John Dos Passos: Anatomie einer Metamorphose

J

Anatomie einer Metamorphose

John Dos Passos’ Odyssee durch das 20. Jahrhundert

von Jörg Auberg


in memo­ri­am Lutz Schu­len­burg
(1953–2013)

»Das Leben hat nur eine Form: das Ver­ges­sen.«
Fran­cis Pica­bia 1

Wie vie­le Autoren präg­ten mich die »bes­ten Zei­ten« von John Dos Pas­sos. Nach Ernest Heming­way und Jack Kerou­ac und vor Wil­liam S. Bur­roughs war sei­ne USA-Tri­lo­gie mein Beglei­ter auf lan­gen, dunk­len Eisen­bahn­fahr­ten durch die nie­der­säch­si­schen Ein­öden (oder wie sie Hans-Jür­gen Krahl bezeich­ne­te: die »fins­te­re Pro­vinz«) und trotz allen Pes­si­mis­mus eine Hoff­nung auf bes­se­re Zei­ten (auch wenn sie letzt­end­lich trog).
An Dos Pas­sos’ Odys­see durch das 20. Jahr­hun­dert (mit all den — oft blu­ti­gen — Irrun­gen und Wir­run­gen) konn­te man sich abar­bei­ten. Sei­ne »ame­ri­ka­ni­schen Por­träts«, die von Lutz Schu­len­burg in der Edi­ti­on Nau­ti­lus in den 1980er Jah­ren in der Rei­he »Nau­ti­lus Moder­ne« publi­ziert wur­den, waren ein Teil die­ser Aus­ein­an­der­set­zung.
Schu­len­burgs Zeit­schrift »Die Akti­on«, zu der ich noch als Stu­dent eini­ge Tex­te bei­trug, soll­te spä­ter auch einen Dos-Pas­sos-Arti­kel von mir ent­hal­ten, doch lei­der starb Lutz Schu­len­burg plötz­lich, und mit ihm ver­schwand vie­les.
Sei­nem Geden­ken ist die­ser Text gewid­met.

 

John Dos Passos in den 1960er Jahren (Foto: George Cserna)
John Dos Pas­sos in den 1960er Jah­ren (Foto: Geor­ge Cser­na)

Als im Juni 1916 auf den euro­päi­schen Schlacht­fel­dern der Ers­te Welt­krieg tob­te, ver­lieh ein zwan­zig­jäh­ri­ger Har­vard-Stu­dent namens John Dos Pas­sos sei­ner aus­ge­präg­ten Aver­si­on gegen die Herr­schaft der Wis­sen­schaft und die gewalt­tä­ti­ge Maschi­ne­rie der indus­tri­el­len Zivi­li­sa­ti­on Aus­druck. »Im Licht der Flam­men bren­nen­der bel­gi­scher Städ­te bli­cken zivi­li­sier­te Men­schen ein­an­der mit einem merk­wür­di­gen neu­en Ent­set­zen an«, schrieb er in der lite­ra­ri­schen Monats­zeit­schrift der Har­vard-Uni­ver­si­tät. »Ist es dies, wonach Men­schen die Jahr­hun­der­te hin­durch gestrebt haben? Ist die­se mas­si­ge Selbst­mord­ma­schi­ne die Zivi­li­sa­ti­on?«2 Aus Dos Pas­sos sprach weni­ger ein poli­ti­scher Oppo­nent des herr­schen­den Sys­tems denn ein ange­wi­der­ter Ästhet, der sich vor der Bru­ta­li­tät einer indus­tri­el­len Maschi­ne ekel­te, die das Schö­ne und Wah­re aus­merz­te und ver­wüs­te­te Land­schaf­ten des Grau­ens zurück­ließ. Sei­ne poli­ti­sche Radi­ka­li­sie­rung blieb in einer von revo­lu­tio­nä­rer Gewalt gezeich­ne­ten Phan­tas­ma­go­rie ste­cken. »Ich habe beschlos­sen«, schrieb er an einen Freund, »dass mei­ne ein­zi­ge Hoff­nung in der Revo­lu­ti­on liegt – in umfas­sen­den Atten­ta­ten auf alle Staats­män­ner, Kapi­ta­lis­ten, Kriegs­het­zer, Hurra­pa­trio­ten, Erfin­der, Wis­sen­schaft­ler – in der Zer­stö­rung der gesam­ten Maschi­ne­rie der indus­tri­el­len Welt, glei­cher­ma­ßen frucht­los in der Zer­stö­rung wie im Auf­bau.«3 Zwar besuch­te er anar­chis­ti­sche und pazi­fis­ti­sche Ver­samm­lun­gen, rühm­te sich in sei­nen Memoi­ren, ein Paria der respek­ta­blen Gesell­schaft gewe­sen zu sein, Tag und Nacht pro­tes­tiert und den »schril­len Ankla­gen Emma Gold­mans« zuge­stimmt zu haben, doch hielt dies ihn nicht davon ab, frei­wil­lig als Ambu­lanz­fah­rer am Ers­ten Welt­krieg teil­zu­neh­men, der für ihn – wie er spä­ter in einem Inter­view sag­te – zu sei­ner Uni­ver­si­tät wur­de.4

Fünf­zig Jah­re spä­ter hat­te er Anar­chis­ten und Pazi­fis­ten gegen die ame­ri­ka­ni­schen Ultra­kon­ser­va­ti­ven um Bar­ry Gold­wa­ter und Wil­liam F. Buck­ley getauscht, und der eins­ti­ge Bewun­de­rer Ran­dolph Bour­nes recht­fer­tig­te den Viet­nam­krieg als Ver­tei­di­gung gegen die kom­mu­nis­ti­sche Maschi­ne­rie, als deren Teil er auch die Neue Lin­ke betrach­te­te, und befür­wor­te­te die Inva­si­on Kam­bo­dschas 1970 als den »ers­ten ratio­na­len mili­tä­ri­schen Schritt im gan­zen Krieg«. Das Miss­trau­en gegen­über dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt war einem eigen­ar­ti­gen Opti­mis­mus gewi­chen, der im Apol­lo-Pro­gramm einen Tri­umph der Tech­nik über die bösen Mäch­te sah, die das Man­hat­tan Pro­ject auf den his­to­ri­schen Plan geru­fen hat­te. In der Raum­fahrt­tech­no­lo­gie erblick­te Dos Pas­sos eine Leis­tung, die für die »Lösung hun­dert ver­schie­de­ner Pro­ble­me« nutz­bar sei.5

Eine rätselhafte Metamorphose

Diese Meta­mor­pho­se, die bereits in den frü­hen 1930er Jah­ren mit Dos Pas­sos’ Abkehr von der kom­mu­nis­ti­schen Lin­ken begann, hat nicht nur sei­ne eins­ti­gen Weg­ge­fähr­ten, son­dern auch spä­te­ren His­to­ri­kern Rät­sel auf­ge­ge­ben. Zwar behaup­te­te Dos Pas­sos stets, dass er sich in all sei­nen Wand­lun­gen treu geblie­ben sei, doch ist nicht zu über­se­hen, dass er in sei­nem spä­te­ren Leben genau das ver­tei­dig­te, was er zuvor vehe­ment atta­ckiert hat­te. Aller­dings ist auch nicht zu bestrei­ten, dass bestimm­te Grund­mo­ti­ve unver­än­dert sein Leben durch­zo­gen. Schon früh ent­wi­ckel­te eine tief ver­wur­zel­te Idio­syn­kra­sie gegen­über jeg­li­cher Form der Orga­ni­sa­ti­on, die er als töd­li­che Nega­ti­on des Lebens und der Indi­vi­dua­li­tät betrach­te­te: »Orga­ni­sa­ti­on tötet«, notier­te er 1918, als er die exter­mi­nie­ren­den Exzes­se der indus­tri­el­len »Über­or­ga­ni­sa­ti­on« im Ers­ten Welt­krieg mit eige­nen Augen ange­se­hen hat­te. Mit sei­nem anar­chis­ti­schen Impuls, in dem er Frei­heit und Indi­vi­dua­li­tät über alles stell­te, nahm er jedoch den dia­lek­ti­schen Cha­rak­ter von Orga­ni­sa­ti­on nicht wahr und negier­te die Not­wen­dig­keit gesell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­ti­on. »Des­or­ga­ni­sa­ti­on nicht Orga­ni­sa­ti­on ist das Ziel des Lebens«, zitier­te er in einer Tage­buch­auf­zeich­nung aus dem Sep­tem­ber 1918 einen Sozia­lis­ten in der Reka­pi­tu­la­ti­on einer poli­ti­schen Dis­kus­si­on.6

Cover der Zeitschrift Liberation aus den 1960er Jahren
Cover der Zeit­schrift Libe­ra­ti­on aus den 1960er Jah­ren

Die­se Aver­si­on gegen­über der Orga­ni­sa­ti­on hielt ihn schließ­lich auch davon ab, sich poli­ti­schen Grup­pen, Bewe­gun­gen oder Par­tei­en anzu­schlie­ßen. Obwohl er sich als jun­ger Mann – zumin­dest in sei­nen Brie­fen und Tage­buch­ein­trä­gen – zum Revo­lu­tio­när sti­li­sier­te, der zwar im Ange­sicht der »gro­ßen stu­pi­den Mas­se Ame­ri­kas« zum Kampf gegen den Moloch bereit zu sein schien, aber nie auf einen zähl­ba­ren Erfolg hof­fen woll­te, blieb er rea­li­ter einer poli­ti­schen Revol­te fern. In den frü­hen 1920er Jah­ren habe er gro­ße Sym­pa­thie für die anar­chis­ti­sche Bewe­gung jener Zeit gehegt, behaup­te­te er 1968 in einem Inter­view mit der Zeit­schrift Paris Review, ohne dass sich dies poli­tisch nie­der­ge­schla­gen hät­te. Gleich­falls führ­te ihn sein Kon­takt mit Kom­mu­nis­ten in den spä­ten 1920er Jah­ren nicht in die Arme der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei. Auch als er spä­ter mit der »Neu­en Rech­ten« pak­tier­te, war er trotz allem kein Par­tei­gän­ger der Repu­bli­ka­ner. »Ich bin kein Kon­ser­va­ti­ver«, behaup­te­te er noch 1959, und tat­säch­lich schien sein »liber­tä­rer Kon­ser­va­tis­mus« wenig mit den auto­ri­tä­ren Ten­den­zen der »Neu­en Rech­ten« gemein zu haben. Zugleich hin­der­te ihn sei­ne im mili­tan­ten Anti­kom­mu­nis­mus des Kal­ten Krie­ges begrün­de­te ideo­lo­gi­sche Ver­blen­dung, ande­re Alli­an­zen zu suchen, wie sie etwa die liber­tär-pazi­fis­ti­sche Zeit­schrift Libe­ra­ti­on bot, die mit ihrem Ein­tre­ten für Dezen­tra­li­sa­ti­on und demo­kra­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on zen­tra­le The­men der Neu­en Lin­ken anti­zi­pier­te. Doch da Dos Pas­sos nach sei­ner Meta­mor­pho­se in einem mecha­nis­ti­schen Reflex alles »Lin­ke« mit dem sowje­ti­schen »Reich des Bösen« iden­ti­fi­zier­te, blieb ihm die­ser Weg ver­sperrt.7

Von Beginn an war Dos Pas­sos – wie der His­to­ri­ker Dani­el Aaron tref­fend bemerk­te – eher ein Beob­ach­ter denn ein »gesel­li­ger Typ«. Nie­mals gehör­te er voll­kom­men dazu. Er wur­de zu spät gebo­ren, um Teil der »lyri­schen Lin­ken« zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts zu sein, und wäh­rend ande­re Lin­ke nach dem Spa­ni­schen Bür­ger­krieg und dem Hit­ler-Sta­lin-Pakt mit dem orga­ni­sier­ten Kom­mu­nis­mus bra­chen, hat­te sich Dos Pas­sos schon in den frü­hen 1930er Jah­ren von der kom­mu­nis­ti­schen Lin­ken abge­wandt. Eine Zel­le zu sei­nem Uni­ver­sum schloss Jean-Paul Sart­re auf, der den Men­schen bei Dos Pas­sos als Zwit­ter­we­sen cha­rak­te­ri­sier­te, das zugleich drin­nen und drau­ßen sei: »Wir sind bei ihm, in ihm, erle­ben mit ihm sein fla­ckern­des indi­vi­du­el­les Bewusst­sein, bis es plötz­lich ver­sagt, schwach wird, sich im kol­lek­ti­ven Bewusst­sein auf­löst.« Das kri­ti­sche Bewusst­sein des Autors ent­zün­de­te sich an den Aus­wüch­sen des indus­tri­el­len Kapi­ta­lis­mus und ver­losch, als Dos Pas­sos sich rest­los der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft, wie sie war, über­ant­wor­te­te. So war der »größ­te Schrift­stel­ler unse­rer Zeit« (als den ihn Sart­re 1938 titu­lier­te) mit früh­zei­ti­gem Ver­fall gezeich­net und wes­te als Zerr­bild sei­ner selbst in der ame­ri­ka­ni­schen Kul­tur­land­schaft fort.8

Die kurze Hoffnung

John Dos Passos: Travel Books & Other Writings>/em> (Library of America, 2003)
John Dos Pas­sos: Tra­vel Books & Other Wri­tings (Libra­ry of Ame­ri­ca, 2003)

Für den jun­gen Dos Pas­sos war Spa­ni­en ein Flucht­punkt in einem Zeit­al­ter der Bar­ba­rei. Aus Furcht, sein Sohn könn­te im Fall eines Kriegs­ein­tritts der USA zum Mili­tär­dienst ein­ge­zo­gen wer­den, schick­te ihn sein Vater, ein ange­se­he­ner Anwalt por­tu­gie­si­scher Her­kunft, im Okto­ber 1916 an die Uni­ver­si­tät von Madrid, wo er sich auf sei­nen künf­ti­gen Beruf als Archi­tekt vor­be­rei­ten soll­te. Doch war die­ses Stu­di­um für Dos Pas­sos eher von unter­ge­ord­ne­ter Rele­vanz. Zuvör­derst hat­te für ihn die Begeg­nung mit der spa­ni­schen Kul­tur, Lite­ra­tur und Lebens­art eine beson­de­re Bedeu­tung für sei­ne Ent­wick­lung. In den Augen des jun­gen Stu­den­ten war Spa­ni­en eine Zufluchts­stät­te der Uto­pie eines zukünf­tig Bes­se­ren, ein Ort der Erin­ne­rung an eine unge­bän­dig­te, impul­si­ve, sich schran­ken­los bewe­gen­de Frei­heit, ein Cha­os­mal inmit­ten der kapi­ta­lis­ti­schen Welt­ord­nung, die »klas­si­sche Hei­mat des Anar­chis­ten«, wie Dos Pas­sos in einem sei­ner Essays über Spa­ni­en schrieb, die 1922 unter dem Titel Rosi­nan­te on the Road Again in Buch­form publi­ziert wur­den. Vor allem fas­zi­nier­te ihn der star­ke Indi­vi­dua­lis­mus, der sich aus den iso­lier­ten Dorf­ge­mein­schaf­ten, den pue­blos, speis­te und von kei­ner Revo­lu­ti­on aus­ge­löscht wer­den konn­te. Eine Inva­si­on nach der ande­ren habe die­se Land­schaft heim­ge­sucht, an der Ober­flä­che Sit­ten und Arten des Den­kens und der Spra­che ver­än­dert, doch habe sich der »unver­än­der­li­che ibe­ri­sche Geist« als resis­tent und allen Wid­rig­kei­ten zum Trotz über­le­bens­fä­hig erwie­sen.9

Ramon Casas: Porträt von Pío Baroja (ca. 1904)
Ramon Casas: Por­trät von Pío Baro­ja (ca. 1904)

Unver­fälscht und kom­pro­miss­los arti­ku­lier­te sich die­ser Geist in den Wer­ken Pío Baro­jas, des­sen »star­ker Rea­li­täts­sinn« gro­ßen Ein­druck auf Dos Pas­sos mach­te. Ging er durch die ras­seln­den Stra­ßen Madrids, so trug er nicht allein das obli­ga­te Wör­ter­buch unter dem Arm, son­dern auch Baro­jas 1904 publi­zier­te Tri­lo­gie La lucha por la vida (dt. Spa­ni­sche Tri­lo­gie, 1948), die ihm als Stadt­füh­rer dien­te. Sie bot ihm die Schlüs­sel zu jeder Gas­se und jedem Wein­ge­schäft, berich­te­te Dos Pas­sos spä­ter, zu den eisen­be­schla­ge­nen Türen, die hin­aus auf hals­bre­che­ri­sche Trep­pen führ­ten, über denen der Geruch ver­brann­ten Oli­ven­öls hing, zu Miets­häu­sern, Hin­ter­hö­fen und Trö­del­märk­ten. Für Dos Pas­sos war sie »der wah­re Baede­ker zu die­sem bro­deln­den Laby­rinth des rebel­li­schen, laus­ge­bis­se­nen, hoch­flie­gen­den Lebens« von Madrid. Die­se Welt, in der ein grau­sa­mer Kampf ums Über­le­ben geführt wur­de und Pro­fit­gier, Hass, Bos­heit, Betrug und Heu­che­lei zum Tages­pro­gramm gehör­ten, beschrieb nie­mand bes­ser als Baro­ja, der das Elend sei­ner Cha­rak­te­re nach­emp­fand und dem die täg­li­che Miss­ach­tung der ein­fachs­ten mensch­li­chen Grund­rech­te unaus­steh­lich war. Doch auch wenn aus sei­nen Wer­ken der uto­pi­sche Zorn des revo­lu­tio­nä­ren Anar­chis­mus sprach, konn­te Baro­ja (wie Dos Pas­sos spä­ter) kei­nen »kon­struk­ti­ven« Bei­trag lie­fern. Die ein­zi­ge Rol­le, die ein Mann der Mit­tel­schicht in der Reor­ga­ni­sa­ti­on der Gesell­schaft spie­len kön­ne, sei destruk­tiv, hat­te Dos Pas­sos in einem Buch Baro­jas gele­sen. Sei­ne Auf­ga­be sei es, die bestehen­den Insti­tu­tio­nen auf Herz und Nie­ren zu prü­fen und ihnen die Schlei­er zu ent­rei­ßen. Der Autor soll­te, schrieb Dos Pas­sos spä­ter in einer Rezen­si­on von Baro­jas Mala hier­ba (dt. Das Gift­kraut), ein Vor­hu­t­agent der Revo­lu­ti­on zu sein, der aus­maß und beschrieb, was zu zer­stö­ren war. Baro­ja sei ein Pes­si­mist, und nur gele­gent­lich, mein­te Dos Pas­sos, erlau­be er sich die Hoff­nung, etwas Bes­se­res kön­ne aus dem Auf­ruhr die­ses Zeit­al­ters des Über­gangs ent­ste­hen. 10

Auch Dos Pas­sos’ Opti­mis­mus hielt sich in Gren­zen. Obgleich er mit den »revo­lu­tio­nä­ren Klas­sen« sym­pa­thi­sier­te, befürch­te­te, dass eine ange­sichts der Kor­rup­ti­on und Unfä­hig­keit der Poli­ti­ker, des schrei­en­den Elends und der gro­ßen Not der Mas­sen offen­bar bevor­ste­hen­de Revo­lu­ti­on die »vie­len Spa­ni­en« zu einer moder­nen zen­tra­li­sier­ten Nati­on ver­ei­ni­gen, dem zen­tri­fu­ga­len Land eine unna­tür­li­che Ord­nung auf­zwin­gen und den vita­len Indi­vi­dua­lis­mus zer­stö­ren könn­te. Das Pro­blem sei, führ­te er aus, ob den Spa­ni­ern die Mög­lich­keit blei­be, lokal, sich anar­chisch und dezen­tral zu ent­wi­ckeln und neue Lebens­wei­sen zu erar­bei­ten, oder »ob sie in den schwä­ren­den Tumult eines Euro­pas gezo­gen wer­den, wo das ster­ben­de Sys­tem nur stark genug ist, in sei­nen Todes­kral­len jeden neu­en Schöss­ling zu töten, in dem Hoff­nung für die Zukunft wäre«11.

Als Dos Pas­sos im August 1919 nach sei­nem Sani­täts­dienst im Ers­ten Welt­krieg für knapp acht Mona­te nach Spa­ni­en zurück­kehr­te, um an sei­nem Roman Three Sol­di­ers (dt. Drei Sol­da­ten, 1921) zu schrei­ben, fand er Madrid als ame­ri­ka­ni­sier­te Stadt mit Unter­grund­bahn und Wol­ken­krat­zern wie­der. Baro­jas Tri­lo­gie konn­te er nicht län­ger als Stadt­füh­rer benut­zen; sie hat­te sich in ein Doku­ment der Ver­gan­gen­heit und ein Kunst­werk ver­wan­delt. Spa­ni­en hat­te für Dos Pas­sos sei­ne his­to­ri­sche Beson­der­heit ver­lo­ren: Letz­ten Endes war es doch in den Strom des indus­tri­el­len Lebens geris­sen wor­den. Miss­mu­tig erin­ner­te sich Dos Pas­sos, wie die Intel­lek­tu­el­len aus der Genera­ti­on von 1898 wäh­rend des Krie­ges in Ame­ri­ka eine »glit­zern­de Fata Mor­ga­na unver­gäng­li­cher Schön­heit« gese­hen hat­ten. Sie hat­ten von sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen, Elek­tri­zi­tät, Hygie­ne und Geset­zen gegen die Kin­der­ar­beit geschwärmt, gehofft, ein »strah­len­des, poli­zei­lich gut kon­trol­lier­tes, ent­laus­tes und deodo­rier­tes Spa­ni­en« zu erbau­en, und waren voll des Lobes gewe­sen, was die USA nach dem Spa­nisch-Ame­ri­ka­ni­schen Krieg für Kuba, wie sie das Gelb­fie­ber aus­ge­merzt und die Men­schen gegen Typhus geimpft hat­ten. Der Kon­takt mit der »gro­ßen jugend­li­chen Kraft« der USA soll­te ein rege­ne­ra­ti­ver Impuls für das alte trä­ge Spa­ni­en sein. Nun hat­ten sie ihren Wil­len bekom­men: Die Wur­zeln der Ver­gan­gen­heit wur­den aus­ge­ris­sen, und auf der asphal­tier­ten Stra­ße hat­te die indus­tri­el­le Tyran­nei freie Bahn.12 Auch wenn sich die Welt in eine rie­si­ge urba­ne Maschi­ne ver­wan­del­te, in der das Indi­vi­du­um nichts zähl­te und fort­wäh­rend von einer Nie­der­la­ge zur nächs­ten stol­per­te, hielt Dos Pas­sos in den kom­men­den Jah­ren an sei­ner roman­ti­schen, pas­to­ra­len Visi­on des spa­ni­schen Anar­chis­mus fest.

Die Amerikanisierung zweier Anarchisten

Sacco und Vanzetti auf einer Postkarte (ca. 1927)
Sac­co und Van­zet­ti auf einer Post­kar­te (ca. 1927)

Die »Roa­ring Twen­ties«, die mit der Inhaf­tie­rung von lin­ken Dis­si­den­ten wie Euge­ne V. Debs oder radi­ka­len Gewerk­schaf­tern wie den Mit­glie­dern der Indus­tri­al Workers of the World (IWW; auch »Wob­blies« genannt) begann, ver­brach­te Dos Pas­sos wie vie­le sei­ner Schrift­stel­ler­kol­le­gen auf Rei­sen in Euro­pa, ohne sich um poli­ti­sche Ver­hält­nis­se in den USA zu küm­mern. Die staat­li­che Hetz­jagd auf Sozia­lis­ten, Anar­chis­ten und Kom­mu­nis­ten (die unter der Bezeich­nung »Red Sca­re« in die Geschichts­bü­cher ein­ging) nahm Dos Pas­sos zunächst kaum wahr. Auch als die bei­den ita­lie­ni­schen Anar­chis­ten Nico­la Sac­co und Bar­to­lo­meo Van­zet­ti in einem auf­se­hen­er­re­gen­den Pro­zess wegen der Betei­li­gung an einem Über­fall auf eine Schuh­fa­brik in South Brain­tree in Mas­sa­chu­setts im April 1920 zum Tode ver­ur­teilt wur­den, betei­lig­te er sich nicht an den Pro­tes­ten, die welt­weit statt­fan­den.

John Dos Passos : Facing the Chair>/em>
John Dos Pas­sos : Facing the Chair

Erst als sie­ben Jah­re spä­ter die Hin­rich­tung unmit­tel­bar bevor­stand, wur­de er zu einem vehe­men­ten Ver­tei­di­ger der bei­den Anar­chis­ten. In sei­ner Ver­tei­di­gungs­schrift Facing the Chair (die den iro­ni­schen Unter­ti­tel The Sto­ry of the Ame­ri­ca­niz­a­ti­on of Two For­eig­n­born Work­men) beschrieb Dos Pas­sos Sac­co und Van­zet­ti als Arche­ty­pen der Immi­gran­ten, wel­che mit ihrem »Schweiß und Blut« die Indus­trien und den Reich­tum der USA auf­ge­baut hät­te, ohne dass sie dafür einen gerech­ten Gegen­wert erhal­ten hät­ten.13 Aus sei­ner spa­ni­schen Erfah­rung betrach­te­te er das von staat­li­chen Behör­den und Medi­en her­auf­be­schwo­re­ne Schreck­ge­spenst der Anar­chie nicht als rea­le Gefahr, son­dern als ideo­lo­gi­sches Kon­strukt, wobei die dunk­le Gestalt des anar­chis­ti­schen Bom­ben­wer­fers aus dem spä­ten neun­zehn­ten und frü­hen zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert in den Jah­ren nach der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on mit der Figur des »hin­ter­lis­ti­gen, stin­ken­den kom­mu­nis­ti­schen Juden« ver­schmolz, die Wohl­stand und Anstän­dig­keit durch von Mos­kau gelenk­te Geheim­or­ga­ni­sa­tio­nen unter­mi­nier­te.14 Vie­le ita­lie­ni­schen Immi­gran­ten pro­ji­zier­ten auf »Ame­ri­ka« ihr Ide­al einer per­fek­ten Stadt und sozia­len Ord­nung, schrieb Dos Pas­sos, doch die­se Uto­pie schei­ter­te an den grim­mi­gen kapi­ta­lis­ti­schen Rea­li­tä­ten, die ihre Hoff­nun­gen auf eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz zunich­te mach­ten: Unter den Augen der Poli­zei und Jus­tiz ver­ka­men die Immi­gran­ten aus Euro­pa zu einem gewalt­tä­ti­gen extre­mis­ti­schen Mob von Ter­ro­ris­ten, der aus­ge­löscht wer­den muss­te, um die Exis­tenz des herr­schen­den Sys­tems nicht zu gefähr­den.15

Dos Passos als Demonstrant für Sacco & Vanzetti
Dos Pas­sos als Demons­trant für Sac­co & Van­zet­ti

Das Enga­ge­ment für Sac­co und Van­zet­ti mar­kier­te für Dos Pas­sos die Ankunft bei der radi­ka­len Lin­ken, die zur kri­ti­schen Antriebs­kraft für sei­ne gro­ße Tri­lo­gie U.S.A. (1930–36) wer­den soll­te. Die bei­den ita­lie­ni­schen Anar­chis­ten wur­den zu Iko­nen des »Klas­sen­krie­ges«: Selbst die kom­mu­nis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen in den USA als auch in Euro­pa war­fen sich für die bei­den Ein­ge­ker­ker­ten in die Bre­sche, wäh­rend in der Sowjet­uni­on Anar­chis­ten zum gro­ßen Pulk der poli­ti­schen Gefan­ge­nen und »Aus­sät­zi­gen« gehör­ten und sie in den tages­po­li­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Aus­ein­an­derein­set­zun­gen zu den »Tod­fein­den«, deren Ein­fluss aus­ge­merzt wer­den soll­te.16 Ange­sichts sei­ner Sym­pa­thie für den Anar­chis­mus und sei­ner liber­tä­ren, anti-eta­tis­ti­schen Grund­ein­stel­lung bleibt sei­ne Hin­wen­dung zur kom­mu­nis­ti­schen Lin­ken nach 1926 rät­sel­haft, denn bereits in die­sen Jah­ren war der auto­ri­tä­re Cha­rak­ter des kom­mu­nis­ti­schen »Pro­jekts« evi­dent.17

Plakat zur John Dos Passos Conference 2014
Pla­kat zur John Dos Pas­sos Con­fe­rence 2014

Der Grund moch­te einer­seits in der Erman­ge­lung einer lin­ken Alter­na­ti­ve lie­gen (Sozia­lis­ten wie Anar­chis­ten hat­ten in den 1920er Jah­ren kaum Ein­fluss­mög­lich­kei­ten); ande­rer­seits boten ihm Medi­en wie die von Mike Gold redi­gier­te Kul­tur­zeit­schrift New Mas­ses (in der auch befreun­de­te Intel­lek­tu­el­le wie Edmund Wil­son und John Howard Law­son publi­zier­ten) die Mög­lich­keit, sei­ner radi­ka­len Per­spek­ti­ve Aus­druck zu ver­schaf­fen und aus der Iso­la­ti­on des ver­ein­zel­ten Schrift­stel­lers aus­zu­bre­chen. Das Ver­hält­nis zu ande­ren Links­in­tel­lek­tu­el­len in den USA war nie ein­träch­tig (Gold bezeich­ne­te Dos Pas­sos ver­ächt­lich als »bür­ger­li­chen Intel­lek­tu­el­len«, und Dos Pas­sos beharr­te in einer Replik auf sei­nem »kri­ti­schen Skep­ti­zis­mus« gegen­über dem »fun­da­men­ta­lis­ti­schen« Kurs der Kom­mu­nis­ten).18 Den­noch betei­lig­te er sich an Kam­pa­gnen wie den Tex­til­ar­bei­ter­streik in Pas­saic in New Jer­sey (1926) oder den Berg­ar­bei­ter­streik in Har­lan Coun­ty in Ken­tu­cky (1931), die unter Feder­füh­rung der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei geführt wur­den.

 

Den Bruch mit den Kom­mu­nis­ten voll­zog Dos Pas­sos 1934, als im Febru­ar jenes Jah­res eine Pro­test­ver­an­stal­tung der Sozia­lis­ti­schen Par­tei im New Yor­ker Madi­son Squa­re Gar­den gegen den faschis­ti­schen Putsch in Öster­reich von 5000 Kom­mu­nis­ten, die Sta­lins »Sozi­al­fa­schis­mus­the­se« ver­in­ner­licht hat­ten, ange­grif­fen und tumul­tuös auf­ge­löst wur­de. In einem offe­nen Brief ver­ur­teil­ten Intel­lek­tu­el­le wie Dos Pas­sos und Edmund Wil­son das Vor­ge­hen der Par­tei, das deren Nie­der­gang im intel­lek­tu­el­len Milieu ein­läu­te­te.19 Es war der Anfang vom Ende. »Hier war das Ende einer geschicht­li­chen Peri­ode«, resü­mier­te spä­ter Her­bert Mar­cu­se das Desas­ter der 1930er Jah­re, »und der Schre­cken der kom­men­den kün­dig­te sich an in der Gleich­zei­tig­keit des Bür­ger­kriegs in Spa­ni­en und der Pro­zes­se in Mos­kau.«20

Der Niedergang der alten Republik

John Dos Passos: U.S.A. (Library of America, 1996)
John Dos Pas­sos: U.S.A. (Libra­ry of Ame­ri­ca, 1996)

In die Jah­re zwi­schen dem Zusam­men­bruch des US-ame­ri­ka­ni­schen Kre­dit- und Akti­en­mark­tes 1929 und dem ste­ti­gen Tri­umph auto­ri­tä­rer und tota­li­tä­rer Sys­te­me in den 1930er Jah­ren fiel Dos Pas­sos‘ pro­duk­tivs­te Pha­se, die den Beginn sei­ner gro­ßen his­to­ri­schen Pan­ora­men ein­läu­te­te, wobei schließ­lich der krea­ti­ve Autor hin­ter dem His­to­ri­ker und Ideo­lo­gen ver­schwand. Die USA-Tri­lo­gie – bestehend aus den Roma­nen The 42nd Par­al­lel (1930; dt. Der 42. Brei­ten­grad), 1919 (1932; dt. Neun­zehn­hun­dert­neun­zehn) und The Big Money (1936; dt. Die Hoch­fi­nanz) – beschreibt die Ent­wick­lun­gen in den ers­ten drei Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts aus den Per­spek­ti­ven meh­re­rer Prot­ago­nis­ten (des pro­le­ta­ri­schen Wan­der­ar­bei­ters Mac, der klein­bür­ger­li­chen Sekre­tä­rin Janey Wil­liams und ihres unste­ten Bru­ders Joe, des PR-Unter­neh­mers J. Ward Moo­reh­ouse und sei­nes Kom­pa­gnons Richard Ells­worth Sava­ge, der Archi­tek­tin Elea­nor Stod­dard und ihrer Freun­din Eve­li­ne Hut­chins, des Flug­zeug­tech­ni­kers und Unter­neh­mers Char­ley Ander­son, des jüdi­schen Kom­mu­nis­ten Ben Comp­ton, des Star­lets Mar­go Dow­ling und der lin­ken Intel­lek­tu­el­len Mary French, deren poli­ti­sche und pri­va­te Ambi­tio­nen an den rea­len Herr­schafts­ver­hält­nis­sen schei­tern. Am Ende der Tri­lo­gie trampt ein jun­ger Mann namens Vag durch den Kon­ti­nent, wäh­rend die Wohl­ha­ben­den in Flug­zeu­gen über ihm ihre Krei­se zie­hen und die Geschi­cke des Lan­des bestim­men.

John Dos Passos: Amerikanische Porträts (Nautilus/Nemo Press, 1985)
John Dos Pas­sos: Ame­ri­ka­ni­sche Por­träts (Nautilus/Nemo Press, 1985)

Kon­tras­tiert wer­den die­se kon­ven­tio­nell-rea­lis­ti­schen Erzähl­pas­sa­gen mit »News­re­els«, in denen im Sti­le der Kino-Wochen­schau­en Schlag­zei­len, popu­lä­re Lied­zei­len und Zita­ten aus ver­schie­de­nen Kon­tex­ten mon­tiert sind, und sub­jek­ti­ven, als »Came­ra Eye« beti­tel­ten Erzäh­ler­kom­men­ta­ren, die den Ver­lauf der his­to­ri­schen Ereig­nis­se aus einer dezi­diert per­sön­li­chen Per­spek­ti­ve beschrei­ben. Dar­über hin­aus wer­den in das gro­ße Kon­vo­lut kur­ze prä­gnan­te Bio­gra­fien von sozia­lis­ti­schen Kämp­fern wie Euge­ne Debs, Wil­liam D. Hay­wood, Joe Hill, oder Wes­ley Ever­est, Kapi­ta­lis­ten wie Andrew Car­ne­gie, Tho­mas Edi­son, J. P. Mor­gan, Fre­de­rick Winslow Tay­lor, Hen­ry Ford und Wil­liam Ran­dolph Hearst, Poli­ti­kern wie Theo­do­re Roo­se­velt und Woo­d­row Wil­son, kri­ti­schen Intel­lek­tu­el­len wie Ran­dolph Bourne und Thor­stein Veblen, Künst­lern wie Isa­do­ra Dun­can und Rudolph Valen­ti­no.

Zwar gehört Dos Pas­sos‘ USA-Tri­lo­gie noch immer (neben The Scar­let Let­ter, Moby-Dick, The Gre­at Gats­by, Gravity’s Rain­bow und vie­len Faulk­ner-Roma­nen) in den Vor­schlags­ka­ta­log für den »gro­ßen ame­ri­ka­ni­schen Roman«21, doch hat er inzwi­schen Pati­na ange­setzt. Wie Micha­el Den­ning zu Recht kon­sta­tier­te, ver­lor sich Dos Pas­sos‘ eins­ti­ge moder­ne Avan­ciert­heit im »Muse­um der Moder­ne«: Wäh­rend Dos Pas­sos‘ Repu­ta­ti­on schwand, wuchs die Bedeu­tung Wil­liam Faulk­ners in der moder­nen Lite­ra­tur nach 1945 (trotz sei­ner frag­wür­di­gen Ver­wur­ze­lung in den ras­sis­ti­schen Struk­tu­ren des ame­ri­ka­ni­schen Südens).22 Nichts­des­to­trotz ist die Tri­lo­gie in ihrer genau­en Beschrei­bung der US-ame­ri­ka­ni­schen Ver­hält­nis­se, der Zer­ris­sen­heit und per­ma­nen­ten Gewalt durch Staats­or­ga­ne und hys­te­ri­sier­te Klein­bür­ger­ban­den, der vor­herr­schen­den Ungleich­heit und Unge­rech­tig­keit von beklem­men­der Aktua­li­tät. Dos Pas­sos beschwört die »alten Wor­te der Immi­gran­ten« – Frei­heit, Gerech­tig­keit und Gleich­heit – wie aus einer para­die­si­schen Ver­gan­gen­heit, die in der Gegen­wart von den »Mäch­ti­gen« – den Indus­trie­ka­pi­tä­nen, den Poli­ti­kern und den Medi­en­ma­ni­pu­la­teu­ren – kor­rum­piert wur­den. »Ame­ri­ca our nati­on has been bea­ten by stran­gers«, heißt es im vor­letz­ten »Kame­ra-Auge«, »who have tur­ned our lan­guage insi­de out who have taken the clean words our fathers spo­ke and made them sli­my and foul«.23

In die­ser viel­zi­tier­ten Pas­sa­ge offen­bart sich nicht allein Dos Pas­sos‘ poli­ti­sche Vor­stel­lung einer »ame­ri­ka­nisch« begrün­de­ten Frei­heit, die vor der Indus­tria­li­sie­rung im 19. Jahr­hun­dert wie in einer eden­haf­ten Ver­gan­gen­heit in der all­täg­li­chen Pra­xis exis­tiert hät­te. Auch wenn Dos Pas­sos die »lin­ke Linie« nach 1934 ver­ließ, blieb U.S.A. (wie Micha­el Den­ning schrieb) der »Ur-Text der Volks­front«: Noch 1937 wähl­te der zwei­te Kon­gress der ame­ri­ka­ni­schen Autoren The Big Money zum bes­ten Roman des Jah­res, ver­mut­lich weil er – gemäß der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­li­nie – mit einem »Ame­ri­ka­nis­mus« lin­ker Prä­gung kon­form ging.24 Dass das US-ame­ri­ka­ni­sche Staats­we­sen seit dem 18. Jahr­hun­dert auf Unrecht, Aus­beu­tung und Exter­mi­na­ti­on gegrün­det war, wur­de in Dos Pas­sos‘ Tri­lo­gie aus­ge­spart: India­ni­sche Ame­ri­ka­ner, Afro­ame­ri­ka­ner oder Latein­ame­ri­ka­ner kom­men bei ihm als Prot­ago­nis­ten nicht vor. Klei­ne und gro­ße Betrü­ger wie Doc Bing­ham oder J. Ward Moo­reh­ouse strei­fen durch die Land­schaf­ten, wäh­rend apo­ka­lyp­ti­sche Pan­de­mien wie die »Spa­ni­sche Grip­pe« in den Jah­ren 1918–19 oder die öko­lo­gi­schen Fol­gen der Stadt- und Indus­trie­ent­wick­lung bei Dos Pas­sos kei­ne Rol­le spie­len (sei­ne Hel­den sind Archi­tek­ten und Indus­tri­el­le wie Frank Lloyd Wright und Char­ley Ander­son). In einem mys­te­riö­sen ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Sze­na­rio wird die his­to­ri­sche Schuld »Frem­den« ange­las­tet, die wie ein bös­ar­ti­ges Virus über die rei­nen ame­ri­ka­ni­schen Land­schaf­ten her­ge­fal­len sei­en. »Frei­heit« dege­ne­riert dabei zu einem Kon­strukt indi­vi­du­el­ler Auto­no­mie »liber­tä­rer« Kon­ser­va­ti­ver, die gegen die Ein­fluss­nah­me des Staa­tes oppo­nie­ren und sich vor einer vul­gä­ren Mas­sen­ge­sell­schaft ekeln.25

John Dos Passos: USA-Trilogie (Rowohlt, 1979)
John Dos Pas­sos: USA-Tri­lo­gie (Rowohlt, 1979)

Sei­ne Tri­lo­gie stellt nicht allein eine Kri­tik der US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts dar, die in der Kon­tras­tie­rung der poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Kräf­te (in Per­son von Theo­do­re Roo­se­velt, Woo­d­row Wil­son, Andrew Car­ne­gie, Tho­mas Edi­son, J. P. Mor­gan, Fre­de­rick Winslow Tay­lor, Hen­ry Ford und Wil­liam Ran­dolph Hearst) mit der radi­ka­len Oppo­si­ti­on (reprä­sen­tiert von Euge­ne Debs, Wil­liam D. Hay­wood, Joe Hill oder Emma Gold­man) sich mani­fes­tiert, son­dern auch eine Atta­cke auf das »ver­ding­lich­te Bewusst­sein« der US-ame­ri­ka­ni­schen Kul­tur­in­dus­trie, wie sie in der Beschrei­bung Hol­ly­woods als des »gro­ßes Schwach­sinns­zen­trum der Welt« zum Aus­druck kam. 26 Für die Por­trä­tie­rung der Schau­spie­le­rin Mar­go Dow­ling und des Regis­seurs Sam Mar­go­lies nahm sich Dos Pas­sos das Paar Mar­le­ne Diet­rich und Josef von Stern­berg als Vor­bild, wobei er auf die »natu­ra­lis­ti­sche« Ver­kom­men­heit der Exis­tenz im US-ame­ri­ka­ni­schen Kapi­ta­lis­mus auf die »klas­si­sche« Kon­stel­la­ti­on von »Hure« und »Zuhäl­ter« rekur­riert (wie sie bereits Theo­do­re Drei­ser im Paar Car­rie und Hurst­wood in sei­nem Roman Sis­ter Car­rie prä­sen­tier­te).

Die Kri­tik der »Kul­tur­in­dus­trie« wie des poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Per­so­nals des Staats­ap­pa­rats beschränkt sich bei Dos Pas­sos auf die per­sön­li­chen Unzu­läng­lich­kei­ten der Prot­ago­nis­ten, wäh­rend der his­to­ri­sche Pro­zess­cha­rak­ter außen vor bleibt. Dos Pas­sos‘ Geschichts­theo­rie bleibt nicht nur in der USA-Tri­lo­gie, son­dern in sei­nem gesam­ten Roman­werk sta­tisch: Wäh­rend die Agen­ten der öko­no­mi­schen Aus­beu­tung durch­gän­gig die erfolg­rei­chen his­to­ri­schen Akteu­re sind, schei­tern die radi­ka­len Oppo­nen­ten wie Mac, Mary French oder Ben Comp­ton an sub­jek­ti­ven und struk­tu­rel­len Kom­po­nen­ten der Geschich­te.27 Wie Lio­nel Tril­ling in einer frü­hen Rezen­si­on der Tri­lo­gie anmerk­te, war Dos Pas­sos weni­ger ein Gesell­schafts­his­to­ri­ker (als der er häu­fig bezeich­net wur­de) denn ein roman­ti­scher Mora­list, des­sen Figu­ren vom Beginn der Geschich­te an auf der Rou­te des Schei­terns unter­wegs waren: Nicht was sie unter­nah­men, son­dern wie sie es unter­nah­men, war für Dos Pas­sos ent­schei­dend.28 Sei­ne Geschichts­pan­ora­men (von der USA-Tri­lo­gie über District of Colum­bia [1952] bis zu Midcen­tu­ry [1961]) stel­len eine »Lita­nei des Schei­terns«29 dar (um einen tref­fen­den Aus­druck Stan­ley Cor­kins zu bemü­hen): Im Sti­le der Ver­zweif­lung beschwor Dos Pas­sos immer aufs Neue das indi­vi­dua­lis­ti­sche Para­dies der Wob­blies vor dem Ein­bruch des Indus­tria­lis­mus und der Kul­tur­in­dus­trie, des Tay­lo­ris­mus und des For­dis­mus, wie­der­hol­te mit jedem Buch die immer­glei­che Lita­nei gegen die indus­tri­el­le Ent­wick­lung der USA und die Eta­blie­rung der ideo­lo­gi­schen Büro­kra­tien der Par­tei­en, Gewerk­schaf­ten und Unter­neh­men, die kei­ne »liber­tä­re« Ent­fal­tung des frei­en Kapi­tals zulie­ßen.

Epitaph der amerikanischen Moderne

In den Augen Richard H. Pells‘ lehn­te Dos Pas­sos in sei­ner Ele­gie des Ver­falls, die mit dem Auf­stieg der USA zur kapi­ta­lis­ti­schen Welt­macht ein­her­ging, Kapi­ta­lis­ten und Sozia­lis­ten glei­cher­ma­ßen ab, weil sie ähn­li­che Vor­stel­lun­gen eines repres­si­ven Kol­lek­ti­vis­mus ver­tra­ten, den Dos Pas­sos als Signum der Ver­derbt­heit und des Ver­rats des 20. Jahr­hun­derts ansah.30 Die Tri­lo­gie bot kei­ne Per­spek­ti­ve für die Gegen­wart noch Hoff­nung für die Zukunft, son­dern war eine Toten­eh­rung von Dos Pas­sos‘ Kind­heit zu Beginn des Jahr­hun­derts.31 Auch in ihrer schein­ba­ren moder­nis­ti­schen Aus­rich­tung wies sie kei­nen Weg nach vorn: In sei­nem Rekur­rie­ren auf die Tra­di­ti­on des pika­res­ken Romans, in dem der »Tricks­ter« Doc Bing­ham aus den ers­ten Jah­ren des Jahr­hun­derts als Kapi­ta­list in den 1920er Jah­ren wie­der auf­taucht, stumpft die Kri­tik der kapi­ta­lis­ti­schen Ent­wick­lung ab und ver­harm­lost den Auf­stieg auto­ri­tä­rer und faschis­ti­scher Kräf­te jener Zeit.32 Obwohl die Tri­lo­gie nach Ansicht Lio­nel Tril­lings als »der wich­ti­ge ame­ri­ka­ni­sche Roman der Deka­de« her­aus­rag­te und »befrie­di­gen­der als alles ande­re« sei, was die ame­ri­ka­ni­sche Lite­ra­tur her­vor­ge­bracht habe, mar­kier­te das Werk nicht einen Auf­bruch zu neu­en Ufern, son­dern stell­te einen »Epi­taph für ein Ame­ri­ka«, das nicht län­ger exis­tiert, wie Micha­el Den­ning bemerk­te. Anders als Moby-Dick oder The Gre­at Gats­by wirft U.S.A. kei­nen Fun­ken oder Auf­blit­zen der Zukunft; statt­des­sen ist nur das ablau­fen­de Ticken der Todes­uhr für Sac­co und Van­zet­ti zu hören.33

John Dos Passos
John Dos Pas­sos (ca. 1955)

Dos Pas­sos begriff die Rol­le des Autor als die eines Tech­ni­kers, der sei­ne Fer­tig­kei­ten der Spra­che und des his­to­ri­schen Bewusst­seins in der Ver­tei­di­gung der Frei­heit gegen die Über­grif­fe von Gesell­schaft und Büro­kra­tie ein­set­zen soll­te, und vor allem in die­ser tech­ni­schen Funk­ti­on übte Dos Pas­sos eine nach­hal­ti­ge Wir­kung auf Autoren spä­te­rer Genera­tio­nen wie Eyvind John­son, Gün­ter Grass oder E. L. Doc­to­row aus, doch sein man­geln­des Bewusst­sein für die öko­lo­gi­schen und psy­cho­lo­gi­schen Kos­ten der Erobe­rung der Ver­hält­nis­se in den USA durch eine wei­ße, prä­do­mi­nant männ­lich bestimm­te Klas­se lässt vie­les in sei­nen groß ange­leg­ten his­to­ri­schen Chro­ni­ken obso­let, wenn nicht reak­tio­när erschei­nen.34 Am Ende sei­nes Lebens, als er gegen die »sinis­tren Her­an­wach­sen­den« wie James Dean oder die Neue Lin­ke wet­ter­te, allent­hal­ben lin­ke Ver­schwö­run­gen am Wer­ke sah und in rech­ten Zeit­schrif­ten wie der Natio­nal Review Pro­pa­gan­da für das Regime »alter wei­ßer Män­ner« wie Bar­ry Gold­wa­ter, Richard Nixon und Ronald Rea­gan betrieb, defi­nier­te er das Alt­wer­den als einen Pro­zess des Ver­wel­kens der Illu­sio­nen.35 Aber ver­mut­lich hät­te es der Begriff der Demenz bes­ser getrof­fen.

Momen­tan fin­det Dos Pas­sos in sei­nem deut­schen Ver­lag Rowohlt neue Auf­merk­sam­keit: Nach­dem sein klas­si­scher Stadt­ro­man Man­hat­tan Trans­fer 2016 in einer Neu­über­set­zung von Dirk van Guns­te­ren erschien, liegt nun auch die USA-Tri­lo­gie in einer neu­en Fas­sung der bei­den renom­mier­ten Über­set­zer Niko­laus Stingl und Dirk van Guns­te­ren vor. In einer aus­führ­li­chen Rezen­si­on im Deutsch­land­funk resü­mier­te der Autor Eber­hard Falcke: »Die neue Über­set­zung der USA-Tri­lo­gie bie­tet aus­ge­zeich­ne­te Vor­aus­set­zun­gen zur Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sem im Übri­gen auch span­nend-unter­halt­sa­men Roman, der zu den lite­ra­ri­schen Grün­dungs­do­ku­men­ten der ame­ri­ka­ni­schen Moder­ne gehört. Und wer wis­sen will, wie die USA zu dem wur­den, was sie heu­te sind, liest die­ses Werk eben­falls mit größ­tem Gewinn.«36

John Dos Passos: USA-Trilogie (Rowohlt, 2020)
John Dos Pas­sos: USA-Tri­lo­gie (Rowohlt, 2020)

Dabei unter­schlägt Falcke jedoch, dass Dos Pas­sos‘ Tri­lo­gie kei­nes­wegs am Beginn der US-ame­ri­ka­ni­schen Moder­ne stand noch dass sie»eine lite­ra­ri­sche Selbst­ent­de­ckung der USA« war.37 Auch von einem Feuil­le­to­nis­ten wäre eine Lite­ra­tur­kri­tik zu erwar­ten, die nicht allein der Ver­lags­pu­bli­ci­ty zuar­bei­tet, um ein Ver­lags­pro­dukt kapi­tal­träch­tig zu ver­mark­ten. »Die ›USA-Tri­lo­gie‹ ist so ziem­lich alles, was ein Roman sein kann«, behaup­tet Falcke. Es sei »Gesell­schafts- und Zeit­ro­man, ein Pio­nier­stück lite­ra­ri­scher Inno­va­tio­nen, zugleich aber auch eine breit ange­leg­te kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den Lebens­ver­hält­nis­sen, Ver­spre­chun­gen und Wirk­lich­kei­ten der macht­voll auf­stre­ben­den Nati­on, auf die Genera­tio­nen von Ein­wan­de­rern ihre Hoff­nun­gen setz­ten.«38, Dass in Dos Pas­sos »breit« ange­leg­ter kri­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung Urein­woh­ner, Afro­ame­ri­ka­ner oder Ein­wan­de­rer aus Latein­ame­ri­ka nicht vor­kom­men, ver­schweigt Falcke geflis­sent­lich, da sol­che Ein­wän­de ver­mut­lich den ange­dach­ten ROI in Fra­ge zögen. Der Rezen­sent beschwört ein his­to­ri­sches USA-Ter­rain, »als es dort noch Pro­le­ta­ri­er, Gewerk­schaf­ter und Mar­xis­ten gab«, ohne dass er rea­li­ter eine Bezie­hung zu heu­ti­gen Ver­hält­nis­sen her­stel­len möch­te.

 

Im Gegen­satz zu der »alten« Über­set­zung Paul Bau­dischs wird die »Zeit­ge­mäß­heit« der neu­en Über­set­zung her­vor­ge­ho­ben. Doch wor­in besteht die »Zeit­ge­mäß­heit« der neu­en Über­set­zung? In der alten Über­set­zung wur­de »demen­tia« mit dem ver­al­te­ten Begriff »Demen­tia Prae­cox« wie­der­ge­ge­ben, wäh­rend in der neu­en Über­tra­gung der heu­te übli­che Ter­mi­nus »Demenz« ver­wen­det wird.39 Dage­gen fin­det auch die Stingl-/van Guns­te­ren-Über­tra­gung kei­nen adäqua­ten Aus­druck für den Titel des »Schur­ken­por­träts« Woo­d­row Wil­sons, der im Ori­gi­nal als »Mees­ter Veel­son« bezeich­net wird: Bau­disch beschränk­te sich auf »Mis­ter Wil­son«, wäh­rend sich Stingl und van Guns­te­ren für »Miis­ter Wiil­son« ent­schei­den, doch auch die­se Bezeich­nung gibt nicht in Gän­ze die Ver­ach­tung wie­der, die Dos Pas­sos für die­sen Ver­rä­ter der »alten Wor­te« emp­fand.40 Mit dem Ver­spre­chen einer »neu­en Frei­heit« auf­ge­bro­chen, stürz­te er als Prä­si­dent die Nati­on in die Gemet­zel des Ers­ten Welt­krie­ges und hat­te die Ein­ker­ke­rung von Oppo­si­tio­nel­len, Gewerk­schaf­ter, Jour­na­lis­ten und Intel­lek­tu­el­len sowie die gra­vie­ren­de Ein­schrän­kung von Bür­ger- und Men­schen­rech­ten zu ver­ant­wor­ten.41 Im Gegen­satz zur alten Aus­ga­be füg­ten die Über­set­zer dem Kom­pen­di­um knapp fünf­zig Sei­ten Anmer­kun­gen hin­zu, die kur­ze Erläu­te­run­gen zu den his­to­ri­schen Per­so­nen oder Über­set­zun­gen fremd­spra­chi­ger Rede­wen­dun­gen lie­fern. Die Chro­no­lo­gien über den Autor und der im Text zitier­ten Ereig­nis­se, die in der von Dani­el Aaron und Town­send Lud­ding­ton edier­ten Aus­ga­be in der Libra­ry of Ame­ri­ca (die der Über­set­zung als Grund­la­ge dien­te) feh­len aller­dings. Zudem erscheint die Umbe­nen­nung der »Came­ra Eye«-Passagen von »Kame­ra-Auge« in »Das Auge der Kame­ra« über­aus frag­wür­dig, denn damit wird der Ein­fluss des sowje­ti­schen Mon­ta­ge­films eli­mi­niert: Das »Kame­ra-Auge« (in den 1920ern auch als »Kino­ki« bezeich­net) mon­tier­te aus den auf­ge­zeich­ne­ten Sin­nes­ein­drü­cken der Außen­welt eine eige­ne Wahr­neh­mung der Rea­li­tät (wie sie bei­spiels­wei­se in den Kurz­fil­men, Repor­ta­gen und »Wochen­schau­en« des Fil­me­ma­cher Dzi­ga Ver­tov zum Aus­druck kam).42

John Dos Passos: Erstausgabe von U.S.A. (Modern Library
John Dos Pas­sos: Erst­aus­ga­be von U.S.A. (Modern Libra­ry)

Obwohl Dos Pas­sos auch in sei­nen spä­ten Jah­ren den Ein­fluss des sowje­ti­schen Mon­ta­ge­films auf sein lite­ra­ri­sches Werk ein­räum­te und trotz sei­ner har­schen Kri­tik der Stu­den­ten­be­we­gung bei jun­gen Radi­ka­len den Sta­tus eines lite­ra­ri­schen Hero­en ein­nahm43, blieb immer eine ein­ge­brann­te Abnei­gung gegen den Indus­tria­lis­mus das Wahr­zei­chen sei­nes Wer­kes. Wie Thor­stein Veblen (den er gegen die mäch­ti­gen und über­mäch­ti­gen Kräf­te des US-ame­ri­ka­ni­schen Kapi­ta­lis­mus als intel­lek­tu­el­le Per­sön­lich­keit ins Spiel brach­te) woll­te er den »Schutt der Kul­tur« fort­räu­men, das Urge­stein bloß­le­gen, wie Theo­dor W. Ador­no in den Pris­men schrieb, um selbst der Ver­blen­dung zu ver­fal­len.44

Wie John Patrick Dig­gins schrieb, blieb die USA-Tri­lo­gie in Erman­ge­lung einer kohä­ren­ten Gesell­schafts- und Geschichts­ana­ly­se das Bekennt­nis einer radi­ka­len Ago­nie, hin­ter der sich ein kon­ser­va­ti­ves Ver­ständ­nis ver­barg.45 Daher ist es nicht ver­wun­der­lich, dass zu Dos Pas­sos‘ fünf­zigs­tem Todes­tag die kon­ser­va­ti­ve Natio­nal Review sei­nen Nach­ruf von 1970 noch ein­mal nach­druckt und ihn als ame­ri­ka­ni­sches Mus­ke­tier der »Gang of Four« (neben Sin­c­lair Lewis, Scott Fitz­ge­rald und Ernest Heming­way) fei­ert, wäh­rend Wil­liam Faulk­ner oder spä­te­re Autoren wie Wil­liam Gass, Tho­mas Pyn­chon oder John Barth in die­ser Wahr­neh­mung nicht vor­kom­men (von nicht-wei­ßen oder weib­li­chen Autorin­nen ganz zu schwei­gen).46 Der Satz »wir sind besiegt Ame­ri­ka«47 hat eine rea­le Berech­ti­gung, doch muss die Nie­der­la­ge nicht end­gül­tig sein. Le com­bat con­ti­nue.

© Jörg Auberg 2020

Bibliografische Angaben:

John Dos Pas­sos.
USA-Tri­lo­gie:
Der 42. Brei­ten­grad / 1919 / Das gro­ße Geld.
Über­setzt von Niko­laus Stingl und Dirk van Guns­te­ren.
Ham­burg: Rowohlt, 2020.
1648 Sei­ten, 50 Euro.
ISBN: 978–3‑498–09560‑4.

Bild­quel­len (Copy­rights)
Cover Die Akti­on © Edi­ti­on Nau­ti­lus
Foto John Dos Pas­sos in den 1960er Jah­ren © Geor­ge Cserna/Andre Deutsch
Cover Libe­ra­ti­on © Bill Davis
Cover Tra­vel Books and Other Wri­tings
© Libra­ry of Ame­ri­ca
Por­trät Pío Baro­ja (Koh­le­zeich­nung von Ramón Casas) © Wiki­me­dia (Public domain)
Post­kar­te Sac­co & Van­zet­ti © Wiki­me­dia
Cover Facing the Chair
Archiv des Autors
Foto John Dos Pas­sos als Demons­trant für Sac­co & Van­zet­ti Archiv des Autors
Trai­ler Sac­co e Van­zet­ti You­Tube-Video
Pla­kat John Dos Pas­sos Con­fe­rence © Uni­ver­si­ty of Ten­nes­see
Cover U.S.A. (Libra­ry of Ame­ri­ca) © Libra­ry of Ame­ri­ca
Cover Ame­ri­ka­ni­sche Por­träts
© Edi­ti­on Nau­ti­lus
Foto USA-Tri­lo­gie (Rowohlt, 1979) © Jörg Auberg
Foto John Dos Pas­sos (ca. 1955) © Mond­ado­ri Portfolio/Library of Ame­ri­ca
Cover USA-Tri­lo­gie (Rowohlt, 2020)
© Rowohlt Ver­lag
Trai­ler The Man With the Movie Came­ra (Dzi­ga Ver­tov, 1929) BBC Four/Y­ou­Tube-Video
Cover der Erst­aus­ga­be von U.S.A. (Modern Libra­ry) © Wiki­me­dia (Public domain)

Nachweise

  1. Fran­cis Pica­bia, Apho­ris­men, übers. Pierre Gal­lis­saires und Han­na Mit­tel­städt (Ham­burg: Nautilus/Nemo Press, 1988), S. 17
  2. John Dos Pas­sos, »A Hum­ble Pro­test« (Juni 1916), in: John Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, hg. Donald Pizer (Detroit: Way­ne Sta­te Uni­ver­si­ty Press, 1988), S. 34
  3. Dos Pas­sos, zitiert in: Dani­el Aaron, Wri­ters on the Left: Epi­so­des in Ame­ri­can Litera­ry Com­mu­nism (1961; rpt. New York: Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 1992), S. 346
  4. Dos Pas­sos, The Best Times: An Infor­mal Memoir (Lon­don: And­re Deutsch, 1968), S. 45–46; David San­ders, »The Art of Fic­tion No. 44: John Dos Pas­sos«, Paris Review, Nr. 46 (1969), rpt. in: The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 242. Bezeich­nen­der­wei­se dekla­riert Dos Pas­sos in sei­nen Memoi­ren die Jah­re von 1896 bis 1937 als die »bes­ten Zei­ten«. Offen­bar kam danach nur noch die »Nach­ge­schich­te«.
  5. Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 263–267, 300; Dos Pas­sos, The Four­te­enth Chro­ni­cle: Let­ters and Dia­ries of John Dos Pas­sos, hg. Town­send Lud­ding­ton (Bos­ton: Gam­bit, 1973), S. 640; Dos Pas­sos, Century’s Ebb: The Thir­te­enth Chro­ni­cle (Bos­ton: Gam­bit, 1975), S. 467
  6. Dos Pas­sos, The Four­te­enth Chro­ni­cle, S. 213, 210; Town­send Lud­ding­ton, John Dos Pas­sos: A Twen­tieth-Cen­tu­ry Odys­sey (New York: Car­roll & Graf, 1980), S. 253
  7. Dos Pas­sos, The Four­te­enth Chro­ni­cle, S. 180; Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 289; John P. Dig­gins, Up From Com­mu­nism: Con­ser­va­ti­ve Odys­seys in Ame­ri­can Intel­lec­tu­al Deve­lo­p­ment (New York: Colum­bia Uni­ver­si­ty Press, 1994), S. 350, 357; Robert C. Rosen, John Dos Pas­sos: Poli­tics and the Wri­ter (Lin­coln: Uni­ver­si­ty of Nebras­ka Press, 1981), S. 134. Zur Geschich­te von Libe­ra­ti­on sie­he Andrew E. Hunt, David Del­lin­ger: The Life and Times of a Non­vio­lent Revo­lu­tio­na­ry (New York: New York Uni­ver­si­ty Press, 2006), S. 112–116
  8. Aaron, Wri­ters on the Left, S. 345; Jean-Paul Sart­re, »À pro­pos de John Dos Pas­sos et 1919«, in: Situa­tions I, hg. Arlet­te-Elkaïm-Sart­re (Paris: Gal­li­mard, 2010), S. 31. Der Aus­druck »lyri­sche Lin­ke« stammt von John P. Dig­gins, The Rise and Fall of the Ame­ri­can Left (New York: W. W. Nor­ton, 1992), S. 93–143.
  9. Dos Pas­sos, »Rosi­nan­te to the Road Again«, in: Dos Pas­sos, Tra­vel Books and Other Wri­tings 1916–1941, hg. Town­send Lud­ding­ton (New York: Libra­ry of Ame­ri­ca, 2003), S. 44, 24–26; Jörg Auberg, »Das Ende der Stra­ße: John Dos Pas­sos und die spa­ni­sche Uto­pie«, Tran­via, Nr. 23 (Dezem­ber 1991), S. 5–7. Die fol­gen­den Pas­sa­gen beru­hen im Wesent­li­chen auf die­sem Text.
  10. Dos Pas­sos, »Rosi­nan­te to the Road Again«, S. 39–48; Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 69–70, 73–74
  11. Dos Pas­sos, »Rosi­nan­te to the Road Again«, S. 30
  12. Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 54–55, 73
  13. John Dos Pas­sos, Facing the Chair: The Sto­ry of the Ame­ri­ca­niz­a­ti­on of Two For­eig­n­born Work­men (1927; rpt. New York: DaCa­po Press, 1970), S. 45. Zum anar­chis­ti­schen Hin­ter­grund des Sac­co-Van­zet­ti-Fal­les sie­he Paul Avrich, Sac­co and Van­zet­ti: The Anar­chist Back­ground (Prince­ton, NJ: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 1991), und Anto­nio Sen­ta, Lui­gi Gal­lea­ni: The Most Dan­ge­rous Anar­chist in Ame­ri­ca, übers. Andrea Asa­li und Sean Say­ers (Chi­co: AK Press, 2019), S. 98–189
  14. Dos Pas­sos, Facing the Chair, S. 56
  15. Dos Pas­sos, Facing the Chair, S. 57
  16. Sie­he bei­spiels­wei­se Paul Avrich, The Rus­si­an Anar­chists (1967; rpt. Oak­land, CA: AK Press, 2005), S. 204–254; Vic­tor Ser­ge, Memoi­rs of a Revo­lu­tio­na­ry, übers. Peter Sedgwick (New York: New York Review Books, 2012), S. 184–449; Ali­ce Wex­ler, Emma Gold­man in Exi­le: From the Rus­si­an Revo­lu­ti­on to the Spa­nish Civil War (Bos­ton: Beacon Press, 1989). Zu den »Para­do­xien des ame­ri­ka­ni­schen Kom­mu­nis­mus« sie­he Micha­el Kazin, Ame­ri­can Drea­mers: How the Left Chan­ged a Nati­on (New York: Knopf, 2011), S. 155–208. Zur indi­vi­du­el­len Erfah­rung der »Dos-Pas­sos-Immi­gran­ten« sie­he Vivi­an Gor­nick, The Romance of Ame­ri­can Com­mu­nism (1977; rpt. Lon­don: Ver­so, 2020), S. 59–66
  17. Mög­li­cher­wei­se folg­te Dos Pas­sos in einem »Her­den­in­stinkt« sei­nen intel­lek­tu­el­len Freun­den, die im »kom­mu­nis­ti­schen Pro­jekt« auch ein Medi­um im prak­ti­schen Vor­wärts­kom­men in den »medi­en­po­li­ti­schen« Appa­ra­ten (Pres­se, Ver­la­ge oder Film­ge­sell­schaf­ten) sahen. Die »Her­de unab­hän­gi­ger Geis­ter« (die Harold Rosen­berg eher beschwor denn ana­ly­sier­te) ließ sich in einer Stam­pe­de mal in die eine, mal in die ande­re Rich­tung len­ken. Sie­he Harold Rosen­berg, The Tra­di­ti­on of the New (1960; rpt. New York: DaCa­po Press, 1994), S. 209–285
  18. Mel­vin Lands­berg, Dos Pas­sos‘ Path to U.S.A.: A Poli­ti­cal Bio­gra­phy, 1912–1936 (Boul­der, CO: Colo­ra­do Asso­cia­ted Uni­ver­si­ty Press, 1972), S. 125–126; Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 81–82
  19. Fra­ser M. Otta­nel­li, The Com­mu­nist Par­ty of the United Sta­tes: From the Depres­si­on to World War II (New Bruns­wick, NJ: Rut­gers Uni­ver­si­ty Press, 1991), S. 56–57. Zum Ver­hält­nis von Intel­lek­tu­el­len und der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei sie­he auch Irving Howe und Lewis Coser, The Ame­ri­can Com­mu­nist Par­ty: A Cri­ti­cal Histo­ry (New York: Pra­e­ger, 1962), S. 273–318
  20. Her­bert Mar­cu­se, Kul­tur und Gesell­schaft I (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1965), S. 11
  21. Law­rence Bue­ll, The Dream of the Gre­at Ame­ri­can Novel (Cam­bridge, MA: The Bel­knap Press of Har­vard Uni­ver­si­ty Press, 2014), S. 389–422
  22. Micha­el Den­ning, The Cul­tu­ral Front: The Labo­ring of Ame­ri­can Cul­tu­re in the Twen­tieth Cen­tu­ry (Lon­don: Ver­so, 1997), S. 167; James Bald­win, »Faulk­ner and Dese­gre­ga­ti­on«, in: Bald­win, Collec­ted Essays, hg. Toni Mor­ri­son (New York: Libra­ry of Ame­ri­ca, 1998), S. 209–214
  23. John Dos Pas­sos, U.S.A. (New York: Libra­ry of Ame­ri­ca, 1996), S. 1157
  24. Den­ning, The Cul­tu­ral Front, S. 166; Donald Pizer, Dos Pas­sos‘ U.S.A.: A Cri­ti­cal Stu­dy (Char­lot­tes­vil­le: Uni­ver­si­ty Press of Vir­gi­nia , 1988), S. 37–38. In der Volks­front-Peri­ode bezeich­ne­te der KP-Gene­ral­se­kre­tär Earl Brow­der den Kom­mu­nis­mus als den »Ame­ri­ka­nis­mus des 20. Jahr­hun­derts«: sie­he Irving Howe und Lewis Coser, The Ame­ri­can Com­mu­nist Par­ty: A Cri­ti­cal Histo­ry, S. 339–340
  25. Mike Davis, The Mons­ter at Our Door: The Glo­bal Thre­at of Avi­an Flu (New York: The New Press, 2005), S.24
  26. Stan­ley Cor­kin, »John Dos Pas­sos and the Ame­ri­can Left: Reco­vering the Dialec­tic of Histo­ry«, Cri­ti­cism, 34:4 (Herbst 1992):593. Cor­kin sieht Dos Pas­sos in der Tra­di­ti­on des hege­lia­ni­schen Mar­xis­mus, wie sie von dem jun­gen Georg Lukács und Theo­dor W. Ador­no ver­tre­ten wur­de (ebd., S. 591). Die Bezeich­nung Hol­ly­woods als »the world’s gre­at bull­shit cen­ter« stammt aus: Vir­gi­nia Spen­cer Carr, Dos Pas­sos: A Life (1984; rpt. Evans­ton, IL: Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty Press, 2004), S. 329
  27. Chip Rho­des, Struc­tures of the Jazz Age: Mass Cul­tu­re, Pro­gres­si­ve Edu­ca­ti­on, and Racial Dis­clo­sures in Ame­ri­can Moder­nism (Lon­don: Ver­so, 1998), S. 75
  28. Lio­nel Tril­ling, »The Ame­ri­ca of John Dos Pas­sos« (1938), in: Tril­ling, The Moral Obli­ga­ti­on to Be Intel­li­gent: Selec­ted Essays, hg. Leon Wie­se­lier (Evans­ton, IL: Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty Press, 2000), S. 7
  29. Cor­kin, »John Dos Pas­sos and the Ame­ri­can Left«, S. 599
  30. In den 1930er und 1940er Jah­ren ent­brann­te bei der Dis­kus­si­on um Faschis­mus und Sta­li­nis­mus auch ein Streit um das Kon­strukt des »büro­kra­ti­schen Kol­lek­ti­vis­mus«, der vor allem in trotz­kis­ti­schen Zir­keln, aber auch im Krei­se der New Yor­ker Intel­lek­tu­el­len geführt wur­de. Sie­he bei­spiels­wei­se die Rezen­si­on Josef Sou­deks, der die ein­schlä­gi­gen Wer­ke von Bru­no Riz­zi und James Burn­ham unter die Lupe nahm (Stu­dies in Phi­lo­so­phy and Social Sci­ence, 9:2, 1941, S. 336–340). Zur Bedeu­tung die­ser The­se für die »Dera­di­ka­li­sie­rung« vie­ler ehe­ma­li­ger »Links­sek­tie­rer« im trotz­kis­ti­schen Milieu sie­he Mau­rice Isser­man, If I Had a Ham­mer …: The Death of the Old Left and the Birth of the New Left (New York: Basic Books, 1987), S. 35–75
  31. Richard H. Pells, Radi­cal Visi­ons and Ame­ri­can Dreams: Cul­tu­re and Social Thought in the Depres­si­on Years (1973; rpt. Urba­na, IL: Uni­ver­si­ty of Illi­nois Press, 1998), S. 235–237
  32. Sie­he Micha­el Joseph Rober­to, The Com­ing of the Ame­ri­can Behe­mo­th: The Ori­gins of Fascism in the United Sta­tes, 1920–1940 (New York: Mon­th­ly Review Press, 2018)
  33. Tril­ling, »The Ame­ri­ca of John Dos Pas­sos«, S. 3; Den­ning, The Cul­tu­ral Front, S. 199
  34. Dos Pas­sos, »The Wri­ter as Tech­ni­ci­an« (1935), in: The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 169–172; Bue­ll, The Dream of the Gre­at Ame­ri­can Novel, S. 428
  35. Dos Pas­sos, Midcen­tu­ry: A Con­tem­pora­ry Chro­ni­cle (Bos­ton: Houghton Miff­lin, 1961), S. 479; Robert C. Rosen, John Dos Pas­sos: Poli­tics and the Wri­ter, S. 143; Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, 272
  36. Eber­hard Falcke, »John Dos Pas­sos‘ bahn­bre­chen­de USA-Tri­lo­gie neu über­setzt«, Deutsch­land­funk, 27. Sep­tem­ber 2020, https://www.deutschlandfunk.de/romanzyklus-aus-den-1920ern-john-dos-passos-bahnbrechende.700.de.html?dram:article_id=483775
  37. Zur »ame­ri­ka­ni­schen Moder­ne«, die Anfang des 20. Jahr­hun­derts begann, sie­he Alan Ant­liff, Anar­chist Moder­nism: Art, Poli­tics, and the First Ame­ri­can Avant-Gar­de (Chi­ca­go: Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press, 2001), und Richard H. Pells, Moder­nist Ame­ri­ca: Art, Music, Movies, and the Glo­ba­liz­a­ti­on of Ame­ri­can Cul­tu­re (New Haven: Yale Uni­ver­si­ty Press, 2011)
  38. Eber­hard Falcke, »John Dos Pas­sos‘ bahn­bre­chen­de USA-Tri­lo­gie neu über­setzt«, Deutsch­land­funk, 27. Sep­tem­ber 2020
  39. Dos Pas­sos, U.S.A. (Libra­ry of Ame­ri­ca), S. 937; Dos Pas­sos, USA-Tri­lo­gie 3: Die Hoch­fi­nanz, übers. Paul Bau­disch (Rein­bek: Rowohlt, 1979), S. 219; Dos Pas­sos, USA-Tri­lo­gie, übers. Niko­laus Stingl und Dirk van Guns­te­ren (Ham­burg: Rowohlt, 2020), S. 1205
  40. Dos Pas­sos, U.S.A. (Libra­ry of Ame­ri­ca), S. 564; Dos Pas­sos, USA-Tri­lo­gie 2: Neun­zehn­hun­dert­neun­zehn, übers. Paul Bau­disch (Rein­bek: Rowohlt, 1979), S. 280; Dos Pas­sos, USA-Tri­lo­gie, übers. Niko­laus Stingl und Dirk van Guns­te­ren, S. 720
  41. David L. Van­der­wer­ken, »U. S. A.: Dos Pas­sos and the ›Old Words‹«, Twen­tieth Cen­tu­ry Lite­ra­tu­re, 23:2 (Mai 1977): 205–206
  42. Sie­he Kino-Eye: The Wri­tings of Dzi­ga Ver­tov, hg. Annet­te Michel­son, übers. Kevin O’Brien (Ber­ke­ley: Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press, 1984); Jus­tin Edwards, »The Man with a Came­ra Eye: Cine­ma­tic Form and Hol­ly­wood Male­dic­tion in John Dos Passos’s The Big Money«, Literature/Film Quar­ter­ly, 27:4 (1999):245–254. Mit sei­ner »kine­ma­to­gra­fi­schen Mon­ta­ge­tech­nik« übte Dos Pas­sos offen­bar auch eine Rück­wir­kung auf die sowje­ti­sche Film­ar­beit in den frü­hen 1930er Jah­ren aus: cf. Jay Ley­da: Kino: A Histo­ry of the Rus­si­an and Soviet Film (Lon­don: Allen & Unwin, 1960), S. 288
  43. Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S.247. Sym­pto­ma­tisch ist hier­für ein Inter­view von Stu­den­ten im Okto­ber 1968, zu denen auch Ken Kob­land gehör­te, der spä­ter u. a. den Film The Com­mu­nists Are Com­for­ta­ble mach­te. Sie­he Dos Pas­sos, The Major Non­fic­tio­n­al Pro­se, S. 276–292 und die Home­page von Ken Kob­land: http://www.kenkoblandfilms.com/projects/communists.html
  44. Dos Pas­sos, U.S.A. (Libra­ry of Ame­ri­ca), S. 845–855; Dos Pas­sos, USA-Tri­lo­gie, übers. Niko­laus Stingl und Dirk van Guns­te­ren, S. 1084–1097; Theo­dor W. Ador­no, Pris­men: Kul­tur­kri­tik und Gesell­schaft, hg. Rolf Tie­de­mann (Frankfurt/Main: Suhr­kamp, 1987), S. 80
  45. John P. Dig­gins, Up From Com­mu­nism, S. 115
  46. John Cham­ber­lain, »Dos Pas­sos: Last of the Big Four«, Natio­nal Review, 28. Sep­tem­ber 2020 (zuerst erschie­nen: 20. Okto­ber 1970), https://www.nationalreview.com/2020/09/dos-passos-last-of-the-big-four/
  47. Dos Pas­sos, USA-Tri­lo­gie, übers. Niko­laus Stingl und Dirk van Guns­te­ren, S. 1490

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