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Literatur

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Christian Brückner: Hinab in den Maelström

Christian Brückner mit dem Martin Auer Quintett: Hinab in den Maelström (Argon Verlag, 2023)

Im Maul des Abgrunds Marginalien zum Erzählkonzert »Hinab in den Maelström« von Jörg Auberg Der Begriff des Fort­schritts ist in der Idee der Kata­stro­phe zu fun­die­ren. Daß es ›so wei­ter‹ geht, ist die Kata­stro­phe. Sie ist nicht das jeweils Bevor­ste­hen­de son­dern das jeweils Gegebene. Wal­ter Ben­ja­min1   In sei­nem Stan­dard­werk zur Erfah­rung der Moder­ni­tät im 19. und 20...

Richard Brautigan: Forellenfischen in Amerika

Richard Brautigan - Forellenfischen in Amerika

Trouvailles (I) Vom Spiel mit dem Buch als Buch Nachbetrachtungen zu Richard Brautigans Roman »Forellenfischen in Amerika« von Jörg Auberg Kürz­lich erstand ich in dem exqui­sit bestück­ten Ver­sand­an­ti­qua­ri­at Abend­stun­de, das von Wolf­gang Schä­fer in Lud­wigs­ha­fen betrie­ben wird, ein Exem­plar von Richard Brau­tig­ans Roman Forel­len­fi­schen in Ame­ri­ka, der 1971 in der...

Richard Ford: Valentinstag

Endstation Realismus Richard Fords Pentalogie über die Mittelschichtsdämmerung  von Jörg Auberg In sei­nem drei Jah­re vor sei­nem selbst­ge­wähl­ten Tod erschie­nen Essay Was wird Lite­ra­tur? im Jah­re 2001 hielt der Lite­ra­tur­kri­ti­ker Lothar Bai­er der zeit­ge­nös­si­schen Lite­ra­tur einen »quie­tis­ti­schen Bie­der­sinn« vor. »Kri­tik im Sinn fun­da­men­ta­ler, von ana­ly­ti­schem...

Marseille Transfer

Jean Malaquais: Planet ohne Visum (Büchergilde Gutenberg, 2023)

Marseille Transfer Im Labyrinth von Exil und Widerstand während der 1940er Jahre von Jörg Auberg Prolog Im Okto­ber 1970 schrieb Alfred Kan­to­ro­wicz zur Vor­ge­schich­te sei­nes Erin­ne­rungs­bu­ches Exil in Frank­reich: Merk­wür­dig­kei­ten und Denkwürdigkeiten: Die wun­der­li­chen Umstän­de, die mein Ent­kom­men aus dem besieg­ten Frank­reich nach den USA ermög­lich­ten, lie­gen jetzt 30...

Thomas Pynchon: Sterblichkeit und Erbarmen in Wien

Thomas Pynchon: Sterblichkeit und Erbarmen in Wien (Jung und Jung, 2022)

Seit Jahr­zehn­ten grü­beln Pyn­cho­no­lo­gen dar­über, war­um Tho­mas Pyn­chon die Kurz­ge­schich­te »Mor­ta­li­ty and Mer­cy in Vien­na«, die er er 22-jäh­ri­ger Stu­dent im Früh­jahr 1959 im Stu­den­ten­ma­ga­zin Epoch der Cor­nell Uni­ver­si­ty ver­öf­fent­lich­te, nie­mals für eine Repu­bli­ka­ti­on in Betracht zog. Für den im Jah­re 1984 her­aus­ge­ge­be­nen Band Slow Lear­ner (dt...

Die Masken des Genies

Thomas Mann und seine Familie am Strand (© Thomas-Mann-Archiv/ETH-Bibliothek Zürich)

Die Masken des Genies Thomas Manns Exiljahre in Princeton und Kalifornien von Jörg Auberg In sei­ner Apho­ris­men­samm­lung Mini­ma Mora­lia insis­tier­te Theo­dor W. Ador­no, dass jeder Intel­lek­tu­el­le in der Emi­gra­ti­on aus­nahms­los beschä­digt sei und sich per­ma­nent die­ser Beschä­di­gung bewusst sein müs­se. »Er lebt in einer Umwelt, die ihm unver­ständ­lich blei­ben muß, auch wenn er...

Mordecai Richler — Eine Straße in Montreal

Mordecai Richler: Eine Straße in Montreal (ars vivendi, 2021)

Erinnerung und Befreiung Mordecai Richlers autobiografische Erzählungen über St. Urbain von Jörg Auberg   Das Mont­rea­ler Vier­tel um die St. Urbain Street war – dem kana­di­schen Film­re­gis­seur Ted Kotcheff zufol­ge – für Mor­de­cai Rich­ler das, was für Wil­liam Faul­k­ner Yokna­pa­taw­pha war: sei­ne Domä­ne der Erin­ne­rung und lite­ra­ri­schen Fik­ti­on.1 Hat­te er sich in sei­nem...

Philip Oltermann: The Stasi Poetry Circle

Der Club der roten Dichter Philip Oltermann erzählt die seltsame Geschichte eines Stasi-Poeten-Zirkels Wie aus grau­er Vor­zeit wabern die­se Wor­te in die Gegen­wart. »In einer Welt«, schrie­ben Max Hork­hei­mer und Theo­dor W. Ador­no 1950, »in der die Gedan­ken mehr als je in Zweck­zu­sam­men­hän­ge ver­floch­ten sind, genügt es nicht vom Frie­den zu reden. Man muß fra­gen, wer vom Frie­den...

Wolfgang Haug — Theodor Plievier: Anarchist ohne Adjektive

Wolfgang Haug: Theodor Plievier (Edition AV)

Der Autor in der Revolte Anmerkungen zu Wolfgang Haugs Biografie über Theodor Plievier von Jörg Auberg »Ein Autor muß sei­nem Stoff gewach­sen sein.« Theo­dor Plie­vier 1 In sei­ner volu­mi­nö­sen Stu­die Medi­en­in­tel­lek­tu­el­le in der Bun­des­re­pu­blik zähl­te der His­to­ri­ker Axel Schildt den Schrift­stel­ler Theo­dor Plie­vier (1892–1955) zur Grup­pe »ehemalige[r] kommunistische[r]...

Nanni Balestrini — Der Verleger

Nanni Balestrini: Der Verleger

Der Nebel des Grauens Über Nanni Balestrini, Giangiacomo Feltrinelli und verbrannte Hoffnungen Von Jörg Auberg  Plötz­lich war er ver­schwun­den. Der Text Nan­ni Bal­estri­nis soll­te etwas über die »Gene­ra­ti­on von 1977« berich­ten, die Brü­cke von ver­gan­ge­nen Kämp­fen zu den Mög­lich­kei­ten der »Wider­stän­dig­keit« in der Gegen­wart und dar­über hin­aus schla­gen. Das Buch »Whe­re Have...

John Dos Passos — Anatomie einer Metamorphose

John Dos Passos: USA-Trilogie (Rowohlt, 2020)

Anatomie einer Metamorphose John Dos Passos’ Odyssee durch das 20. Jahrhundert von Jörg Auberg in memo­ri­am Lutz Schulenburg  (1953–2013) »Das Leben hat nur eine Form: das Vergessen.« Fran­cis Pica­bia 1 Wie vie­le Autoren präg­ten mich die »bes­ten Zei­ten« von John Dos Pas­sos. Nach Ernest Heming­way und Jack Kerouac und vor Wil­liam S. Bur­roughs war sei­ne USA-Tri­lo­gie mein Beglei­ter...

Paul Auster — Unsichtbar

Paul Auster: Invisible (New York: Henry Holt, 2009)

Ein Dichter am Rande des Nervenzusammenbruchs Über Paul Austers Roman Unsichtbar Von Jörg Auberg   Auf dem Cover des Pica­dor-Ban­des mit dem Titel Coll­ec­ted Pro­se, der auto­bio­gra­phi­sche Schrif­ten, Essays und kür­ze­re Tex­te Paul Aus­ters ver­sam­melt, prangt das schwarz­wei­ße Por­trait des Autors als 21-jäh­ri­ger Stu­dent der New Yor­ker Colum­bia-Uni­ver­si­tät aus dem Jah­re...

Paul Auster — White Spaces

Paul Auster: White Spaces (New York: New Directions, 2020)

Auster Vor Auster Rückblick auf Paul Austers frühe Poetische Versuche Von Jörg Auberg Ehe Paul Aus­ter in der Mit­te der 1980er Jah­re mit sei­ner New Yor­ker Tri­lo­gie zu einem »Shoo­ting Star« der US-ame­ri­ka­ni­schen Post­mo­der­ne auf­stieg, durch­leb­te er im Jahr­zehnt davor eine Exis­tenz als dich­ten­der Hun­ger­künst­ler. In einem sei­ner rück­bli­cken­den auto­bio­gra­fi­schen Tex­te...

James Joyce — Der Bogeyman der Moderne

James Joyce: Ulysses in der korrigierten Bodley-Head-Textversion (Everyman's Library)

Der Bogeyman der Moderne James Joyce und die Abgründe der Politik Von Jörg Auberg »When you tell the Irish that they are slow in reco­gni­zing their own men of geni­us they rep­ly with street riots and poli­tics.«1 Ezra Pound, 1917 »I have no wish to codi­fy mys­elf as anar­chist or socia­list or reac­tion­a­ry.«2 James Joy­ce, 1907 Im Okto­ber 1939, als er Zuflucht in einem Pari­ser Hotel...

Barry Miles — Call Me Burroughs

Barry Miles: Call Me Burroughs (Twelve, 2014)

Der Autor als Entertainer Barry Miles‘ Burroughs-Biografie von Jörg Auberg In den letz­ten bei­den Deka­den sei­nes Lebens nutz­te Wil­liam S. Bur­roughs zahl­rei­che Gele­gen­hei­ten, an der eige­nen Legen­de als »Wild Bill Bur­roughs« und auteur mau­dit zu stri­cken und sich als lone wolf in der US-ame­ri­ka­ni­schen Lite­ra­tur dar­zu­stel­len, der gleich einem uner­schro­cke­nen...

William S. Burroughs — Naked Lunch: Die ursprüngliche Fassung

William S. Burroughs - Naked Lunch: Die ursprüngliche Fassung (Nagel & Kimche, 2009)

Burroughs Revisited Von den Schwierigkeiten der Kulturindustrie im Umgang mit einem »work in progress« Von Jörg Auberg Im Jah­re 1959 tauch­te Wil­liam S. Bur­roughs’ Anti-Roman Naked Lunch auf dem lite­ra­ri­schen Markt auf und riss den lan­ge ver­kann­ten Autoren aus der Obsku­ri­tät sei­nes bis­he­ri­gen Daseins. Betrach­te­ten die einen das Buch als obs­zö­nen, por­no­gra­fi­schen Schund...

William S. Burroughs — Retaking the Universe

Retaking the Universe (Pluto Press, 2004)

Dead Man Talking William S. Burroughs’ Rückkehr in die akademische Zone Von Jörg Auberg Bereits Jah­re bevor Wil­liam S. Bur­roughs (1914–1997) mit Naked Lunch mit einem Pau­ken­schlag auf der lite­ra­ri­schen Büh­ne erschien, war er eine pro­mi­nen­te Figur im lite­ra­ri­schen Betrieb. Jack Kerouac ver­ewig­te ihn als »Old Bull Lee« in sei­nem Roman On the Road (1957), wäh­rend Allen Gins­berg...

Herman Melville — Moby-Dick

Herman Melville: Moby-Dick (Diogenes, 2019)

Die See als Totenklage Ernst Schna­bels Moby-Dick-Variationen Von Jörg Auberg Von Moby-Dick hat­te Joseph Con­rad kei­ne hohe Mei­nung. »Kürz­lich hat­te ich Moby Dick [sic!] in der Hand«, schrieb er im Janu­ar 1907 an Hum­phrey Mil­ford. »Auf mich wirk­te es wie eine ziem­lich gezwun­ge­ne Rhap­so­die, die den Wal­fang zum Gegen­stand hat und in den gesam­ten 3 Bän­den nicht eine ein­zi­ge...

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Jörg Auberg - Writer, critic, editor, publisher