­man nie­mals den Begriff der »anti­au­to­ri­tä­ren Revol­te«, unter dem das »Pro­jekt 68« in der kon­ven­tio­nel­len His­to­rio­gra­fie fir­miert. Zwar rekla­mier­ten die Mit­glie­der der APO für sich, gegen die Auto­ri­tä­ten des »post­fa­schis­ti­schen« Staa­tes auf­zu­be­geh­ren und für eine »Rede­mo­kra­ti­sie­rung die­ses Lan­des«10 zu kämp­fen, doch war das Ver­hält­nis der Akti­vis­ten zur »Auto­ri­tät« stets schon ambi­va­lent. Vor allem nach 1967, als sich für die APO zuneh­mend die »Orga­ni­sa­ti­ons­fra­ge« stell­te und die Revol­tie­ren­den in einem revo­lu­tio­nä­ren Pro­zess wähn­ten11, griff der auto­ri­tä­re Cha­rak­ter auf die Han­deln­den selbst über, die als ideo­lo­gi­sche Schein­rie­sen durch die West­ber­li­ner Pro­vinz staks­ten, als wür­de dort ein Tech­ni­co­lor-Remake der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Sze­ne gesetzt. In der selbst­er­nann­ten Avant­gar­de setz­te sich schließ­lich der auto­ri­tä­re Cha­rak­ter, den sie vor­geb­lich bekämpf­te.

»Wie in den Anti-Auto­ri­tä­ren Auto­ri­tät fort­west, so staf­fie­ren sie ihre nega­tiv besetz­ten ima­gi­nes mit den tra­di­tio­nel­len Füh­rer­qua­li­tä­ten aus und wer­den unru­hig, sobald sie anders sind, nicht dem ent­spre­chen, was die Anti-Auto­ri­tä­ren ins­ge­heim doch von Auto­ri­tä­ten begeh­ren. Die am hef­tigs­ten pro­tes­tie­ren, glei­chen den auto­ri­täts­ge­bun­de­nen Cha­rak­te­ren in der Abwehr von Intro­spek­ti­on; wo sie sich mit sich beschäf­ti­gen, geschieht es kri­tik­los, rich­tet sich unge­bro­chen, aggres­siv nach außen. Die eige­ne Rele­vanz über­schät­zen sie nar­ziß­tisch, ohne zurei­chen­den Sinn für Pro­por­tio­nen.« – Theo­dor W. Ador­no, 196912

 

Szenenfoto aus Ruhestörung - Ereignisse in Berlin 1967

Sze­nen­fo­to aus Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967

In sei­ner kon­ven­tio­nel­len His­to­rio­gra­fie dringt Nea­man nie zu den tie­fe­ren Schich­ten der Geschich­te vor, son­dern begnügt sich damit, Zitat an Zitat anein­an­der­zu­rei­hen, um die aus­ge­wähl­ten Akteu­re nach sei­nem Sze­na­rio am Nasen­ring durch sei­ne Mane­ge zu füh­ren. Anstatt intel­lek­tu­el­le Kri­ti­ker der Lin­ken wie Jean Amé­ry oder Ulrich Son­ne­mann ein­zu­be­zie­hen, die im »Land der unbe­grenz­ten Zumut­bar­kei­ten« gegen die »Pla­nier­rau­pen der Geschichts­ver­drän­gung« auch die ver­schie­de­nen Schat­tie­run­gen der Lin­ken nicht von der not­wen­di­gen Kri­tik aus­nah­men13, ein­zu­be­zie­hen, repe­tiert Nea­man ledig­lich die Geschichts­ur­tei­le sei­ner Vor­gän­ger, aus deren Büchern er aus­gie­big zitiert. Dabei unter­lau­fen ihm nicht allein zahl­rei­che ortho­gra­phi­sche und biblio­gra­phi­sche Feh­ler (die in ihrer Häu­fung zum Ärger­nis wer­den), son­dern in sei­ner man­geln­den hand­werk­li­chen Sorg­falt pro­du­ziert er auch inhalt­li­che Feh­ler, die einem selbst­er­nann­ten Exper­ten des Sujets nicht pas­sie­ren dürf­ten. So bezeich­net er Ralf Rein­ders als »Mit­glied der Haschre­bel­len und spä­ter der RAF«, obwohl er zur »Bewe­gung 2. Juni« gehör­te. An ande­rer Stel­le spricht er von »Fritz Teu­fel und Rai­ner Kun­zel­mann« (wobei er ver­schie­de­ne Per­so­nen kur­zer­hand ver­mischt) oder von einem inexis­ten­ten »Rolf His­ser«, der rea­li­ter den Namen »Rolf Heiß­ler« trägt.14 Um die Kri­tik des auto­ri­tä­ren Staa­tes zu dis­kre­di­tie­ren und die Gesell­schafts­kri­tik der Neu­en Lin­ken als anti­quiert zu des­avou­ie­ren, dekla­riert er Max Hork­hei­mers Essay »Auto­ri­tä­rer Staat« und die Stu­die The Auto­ri­ta­ri­an Per­so­na­li­ty als »Reinkar­na­ti­on der letz­ten Jah­re der Wei­ma­rer Demo­kra­tie«, obgleich die­se Tex­te in den 1940er Jah­ren im US-ame­ri­ka­ni­schen Exil auf Basis aktu­el­ler Stu­di­en in den USA des emi­grier­ten Frank­fur­ter Insti­tuts für Sozi­al­wis­sen­schaft ent­stan­den.15

Letzt­lich erfüllt Nea­mans Buch mit sei­nen zahl­rei­chen Feh­lern kaum den Ansprü­chen einer seriö­sen Wis­sen­schaft, son­dern hat eher den Cha­rak­ter eines spek­ta­ku­la­ris­tisch auf­ge­heiz­ten »poli­ti­schen Thril­lers«16, als den es sein Autor im Vor­wort anpreist, wobei die Ideo­lo­gie den Plot über­la­gert. So hält sich die Span­nung beim Lesen in Gren­zen, denn all das, was Nea­man auf­zu­bie­ten hat, war vor Jah­ren schon anders­wo zu lesen. Auch das Per­so­nal aus dem Remake von The Good, the Bad, and the Ugly ver­mag kei­ne Über­ra­schun­gen zu bie­ten. Groß­spu­rig betritt Nea­man am Anfang als Erzäh­ler einer kri­ti­schen Geschich­te die Büh­ne, doch nach sei­nem Abtritt bleibt nur die Erin­ne­rung an eine kläg­li­che Vor­stel­lung zurück, die schnell und zurecht in Ver­ges­sen­heit gerät.

 

Biblio­gra­phi­sche Anga­ben:

Elli­ot Nea­man.
Free Radi­cals:
Agi­ta­tors, Hip­pies, Urban Gue­ril­las, and Germany’s Youth Revolt of the 1960s and 1970s.

Mit einem Vor­wort von Timo­thy W. Luke.
Can­dor, NY: Telos Press, 2016.
272 Sei­ten, 24,95 US-Dol­lar.

 

© Jörg Auberg 2016

 

Bildquellen



Cover Free Radi­cals — Telos Press 2016

Sze­nen­fo­tos Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967 (Hans Die­ter Mül­ler und Gün­ther Hör­man, 1968); aus: Wil­helm Roth, Der Doku­men­tar­film seit 1960 (Mün­chen: Bucher, 1982)

 

Nachweise

  1. Jean Amé­ry, »Für eine Volks­front die­ser Zeit: Prin­zi­pi­en einer aktu­el­len Lin­ken«, in: Amé­ry, Wer­ke, Band 7, hg. Ste­phan Stei­ner (Stutt­gart: Klett-Cot­ta, 2005), S. 347
  2. Tho­mas Schmid, »Die Wirk­lich­keit eines Traums: Ver­such über die Gren­zen des auto­po­ie­ti­schen Ver­mö­gens mei­ner Genera­ti­on«, in: Schmid et al., Die Früch­te der Revol­te: Über die Ver­än­de­rung der poli­ti­schen Kul­tur durch die Stu­den­ten­be­we­gung (Ber­lin: Wagen­bach, 1988), S. 9, 16; zur Kri­tik sie­he Jörg Auberg, »Die Illu­si­on fährt mit der Stra­ßen­bahn: Intel­lek­tu­el­le Meta­mor­pho­sen«, Die Akti­on, Nr. 58–59 (Novem­ber 1989):901–911
  3. Sabi­ne am Orde, »AfD, die neue Hei­mat für Rechts­ex­tre­me«, taz, 16. Juni 2016, S. 3
  4. taz, 12. Sep­tem­ber 2016, S. 6
  5. »Homage to suc­cess is homage to vio­lence«, in: Rus­sell Jaco­by, Dialec­tic of Defeat: Con­tours of Wes­tern Mar­xism (Cam­bridge: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 1981), S. 4
  6. Cf. Hans-Jür­gen Krahl, Kon­sti­tu­ti­on und Klas­sen­kampf: Zur his­to­ri­schen Dia­lek­tik von bür­ger­li­cher Eman­zi­pa­ti­on und pro­le­ta­ri­scher Revo­lu­ti­on (Frankfurt/Main: Ver­lag Neue Kri­tik, 1971)
  7. Cf. Todd Git­lin, The Who­le World is Watching: Mass Media in the Making and Unma­king of the New Left (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1980); agit 883: Revol­te – Under­ground in West­ber­lin, 1969–1972, hg. rota­print 25 (Ber­lin: Asso­zia­ti­on A, 2006)
  8. Cf. u. a. Gun­nar Hinck, Wir waren wie Maschi­nen: Die bun­des­deut­sche Lin­ke der sieb­zi­ger Jah­re (Ber­lin: Rot­buch, 2012); Micha­el Stef­fen, Geschich­ten vom Trüf­fel­schwein: Poli­tik und Orga­ni­sa­ti­on des Kom­mu­nis­ti­schen Bun­des 1971 bis 1991 (Ber­lin: Asso­zia­ti­on A, 2002); Jan Ole Arps, Früh­schicht: Lin­ke Fabrik­in­ter­ven­ti­on in den 70er Jah­ren (Ber­lin: Asso­zia­ti­on A, 2011)
  9. Cf. Jörg Auberg, »Tex­te und Kada­ver: Vom Elend der Gegen­öf­fent­lich­keit«, in: Ver­zeich­nis der Alter­na­tiv­me­di­en: Aus­ga­be 1991/92 (Ber­lin: Edi­ti­on ID-Archiv, 1992), S. 12–23
  10. Ulri­ke Mein­hof, »Ent­eig­net Sprin­ger«, in: Mein­hof, Die Wür­de des Men­schen ist antast­bar: Auf­sät­ze und Pole­mi­ken (Ber­lin: Wagen­bach, 1986), S. 105
  11. Cf. Wolf­gang Dre­ßen, Anti­au­to­ri­tä­res Lager und Anar­chis­mus (Ber­lin: Wagen­bach, 1968)
  12. Theo­dor W. Ador­no, »Mar­gi­na­li­en zu Theo­rie und Pra­xis«, in: Ador­no, Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft, hg. Rolf Tie­de­mann (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 2003), S. 774
  13. Ulrich Son­ne­mann, Land der unbe­grenz­ten Zumut­bar­kei­ten: Deut­sche Refle­xio­nen (I), hg. Paul Fie­big (Sprin­ge: zu Klam­pen, 2014), S. 101; Jean Amé­ry, Sek­ti­on »Links, wo kei­ne Hei­mat ist«, in: Ame­ry, Wer­ke, Bd. 7, S. 295–399
  14. Elli­ot Nea­man, Free Radi­cals: Agi­ta­tors, Hip­pies, Urban Gue­ril­las, and Germany’s Youth Revolt of the 1960s and 1970s (Can­dor, NY: Telos Press, 2016), S. 61, 127, 195
  15. Nea­man, Free Radi­cals, S. 218
  16. Nea­man, Free Radi­cals, S. 5

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Elliot Neaman: Free Radicals

Im Wes­ten nichts Neu­es

Elli­ot Nea­man erzählt die Geschich­te der Neu­en Lin­ken in der Bun­des­re­pu­blik aufs Neue

Von Jörg Auberg

 

 

Nichts wird wie­der sein wie vor­dem.
Jean Amé­ry (1974)1

 

 

 

In Jubi­lä­ums­an­spra­chen zum Jahr 1968 und zur damals statt­ge­fun­de­nen Jugend­re­vol­te wur­de häu­fig der uto­pi­sche Cha­rak­ter der inter­na­tio­na­len Rebel­li­on betont. Zwan­zig Jah­re nach dem his­to­ri­schen Ereig­nis hob Tho­mas Schmid, damals noch Lek­tor im Ver­lag Klaus Wagen­bach, in einer Art Denk­schrift her­vor, die Bewe­gung von 1968 sei liber­tär und anti­au­to­ri­tär gewe­sen und habe zu einer Moder­ni­sie­rung West­deutsch­lands bei­getra­gen, obgleich der »Grund­stein für die spä­te­re demo­kra­ti­sche Nor­ma­li­tät« bereits wäh­rend der Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik mit ihrer Ent­schei­dung für die West­bin­dung und die sozia­le Markt­wirt­schaft gelegt wor­den sei.2 Mitt­ler­wei­le haben sich die deut­schen Ver­hält­nis­se wei­ter nach rechts ver­scho­ben: Nicht allein Schmid, der in den 1970er Jah­ren zur Grup­pe Revo­lu­tio­nä­rer Kampf in Frank­furt am Main gehör­te und in der Redak­ti­on der links­ra­di­ka­len Zeit­schrift Auto­no­mie arbei­te­te, wech­sel­te die Fron­ten und nahm unter­schied­li­che Füh­rungs­po­si­tio­nen im Sprin­ger-Ver­lag ein. Auch rechts­ex­tre­me Poli­ti­ker möch­ten die Uhr in deutsch­na­tio­na­le Zei­ten zurück­dre­hen. So rede­te bei­spiels­wei­se der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Jörg Meu­then, ein füh­ren­der Funk­tio­när der Rechts­au­ßen­par­tei AfD, vom »links-rot-grün ver­siff­ten 68er-Deutsch­land«3, wäh­rend die AfD-Vor­sit­zen­de Frau­ke Petry den Begriff »völ­kisch« reha­bi­li­tie­ren möch­te4.

 

Elliot Neaman: Free Radicals (Telos Press, 2016)

Elli­ot Nea­man: Free Radi­cals (Telos Press, 2016)

Mit sei­nem Buch Free Radi­cals ver­folgt der an der Uni­ver­si­tät von San Fran­cis­co leh­ren­de His­to­ri­ker Elli­ot Nea­man den Anspruch, einen neu­en Blick auf die Jugend­re­vol­te in der Bun­des­re­pu­blik in den 1960er und 1970er Jah­ren zu wer­fen und die Geschich­te der 68er Bewe­gung – unter Ein­be­zie­hung von Archiv­do­ku­men­ten unter ande­rem aus den Bestän­den der Staats­si­cher­heit der DDR – einer Neu­be­wer­tung zu unter­zie­hen. Nea­mans Erzäh­lung ori­en­tiert sich in ers­ter Linie an der Geschich­te des Sozia­lis­ti­schen Stu­den­ten­bun­des (SDS) vom Aus­schluss aus der SPD zu Beginn der 1960er Jah­re bis zu des­sen Auf­lö­sung im Jah­re 1970, wobei die Ereig­nis­se der Jah­re 1967 und 1968 als Höhe­punk­te in den poli­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen der Zeit in sepa­ra­ten Kapi­teln abge­han­delt wer­den. In Neben­strän­gen wer­den sub­kul­tu­rel­le Grup­pen wie die Situa­tio­nis­ten, »Haschre­bel­len« oder Hip­pies (vor allem im Umfeld von Ber­lin und Mün­chen) beleuch­tet, ehe die 68er-Bewe­gung in den 1970er Jah­ren – in Nea­mans Per­spek­ti­ve – spek­ta­ku­lär im Ter­ro­ris­mus der RAF ver­en­det.

In den Augen Nea­mans war das deut­sche Pro­jekt »68« im Gegen­satz zu ande­ren Pro­test­be­we­gun­gen in Frank­reich, Ita­li­en, Latein­ame­ri­ka oder den USA durch den expli­zit deut­schen Cha­rak­ter beschä­digt. Trotz des stets behaup­te­ten inter­na­tio­na­len Cha­rak­ters der Revol­te waren in der deut­schen Pro­test­be­we­gung deut­li­che Spu­ren von Anti­se­mi­tis­mus, Anti­ame­ri­ka­nis­mus und Natio­na­lis­mus vor­han­den, die sich schließ­lich in den 1970er Jah­ren in einer irrea­len Poli­tik der ter­ro­ris­ti­schen Gewalt ver­lor. Nach Nea­mans Ansicht war die poli­ti­sche Bedeu­tung eher mar­gi­nal, da sie es ver­säum­ten, orga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tu­ren auf­zu­bau­en, mit denen sie ihre Visi­on einer ande­ren, gerech­te­ren Gesell­schaft hät­ten umset­zen kön­nen. Erst mit der Eta­blie­rung der Grü­nen im Par­tei­en­sys­tem der Bun­des­re­pu­blik gelang für Nea­man ein lin­kes Pro­jekt der poli­ti­schen Nach­hal­tig­keit. Doch in Para­phra­se Rus­sell Jaco­bys lie­ße sich sagen: Hul­di­gung des Erfolgs ist Hul­di­gung der Selbst­auf­ga­be.5

Ent­ge­gen dem Anspruch, eine neue Sicht­wei­se der außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on (APO) in der Bun­des­re­pu­blik der 1960er und 1970er Jah­re zu prä­sen­tie­ren, erschöpft sich Nea­mans Buch jedoch in der Wie­der­auf­be­rei­tung einer Main­stream-His­to­rio­gra­fie, die von ex-lin­ken Kon­ver­ti­ten wie Wolf­gang Kraus­haar, Götz Aly, Gerd Koe­nen und ande­ren bestimmt wird, ohne dass Nea­man sich zu einer Form der Quel­len­kri­tik auf­raf­fen könn­te. Ähn­lich ver­hält es sich bei der mut­maß­li­chen Ein­fluss­nah­me der DDR-Staats­si­cher­heit auf han­deln­de Per­so­nen, Medi­en und Orga­ni­sa­tio­nen der Neu­en Lin­ken: Stets schon herrscht ein anti­kom­mu­nis­ti­scher Tenor vor, der sich über die »Unter­wan­de­rung« erei­fert, wäh­rend Nea­man kon­ti­nu­ier­lich die Kon­zen­tra­ti­on öko­no­mi­scher Macht in den Hän­den des Sprin­ger-Kon­zerns und des­sen maß­geb­li­che Beein­flus­sung der poli­ti­schen Pro­zes­se in der Bun­des­re­pu­blik ver­harm­lost.

 

Rudi Dutschke - Szenenfoto aus Ruhestörung - Ereignisse in Berlin 1967

Rudi Dutsch­ke — Sze­nen­fo­to aus Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967

Zudem ver­engt Nea­man die »Jugend­re­vol­te« in der Bun­des­re­pu­blik auf weni­ge »Medi­en­ze­le­bri­tä­ten« wie Rudi Dutsch­ke, Die­ter Kun­zel­mann oder Ulri­ke Mein­hof, wäh­rend er zen­tra­le Gestal­ten der Bewe­gung der »68er« wie etwa Hans-Jür­gen Krahl6 en pas­sant abfer­tigt. Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung zur gegen­sei­ti­gen Ein­fluss­nah­me von Medi­en und poli­ti­scher Oppo­si­ti­on (wie sie für den US-ame­ri­ka­ni­schen SDS Todd Git­lin vor­nahm) fin­det sich bei Nea­man eben­so wenig wie eine Ana­ly­se der »Kul­tur­re­vo­lu­ti­on«, die über die »mao­is­ti­sche« Kon­no­ta­ti­on hin­aus gin­ge.7 Auch die Auf­lö­sung der Neu­en Lin­ken in diver­se mar­xis­tisch-leni­nis­ti­sche, trotz­kis­ti­sche oder anar­chis­ti­sche Mikro-Rackets zu Beginn der 1970er Jah­re oder die Zer­fa­se­rung der öffent­li­chen poli­ti­schen Arbeit in klein­tei­li­ge Fabri­ka­gi­ta­ti­on durch links­ra­di­ka­le Betriebs­grup­pen8 fin­den bei Nea­man eben­so wenig Berück­sich­ti­gung wie jeg­li­che Beschäf­ti­gung mit der »Gegen­kul­tur« und »Gegen­öf­fent­lich­keit« der Zeit.9 Statt­des­sen ver­harrt Nea­mans Erzäh­lung in einem äußerst eng gefass­ten Begriff des Poli­ti­schen.

 

Szenenfoto aus Ruhestörung - Ereignisse in Berlin 1967

Sze­nen­fo­to aus Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967

Zudem pro­ble­ma­ti­siert Nea­man nie­mals den Begriff der »anti­au­to­ri­tä­ren Revol­te«, unter dem das »Pro­jekt 68« in der kon­ven­tio­nel­len His­to­rio­gra­fie fir­miert. Zwar rekla­mier­ten die Mit­glie­der der APO für sich, gegen die Auto­ri­tä­ten des »post­fa­schis­ti­schen« Staa­tes auf­zu­be­geh­ren und für eine »Rede­mo­kra­ti­sie­rung die­ses Lan­des«10 zu kämp­fen, doch war das Ver­hält­nis der Akti­vis­ten zur »Auto­ri­tät« stets schon ambi­va­lent. Vor allem nach 1967, als sich für die APO zuneh­mend die »Orga­ni­sa­ti­ons­fra­ge« stell­te und die Revol­tie­ren­den in einem revo­lu­tio­nä­ren Pro­zess wähn­ten11, griff der auto­ri­tä­re Cha­rak­ter auf die Han­deln­den selbst über, die als ideo­lo­gi­sche Schein­rie­sen durch die West­ber­li­ner Pro­vinz staks­ten, als wür­de dort ein Tech­ni­co­lor-Remake der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Sze­ne gesetzt. In der selbst­er­nann­ten Avant­gar­de setz­te sich schließ­lich der auto­ri­tä­re Cha­rak­ter, den sie vor­geb­lich bekämpf­te.

»Wie in den Anti-Auto­ri­tä­ren Auto­ri­tät fort­west, so staf­fie­ren sie ihre nega­tiv besetz­ten ima­gi­nes mit den tra­di­tio­nel­len Füh­rer­qua­li­tä­ten aus und wer­den unru­hig, sobald sie anders sind, nicht dem ent­spre­chen, was die Anti-Auto­ri­tä­ren ins­ge­heim doch von Auto­ri­tä­ten begeh­ren. Die am hef­tigs­ten pro­tes­tie­ren, glei­chen den auto­ri­täts­ge­bun­de­nen Cha­rak­te­ren in der Abwehr von Intro­spek­ti­on; wo sie sich mit sich beschäf­ti­gen, geschieht es kri­tik­los, rich­tet sich unge­bro­chen, aggres­siv nach außen. Die eige­ne Rele­vanz über­schät­zen sie nar­ziß­tisch, ohne zurei­chen­den Sinn für Pro­por­tio­nen.« – Theo­dor W. Ador­no, 196912

 

Szenenfoto aus Ruhestörung - Ereignisse in Berlin 1967

Sze­nen­fo­to aus Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967

In sei­ner kon­ven­tio­nel­len His­to­rio­gra­fie dringt Nea­man nie zu den tie­fe­ren Schich­ten der Geschich­te vor, son­dern begnügt sich damit, Zitat an Zitat anein­an­der­zu­rei­hen, um die aus­ge­wähl­ten Akteu­re nach sei­nem Sze­na­rio am Nasen­ring durch sei­ne Mane­ge zu füh­ren. Anstatt intel­lek­tu­el­le Kri­ti­ker der Lin­ken wie Jean Amé­ry oder Ulrich Son­ne­mann ein­zu­be­zie­hen, die im »Land der unbe­grenz­ten Zumut­bar­kei­ten« gegen die »Pla­nier­rau­pen der Geschichts­ver­drän­gung« auch die ver­schie­de­nen Schat­tie­run­gen der Lin­ken nicht von der not­wen­di­gen Kri­tik aus­nah­men13, ein­zu­be­zie­hen, repe­tiert Nea­man ledig­lich die Geschichts­ur­tei­le sei­ner Vor­gän­ger, aus deren Büchern er aus­gie­big zitiert. Dabei unter­lau­fen ihm nicht allein zahl­rei­che ortho­gra­phi­sche und biblio­gra­phi­sche Feh­ler (die in ihrer Häu­fung zum Ärger­nis wer­den), son­dern in sei­ner man­geln­den hand­werk­li­chen Sorg­falt pro­du­ziert er auch inhalt­li­che Feh­ler, die einem selbst­er­nann­ten Exper­ten des Sujets nicht pas­sie­ren dürf­ten. So bezeich­net er Ralf Rein­ders als »Mit­glied der Haschre­bel­len und spä­ter der RAF«, obwohl er zur »Bewe­gung 2. Juni« gehör­te. An ande­rer Stel­le spricht er von »Fritz Teu­fel und Rai­ner Kun­zel­mann« (wobei er ver­schie­de­ne Per­so­nen kur­zer­hand ver­mischt) oder von einem inexis­ten­ten »Rolf His­ser«, der rea­li­ter den Namen »Rolf Heiß­ler« trägt.14 Um die Kri­tik des auto­ri­tä­ren Staa­tes zu dis­kre­di­tie­ren und die Gesell­schafts­kri­tik der Neu­en Lin­ken als anti­quiert zu des­avou­ie­ren, dekla­riert er Max Hork­hei­mers Essay »Auto­ri­tä­rer Staat« und die Stu­die The Auto­ri­ta­ri­an Per­so­na­li­ty als »Reinkar­na­ti­on der letz­ten Jah­re der Wei­ma­rer Demo­kra­tie«, obgleich die­se Tex­te in den 1940er Jah­ren im US-ame­ri­ka­ni­schen Exil auf Basis aktu­el­ler Stu­di­en in den USA des emi­grier­ten Frank­fur­ter Insti­tuts für Sozi­al­wis­sen­schaft ent­stan­den.15

Letzt­lich erfüllt Nea­mans Buch mit sei­nen zahl­rei­chen Feh­lern kaum den Ansprü­chen einer seriö­sen Wis­sen­schaft, son­dern hat eher den Cha­rak­ter eines spek­ta­ku­la­ris­tisch auf­ge­heiz­ten »poli­ti­schen Thril­lers«16, als den es sein Autor im Vor­wort anpreist, wobei die Ideo­lo­gie den Plot über­la­gert. So hält sich die Span­nung beim Lesen in Gren­zen, denn all das, was Nea­man auf­zu­bie­ten hat, war vor Jah­ren schon anders­wo zu lesen. Auch das Per­so­nal aus dem Remake von The Good, the Bad, and the Ugly ver­mag kei­ne Über­ra­schun­gen zu bie­ten. Groß­spu­rig betritt Nea­man am Anfang als Erzäh­ler einer kri­ti­schen Geschich­te die Büh­ne, doch nach sei­nem Abtritt bleibt nur die Erin­ne­rung an eine kläg­li­che Vor­stel­lung zurück, die schnell und zurecht in Ver­ges­sen­heit gerät.

 

Biblio­gra­phi­sche Anga­ben:

Elli­ot Nea­man.
Free Radi­cals:
Agi­ta­tors, Hip­pies, Urban Gue­ril­las, and Germany’s Youth Revolt of the 1960s and 1970s.

Mit einem Vor­wort von Timo­thy W. Luke.
Can­dor, NY: Telos Press, 2016.
272 Sei­ten, 24,95 US-Dol­lar.

 

© Jörg Auberg 2016

 

Bildquellen



Cover Free Radi­cals — Telos Press 2016

Sze­nen­fo­tos Ruhe­stö­rung — Ereig­nis­se in Ber­lin 1967 (Hans Die­ter Mül­ler und Gün­ther Hör­man, 1968); aus: Wil­helm Roth, Der Doku­men­tar­film seit 1960 (Mün­chen: Bucher, 1982)

 

Nachweise

  1. Jean Amé­ry, »Für eine Volks­front die­ser Zeit: Prin­zi­pi­en einer aktu­el­len Lin­ken«, in: Amé­ry, Wer­ke, Band 7, hg. Ste­phan Stei­ner (Stutt­gart: Klett-Cot­ta, 2005), S. 347
  2. Tho­mas Schmid, »Die Wirk­lich­keit eines Traums: Ver­such über die Gren­zen des auto­po­ie­ti­schen Ver­mö­gens mei­ner Genera­ti­on«, in: Schmid et al., Die Früch­te der Revol­te: Über die Ver­än­de­rung der poli­ti­schen Kul­tur durch die Stu­den­ten­be­we­gung (Ber­lin: Wagen­bach, 1988), S. 9, 16; zur Kri­tik sie­he Jörg Auberg, »Die Illu­si­on fährt mit der Stra­ßen­bahn: Intel­lek­tu­el­le Meta­mor­pho­sen«, Die Akti­on, Nr. 58–59 (Novem­ber 1989):901–911
  3. Sabi­ne am Orde, »AfD, die neue Hei­mat für Rechts­ex­tre­me«, taz, 16. Juni 2016, S. 3
  4. taz, 12. Sep­tem­ber 2016, S. 6
  5. »Homage to suc­cess is homage to vio­lence«, in: Rus­sell Jaco­by, Dialec­tic of Defeat: Con­tours of Wes­tern Mar­xism (Cam­bridge: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 1981), S. 4
  6. Cf. Hans-Jür­gen Krahl, Kon­sti­tu­ti­on und Klas­sen­kampf: Zur his­to­ri­schen Dia­lek­tik von bür­ger­li­cher Eman­zi­pa­ti­on und pro­le­ta­ri­scher Revo­lu­ti­on (Frankfurt/Main: Ver­lag Neue Kri­tik, 1971)
  7. Cf. Todd Git­lin, The Who­le World is Watching: Mass Media in the Making and Unma­king of the New Left (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1980); agit 883: Revol­te – Under­ground in West­ber­lin, 1969–1972, hg. rota­print 25 (Ber­lin: Asso­zia­ti­on A, 2006)
  8. Cf. u. a. Gun­nar Hinck, Wir waren wie Maschi­nen: Die bun­des­deut­sche Lin­ke der sieb­zi­ger Jah­re (Ber­lin: Rot­buch, 2012); Micha­el Stef­fen, Geschich­ten vom Trüf­fel­schwein: Poli­tik und Orga­ni­sa­ti­on des Kom­mu­nis­ti­schen Bun­des 1971 bis 1991 (Ber­lin: Asso­zia­ti­on A, 2002); Jan Ole Arps, Früh­schicht: Lin­ke Fabrik­in­ter­ven­ti­on in den 70er Jah­ren (Ber­lin: Asso­zia­ti­on A, 2011)
  9. Cf. Jörg Auberg, »Tex­te und Kada­ver: Vom Elend der Gegen­öf­fent­lich­keit«, in: Ver­zeich­nis der Alter­na­tiv­me­di­en: Aus­ga­be 1991/92 (Ber­lin: Edi­ti­on ID-Archiv, 1992), S. 12–23
  10. Ulri­ke Mein­hof, »Ent­eig­net Sprin­ger«, in: Mein­hof, Die Wür­de des Men­schen ist antast­bar: Auf­sät­ze und Pole­mi­ken (Ber­lin: Wagen­bach, 1986), S. 105
  11. Cf. Wolf­gang Dre­ßen, Anti­au­to­ri­tä­res Lager und Anar­chis­mus (Ber­lin: Wagen­bach, 1968)
  12. Theo­dor W. Ador­no, »Mar­gi­na­li­en zu Theo­rie und Pra­xis«, in: Ador­no, Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft, hg. Rolf Tie­de­mann (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 2003), S. 774
  13. Ulrich Son­ne­mann, Land der unbe­grenz­ten Zumut­bar­kei­ten: Deut­sche Refle­xio­nen (I), hg. Paul Fie­big (Sprin­ge: zu Klam­pen, 2014), S. 101; Jean Amé­ry, Sek­ti­on »Links, wo kei­ne Hei­mat ist«, in: Ame­ry, Wer­ke, Bd. 7, S. 295–399
  14. Elli­ot Nea­man, Free Radi­cals: Agi­ta­tors, Hip­pies, Urban Gue­ril­las, and Germany’s Youth Revolt of the 1960s and 1970s (Can­dor, NY: Telos Press, 2016), S. 61, 127, 195
  15. Nea­man, Free Radi­cals, S. 218
  16. Nea­man, Free Radi­cals, S. 5

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