Kategorie

Literatur

L

Mordecai Richler — Eine Straße in Montreal

Mordecai Richler: Eine Straße in Montreal (ars vivendi, 2021)

Erinnerung und Befreiung Mordecai Richlers autobiografische Erzählungen über St. Urbain von Jörg Auberg   Das Mont­rea­ler Vier­tel um die St. Urbain Street war – dem kana­di­schen Film­re­gis­seur Ted Kot­cheff zufol­ge – für Mor­de­cai Rich­ler das, was für Wil­liam Faulk­ner Yokna­pa­taw­pha war: sei­ne Domä­ne der Erin­ne­rung und lite­ra­ri­schen Fik­ti­on.1 Hat­te er sich in sei­nem...

Philip Oltermann: The Stasi Poetry Circle

Der Club der roten Dichter Philip Oltermann erzählt die seltsame Geschichte eines Stasi-Poeten-Zirkels Wie aus grau­er Vor­zeit wabern die­se Wor­te in die Gegen­wart. »In einer Welt«, schrie­ben Max Hork­hei­mer und Theo­dor W. Ador­no 1950, »in der die Gedan­ken mehr als je in Zweck­zu­sam­men­hän­ge ver­floch­ten sind, genügt es nicht vom Frie­den zu reden. Man muß fra­gen, wer vom Frie­den...

Wolfgang Haug — Theodor Plievier: Anarchist ohne Adjektive

Wolfgang Haug: Theodor Plievier (Edition AV)

Der Autor in der Revolte Anmerkungen zu Wolfgang Haugs Biografie über Theodor Plievier von Jörg Auberg »Ein Autor muß sei­nem Stoff gewach­sen sein.« Theo­dor Plie­vier 1 In sei­ner volu­mi­nö­sen Stu­die Medi­en­in­tel­lek­tu­el­le in der Bun­des­re­pu­blik zähl­te der His­to­ri­ker Axel Schildt den Schrift­stel­ler Theo­dor Plie­vier (1892–1955) zur Grup­pe »ehemalige[r] kommunistische[r]...

Nanni Balestrini — Der Verleger

Nanni Balestrini: Der Verleger

Der Nebel des Grauens Über Nanni Balestrini, Giangiacomo Feltrinelli und verbrannte Hoffnungen Von Jörg Auberg  Plötz­lich war er ver­schwun­den. Der Text Nan­ni Bale­stri­nis soll­te etwas über die »Genera­ti­on von 1977« berich­ten, die Brü­cke von ver­gan­ge­nen Kämp­fen zu den Mög­lich­kei­ten der »Wider­stän­dig­keit« in der Gegen­wart und dar­über hin­aus schla­gen. Das Buch »Whe­re Have...

John Dos Passos — Anatomie einer Metamorphose

John Dos Passos: USA-Trilogie (Rowohlt, 2020)

Anatomie einer Metamorphose John Dos Passos’ Odyssee durch das 20. Jahrhundert von Jörg Auberg in memo­ri­am Lutz Schulenburg  (1953–2013) »Das Leben hat nur eine Form: das Vergessen.« Fran­cis Pica­bia 1 Wie vie­le Autoren präg­ten mich die »bes­ten Zei­ten« von John Dos Pas­sos. Nach Ernest Heming­way und Jack Kerou­ac und vor Wil­liam S. Bur­roughs war sei­ne USA-Tri­lo­gie mein...

Paul Auster — Unsichtbar

Paul Auster: Invisible (New York: Henry Holt, 2009)

Ein Dichter am Rande des Nervenzusammenbruchs Über Paul Austers Roman Unsichtbar Von Jörg Auberg   Auf dem Cover des Pica­dor-Ban­des mit dem Titel Collec­ted Pro­se, der auto­bio­gra­phi­sche Schrif­ten, Essays und kür­ze­re Tex­te Paul Aus­ters ver­sam­melt, prangt das schwarz­wei­ße Por­trait des Autors als 21-jäh­ri­ger Stu­dent der New Yor­ker Colum­bia-Uni­ver­si­tät aus dem Jah­re...

Paul Auster — White Spaces

Paul Auster: White Spaces (New York: New Directions, 2020)

Auster Vor Auster Rückblick auf Paul Austers frühe Poetische Versuche Von Jörg Auberg Ehe Paul Aus­ter in der Mit­te der 1980er Jah­re mit sei­ner New Yor­ker Tri­lo­gie zu einem »Shoo­ting Star« der US-ame­ri­ka­ni­schen Post­mo­der­ne auf­stieg, durch­leb­te er im Jahr­zehnt davor eine Exis­tenz als dich­ten­der Hun­ger­künst­ler. In einem sei­ner rück­bli­cken­den auto­bio­gra­fi­schen Tex­te...

James Joyce — Der Bogeyman der Moderne

James Joyce: Ulysses in der korrigierten Bodley-Head-Textversion (Everyman's Library)

Der Bogeyman der Moderne James Joyce und die Abgründe der Politik Von Jörg Auberg »When you tell the Irish that they are slow in reco­gni­zing their own men of geni­us they reply with street riots and poli­tics.«1 Ezra Pound, 1917 »I have no wish to codi­fy mys­elf as anar­chist or socia­list or reac­tion­a­ry.«2 James Joy­ce, 1907 Im Okto­ber 1939, als er Zuflucht in einem Pari­ser Hotel...

Barry Miles — Call Me Burroughs

Barry Miles: Call Me Burroughs (Twelve, 2014)

Der Autor als Entertainer Barry Miles‘ Burroughs-Biografie von Jörg Auberg In den letz­ten bei­den Deka­den sei­nes Lebens nutz­te Wil­liam S. Bur­roughs zahl­rei­che Gele­gen­hei­ten, an der eige­nen Legen­de als »Wild Bill Bur­roughs« und auteur mau­dit zu stri­cken und sich als lone wolf in der US-ame­ri­ka­ni­schen Lite­ra­tur dar­zu­stel­len, der gleich einem uner­schro­cke­nen...

William S. Burroughs — Naked Lunch: Die ursprüngliche Fassung

William S. Burroughs - Naked Lunch: Die ursprüngliche Fassung (Nagel & Kimche, 2009)

Burroughs Revisited Von den Schwierigkeiten der Kulturindustrie im Umgang mit einem »work in progress« Von Jörg Auberg Im Jah­re 1959 tauch­te Wil­liam S. Bur­roughs’ Anti-Roman Naked Lunch auf dem lite­ra­ri­schen Markt auf und riss den lan­ge ver­kann­ten Autoren aus der Obsku­ri­tät sei­nes bis­he­ri­gen Daseins. Betrach­te­ten die einen das Buch als obs­zö­nen, por­no­gra­fi­schen Schund...

William S. Burroughs — Retaking the Universe

Retaking the Universe (Pluto Press, 2004)

Dead Man Talking William S. Burroughs’ Rückkehr in die akademische Zone Von Jörg Auberg Bereits Jah­re bevor Wil­liam S. Bur­roughs (1914–1997) mit Naked Lunch mit einem Pau­ken­schlag auf der lite­ra­ri­schen Büh­ne erschien, war er eine pro­mi­nen­te Figur im lite­ra­ri­schen Betrieb. Jack Kerou­ac ver­ewig­te ihn als »Old Bull Lee« in sei­nem Roman On the Road (1957), wäh­rend Allen Gins­berg...

Herman Melville — Moby-Dick

Herman Melville: Moby-Dick (Diogenes, 2019)

Die See als Totenklage Ernst Schna­bels Moby-Dick-Variationen Von Jörg Auberg Von Moby-Dick hat­te Joseph Con­rad kei­ne hohe Mei­nung. »Kürz­lich hat­te ich Moby Dick [sic!] in der Hand«, schrieb er im Janu­ar 1907 an Hum­phrey Mil­ford. »Auf mich wirk­te es wie eine ziem­lich gezwun­ge­ne Rhap­so­die, die den Wal­fang zum Gegen­stand hat und in den gesam­ten 3 Bän­den nicht eine ein­zi­ge...

Costas Despiniadis: The Anatomist of Power und Peter Kuper: Kafkaesque

Kaf­ka Revisited Cos­tas Des­pi­nia­dis und Peter Kuper ent­de­cken die Kaf­ka-Welt aufs neue Von Jörg Auberg »Ich ver­ste­he nichts von Poli­tik«, sag­te Karl. »Das ist ein Feh­ler«, sag­te der Student. Franz Kaf­ka, Der Ver­schol­le­ne1 In sei­nen »Auf­zeich­nun­gen zu Kaf­ka« (die in den Jah­ren zwi­schen 1942 und 1953 ent­stan­den) bemerk­te Theo­dor W. Ador­no, dass Kaf­kas Werk...

Sigrid Hauser — Kafkas Raum im Zeitalter seiner digitalen Überwachbarkeit

Kafkas Lachen Sigrid Hauser wirft einen kritischen Blick auf die technologische Rationalität von Kontrolle und Manipulation im öffentlichen Raum von Jörg Auberg Kürz­lich wur­de einem aus­ge­bro­che­nen Mör­der sein Fai­ble für moder­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en zum Ver­häng­nis. Ehe er über die nie­der­län­di­sche Gren­ze flie­hen konn­te, orte­te ihn die Poli­zei über sein Han­dy und...

Das Erkalten der Moderne

Greg Barnhisel: Cold War Modernists (Columbia University Press, 2015)

Das Erkalten der Moderne   Die Rolle des Modernismus in den Auseinandersetzungen des Kalten Krieges von Jörg Auberg Als im Juni 1940 Paris, das »Labo­ra­to­ri­um des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts« (wie der Kunst­kri­ti­ker Harold Rosen­berg die fran­zö­si­sche Kapi­ta­le in einem Nekro­log nann­te), der nazis­ti­schen Gewalt­ma­schi­ne zum Opfer gefal­len war und die Inter­na­tio­na­le der...

Maike Albath: Trauer und Licht

Die Insel als Gegenraum Maike Albath untersucht die Literatur Siziliens Von Jörg Auberg »Von den Inseln kann man sich nicht ent­fer­nen, höchs­tens flie­hen, oder man möch­te sie nie mehr ver­las­sen.«1 Simo­ne Perot­ti, Atlas der Mittelmeerinseln Auf sei­ner ita­lie­ni­schen Rei­se insis­tier­te Goe­the in Paler­mo im April 1787, dass Ita­li­en ohne Sizi­li­en kein Bild in der See­le mache:...

Aus den Archiven: Maike Albath — Rom, Träume

Maike Albath: Rom, Träume (Berenberg, 2013)

Von Mussolini zu Berlusconi   In ihrem Buch Rom, Träume schildert Maike Albath die Entwicklung der italienischen Kultur vom Ende des Faschismus zu einer von Medienkonglomeraten beherrschten Gesellschaft. von Jörg Auberg   Nach dem Unter­gang des Faschis­mus in Ita­li­en wes­te das Unheil fort. Cin­eci­ttà – 1937 von Beni­to Mus­so­li­ni als fil­mi­sche Pro­pa­gan­da­fa­brik unter dem...

Aus den Archiven: Maike Albath — Der Geist von Turin

Maike Albath: Der Geist von Turin (Berenberg, 2010)

Der Glanz des Hauses Einaudi Maike Albath zeichnet in ihrem Buch Der Geist von Turin den Aufstieg und Fall des Verlagshauses Einaudi nach  von Jörg Auberg Der ita­lie­ni­sche Ver­lag Ein­au­di gehört zu den kul­tu­rel­len Insti­tu­tio­nen, die zwar noch immer exis­tie­ren und von einem legen­dä­ren Ruf zeh­ren, über die aber die Geschich­te mitt­ler­wei­le mit­leid­los hin­weg­ge­gan­gen ist...

Aktuelle Rezensionen

Tom Gauld: Revenge of the Librarians

Tom Gauld: Revenge of the Librarians

Auch Bücher können das Unglück heraufbeschwören. In Gustave Flauberts Erstlingswerk Bibliomanie (das auch als Bücherwahn übersetzt wurde) zerrt die Id

Bernd Eilert: Meine Île de Ré (Mare Verlag, 2022)

Bernd Eilert: Meine Île de Ré

Bretonisches Chill-Out Bernd Eilerts Hommage an die Île de Ré von Jörg Auberg Nachdem ich die erste Hälfte des Sommers (mehr oder minder) damit verbra

Peter Burschel: Die Herzog August Bibliothek (Insel, 2022)

Peter Burschel: Die Herzog August Bibliothek

Die Bibliothek zwischen Kultur und Barbarei Peter Burschels Geschichte der Herzog August Bibliothek In seiner Sozialgeschichte des Wissens beschrieb P

The Stasi Poetry Circle

Philip Oltermann: The Stasi Poetry Circle

Der Club der roten Dichter Philip Oltermann erzählt die seltsame Geschichte eines Stasi-Poeten-Zirkels Wie aus grauer Vorzeit wabern diese Worte in di

Reise durch Ruinen: Reportagen aus Deutschland und Österreich 1945

George Orwell: Reise durch Ruinen

In einer Welt der ungeheuerlichsten Verbrechen und Katastrophen George Orwells Reportagen aus deutschen Ruinenlandschaften In seinem letzten »Brief au

Um auf dem Laufenden zu bleiben …

Jörg Auberg - Writer, critic, editor, publisher