
Schon früh sah sich Gustave Flaubert als Genie, empfahl aber bei der Nennung dieses Begriffs, den Seufzer »Das Genie ist eine Neurose!« hinzuzufügen.
Furien des Verschwindens Anmerkungen zu einer Anthologie der »Intellectual History« nach 1968 von Jörg Auberg »Wie der Intellektuelle es macht, macht er es falsch.« Theodor W. Adorno 1 Im Wortschatz der New Yorker Intellektuellen, bemerkte Eugene Goodheart in einem kurzen Abriss ihrer Geschichte, bezeichnete der Begriff »Akademiker« stets das...
Der Autor in der Revolte Anmerkungen zu Wolfgang Haugs Biografie über Theodor Plievier von Jörg Auberg »Ein Autor muß seinem Stoff gewachsen sein.« Theodor Plievier 1 In seiner voluminösen Studie Medienintellektuelle in der Bundesrepublik zählte der Historiker Axel Schildt den Schriftsteller Theodor Plievier (1892–1955) zur Gruppe »ehemalige[r] kommunistische[r]...
Die Brüder Scholem Micha Brumlik über die Geschichte der Familie Scholem von Micha Brumlik Nach ihm ist in Berlin weder ein Platz noch eine Straße benannt – anders bei seinem lebenslangen Freund Walter Benjamin, der 1940 auf der Flucht vor den Nazis durch Freitod gestorben ist. Dabei war und ist Gershom Scholem der berühmteste Erforscher der jüdischen Mystik; geboren...
Fatale Kontinuitäten Über Axel Schildts Studie der »Medien-Intellektuellen« in der Bonner Republik von Jörg Auberg »Der Intellektuelle ist ein paradoxes Wesen.« Pierre Bourdieu 1 Im Sommer 1974 erstand Paul Auster nach seiner Rückkehr aus Frankreich in die USA von einem Freund eine gebrauchte Olympia-Reiseschreibmaschine, da seine vorherige Hermes...
Eine dunkle Dame in Manhattan Marginalien zu Benjamin Mosers Biografie über Susan Sontag Von Jörg Auberg In einem wegweisenden Essay unter dem Titel »The Dark Lady of Salem« bezeichnete Philip Rahv, einer der Gründer und Mitherausgeber der legendären Zeitschrift Partisan Review, Nathaniel Hawthorne als den »Romancier der Sünde«, dessen literarischer Kosmos von...
Der Nebel des Grauens Über Nanni Balestrini, Giangiacomo Feltrinelli und verbrannte Hoffnungen Von Jörg Auberg Plötzlich war er verschwunden. Der Text Nanni Balestrinis sollte etwas über die »Generation von 1977« berichten, die Brücke von vergangenen Kämpfen zu den Möglichkeiten der »Widerständigkeit« in der Gegenwart und darüber hinaus schlagen. Das Buch »Where Have...
Anatomie einer Metamorphose John Dos Passos’ Odyssee durch das 20. Jahrhundert von Jörg Auberg in memoriam Lutz Schulenburg (1953–2013) »Das Leben hat nur eine Form: das Vergessen.« Francis Picabia 1 Wie viele Autoren prägten mich die »besten Zeiten« von John Dos Passos. Nach Ernest Hemingway und Jack Kerouac und vor William S. Burroughs war seine USA-Trilogie mein Begleiter...
Eine graue Eminenz in New York Lucy Dawidowicz und die »Verteidigung aller Juden« von Jörg Auberg In den einschlägigen Historiografien über die New Yorker Intellektuellen1 taucht Lucy Dawidowicz‘ Name nicht auf. Obwohl in den 1970er Jahren ihre Studie The War Against the Jews 1933–1945 zum Bestseller wurde und die »ethnische Wende« vieler New Yorker...
Spuren der Vergangenheit Andrew Rubin analysiert die intellektuelle Kultur im Zeitalter des Kalten Krieges von Jörg Auberg Als die amerikanische Zeitschrift Ramparts im Jahre 1967, auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs, die Abhängigkeit vieler westlicher Intellektueller vom amerikanischen Geheimdienst CIA offenlegte, war die Empörung groß. Nach dem Ende des Zweiten...
Das Szondi-Projekt Über Hans-Christian Riechers »intellektuelle Biographie« Peter Szondis von Jörg Auberg Als ich zu Beginn der 1980er Jahre mein Studium am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in West-Berlin aufnahm, schwebte noch der Geist Peter Szondis durch die alte Institutsvilla. Den Dozenten und Dozentinnen kam sein Name nur in einem...
Banalitäten aus dem Nirgendwo Marc Degens und die Autofiktion eines Schreibenden von Jörg Auberg In den Jahren zwischen 2014 und 2018 begleitete Marc Degens, Schriftsteller und Leiter des Sukultur-Verlages in Berlin, seine Frau Alexandra nach Kanada, wo sie das Auslandsbüro des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) leitete. »Ihre Tätigkeit war mit...
Vor einigen Jahren warfen Jörg Schröder und Barbara Kalender einen »fremden Blick« auf die von der Herrschaft der Industrie gemodelte Landschaft, in der sich »Industriekapitäne« ihre Prunkvillen auf das Werkgelände stellen ließen, »um ihren kleinen Sklavenstaat ständig überwachen zu können«. Zu diesem »fremden Blick« durch das Objektiv einer Kamera ist Schmidt offenbar nicht fähig oder gewillt.
Ein Dichter am Rande des Nervenzusammenbruchs Über Paul Austers Roman Unsichtbar Von Jörg Auberg Auf dem Cover des Picador-Bandes mit dem Titel Collected Prose, der autobiographische Schriften, Essays und kürzere Texte Paul Austers versammelt, prangt das schwarzweiße Portrait des Autors als 21-jähriger Student der New Yorker Columbia-Universität aus dem Jahre...
Auster Vor Auster Rückblick auf Paul Austers frühe Poetische Versuche Von Jörg Auberg Ehe Paul Auster in der Mitte der 1980er Jahre mit seiner New Yorker Trilogie zu einem »Shooting Star« der US-amerikanischen Postmoderne aufstieg, durchlebte er im Jahrzehnt davor eine Existenz als dichtender Hungerkünstler. In einem seiner rückblickenden autobiografischen Texte...
Der Bogeyman der Moderne James Joyce und die Abgründe der Politik Von Jörg Auberg »When you tell the Irish that they are slow in recognizing their own men of genius they reply with street riots and politics.«1 Ezra Pound, 1917 »I have no wish to codify myself as anarchist or socialist or reactionary.«2 James Joyce, 1907 Im Oktober 1939, als er Zuflucht in einem Pariser Hotel...
Der Autor als Entertainer Barry Miles‘ Burroughs-Biografie von Jörg Auberg In den letzten beiden Dekaden seines Lebens nutzte William S. Burroughs zahlreiche Gelegenheiten, an der eigenen Legende als »Wild Bill Burroughs« und auteur maudit zu stricken und sich als lone wolf in der US-amerikanischen Literatur darzustellen, der gleich einem unerschrockenen...
Burroughs Revisited Von den Schwierigkeiten der Kulturindustrie im Umgang mit einem »work in progress« Von Jörg Auberg Im Jahre 1959 tauchte William S. Burroughs’ Anti-Roman Naked Lunch auf dem literarischen Markt auf und riss den lange verkannten Autoren aus der Obskurität seines bisherigen Daseins. Betrachteten die einen das Buch als obszönen, pornografischen Schund...